Das Herz der 6. Armee ist ein Kriegs-, Arzt- und Liebesroman von Heinz G. Konsalik aus dem Jahr 1964, der vor dem Hintergrund der Schlacht von Stalingrad spielt. Neben seinem bekanntesten Werk Der Arzt von Stalingrad ist dies sein zweites Buch, welches sich mit den dramatischen Schicksalen von Angehörigen der 6. Armee in einer der größten Materialschlachten des Zweiten Weltkriegs auseinandersetzt. mini|Briefmarke zum Jahrestag der Stalingradschlacht mini|hochkant|Nachkoloriertes Symbolbild eines Grenadiers bei der Schlacht von Stalingrad mini|Panzersoldat vor dem Getreidesilo bei der Schlacht von Stalingrad

Inhalt

Handlung Der Roman beginnt am 31. Oktober 1942. Die militärische Lage in der Schlacht von Stalingrad ist auf fatale Weise festgefahren, und die Lebensumstände sowohl der Soldaten auch der in der Trümmerstadt festgehaltenen russische Zivilbevölkerung sind fürchterlich. Das Leben und Überleben unter primitivsten Bedingungen findet hauptsächlich in Kellern und im toten Winkel der Artillerie statt. Während sich die 62. Armee mit ihren Gefechtsständen, Funkstellen, Unterkünften und Sanitätsbunkern nur noch auf einem sehr kleinen Streifen am westlichen Steilufer der Wolga behaupten kann, ist die 6. Armee nicht mehr in der Lage, ihren Angriff fortzuführen. Die Kämpfe sind unglaublich hart und verbissen und entscheiden sich oft im Nahkampf mit Handgranate, Klappspaten und Flammenwerfer.

Im Hintergrund läuft auf sowjetischer Seite die Operation Uranus an, und die Russen hoffen auf einen vorzeitigen Wintereinbruch, verbunden mit dem Zufrieren der Wolga, damit gepanzerte Reserven in großer Zahl auf das westliche Ufer verlegt werden und damit der Schlachtausgang beeinflusst werden können.

Der letzte deutsche Angriff auf Widerstandsnester im Stalingrader Industriekomplex ist zusammengebrochen. Dabei wurden fünf Sturmpionierbataillone vernichtet. Die Rote Armee unter der Führung von Major Kubowski erhält den Befehl, um jeden Preis die Eisenbahnschleife „Tennisschläger“der „Tennisschläger“ gehörte zu den Gleisanlagen des Bahnhofs Stalingrad und wurde von Piloten wegen seiner charakteristischen Form so genannt; in Rainer Müller: Die Schlacht von Stalingrad. Facharbeit Schule. 1997„Tennisschläger“ lag im Gefechtsabschnitt der niedersächsischen 295. Infanterie-Division und 284. Sibirischen Schützen-Division, welcher lange Zeit von Scharfschützen beherrscht war, zwischen Mamajew-Hügel und Wolga, zu halten. Dabei werden sie in einem Wasserturm von deutschen Pionier- und Panzergrenadierkompanien eingeschlossen.

Westlich des Hauptbahnhofs Stalingrad und unweit des „Tennisschlägers“der „Tennisschläger“, in deren Mitte das Chemische Werk „Lazur“ stand, befand sich in der Realität allerdings nordöstlich des Hauptbahnhofs, zwischen Mamajew-Hügel, Banyi-Schlucht und Wolga-Steilufer. Der Tennisschläger lag in einer Art „Niemandsland“ zwischen Stalingrad-Mitte und Industriekomplexe. operiert Stabsarzt Dr. Portner unter unbeschreiblichen Zuständen in einem ausgebombten Keller. Der Sankeller ist hoffnungslos überfüllt, es wird wie am Fließband operiert und gestorben. Die entnommenen Organe und Gliedmaßen werden gleich den Toten in den umliegenden Granattrichtern entsorgt. Portners Assistenzarzt Dr. Körner wird zu einer Ferntrauung auf dem Feldflughafen Pitomnik befohlen, um in einer Zeremonie seine Verlobte Marianne Bader, die sich zur gleichen Zeit auf einem Standesamt in Köln durchführen lässt, zu heiraten. Doch bis dorthin ist es ein hochgefährlicher Weg vom „Tennisschläger“, Gorodischte über den „Tatarenwall“, auf der ständigen Flucht vor Artillerieüberfällen, bis zum Feldflugplatz Pitomnik. Es ist ein Marsch aus der lebensgefährlichen Hölle der Häuserkämpfe in Stalingrad ins „Schlaraffenland“ der rückwärtigen Heeresdienste und gut gefüllten Versorgungslager. Während die Kampftruppe leidet, herrscht bei der Etappe eine geradezu dekadente Überversorgungso z. B. Apfelsinen als Sonderversorgung. Die bizarre Trauung wird von Oberst von der Haagen als Propagandainstrument für den heroischen Kampf um Stalingrad missbraucht. Er verkennt die desolate Lage der deutschen Verbände in Stalingrad und phantasiert auf der Lagekarte von einer kühnen Vorstoßoperation durch die fast menschenleere kasachische Steppe bis nach Sibirien.

