Venice Preserv’d (vollständig: „Venice Preserv’d or, a Plot discover’d“), deutsch „Das gerettete Venedig“, ist ein Theaterstück aus der Zeit der Stuart-Restauration, geschrieben von dem englischen Dramatiker Thomas Otway. Es war in den 1680er Jahren die bedeutendste Tragödie auf der englischen Bühne. Die Uraufführung erfolgte am 9. Februar 1682 im Dorset Garden Theatre, besetzt mit Thomas Betterton (Jaffeir) und Elizabeth Barry (Belvidera). Das Stück wurde auch als Buch veröffentlicht und erfuhr bis in die 1830er Jahre viele Neuinszenierungen. Nach der literarischen Vorlage Otways verfasste 1904 Hugo von Hofmannsthal „Das gerettete Venedig“. Das Drama wurde 1905 in Berlin uraufgeführt.

Handlung Jaffeir, ein edler, aber verarmter Venezianer, hat heimlich Belvidera geheiratet, die Tochter eines stolzen Senators namens Priuli, der sie daraufhin enterbte. Jaffeirs Freund Pierre, ein fremdländischer Soldat, schürt Jaffeirs Zorn und ermuntert ihn zu einer Verschwörung gegen den Senat von Venedig. Pierres hat jedoch eigene Gründe für die Verschwörung. Er zielt auf einen anderen Senator, den korrupten, törichten Antonio. Dieser lässt Pierres Geliebte Aquilina gegen Geld zu sich kommen. Trotz Pierres Beschwerden unternimmt der Senat nichts dagegen und erklärt, dass Antonio Senatorenprivilegien besäße.

Pierre stellt Jaffeir die anderen Verschwörer vor, angeführt von dem äußerst gewaltbereiten Renault. Um das Vertrauen der Verschwörer zu gewinnen, muss Jaffeir Belvidera als Geisel in die Obhut von Renault geben. In dieser Nacht jedoch versucht Renault, Belvidera zu vergewaltigen, sie kann aber rechtzeitig zu Jaffeir fliehen. Daraufhin erzählt Jaffeir seiner Frau von der Verschwörung gegen den Senat. Belvidera entwirft nun einen eigenen Plan: Jaffeir wird dem Senat die Verschwörung enthüllen und dafür das Leben der Verschwörer als Belohnung fordern. Jedoch entschied Jaffeir einige oder alle Verschwörer verschonen zu wollen, vor Allen seinen Freund Pierre. Jaffeir folgt ansonsten Belvideras Plan, aber der Senat bricht sein Wort und verurteilt alle Verschwörer zum Tode. Tief beschämt darüber Pierre betrogen und seine Ehre verloren zu haben, droht Jaffeir Belvidera zu töten, es sei denn, sie kann eine Begnadigung für die Verschwörer erwirken. Sie folgt der Anweisung, aber die gewährte Begnadigung kommt zu spät. Jaffeir besucht Pierre vor seiner Hinrichtung und sieht Pierre niedergeschlagen, weil er zu einem unehrenhaften Tod durch Erhängen und nicht zum Tod eines Soldaten verurteilt wird. Pierre vergibt Jaffeir und dieser flüstert ihm (vom Publikum nicht gehört) zu, ihn ehrenvoll zu töten, bevor er hingerichtet wird. Als Pierre gerade gehängt werden soll, eilt Jaffeir zum Galgen und ersticht ihn; als eine Form des Sühnens und der Erlösung im Christentum. Anschließend ersticht er sich selbst. Belvidera verfällt dem Wahnsinn und stirbt. mini| Theateraushang des Theatre Royal (Bath) vom 19. Dezember 1786

Hauptcharaktere

Antonio Antonio ist ein korrupter Senator, der eine sexuelle Beziehung zu der Kurtisane Aquilina unterhält: Im Prolog des Stücks beschreibt Otway Antonio als einen Senator, der in Venedig eines der höchsten Ämter innehat und sich eine Hure hält. Zur Lüsternheit dränge es den Unzüchtige jede Nacht und Otway fordert am Ende des Prologs das Londoner Publikum auf einen ähnlichen Menschen zu benennen. (im literarischen Original: „a Senator that keeps a whore / In Venice none of a higher office bore. / To lewdness every night the lecher ran; / Show me, all London, such another man, /“.)Thomas Otway: Venice Preserv’d. In: The Broadview Anthology of Restoration & Early Eighteenth Century Drama. Broadview Press, Concise ed. Peterborough, Ontario 2001, ISBN 1-55111-270-1, S. 381–426. Otways Aufforderung einen „solchen anderen Menschen“ zu finden, ermutigte einige Unzufriedene hier Anthony Ashley Cooper, 1. Earl of Shaftesbury auszumachen, einen Politiker der Whigs.David Bywaters: Venice, Its Senate, and Its Plot in Otway's Venice Preserv’d. In: Modern Philology. 80, 3, 1983, S. 256.

