400px|mini|Ende des 1. Makkabäerbuchs im Codex Sinaiticus, 4. Jahrhundert, mit Coronis (gekreuzten Zierlinien) und Buchtitel (British Library, Add MS 43725, fol. 33 v.)

Das erste Buch der Makkabäer (Eus., hist. eccl. VI,25,2: »ἐστὶ τὰ Μακκαβαϊκὰ, ἅπερ ἐπιγέγραπται Σαρβηθσαβαναιελ«. Siegfried Kreuzer stellt die These auf, dass die Transkription Σαρβηθσαβαναιελ auf hebräisches ספד בית חשמונאים,ספר בית ישראל oder שרבת שר בני אל zurückgeht. (vgl. Kreuzer, Siegfried, Einleitung in die Septuaginta, München 2023, 301), abgekürzt 1 Makk) gehört zu den Spätschriften des Alten Testaments. Es wurde ursprünglich entweder auf Hebräisch oder Aramäisch geschrieben, ist aber nur in griechischer Fassung erhalten. Das Werk schildert den Aufstieg der Herrscherfamilie der Hasmonäer (oder Makkabäer), denen der Verfasser sehr nahesteht. Die heutige Forschung sieht darin fast konsensual pro-hasmonäische Propaganda; die Historizität der berichteten Ereignisse wird besonders dort in Frage gestellt, wo die Handlung nach Vorbildern in der Hebräischen Bibel stilisiert ist. Inhaltlich bestimmt den Text, dass Judäa unter Führung der Hasmonäer parallel zum Niedergang des Seleukidenreichs in wechselvollen Kämpfen seine Unabhängigkeit erringt. Die hasmonäischen Brüder Jonatan Apphus und Simon Thassi wurden von seleukidischen Herrschern in ihren Ämtern (auch im Hohepriesteramt) bestätigt und in die seleukidische Verwaltung integriert, womit die seleukidische Oberherrschaft von den Hasmonäern implizit anerkannt wurde. Das Geschichtsbild ist der deuteronomistischen Schule verpflichtet; kennzeichnend ist, dass zentrale Passagen durch poetische Sprache hervorgehoben werden.

Das jüdische Fest Chanukka nimmt auf Ereignisse Bezug, die im ersten Buch der Makkabäer geschildert werden (die Altarweihe und die Etablierung eines alljährlichen Gedenkfestes in ); trotzdem hat das Werk im Judentum keinen kanonischen Rang, ebenso wenig wie in den Kirchen der Reformation oder in der Russisch-Orthodoxen Kirche.

Verfasser, Abfassungszeit und -ort mini|Bronzemünze des Johannes Hyrkanos I.Kunsthistorisches Museum Wien, Münzkabinett: Johannes Hyrkanos (135–104 v. Chr.). Zu seiner Regierungszeit wurde das 1. Makkabäerbuch verfasst, das die Herrschaft seiner Familie begründen sollte.

Der Verfasser des 1. Makkabäerbuchs schrieb nach dem Regierungsantritt des Johannes Hyrkanos I. (Terminus post quem: 135/34 v. Chr.). Die ungebrochen positive Darstellung Roms macht sehr wahrscheinlich, dass das Werk vor dem Auftreten des Pompeius in Jerusalem verfasst wurde (Terminus ante quem: 63 v. Chr.). Nach Meinung von Helmut Engel ist eine Abfassung am Ende der Regierung Johannes Hyrkanos’ I. oder zu Beginn der Regierung des Alexander Jannäus anzunehmen, also um 100 v. Chr.Helmut Engel: Die Bücher der Makkabäer, Stuttgart 2016, S. 397. Johannes Christian Bernhardt befürwortet eine Entstehung in den ersten Regierungsjahren Johannes Hyrkanos’ I. um 130 v. Chr.Johannes Christian Bernhardt: Die Jüdische Revolution: Untersuchungen zu Ursachen, Verlauf und Folgen der Hasmonäischen Erhebung. De Gruyter, Berlin 2017, S. 41f. Als Abfassungsort ist Jerusalem wahrscheinlich., hier Sp. 703. Die Übersetzung ins Griechische erfolgte kurz darauf, wahrscheinlich ebenfalls in Judäa.Michael Tilly: 1 Makkabäer, Freiburg im Breisgau 2015, S. 48.

Hebräisches oder aramäisches Original Das erste Makkabäerbuch wurde ursprünglich auf Hebräisch oder Aramäisch verfasst. Dieses Original ist heute verloren, war aber den altkirchlichen Autoren Origenes und Hieronymus noch bekannt.Hieronymus: Prologus galeatum in libro Regum. Gegen Aramäisch und für Hebräisch spricht die Häufigkeit hebraisierender Satzkonstruktionen und die sprachliche Nähe zu Tora und Neviim, um die sich der Verfasser immer wieder bemüht.Michael Tilly: 1 Makkabäer, Freiburg im Breisgau 2015, S. 46.

