Der NH90 (NATO-Helicopter 90) ist ein mittelschwerer militärischer Transporthubschrauber der 10-Tonnen-Klasse von NHIndustries. Er bildet in vielen europäischen Mitgliedsstaaten der NATO – und darüber hinaus in weiteren Ländern – das Rückgrat der Hubschrauberflotte. Der NH90 ist der erste Serienhubschrauber, der über ein elektronisches Flugsteuerungssystem ( Fly-by-wire) gesteuert wird. Er wurde ab 2010 schrittweise bei der Bundeswehr eingeführt. Der Helikopter kam seit seiner Auslieferung wegen seiner geringen Einsatzbereitschaft in scharfe Kritik.

Geschichte Entwicklung Erste Konzepte für einen Transporthubschrauber in der Gewichtsklasse von 9 bis 13 Tonnen wurden bereits in den 1980er Jahren innerhalb der NATO bei der NATO Industrial Advisory Group entwickelt. Zu einer gemeinsamen Realisierung durch die NATO-Staaten kam es nicht, weil die Forderungen und Interessen der einzelnen Staaten zu unterschiedlich waren. Lediglich Frankreich, Italien, die Niederlande und Deutschland konnten ihren Bedarf und Forderungen zu einem gemeinsamen Vorgehen und Beschaffen harmonisieren. Sie gründeten die NATO Helicopter Management Agency in Aix-en-Provence (Südfrankreich). 2001 schloss sich Portugal und 2007 Belgien dieser zentralen Interessenvertretung an. Es wurde ein zentraler Auftragnehmer NHIndustries (NHI) gegründet, ein Joint Venture aus den Hubschrauberherstellern EADS Eurocopter (vormals MBB und Aérospatiale) (62,5 %), AgustaWestland (32 %) und Stork Fokker (5,5 %). Die Entwicklung und Produktion wurde auf die genannten Unternehmen baugruppenweise aufgeteilt.

Konzept und Anforderungen Der NH90 wurde als leichter allwetter- und nachtflugtauglicher Mehrzweckhubschrauber für Heer und Marine konzipiert. Als Nachfolger der veralteten Bell UH-1D sind seine geplanten Haupteinsatzgebiete der Material- und Personentransport, Einsatz von Spezialkräften, die Evakuierung von Verwundeten vom Gefechtsfeld (MedEvac), Begleiteinsätze („Escort“) sowie Not- und Katastrophenhilfe. Für die Transportaufgaben sollte der NH90 eine Kapazität von 2,5 t Innenlast oder 4 t Außenlast bzw. 16 Personen bewältigen. Der NH90 sollte ein modulares Konzept bieten, das mit rollenspezifischer Ausrüstung an geplante Missionen angepasst werden kann. Der NH90 war der erste Serienhubschrauber, der über ein elektronisches Flugsteuerungssystem ( Fly-by-wire) gesteuert wird.

Montage Es wurden anfangs drei Montagelinien eingerichtet: je eine in Frankreich (Marignane), Deutschland (Entwicklung Ottobrunn, Produktion Donauwörth) und Italien. Es war von vornherein vorgesehen, den Basishubschrauber frei auf dem Markt anzubieten. Zusätzliche Montagestraßen für den NH90 wurden 2007 bei Patria in Finnland und 2008 bei Australian Aerospace in Australien eingerichtet. auf EADS.net, abgerufen am 28. Juni 2019.

Prototypen mini|Der Prototyp mit dem Kennzeichen F-ZWTI, 2004 Am 18. Dezember 1995 hob der erste Prototyp des NH90 in der TTH-Version zum Erstflug ab, im Dezember 1999 startete der fünfte und letzte Prototyp in der Version für die Marine zu seinem Jungfernflug.

Serienproduktion Nachdem am 30. Juni 2001 der Vertrag über das erste Los zwischen der NAHEMA und NHI geschlossen wurde, lief die Serienproduktion an, die mit dem Erstflug der ersten Serienmaschine in Donauwörth im Jahr 2004 gipfelte. Die Hersteller hatten mehrfach mit Schwierigkeiten in der Produktion zu kämpfen, sodass sich die Auslieferung um mehrere Jahre verzögerte. Inzwischen steigen die Auslieferungszahlen stetig an. Im Jahr 2010 wurden 28 Einheiten ausgeliefert.Pressemitteilung Eurocopter vom 24. Januar 2011 Bis Juni 2014 wurden insgesamt 200 Maschinen ausgeliefert.

