Atiyyat al-Abnudi, auch Ateyyat El Abnoudy ( , geborene Atiyyat Awad Mahmud Khalil ; geboren 26. Oktober 1939 in El Senbellawein; gestorben 5. Oktober 2018) war eine ägyptische Journalistin, Rechtsanwältin, Schauspielerin, Filmproduzentin und Regisseurin.Rebecca Hillauer: Encyclopedia of Arab Women Filmmakers. ISBN 9774249437, S. 43 (). Al-Abnudi war eine der Pionierinnen des ägyptischen Dokumentarfilms und galt als die „Filmemacherin der armen Leute“.
Biographie Frühe Jahre und Ausbildung Atiyyat al-Abnudi wurde als Kind einer Arbeiterfamilie in einem kleinen Ort im Gouvernement ad-Daqahliyya im Norden des Nildeltas geboren. Sie hatte drei Schwestern und drei Brüder; sie war die einzige der Schwestern, die einen Schulabschluss erreichte. Sie studierte Jura an der Universität Kairo, was ihr durch Bildungsreformen im Zuge des Nasserismus möglich wurde. Um ihr Studium zu finanzieren, arbeitete sie als Schauspielerin und übernahm am Theater verschiedene Funktionen, so als Regie-Assistentin und als Bühnenleiterin. Während ihres Studiums lernte sie ihren zweiten Ehemann, den Journalisten und Dichter Abd ar-Rahman Abnudi kennen, mit dem sie bis Anfang der 1990er liiert war. Durch ihn bekam sie Kontakt zu einem Kreis aus Schriftstellern, Dichtern und anderen ägyptischen Künstlern.
Berufliche Laufbahn 1972 absolvierte al-Abnudi das Cairo Higher Institute of Cinema. 1976 machte sie einen weiteren Abschluss an der National Film and Television School im britischen Beaconsfield, wo sie mit einem Stipendium des British Council drei Jahre lang studierte. Enchanted Jewelry Of Egypt : The Traditional Art and Craft. S. 13 (). Obwohl sie dort eine Arbeitserlaubnis und auch Angebote erhielt, kehrte sie aus Heimweh nach Ägypten zurück. Sie habe sich in England sehr einsam gefühlt und ihre dortige Umgebung als „kalt“ empfunden, was sich nicht auf das Wetter beziehe.Rebecca Hillauer: Encyclopedia of Arab Women Filmmakers. ISBN 9774249437, S. 46 (). Zurück in Ägypten arbeitete sie als Journalistin und verfasste vier Bücher, darunter 2012 The Third Cinema, in dem sie sich mit der Geschichte des Kinos beschäftigte.
Als Filmemacherin entwickelte Al-Abnudi ein besonderes Interesse am Leben der Armen in Ägypten, insbesondere derer in Kairo. Sie erhielt die Beinamen „Filmemacherin der armen Leute“ sowie „Mutter der Dokumentarfilme“ und inspirierte weitere arabische Frauen, in ihre Fußstapfen zu treten. Sie war die erste ägyptische Frau, die eine eigene Produktionsfirma – Abnudi Film – leitete, und die andere Filmemacher mit ähnlichen Zielsetzungen wie den ihren unterstützte. Das gesamte technische Equipment war ihr Eigentum, so dass sie Filme mit kleinem Budget drehen konnte und nicht von Geldgebern und deren inhaltlichen Wünschen abhängig war.
1972 schuf Atiyyat al-Abnudi ihren ersten Dokumentarfilm Hosan al-Tin (Schlammpferd), der gleichzeitig der erste von einer Frau gedrehte ägyptische Dokumentarfilm war. Er zeigt die harte und eintönige Arbeit von Frauen und Männern (und Tieren) in einer Ziegelei. Ihr Film Permissible Dreams (Mögliche Träume, 1983), in dem eine Frau aus der Region des Sueskanals porträtiert wird, war eine deutsch-ägyptische Produktion. Im Film Buyers and Sellers (Der eine verkauft und der andere kauft, 1992) stellt sie dar, wie skrupellose Grundstückshändler der Landbevölkerung deren Grund und Boden abschwatzen; auf den unter Wert erworbenen Grundstücken entstanden Hotels, die ihre Besitzer reich machten. Der ägyptische Filmemacher Tamer el-Said: „Sie wollte denen eine Stimme geben, die im offiziellen Narrativ nie zu Wort kamen. Sie hat benachteiligte Menschen immer verteidigt, aber sie hat sie zugleich nie als Opfer präsentiert, sondern ihre Stärken gesehen und gezeigt.“ In Days of Democracy aus dem Jahre 1996 interviewte sie Frauen, die für das ägyptische Parlament kandidierten.
Da sich die Filme von Atiyyat Al-Abnudi vorrangig mit politischen, sozialen und ökonomischen Problemen in Ägypten beschäftigten, bekam sie seit der Ära von Präsident Sadat Probleme mit der Zensur, besonders nachdem 1976 ein strengeres Gesetz zur Filmzensur erlassen worden war. In der Folge erhielt sie keine finanzielle Unterstützung durch den ägyptischen Staat. 2008 strahlte der Fernsehsender Al Jazeera ein Porträt (Days of Documentary) über sie aus. Sie war Mitglied der Jury des Internationalen Filmfestivals Mannheim-Heidelberg, Vorsitzende der internationalen Jury bei den Internationalen Kurzfilmtagen Oberhausen und Jurymitglied bei weiteren Festivals.
„Die ägyptische Filmemacherin Atteyat al-Abnoudy gab denjenigen eine Stimme, die der Staat vergessen hatte – und bewahrte ihren Stolz und Integrität. In ihrem Werk entsteht ein Bild sozialer Ungerechtigkeiten in Ägypten seit den 1970er Jahren“, schrieb der deutsche Journalist und Arabist Christopher Resch. Ihr filmischer Nachlass befindet sich im Archiv in der Initiative Cimatheque in Kairo, das al-Abnoudy mitinitiiert hat. 2019 wurde im Berliner Kino Arsenal eine Retrospektive ihrer Filme gezeigt.
Nominierungen und Auszeichnungen (Auswahl) Atiyyat al-Abnudi erhielt mehr als 30 Auszeichnungen für ihre 22 Filme, darunter: 1971: Preise beim Internationalen Filmfestival Mannheim-Heidelberg und beim Damascus International Film Festival 1972: Preis der französischen Kritiker beim Grenoble Film Festival 1990: Best Co-Production Prize beim Valencia Film Festival 1992: Egyptian Film Critics Prize beim Ismailia International Documentary & Short Film Festival 1998: Ehrung beim National Film Festival, Ägyptisches Ministerium für Kultur
Filmographie
Literatur
Weblinks
Einzelnachweise und Anmerkungen
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