Origenes transkribierte den originalen Titel in das Griechische als . Es gibt verschiedene Vorschläge, welche hebräischen oder aramäischen Worte dahinter stehen könnten und wie der Titel zu übersetzen ist:Helmut Engel: Die Bücher der Makkabäer, Stuttgart 2016, S. 391. Die Vorschläge unterscheiden sich darin, ob in der ersten Silbe sar eine entstellte Form von „Buch“ erkannt wird. Falls nicht, liegt „Fürst“ nahe.

„Buch des Hauses Haschmonai“ (Gustaf Dalman); „Buch der Dynastie der Gottesstreiter“ (Jonathan A. Goldstein); [Buch über den] „Aufstand des Gottesheeres“ (Félix-Marie Abel); [Buch über den] „Fürsten des Hauses Gottes“, nämlich Simon Makkabäus, vergleiche (Klaus-Dietrich Schunck); [Buch über den] „Fürsten des Hauses der Söhne des Tapferen“ (Werner Dommershausen).

Makkabäer und Hasmonäer Die Hauptperson Judas Makkabaios trägt nach damaliger Sitte wie alle seine Brüder einen Beinamen (Jonatan: Apphus; Simon: Thassi). Die Deutung von ist unklar. Zugrunde liegt der aramäische Name , der mit „Hammer“ zusammenhängt. Aufgrund welcher Eigenschaften Judas als „hammerartig“ oder „Hämmerer“ bezeichnet wurde, ist unbekannt. Eine weitere Deutung erwägt Stephanie von Dobbeler: Der Name sei ein Akronym M-K-B-J von hebräisch „Wer ist dir gleich unter den Mächtigen, JHWH?“ ().Stephanie von Dobbeler: Geschichte und Geschichten. Der theologische Gehalt und die politische Problematik von 1 und 2 Makkabäer. In: Bibel und Kirche 57/2 (2002), S. 62–67, hier S. 62. Für Michael Tilly ist die Deutung als Akronym „als spekulativ abzulehnen“.Michael Tilly: 1 Makkabäer, Freiburg im Breisgau 2015, S. 92. Als der Beiname des Judas (Singular) nachträglich auch auf andere Familienmitglieder übertragen wurde, wurde er als Plural aufgefasst: die Makkabäer. Das ist bei dem Buchtitel der in christlicher Zeit entstandenen Septuaginta-Codices vorausgesetzt.

Während die Bezeichnung der Dynastie als Makkabäer also von einem Beinamen des Judas ausgeht, greift der Name Hasmonäer weiter in die Vergangenheit zurück; der Jerusalemer Priester Haschmonai, griechisch , war (nach Flavius Josephus) der Großvater des Judas Makkabäus und seiner Brüder beziehungsweise der Vater des Landpriesters Mattatias.Flavius Josephus: Jüdische Altertümer 12, 265; Jüdischer Krieg 1, 36. Josephus scheint die Bezeichnung Makkabäer nicht zu kennen. Folker Siegert fasst zusammen: Von Makkabäern im Plural sprechen ausschließlich christliche Texte. „Jüdische Quellen nennen nur Judas Makkabäus selbst mit diesem Namen, seine Familie jedoch ‚Hasmonäer‘; so auch die Geschichtsschreibung seither.“Folker Siegert: Einleitung in die hellenistisch-jüdische Literatur. Apokrypha, Pseudepigrapha und Fragmente verlorener Autorenwerke. De Gruyter, Berlin/Boston 2016, S. 178.

Vier Makkabäerbücher Das griechische Alte Testament (Septuaginta) enthält vier verschiedenartige, ursprünglich selbständige Schriften, die als Makkabäerbücher betitelt werden; nur das 1. Buch der Makkabäer wurde ursprünglich hebräisch/aramäisch geschrieben, die übrigen entstanden griechisch:

1. Buch der Makkabäer: Hasmonäische Hofgeschichtsschreibung, erzählt die militärischen Erfolge im Kampf gegen die Seleukiden und den Aufstieg der Dynastie bis zu Simon Makkabäus; 2. Buch der Makkabäer: Zusammenfassung eines Geschichtswerks des Jason von Kyrene, behandelt den Zeitraum vom Beginn des Aufstands gegen die Seleukiden bis zum Sieg über Nikanor (161 v. Chr.); 3. Buch der Makkabäer: Handelt von einer früheren Verfolgung, der die jüdische Diaspora in Ägypten ausgesetzt war, und deren Rettung in einem Fest gedacht wurde; 4. Buch der Makkabäer: Philosophischer Traktat über die „Selbstherrschaft der Urteilskraft“, das die aus dem 2. Buch bekannten Märtyrerbrüder als Exempla seiner Ausgangsthese vorstellt und ihre Qualen zu diesem Zweck detailreich ausmalt.Wolfgang Kraus, Martin Karrer (Hrsg.): Septuaginta Deutsch. Das griechische Alte Testament in deutscher Übersetzung, Stuttgart 2009, S. 731 (Einleitung zu Makkabaion IV).