Einsätze ISAF Mitte 2010 begannen die Vorbereitungen Italiens für die erste Entsendung von fünf TTHs nach Afghanistan. Die Hubschrauber wurden zwischen dem 20. August und 22. September 2012 an Bord von amerikanischen Boeing C-17 nach Herat verlastet. Die volle Einsatzbereitschaft wurde am 25. September 2012 erreicht. Sie standen dort zum Truppentransport und für MedEvac-Einsätze zur Verfügung.

Am 17. April 2013 wurde der erste von vier deutschen NH90 von Leipzig aus mit einer Transportmaschine An-124 nach Afghanistan verlegt. Die Hubschrauber wurden dort vor allem für MedEvac-Einsätze genutzt. Am 1. August 2014 wurde dieser Einsatz beendet.

EUNAVFOR ATALANTA Die Niederlande verlegten 2013 einen NH90 auf die Fregatte HNLMS De Ruyter, die am Atalanta-Einsatz vor der Küste Somalias teilnahm. Dieser Einsatz war der erste dieser Art für die Marineversion des NH90. 2014 stellten die niederländischen Streitkräfte einen deutlich höheren Verschleiß fest als vorher angenommen worden war.

Auch die Aviazione Navale setzte 2020 (zum wiederholten Mal) einen NH90 in der Version NFH als eingeschifften Bordhubschrauber auf der Fregatte ITS Luigi Rizzo ein.

Operation Barkhane Die Französischen Heeresflieger setzten ab November 2014 zwei NH90 im Rahmen der Opération Barkhane in Mali ein.

Operation Inherent Resolve Die italienischen Heeresflieger setzten ab März 2016 jeweils vier NH90 und vier Kampfhubschrauber AW-129 Mangusta im Rahmen der Operation Inherent Resolve im Nordirak ein. Dieses in Erbil stationierte Kontingent flog einerseits Combat Search and Rescue (CSAR) – Einsätze und schützte andererseits Wiederaufbauarbeiten am Staudamm von Mossul.

MINUSMA Zur Ablöse eines Niederländischen Hubschrauberkontingents, welches seit mehreren Jahren unter sehr widrigen Bedingungen unter dem MINUSMA-Mandat eingesetzt war, sollte das Deutsche Heer je drei NH90-MedEvac und Eurocopter-Tiger-Kampfhubschrauber zum Schutz der NH90 sowie je einen weiteren Hubschrauber des jeweiligen Typs als Reserve nach Gao schicken. Gestellt werden die Maschinen und das Personal vom Transporthubschrauberregiment 10 aus Faßberg, dem Transporthubschrauberregiment 30 aus Niederstetten und dem Kampfhubschrauberregiment 36 aus Fritzlar. Am 27. und 29. Januar 2017 erfolgte der Transport der ersten beiden NH90 von Deutschland nach Bamako, wo die Maschinen wieder montiert wurden. Der Transport der Hubschrauber erfolgte jeweils einzeln mit An-124 des SALIS-Programms. Am 31. Januar verlegten sie nach Gao, wo am 4. Februar auch die dritte und vierte Maschine eintrafen.

Am 2. März 2017 wurde die MEDEVAC-Verantwortung von den niederländischen Streitkräften übernommen und es erfolgte der erste Einsatzflug. Hierbei wurden zwei verletzte Zivilangestellte von MINUSMA nach einem IED-Anschlag versorgt und nach Gao verbracht. Die FOC für die NH-90 wurde am 24. April 2017 gemeldet. Am 18. April 2017 flogen zwei deutsche NH90-MEDEVAC im Rahmen einer Verwundetenevakuierung im Auftrag der MINUSMA-Führung fünf bei einem Angriff verwundete Soldaten der malischen Streitkräfte von Gourma-Rharous nach Gao. Dort wurden die Verwundeten an die französische (Operation Barkhane) und die chinesische Role-2-Einrichtung (MINUSMA) zur Weiterversorgung übergeben. Am 7. Mai 2017 flog der gemischte Heeresfliegereinsatzverband eine MEDEVAC-Mission in Bourem. Fünf bei einem Angriff verwundete Angehörige der malischen Streitkräfte wurden nach Gao transportiert. Bis zum Februar 2018 wurden insgesamt 39 Verwundete mit den deutschen NH-90 evakuiert. Am 11. Februar 2018 trafen zwei belgische NH-90 in Gao ein, nach Zertifizierung durch die UN nahmen sie den Einsatzflugbetrieb auf, drei deutsche und zwei belgische NH-90 bildeten dann einen binationalen Heeresfliegereinsatzverband. Am 3. Juli 2018 wurde auch der NH-90-Anteil aus dem Einsatz herausgelöst. Die binationale NH-90-Flotte absolvierte 181 Einsatzflüge. In 15 Rettungseinsätzen gelang es, 43 teils schwer verletzte Blauhelmsoldaten, Angehörige der malischen Streitkräfte sowie Zivilpersonen sicher aus dem Gefahrengebiet auszufliegen. Am 1. August 2018 wurde der deutsche Heeresfliegereinsatzverband von einem Kontingent der Kanadischen Streitkräfte abgelöst.

