mini|Porträt von Hans Waldmann, Ende 17. Jhd. mini|Hans-Waldmann-Denkmal, Reiterstandbild von Hermann Haller auf dem Münsterhof bei der Münsterbrücke in Zürich mit Kranz der Zunft zum Kämbel anlässlich des Sechseläutens am Sockel angelehnt Hans Waldmann (* 1435 in Blickensdorf, Kanton Zug; † 6. April 1489 in Zürich) war ein Heerführer der Alten Eidgenossenschaft und von 1483 bis 1489 Bürgermeister der Schweizer Reichsstadt Zürich im Heiligen Römischen Reich.

Leben Frühe Jahre mini|hochkant|Waldmanns Geburtshaus, am 7. Juni 1893 zerstört Hans Waldmann, Ritter und Freiherr von Dübelstein, wurde 1435 in Blickensdorf im heutigen Kanton Zug geboren. Sein Vater, Hans Waldmann (sen.), starb um das Jahr 1436. Seine Mutter Katharine war eine geborene Schweiger aus dem luzernerischen Root, deren Vater 1427 das Bürgerrecht der Stadt Zürich erhielt und Salzhandel betrieb. Armut hat die Familie nicht gelitten, war aber nicht von adligem Stand. Als gesichert gilt, dass Waldmann eine Lehre bei einem Schneider, später bei einem Gerber machte. Zusammen mit seinem jüngeren Bruder Heini und Stiefbruder Hensli Truttmann erwarb er 1452 das Stadtzürcher Bürgerrecht.Otto Sigg: Hans Waldmann, der 1489 hingerichtete Zürcher Bürgermeister. Person, Macht, Herrschaft und sozio-agrarische Aspekte am Ausgang des Spätmittelalters. In: Begleitschrift zur Ausstellung zum Gedenken an den vor 500 Jahren hingerichteten Zürcher Bürgermeister, Frühjahr 1989, im Wohnmuseum Bärengasse Zürich. Herausgegeben von der Präsidialabteilung der Stadt Zürich, Zürich 1989.

Militärische Laufbahn Spätestens ab 1458 nahm Waldmann zusammen mit seinem Bruder Heini an Kriegszügen der Stadt Zürich teil, so mit obrigkeitlicher Billigung am Plappartkrieg gegen die Stadt Konstanz und 1460 als Reisläufer an einem Kriegszug gegen den Abt von Kempten (Allgäu). Mit den sieben eidgenössischen Orten Zürich, Luzern, Uri, Schwyz, Unterwalden, Zug und Glarus beteiligte sich Waldmann im gleichen Jahr an der Eroberung der habsburgischen Landgrafschaft Thurgau. Militärische Erfahrung als Heerführer erhielt er als Fähnrich und Hauptmann im Dienste des Bischofs von Augsburg; im Waldshuterkrieg von 1468 zeichnete er sich in den Reihen der Constaffel als Hauptmann der Pikeniere aus. In den Rats- und Richtbüchern der Stadt Zürich finden sich in jenen Jahren wiederholt Einträge, die Waldmann und seinen Bruder als Raufbold bezeichnen und mehrfach Geldbussen verzeichnen. Erst um das Jahr 1478, vermutlich nach dem Tod seines Bruders Heini beziehungsweise nach der Belagerung von Bellinzona, zeichnet sich ein verändertes Bild in den Aufzeichnungen ab. mini|hochkant|Waldmann empfängt durch Wilhelm Herter nach der Schlacht vor Murten den Ritterschlag mini|links|hochkant|Brief Waldmanns an den Zürcher Rat, 17. Juni 1476 Während der Burgunderkriege von 1476 bis 1477 führte Waldmann das Hauptkontingent in der Schlacht bei Murten am 22. Juni 1476, bei welcher der Burgunderherzog Karl der Kühne entscheidend geschlagen wurde. Davor sicherte er während der Schlacht bei Grandson mit einem kleinen Kontingent Zürcher Truppen die Westschweizer Stadt Freiburg, wo er seinem «militärischen Instinkt» folgte und verschiedene Ausfälle auf Burgundergebiet unternahm. Am 17. Juni 1476 bittet er von Freiburg aus den Rat von Zürich, dringend Truppen nach Murten zu senden: fürdrend üch mit züchen, daz ir nüt die hindristenn sigend; denn heind keinnen zwiffel: die lüt [Feinde] sind all uinsser eigen. Am 19. Juni zogen 2000 Mann aus Stadt und Land Zürich unter der Führung von Heinrich Göldli nach Bern, wo nach einem durch Dauerregen erschwerten Gewaltmarsch über 150 Kilometer am Vormittag des 21. Juni 1400 Zürcher eintrafen. Waldmann, der mit seinem Freiburger und Zürcher Kontingent (800 Freiburger und 200 Zürcher) bereits in Bern eingetroffen war, gliederte diese in die Zürcher Truppe ein, und in der Morgendämmerung des 22. Juni vereinten sie sich mit den eidgenössischen Ständen und den verbündeten Lothringern in Ulmiz. Waldmann befehligte die Hauptmacht der Koalitionstruppen, den Gewalthaufen. Wie gross sein Anteil am Sieg der Eidgenossen ist, bleibt ungeklärt, liess aber ihm und insbesondere der Stadt Zürich grosse Anerkennung zuteilwerden und stellte den im Alten Zürichkrieg schwer geschädigten Ruf Zürichs durch die wirksam geleistete Bundeshilfe wieder her. Nach der nachmittäglichen Schlacht wurde Hans Waldmann zusammen mit weiteren Eidgenossen durch den anwesenden Adel zum Ritter geschlagen.