Antonios Schlüsselszene in Venice Preserv’d ist eine alberne Kitschszene („Nicky Nacky“), in der Antonio mit Aquilina eine Art Vorspiel versucht, indem er einen Bullen, eine Kröte und einen Hund nachmacht. Dem Literaturwissenschaftler Professor Derek H. Hughes (Rice University) zufolge spiegelt Antonios Beziehung zu Aquilina andere Beziehungen des Stückes wider, indem er Prostitution, Unterwerfung und Selbstbescheidenheit vorstellt, etwas was sich auch subtil in den Beziehungen zwischen Renault und Belvidera, Jaffeir und Pierre sowie Jaffeir und Belvidera zeigt.Derek W. Hughes: Studies in English Literature, 1500–1900. Vol. 11, Nr. 3: Restoration and Eighteenth Century. Sommer 1971, S. 437–457.

Aquilina Aquilina ist eine Kurtisane, die eine romantische Liebe zu Pierre unterhält aber auch eine sexuelle Beziehung zu dem Senator Antonio. Aquilina erlaubt heimliche Treffen Pierres mit seinen Mitverschwörern in ihrer Wohnung (2. Akt II.i.48.) Aquilina erscheint in dem Stück drei Mal: Im zweiten, dritten und fünften Akt. Die Schauspielerin Edith Evans spielte 1920 Lyric Theatre sehr umjubelt die Rolle der Aquilina. 1984 übernahm Stephanie Beacham diese Rolle am Royal National Theatre.History of Productions of Venice Preserv’d. Peter Gill Productions. N.p., 23. April 2008. Web. 8. Juni 2010.

Belvidera Belvidera ist eine Edelfrau und die Tochter von Priuli sowie Jaffeirs Ehefrau. Belvidera ist ein „gütiger, beständiger und reiner“ Charakter, der getreu zu Jaffeir steht und für die Verschwörer, die planten ihren Vater zu ermorden, erfolgreich um eine Begnadigung nachsucht. Derek Hughes sagt, Belvidera sei ein komplexer Charakter; einerseits stellt Belvidera einen bewundernswerten Charakter dar, besonders im Vergleich zu ihrer Umgebung. Als Jaffeir ihr von dem Plan erzählt die Stadtführung zu eliminieren, erkennt sie zwar die Verkommenheit des Senats, billigt jedoch nicht die Verschwörung (4) So sagt sie zu Jaffeir, „Kann dein großes Herz so abscheulich herabsinken / sich mit gedungenen Sklaven, Auftragsmördern und gewöhnlichen / Messerstechern gemein machen, … um den Lohn eines Raufboldes zu erhalten, / um die Kehlen von Schurken zu durchtrennen, während sie schlafen?“ („Can thy great heart descend so abscheulichly low, / Mix with hired slaves, bravoes, and common / stabbers,… and take a ruffian’s wages / To cut the throats of wretches as they sleep?“). Ihre Argumentation überzeugt Jaffeir sich nicht an dem Komplott zu beteiligen, sondern diesen stattdessen dem Senat mitzuteilen.

Andererseits sagt Hughes, „Belvidera unterscheidet sich nicht von den anderen Charakteren. Sie ist das höchste Geschöpf in der Welt von Venice Preserv’d, aber sie bleibt es bis ganz zum Schluss“. Belvidera ist auch findig und gerissen, wenn es darum geht, das zu bekommen, was sie will. Belvidera überredet Jaffeir, seine Verbindung zu den Verschwörern zu beenden, indem sie ihm von dem sexuellen Übergriff Renaults auf sie berichtet. (III. ii. 181.) Als es darum geht ihren Vater, den Senator, zu überzeugen die Verschwörer zu begnadigen, bringt Belvidera die Erinnerung an die verstorbene Mutter ins Spiel (Otway V. i. 44.).

Jaffeir Jaffeir ist der Ehemann von Belvidera, Schwiegersohn von Priuli und der Freund von Pierre.

Jaffeir ist der tragische Held Venice Preserv’d. Von ihm wird erwartet, dass er die Rolle des Ehemanns, des Freundes und die eines Aktivisten ausfüllt. Michael DePorte meint, die meisten Leser bewundern Jaffeir selten, falls überhaupt, für irgendetwas; sie können mit ihm nur als sympathisieren als ein Mann, der auf den Hörnern eines schrecklichen Dilemmas zerrissen wird; das Dilemma der Loyalität zu Pierre und Belvidera. („Most readers seldom, if ever, admire Jaffeir for anything, they can sympathize with him only as a man torn on the horns of a terrible dilemma;” that dilemma being his divided loyalties between Belvidera and Pierre“). Aufgrund seiner Freundschaft mit Pierre verspricht Jaffeir Pierre und den Komplizen seine Treue, aber wegen seiner Liebe zu Belvidera, verrät er Pierre und die Verschwörer.