Resolute Support Die italienischen Heeresflieger setzten seit Überleitung vom ISAF- zum Resolute Support-Mandat mehrere NH-90 von Herat im Süden Afghanistans aus ein. Diese dienten hauptsächlich der Gewährleistung einer MEDEVAC-Bereitschaft, für Verbindungsflüge, Luftaufklärung und der Unterstützung von Spezialkräften. Im Januar 2017 erreichten die NH-90 der Task Group Fenice die 3000. Flugstunde in Afghanistan. Es wurden bis zu diesem Zeitpunkt 1650 Einsatzmissionen geflogen.

Im November 2018 gab das Bundesministerium der Verteidigung bekannt, dass Ende 2020 drei NH90 des Heeres und ein H145M des Hubschraubergeschwaders 64 (jeweils mit einem zusätzlichen Hubschrauber als technische Reserve) die jenerzeit vier CH-53-Maschinen (plus eines Hubschraubers, der als technische Reserve diente) und deren Crews im Resolute Support-Einsatz ablösen würden. Auftrag des leichten Mehrzweckhubschraubers H145M LUH SOF war hierbei bewaffneter Begleitschutz für den NH90 während MEDEVAC-Missionen zu sein. Die Maschinen sollten als Teil des Einsatzgeschwaders Mazar-e Sharif eingesetzt werden. Der Einsatz war vorerst für achtzehn Monate geplant. Somit konnte den Besatzungen und Maschinen CH-53, die seit 2002 nahezu ununterbrochen in Afghanistan eingesetzt waren, eine gewisse Regeneration ermöglicht werden. Im August 2020 wurde bekannt, dass nur die NH90 nach Afghanistan verlegen würden. Im November 2020 wurde die ersten Kräfte verabschiedet. Sie sollten in das 18. und 19. deutsche Einsatzkontingent Resolute Support integriert werden. Am 12. November 2020 wurden die ersten zwei Maschinen mit einer SALIS-Maschine nach Mazar-e Sharif verlegt. Insgesamt war ein Einsatz von vier NH90 zuzüglich zweier weiterer Maschinen als technische Reserve für 18 Monate in Afghanistan eingeplant.

VJTF 2023 Für die, im Schwerpunkt durch Deutschland von 2022 bis 2024 gestellte, Very High Readiness Joint Task Force (VJTF) 2023 der NATO sind ab dem Jahr 2022 bis zu zehn NH90 eingeplant.

Versionen Der NH90 wurde so konzipiert, dass er aufbauend auf der Grundkonstruktion der Hubschrauberzelle für den Einsatz über Land und See befähigt ist. Diese Variante hatte am 18. März 2005 im französischen Marignane ihren Erstflug. Die Kommunalität von TTH und NFH liegt strukturell bei etwa 85 % und im Bereich Elektronik bei etwa 50 %. Untergeordnet zu den beiden Modellen gibt es mehrere Varianten. Diese Varianten können sich in Größe und Ausstattung unterscheiden. Ab 2002 wurde eine Variante mit erhöhtem Kabineninnenraum konstruiert, die als TTH- oder NFH-Version ausgestattet werden kann.

Landversionen mini|Heereshubschrauber, ILA 2008 Die Version für die Luft- und Landstreitkräfte heißt (TTH), zu dt.: Taktischer Transporthubschrauber. Es gibt zwei Basismodelle des TTH: NH90T, ausgerüstet mit RTM322-Triebwerken, die hauptsächlich bei Eurocopter/Airbus in Deutschland und Frankreich montiert werden. NH90G, ausgerüstet mit T700/CT7-Triebwerken, die in Italien bei AgustaWestland/Leonardo und in Spanien bei Eurocopter/Airbus montiert werden. NH90B, ein drittes auf Basis der NH90T für Schweden entwickeltes Modell mit der Bezeichnung (TTT), zu dt. Taktischer Truppentransport, die durch eine höhere Kabine mehr Kopffreiheit gewährleistet. Diese Variante wurde bei Patria in Finnland montiert, wo auch fast alle der finnischen TTHs entstanden.PATRIA INAUGURATES NEW FACILITIES FOR NH90 FINAL ASSEMBLY. NH Industries, 30. Oktober 2003.

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