Als Karl der Kühne im Oktober 1476 nach Nancy zog, um die Hauptstadt von Lothringen zu belagern, erwies sich Waldmann bei der Schlacht bei Nancy nochmals als ein fähiger Heerführer. Vor dem Sieg bei Nancy soll der lothringische Herzog René II., Befehlshaber der Reiterei bei Murten, vom Pferd gesprungen sein, den Zaum von Waldmanns Pferd ergriffen und ihn so bis unmittelbar vor die Stadt Basel geführt haben.

Sozialer Aufstieg Bereits 1464 erfolgte Waldmanns sozialer Aufstieg durch Heirat mit der Witwe Anna Edlibach (die Mutter des Chronisten Gerold Edlibach), deren Familie es durch Eisenhandel zu Wohlstand gebracht hatte. Vom verstorbenen Ulrich Edlibach übernahm er die Verwaltung des Einsiedler Hofes in Zürich; ein Amt, das er später an seinen Stiefsohn weitergab. Diese Stellung sicherte Waldmann ertragreiche Pfründe und den Einsitz in die adlige Gesellschaft der Constaffel, nach der er auch in den Eisenhandel eingestiegen war. Sein «niederer Stand» als Emporkömmling aus der Handwerkerschaft dürfte ihm vermutlich in der vom Stadtadel und Bürgerpatriziat dominierten Constaffel nicht die erhoffte gesellschaftliche Akzeptanz verschafft haben. Nachdem sein Versuch fehlgeschlagen war, den weiteren sozialen Aufstieg durch die Constaffel zu erreichen, wurde Waldmann zum Verfechter einer weiteren Verstärkung des Einflusses der Zürcher Handwerkerzünfte (siehe Brunsche Zunftverfassung). Seit 1473 gehörte er als Zunftmeister der Zunft zum Kämbel dem Stadtrat (Kleiner Rat) an, nachdem er noch vor dem Einsitz in die Constaffel erfolglos auf die Zunftmeisterwürde der Gerwe (Zunft der Gerber) gehofft hatte.

Gesandter der Tagsatzung und Staatsmann mini|hochkant|Hans Waldmann

Mit der gegen Burgund bewiesenen militärischen Stärke wurde die Eidgenossenschaft zum begehrten Bündnispartner, vor allem für die Söldnerheere der konkurrierenden Machtblöcke: Das Königreich Frankreich, das Herzogtum Mailand, das habsburgische Herrscherhaus und später für das Papsttum.

Insbesondere Waldmann scheint von fremden Gesandten umworben worden sein und führte Delegationen der Tagsatzung an die Höfe von Frankreich und Mailand, wo er mit Fürsten «von gleich zu gleich» verhandelte und unter anderem den Titel eines «Hofrats» von Mailand erhielt. Der militärische Erfolg während der Burgunderkriege machte ihn fortan zu einer wichtigen Figur der eidgenössischen Diplomatie und zu einem Machtfaktor in der zürcherischen und der eidgenössischen Politik.«Monolith»: Schlachtpanorama von Murten. Hallwyl und Waldmann fest im Sattel. Von Christophe Pochon, Bieler Tagblatt, anlässlich der Artikelserie zur Expo.02

