alternativtext=Henrike Naumann in grauem Anzug. Sie steht auf einer Marmortreppe in der Villa Massimo und blickt ernst und direkt in die Kamera. Im Hintergrund eine Bronze-Büste und graugemusterter Marmor|mini|Henrike Naumann (2025) Henrike Naumann (* 1984 in Zwickau; † 14. Februar 2026 in BerlinZwickauer Künstlerin Henrike Naumann erliegt Krebsleiden, Freie Presse 15. Februar 2026) war eine deutsche Installationskünstlerin. In ihren Arbeiten thematisierte sie den Zusammenhang von Möbeln und Inneneinrichtung mit politischen und gesellschaftlichen Themen. Leben
Henrike Naumann studierte Bühnen- und Kostümbild an der Hochschule für Bildende Künste Dresden und Szenografie an der Filmuniversität Babelsberg Konrad Wolf.
Als Schlüsselerlebnis für ihren künstlerischen Werdegang nannte sie die Brandstiftung durch und anschließende Festnahme von Beate Zschäpe am 4. November 2011 im Zuge der Enttarnung des Nationalsozialistischen Untergrunds (NSU). Naumann befand sich zu diesem Zeitpunkt nur wenige hundert Meter entfernt, bei ihrer Großmutter im Zwickauer Stadtteil Weißenborn. Unter dem Eindruck dieser Ereignisse setzte sie sich in ihrer Diplomarbeit Triangular Stories mit der Vorgeschichte des NSU in der ostdeutschen Nachwendezeit auseinander. Naumanns erste internationale Ausstellung war zur Ghetto-Biennale 2015 in Port-au-Prince, Haiti, mit einem gemeinsam mit Bastian Hagedorn realisierten fiktiven Museum of Trance zur Geschichte der elektronischen Musik in Deutschland.
In der Arbeit Das Reich stellte sie 2017 im Berliner Kronprinzenpalais Stonehenge aus Schrankwänden nach, um sich am Ort der Unterzeichnung des Einigungsvertrags mit der Reichsbürgerbewegung auseinanderzusetzen. In ihrer Ausstellung „Ostalgie“ (2019) reflektierte Naumann das Nachleben der DDR in den 1990er Jahren und zeigte ihre radikale Arbeitsweise mit Architektur, indem sie die Wände der Galerie mit Teppichboden bezog und als Boden für ihre Möbel um 90 Grad gekippt benutzte.
2021 waren mehrere Werke von Henrike Naumann zeitgleich in der Ukraine und in Russland ausgestellt, unter anderem im PinchukArtCentre in Kiew und in der Tretjakow-Galerie in Moskau. Beim russischen Überfall auf die Ukraine 2022 wurden die Ausstellungen geschlossen. Eine Arbeit wurde aus Kiew durch das Kriegsgebiet evakuiert. Im selben Jahr fand Naumanns erste US-Einzelausstellung statt im SculptureCenter in New York. Darin untersuchte sie die Rolle, die Möbel beim Sturm aufs Kapitol in Washington 2021 gespielt haben.
Ihre künstlerische Arbeit verband Naumann mit Vortrags- und Lehrtätigkeiten. Als Mitglied des Deutschen Künstlerbundes war sie 2022 Speakerin auf dem Symposium Kunst und Freiheit. Unter Druck. Mit dem Vortrag „What comes after Postmodernism“ in der Bundeskunsthalle Bonn reflektierte sie über ihre Arbeit auf der Kyiv Biennale 2023 und das Thema Kunst und Krieg.
Für die Gestaltung des Deutschen Pavillons auf der 61. Biennale in Venedig, die von Mai bis November 2026 stattfindet, wurden Henrike Naumann und Sung Tieu von der Kuratorin Kathleen Reinhardt benannt. Ihre Arbeit dafür entwickelte sie 2025 in der Villa Massimo in Rom.
Mitte Februar 2026 teilte die Familie der Künstlerin mit, dass Henrike Naumann einer zu spät diagnostizierten Krebserkrankung in Berlin erlegen sei. Das Institut für Auslandsbeziehungen, zuständig für den Deutschen Pavillon, teilte mit: „Mit Henrike Naumann verlieren wir nicht nur eine bedeutende Vertreterin der deutschen Gegenwartskunst, sondern auch eine warmherzige, wache und hoch engagierte Persönlichkeit.“ Im Nachruf in Texte zur Kunst beschreibt Marietta Kesting ihre Arbeitsweise und Eigenwilligkeit als Künstlerin.
Der Nachlass der Künstlerin wird künftig durch das Museum für Moderne Kunst Frankfurt (MMK) betreut. Dort sollen Katalogisierungen, Digitalisierungen und Präsentationen erarbeitet werden.
Im November 2026 vergibt das Institut für Auslandsbeziehungen (IFA) erstmals den „Henrike-Naumann-Preis für Bildende Kunst“, gefördert durch die Zeit Stiftung Bucerius.
Henrike Naumann war die Enkelin des Künstlers Karl Heinz Jakob.