Das 2. Makkabäerbuch ist etwas älter als das 1. Makkabäerbuch, es behandelt einen kürzeren Zeitabschnitt mit teilweise abweichender Reihenfolge der Ereignisse. An historischen und geographischen Details wenig interessiert, stellt es die großen Taten des Judas Makkabäus heraus, wahrt aber eine kritische Distanz zur Hasmonäerdynastie. Damit bildet es ein Korrektiv zum stark prohasmonäischen 1. Makkabäerbuch.Michael Tilly: 1 Makkabäer, Freiburg im Breisgau 2015, S. 50 f.

Textüberlieferung Das 1. Makkabäerbuch wurde nur in seiner griechischen Fassung (und davon abhängigen Übersetzungen) und nur im christlichen Traditionsraum überliefert. Die wichtigsten Textzeugen sind die großen Majuskelcodices Sinaiticus (4. Jahrhundert, siehe Foto zu Beginn des Artikels), Alexandrinus (5. Jahrhundert) und Venetus (8. Jahrhundert); im Codex Vaticanus fehlen die Makkabäerbücher. Die im 2. Jahrhundert n. Chr. angefertigte lateinische Übersetzung (Vetus Latina, nicht von Hieronymus) zeigt eine relative Eigenständigkeit, da der Übersetzer einen besseren griechischen Text als Vorlage nutzen konnte, als er in den erhaltenen Codices vorliegt, und möglicherweise auch die hebräische Vorlage verglich.Michael Tilly: 1 Makkabäer, Freiburg im Breisgau 2015, S. 49.

Inhalt Hellenisierung, Religionsverfolgung und Aufstand hochkant|mini|Büste Antiochos IV. (Altes Museum, Berlin)Staatliche Museen zu Berlin, SMB-digital: Porträt des Antiochos IV. von Syrien

Der Prolog umfasst die beiden ersten Kapitel. Zunächst wird der weltgeschichtliche Rahmen skizziert: Aufstieg und Tod Alexanders des Großen, Teilung seines Reichs unter den Nachfolgern (Diadochen). Mit wird der Seleukidenherrscher Antiochos IV. Epiphanes eingeführt. beschreibt, wie maßgebliche Jerusalemer Kreise sich der hellenistischen Kultur öffnen; für den Verfasser ist dies ein Abfall von Bund und Tora, der aus seiner Sicht mehrere katastrophale Ereignisse zur Folge hatte:Helmut Engel: Die Bücher der Makkabäer, Stuttgart 2016, S. 393.

Antiochos plünderte den Jerusalemer Tempel; er ließ eine Burg (Akra) bauen, mit der er das Tempelgelände kontrollierte, und legte eine heidnische Besatzung hinein; Antiochos griff die jüdischen Religionspraxis an sich an, indem er eine heidnische Opferpraxis (mit Schweineopfern) obligatorisch machte, jüdische Sabbate und Feste sowie die Beschneidung neugeborener Jungen verbot.

Kapitel 2 stellt den jüdischen Priester Mattatias vor; er wohnte auf dem Land in Modeïn und hatte fünf Söhne. Nach dem Vorbild der biblischen Gestalt Pinchas „eiferte“ er für die Tora:Michael Tilly: 1 Makkabäer, Freiburg im Breisgau 2015, S. 97. er weigerte sich, nach heidnischem Ritus zu opfern, tötete einen Juden, der sich anschickte, dies zu tun, und den königlichen Abgesandten, der die Bevölkerung von Modeïn zu solchen Opfern aufgerufen hatte. Daraufhin floh er mit seinen Söhnen und Gleichgesinnten in die Wüste. Eine Gruppe von toratreuen Juden wurde von den Soldaten des Königs getötet, weil sie sich in Höhlen in der Wüste zurückgezogen hatte und am Sabbat nicht kämpfen wollte. Die Gruppe um Mattatias zog daraus den Schluss: Es ist erlaubt, sich am Sabbat gegen Angreifer zu verteidigen. Diese halachische Position zu begründen, ist für 1 Makk wichtig.Michael Tilly: 1 Makkabäer, Freiburg im Breisgau 2015, S. 99. Die Aufständischen hatten Zulauf aus der Bevölkerung, zerstörten heidnische Kultstätten und drängten die Gegenpartei zurück. Mattatias starb friedlich im hohen Alter, nachdem er seinen letzten Willen verkündet hatte, und wurde in Modeïn begraben. Möglicherweise ist Mattatias, der in anderen Quellen nicht genannt wird (Josephus ist von 1 Makk abhängig) eine fiktive Erzählfigur, die für den Anfang der Dynastie steht und den Bezug zum Ort Modeïn herstellt, der als Grablege der Makkabäerbrüder wichtig war.Michael Tilly: 1 Makkabäer, Freiburg im Breisgau 2015, S. 92.

Judas Makkabäus Ab Kapitel 3 wird die erste Generation der Hasmonäer vorgestellt: die Söhne des Mattatias, von denen Judas Makkabäus, Jonatan Apphus und Simon Thassi erfolgreiche Militärführer der Aufständischen wurden.