Waldmann begann als eidgenössischer Beauftragter diesen Umstand für die Alte Eidgenossenschaft in bare Münze umzusetzen: Er wurde zum Gesandten der Alten Eidgenossenschaft ernannt und begab sich im Sommer 1477 zusammen mit seinem Berner Mitstreiter bei Murten, Adrian I. von Bubenberg, und Hans Imhof im Auftrag der Tagsatzung nach Frankreich, wo «Jehan Walmen, Chevalier de Suric en Almaigne» vom französischen König Ludwig XI. eine jährliche Pension von 600 Livres für seine Verdienste gegen Burgund zugesprochen wurde. Sein Mitgefühl für die von den Kriegswirren heimgesuchte Freigrafschaft Burgund brachte Waldmann in einem persönlichen Schreiben an den Rat von Zürich zum Ausdruck, als er am 17. August 1477 in Salins weilte: die armen lüt hand ir hennd uff und knüwend nider uff die aerd und bittend uinss um gotz willen und uinsser liebenn frouwen willen um friden und weinnent dar zuo, daz sy mich vast übel arbarment, und büttend uns sömlich êr [Ehre], daz ich got vast übel dar um fürchten. Das militärische und diplomatische Ansehen wirkte sich äusserst positiv auf die politischen Ambitionen Waldmanns im heimischen Zürich aus: 1476 wurde er zum Bauherrn, 1479 bis zu seinem Tod städtischer Pfleger und 1480 einer der drei Oberstzunftmeister, die je als Stellvertreter des Bürgermeisters amteten und vor allem den Einfluss der Zünfte im Rat vertraten.

Bürgermeister der Stadt Zürich mini|links|hochkant|«Zweiter Geschworener Brief» Die eidgenössisch gesinnten Zünfte erwirkten bereits nach dem Sempacherkrieg mit dem «Zweiten Geschworenen Brief» eine Einschränkung der überragenden Machtstellung des Bürgermeisters und der historisch Habsburg-freundlichen Constaffel. Auch die Zunftmeister wurden voll berechtigte Räte, und das Bürgermeisteramt war nicht mehr nur das Privileg der Constaffel. , Zunftwesen. Die Bestimmung, dass der von der Bürgerschaft dem Bürgermeister geleistete Eid allen anderen Schwüren voranzugehen habe, wurde weggelassen und seine Amtsdauer auf ein halbes Jahr reduziert, so dass in Zürich (bereits ab 1384) zwei Bürgermeister, jeweils ein halbes Jahr, als «amtierender» bzw. «still stehender» Bürgermeister dem Rat vorstanden. Ab 1373 schworen die Bürger jährlich zweimal dem Bürgermeister und dem Rat Gehorsam, und umgekehrt leistete der Bürgermeister den Eid, die Zünfte und Bürgerschaft zu «behüten und Arm und Reich gleich zu richten».Staatsarchiv des Kantons Zürich (Hrsg.): Kleine Zürcher Verfassungsgeschichte 1218 – 2000, Zürich 2000.

Der Zweite Geschworene Brief von 1393 gab so den Zunftmeistern ausserordentliche Vollmachten zu Eingriffen in die Staatsverwaltung. Der «Kleine Rat», weiterhin das eigentliche Zentrum der Macht, organisierte sich in zwei Ratsgruppen: Dem «Natalrat» (Natale Domini: 25. Dezember) und dem «Baptistalrat» (Johannes Baptista: 24. Juni respektive Johannistag).

Seit 1480 war Waldmann als oberster Zunftmeister Vorsitzender des Zunftmeisterkollegiums. Bei den Wahlen im Dezember 1482 wurde er zum Bürgermeister gewählt und verdrängte damit in der ersten («Natalrat») Amtsperiode des Jahres 1483 den der Constaffel angehörenden Heinrich Göldli aus dem Bürgermeisteramt, was den Einfluss verdeutlicht, den Waldmann von seinen Ratskollegen zugemessen worden sein mag. Im Turnus wechselten sich Zunftmeister Heinrich Röist (von 1469 bis 1501 unangefochten Bürgermeister), Waldmann und der Constaffler Göldli im höchsten Amt ab. Nachdem von 1336 bis 1384 stets ein Bürgermeister und ab 1384 zwei sich halbjährlich abwechselnde Bürgermeister gewirkt hatten, wurde von 1483 bis 1485 die sogenannte Ratsrotte der zweiten Jahreshälfte um ein Bürgermeisteramt erweitert, das mit Göldli besetzt wurde. Nachdem sich während dreier Jahre die Bürgermeister Heinrich Röist, Heinrich Göldli und Hans Waldmann halbjährlich abwechselten, verlor Göldli im Jahr 1486 zugunsten von Waldmann sein Amt, so dass sich, wie im «Zweiten Geschworenen Brief» festgelegt, wieder zwei Bürgermeister halbjährlich ablösten.

Hohenburger Handel mini|hochkant|Verbrennung des Ritters von Hohenburg mit seinem Knecht, Berner Chronik, um 1483