Ausstellungen mini|hochkant|Henrike Naumann (2019) Einzelausstellungen 2013: Generation Loss, Freunde Aktueller Kunst, Zwickau 2016: Intercouture, Musée d’Art Contemporain et Multimédia Echangeur de Limete, Kinshasa, Demokratische Republik Kongo 2016: Aufbau Ost, Galerie Wedding, Berlin 2017: Aufbau West, GOLD+BETON, Köln 2018: DDR Noir, Galerie im Turm, Berlin 2018: 2000 , Museum Abteiberg, Mönchengladbach 2019: 2000, LVZ-Kunstpreis, Museum der bildenden Künste, Leipzig 2019: 2000 – Mensch.Natur.Twipsy. Kunstverein Hannover 2019: Das Reich, Belvedere 21, Wien 2019: Ostalgie, KOW Berlin 2021: Einstürzende Reichsbauten, Kunsthaus Dahlem, Berlin 2022: Re-Education, SculptureCenter, New York, USA 2022: 2000 – Back Home, Gropius Bau, Berlin 2022: Westalgie, CAC – la synagogue de Delme, Frankreich 2023: Westalgie, Museum für Zeitgenössische Kunst (IKOP) in Eupen, Belgien 2024: Innere Sicherheit, Mauermahnmal im Deutschen Bundestag
Gruppenausstellungen (Auswahl) 2014: Wir Sind Alle Berliner: 1884–2014, SAVVY Contemporary, Berlin 2017: 5th Ghetto Biennale, Port-au-Prince, Haiti 2017: 3. Berliner Herbstsalon, Kronprinzenpalais, Berlin 2018: Because I live here, Museum für Moderne Kunst, Frankfurt/Main 2018: Volksfronten, steirischer herbst, Graz, Österreich 2018: Divided We Stand, Busan Biennale, Südkorea 2019: Innenleben, Haus der Kunst, München 2019: Point of No Return, Museum der Bildenden Künste Leipzig 2021: Future Generation Art Prize, PinchukArtCentre, Kyiv, Ukraine 2021: Illiberal Arts, Haus der Kulturen der Welt, Berlin 2022: A War In The Distance, steirischer herbst, Graz, Österreich 2022: Atis Rezistans / Ghetto Biennale, documenta fifteen, Kirche St. Kunigundis, Kassel 2023: On The Periphery Of War, Kyiv Biennial, Iwano-Frankiwsk, Ukraine 2023: Channeling, Museum für Moderne Kunst, Frankfurt/Main 2023: Illiberal Lives im Ludwig Forum Aachen, mit Pauline Curnier Jardin, Johanna Hedva, Ho Rui An, Blaise Kirschner, Jota Mombaça, Henrike Naumann, Melika Ngombe Kolongo, Bassem Saad, Mikołaj Sobczak und Jordan Strafer, mit fünf Installationen von Henrike Naumann 2024: Made in Germany? Art and Identity in a Global Nation, Busch-Reisinger Museum, Harvard Art Museums, Cambridge, Massachusetts, USA 2024: Die Reise der Bilder , Lentos Linz, Österreich 2025: The Impermanent – Four Takes on the Collection, Museum of Modern Art Warsaw, Polen
Publikationen Henrike Naumann – Concepts. Bierke Books, Berlin 2024, ISBN 978-3-948546-18-2. Henrike Naumann, Angela Schönberger, Andreas Brandolini (Autoren), Matthias Kliefoth (Hrsg.): Einstürzende Reichsbauten. DISTANZ Verlag, 2021, ISBN 978-3-95476-358-0. Henrike Naumann – 2000. Spector Books, Leipzig 2019, ISBN 978-3-95905-357-0. Texte zur Kunst #105. 2017. Henrike Naumann – The Effects Can Last Forever. Goldrausch, Berlin 2014. Henrike Naumann – Triangular Stories. Diplomarbeit an der Hochschule für Film und Fernsehen „Konrad Wolf“. Potsdam-Babelsberg 2012.
Preise, Stipendien und Residenzen (Auswahl) 2025: Kurzzeitstipendium der Deutschen Akademie Rom Villa Massimo 2024/2025: Berliner Programm Künstlerische Forschung 2024: Villa Aurora, 5. Oktober 2023 2019: Max-Pechstein-Förderpreis 2019: Kunstpreis der Leipziger Volkszeitung 2018: Karl-Schmidt-Rottluff-Stipendium 2016: Stipendium des Goethe-Instituts in Kinshasa, Kongo 2014: Goldrausch Künstlerinnenprojekt 2013: Expanded Media Award, Filmwinter Stuttgart
Weblinks
Website von Henrike Naumann HENRIKE NAUMANN (1984–2026) Von Marietta Kesting auf der Webseite Texte zur Kunst vom 26. März 2026
Einzelnachweise
Kategorie:Installationskünstler (Deutschland) Kategorie:Deutscher Kategorie:DDR-Bürger Kategorie:Geboren 1984 Kategorie:Gestorben 2026 Kategorie:Frau