Major Kubowski kann sich am „Tennisschläger“ von der deutschen Umklammerung nur durch einen Panzerangriff befreien. Die alte Lage ist wiederhergestellt. Zusammen mit den Panzern erhält er Unterstützung von der Feldärztin Olga Pannarewskaja, in die er sich sofort verliebt. Doch der Kommandeur in ihrem Abschnitt schickt sie unter der Begleitung von Kaljonin wieder zurück. Bei den folgenden Kämpfen wird Major Kubowski am Kopf verletzt, was ihm einen Aufenthalt im Feldlazarett „Tennisschläger“ ermöglicht. Er und Olga küssen sich.

Mittlerweile plant das OKW die Versorgungslage und vor allem die Winterausstattung der kämpfenden Truppe an der Ostfront. Für die 6. Armee werden pro Tag 750 Tonnen Nachschub veranschlagt. Es herrscht ein krasses Missverhältnis zwischen Bedarfsmeldungen aus den Kompanien und tatsächlicher Bereitstellung von Versorgungsgütern. Das OKW geht davon aus und gibt es auch genauso im Wehrmachtsbericht bekannt, dass sich Stalingrad bereits längst in deutscher Hand befinde und als völlige Verzerrung der Realität bei den Kampfhandlungen nur noch um vereinzelte Stoßtruppunternehmungen um winzige Punktziele, was allerdings keinesfalls der harten Kriegswirklichkeit entspricht. Am Ende stapelt sich die Winterausrüstung in den Lagern und kommt niemals bei der Truppe an.

Dr. Körner hält sich vor seinem Heimatflug in Pitomnik bei Generalarzt Prof. Dr. Abendrot auf, der aus Stalingrad eine Lazarettstadt machen soll, und erlebt einen Stabsintentanten (Wehrmachtsbeamter), der sich auf arrogante Weise darüber beschwert, dass die Truppe nicht den Schneid und die Energie habe, um Stalingrad niederzuwerfen.

Dr. Körner hat den Flug nach Westen angetreten und ist im Hotel „Ostland“ in Warschau angekommen. Er telegraphiert Marianne seine Ankunftszeit und dass er sie nicht in Köln, sondern in Polen erwartet. Bei einem jüdischen Goldschmied kauft er ihr ein Geschenk. Doch es nicht Marianne, die am Bahnhof erscheint, sondern eine andere hilflose Frau namens Monika Baltus, die nicht abgeholt wird. Auf der Bahnstrecke Köln-Berlin hatte es Luftangriffe gegeben, daher ist Marianne vermutlich nicht gekommen. Hans nimmt Monika mit in sein Hotel, wo man an der Rezeption automatisch davon ausgeht, dass der Deutsche nur ein Schäferstündchen mit dem alleinstehenden Mädchen haben möchte. Doch Hans ist grundanständig und macht sich große Sorgen um seine Frau.

Am 16. November 1942 begleiten kalte Steppenwinde den ersten Schneefall, und die Temperatur fällt erstmals abrupt auf −10 °C. Die Situation in dem Kellerlazarett von Dr. Portner hat sich leicht verbessert und entspannt. Viele Schwerverletzte konnten zu den Hauptverbandsplätze bei Pitomnik und Kalatsch verlegt werden. Es herrscht verhaltener Optimismus an der Front. Obergefreiter Hans Schmidtke (genannt „Knösel“), das Faktotum der Sanitäter, beobachtet das küssende Paar Jewgenij und Olga und ist verwundert, so etwas inmitten der schlimmsten Schlacht der Weltgeschichte mitzubekommen. Der Leutnant eines Stoßtrupps eröffnet das Feuer auf die beiden und droht Knösel disziplinarische Konsequenzen an, weil er den Feind nicht bekämpft hat.

In Warschau erhält Dr. Körner die Nachricht, dass seine Frau Marianne in der Nacht vom 31. Oktober auf den 1. November 1942 bei einem Bombenangriff ums Leben gekommen ist. Gemäß seiner Heiratsurkunde vom 1. November 1942 hätte er damit eine Tote geheiratet, und die Ehe wäre ungültig.