Nach Bywaters kann Jaffeir leicht mit Titus Oates verglichen werden, zumal die Papisten-Verschwörung in zeitlicher Nähe zu der Produktion von Venice Preserv’d erfolgte, sowie die katholisch geprägte Terminologie, die Pierre in Bezug zu Jaffeir benutzte.David Bywaters: Venice, Its Senate, and Its Plot in Otway’s Venice Preserv’d. In: Modern Philology. 80, 3, 1983, S. 256. Die religiösen Anklänge in Venice Preserv’d erlaubten Bettie Proffitt in ihrem Artikel, der die religiösen Symbolismus Venice Preserv’d zum Inhalt hat, Jaffeir mit Adam zu vergleichen.

Pierre Pierre ist der Freund Jaffeirs und der Liebhaber von Aquilina. Er ist ein fremdländischer Soldat in Diensten Venedigs und zugleich ein Verschwörer gegen den venezianischen Senat.

Pierre entdeckt, dass während seiner Abwesenheit (vermutlich im Kriegseinsatz), der Senator Antonio eine sexuelle Beziehung zu seiner Geliebten Aquilina einging. In der Hoffnung auf Gerechtigkeit trägt er diese Angelegenheit dem Senat vor, aber wird mit der Begründung abgewiesen, dass ein solches Benehmen durchaus zu den Privilegien eines Senators gehöre. (I. i. 206–217). Diese Abweisung ist die Ursache für Pierres Eintritt in eine gegen den Staat gerichtete Verschwörung.

Pierre ist der Wortführer der Verschwörer und liefert einige eloquente Reden während des Theaterstücks. Pierre hat wenig Mühe, Jaffeir für den Plan der Verschwörer zu gewinnen, indem er Jaffeirs Wunsch nach Rache gegenüber seinen Schwiegervater Priuli in eine Rache gegen den gesamten Senat lenkt.

Auch wenn Pierre Jaffeir manipuliert, ist und bleibt er gleichwohl sein loyaler und ergebener Freund.Michael DePorte: Otway and the Straits of Venice. In: Papers on Language & Literature. 18, 3, 1982, S. 245. Als Pierre seinen Mitverschwörern Jaffeir vorstellt, sagt er: „Ich habe mein Ein und Alles in den öffentlichen Bestand gebracht, / ich hatte nur einen Freund und ihn werde ich unter euch teilen!“ („I’ve brought my All into the publick Stock, / I had but one Friend, and him I’ll share amongst you!“) (II. 310-11) Pierre ist nicht nur Jaffeir verbunden, sondern auch seinen Mitverschwörern treu bis zum Ende.

Einige von Pierres Reden in dem Stück wurden aufgrund des politisch scharfen Jargons von der Zensur untersagt. Bywaters glaubt, dass Venice Preserv’d ein Angriff auf die Partei der Whigs sei und Pierres Ansprachen das Vehikel dazu seien (“... and Pierre’s accusation of a ‘new Tyranny’... turns the Whigs’ rhetoric of tyranny and arbitrary power against them.”) Pierres charismatische Reden erregte eine solche Reaktion im Publikum, dass die Times schrieb, „das Publikum erschien mit jeder Entwicklung der Rebellenschurkerei noch verzückter.“ Nach einem Attentat auf Georg III. führte die Aufführung von Venice Preserv’d an jenem Abend fast zu einem Aufruhr, mit dem Resultat, dass die alle weiteren Aufführungen abgesagt wurden. So wurde Venice Preserv’d in London sieben Jahre lang nicht aufgeführt, bis es 1802 zurückkehren durfte. Pierres Rolle wurde jedoch stark zensiert und ließ fürderhin seinen Idealismus missen.

Priuli Priuli ist der Vater von Belvidera und ein Senator von Venedig. Nach DePort ist Priuli ein komplex angelegter Charakter, da er verschiedene Signale in Bezug zu Belvidera abgibt. Priuli ruft Belvidera seinen „age's darling“ , der alles ausmacht, was sein Herz lieb hat („who is all that his heart holds dear”), aber nach Jaffeirs Einschätzung schützt Priuli eher sich selber, bevor er die Interessen Belvideras wahrnimmt: „Dein ungeübter Lotse warf uns auf einen Felsen, als dein Schiff, dass du zur Sicherheit bautest, dich zuerst aufnahm.“ (“Your unskilled pilot / Dashed us upon a rock, when to your boat / You made for safety, entered first yourself”) (I. i. 36.). Priuli enterbte sein einziges Kind, als jenes sich ohne seine Erlaubnis für einen Mann entschied und diesen heiratete.