Der 19. November 1942 beginnt mit einem Schneesturm. Die Menschen im Donbogen, von Stalingrad bis BeketowkaBeketowka wurde später zu einem Kriegsgefangenenlager der Roten Armee, siehe gehen in die Keller, um nicht zu erfrieren. Die Lebensbedingungen für die italienischen und rumänischen Streitkräfte der Heeresgruppe Süd auf der offenen Steppe sind noch weitaus schwerer als die der Soldaten in Stalingrad. Um Punkt vier Uhr beginnt die Feuerwalze der sowjetischen Artillerie, und die Winteroffensive läuft mit der Operation Uranusauch Stalingrader Strategische Angriffsoperation oder sowjetische Großoffensive zur Befreiung Stalingrads an. Dann, vier Stunden später, beginnt der Panzerangriff der Donfront, welcher die deutschen Linien am Don, Kalatsch und am Tschir eindrückt.

Dr. Körner hat seine Frau verloren. Ihn hält nichts mehr im Westen, und daher fliegt er zurück zu seinen Kameraden nach Pitomnik, wo er am 23. November eintrifft. Er kehrt zurück, weil ein Arzt in der Hölle von Stalingrad dringend benötigt wird. Ende November ist der Kessel bereits geschlossen, und man beginnt damit, nur die Spezialisten auszufliegen. Für über 17.000 Schwerverwundete gilt das nicht. Auf dem Flugplatz kommt es zu chaotischen Szenen.

Am 25. November meldet sich Assistenzarzt Dr. Körner in seiner alten Stellung zurück. Dort bereitet man sich für den Ausbruch aus dem Kessel vor. Dann kommt der Führerbefehl, welcher einen Ausbruch strikt untersagt. Die Versorgung soll aus der Luft erfolgen. Mittlerweile geht das Gerücht um, ein Indischer Elefant, der aus dem Zoo Stalingrad ausgebrochen ist, gehe durch die Trümmerlandschaft. Dann begegnet Knösel tatsächlich diesem Elefanten, doch niemand glaubt ihm.

Dr. Portner bringt Verwundete in das große Feldlazarett der 6. Armee in Gumrak. Viele von ihnen werden auf abenteuerliche Weise angeliefert.

Im Dezember 1942 schleppt sich der Funker Sigbert Wallritz durch einen Schneesturm in das Armeelazarett, wo Dr. Portner und Dr. Körner operieren. Er ist der Bruder von Sanitätsfeldwebel Horst Wallritz. Sigbert ist desertiert, nachdem er in einem Feldpostbrief von seiner Mutter erfahren hat, dass ihr Vater von der SS ins KZ gebracht wurde. Er verlangt von seinem Bruder, einst ein „strammer Nationalsozialist“, dass er mit den letzten Verwundetenflügen ausgeflogen wird, damit er die Angelegenheiten in ihrer Heimat regelt. Unter der Mitwisserschaft von Dr. Körner spielen sie bei Sigbert eine Verletzung vor, damit dieser eine der letzten Ju 52 besteigen darf. Es geht nur noch ums nackte Überleben, und um diese Flüge sind brutale Verteilungskämpfe um die sogenannten „Lebensbillets“ärztl. Erlaubnis, ausgeflogen werden zu dürfen ausgebrochen, die manchmal schon mit der Waffe ausgetragen werden. Sigbert hat Glück und darf ausfliegen. Doch dann muss die Maschine notlanden. Sigbert wird von Partisanen gefangen genommen.

Major Kubowski verteidigt weiterhin den „Tennisschläger“, und Kaljonins Stoßtrupp bei der Konservenfabrikin der Südstadt von Stalingrad führt zu vier Verwundeten, die sich in einem Keller verstecken, der durch einen Granattreffer zugeschüttet wird.

Gefreiter Knösel ist in Stalingrad Stadt auf Nahrungssuche. Er hat die Position eines gezogenen Trosses einer Artillerieeinheit ausgemacht. Wo Artillerie ist, da sind auch essbare Pferde. Mit der Universalparole „Leckt mich am Arsch!“Das Herz der 6. Armee. Jubiläumsausgabe. Heynes Allgemeine Reihe 01/8503. 1980. S. 158 Wilhelm Heyne Verlag, München. kommt er durch die gefährliche „Insellandschaft“ von Abschnitten, die von Wehrmacht und Sowjetsoldaten gehalten werden. Er tötet ein schwerverwundetes Pferd und legt sich einen großen Vorrat an Pferdefleisch in einem selbstgebauten Eisschrank an.

Am 18. Dezember 1942 soll das Feldlazarett III von Gumrak wieder nach Stalingrad-Stadt verlegt werden, so auch die Mannschaft um Dr. Portner und Dr. Körner, die wieder ihren alten OP-Keller unterhalb eines Kinos beziehen. Generalarzt Prof. Dr. Abendroth inspiziert die extrem verzweifelte Lage in Stalingrad, die nach dem Ausbruchsverbot zu einer gigantischen humanitären Katastrophe wird. Es gibt kaum noch Nahrungsmittel. Aus Pferdehufen werden Suppen gekocht, die für viele Landser reichen muss.