mini|Bevölkerungszentren der Britischen Inseln vom Weltraum aus gesehen Das Vereinigte Königreich liegt mit einer Bevölkerungszahl von ca. 66 Millionen Einwohnern im Jahre 2017 auf Platz 21 in der Rangliste der bevölkerungsreichsten Nationen. Nicht zu dieser Bevölkerung gezählt sind dabei die Einwohner in den Britischen Überseegebieten. Die Bevölkerungsdichte beträgt 259 Einwohner pro Quadratkilometer, wobei der Landesteil England eine signifikant höhere Bevölkerungsdichte aufweist als Wales, Schottland und Nordirland. Fast ein Drittel der Bevölkerung lebt im Südosten Englands, der überwiegend aus Städten und Vororten besteht. In der Hauptstadt London leben etwa 9 Millionen Menschen, die das mit Abstand größte Bevölkerungszentrum ist. Die Bevölkerungsdichte erreicht hier bis zu 5.000 Einwohner pro Quadratkilometer und gehört zu den am dichtesten besiedelten Regionen in Europa.

Die Bevölkerung des Vereinigten Königreichs wird als Beispiel für eine Bevölkerung angesehen, die einen demografischen Wandel durchlaufen hat, das bedeutet den Übergang von einer vorindustriellen Bevölkerungsstruktur mit hohen Geburten- und Sterblichkeitsraten und einem langsamen Bevölkerungswachstum zu einem Stadium sinkender Sterblichkeit und schnellen Bevölkerungswachstumsraten auf ein Stadium niedriger Geburten- und Sterblichkeitsraten mit wiederum niedrigeren Bevölkerungswachstumsraten. Dieser Wandel erfolgte im Vereinigten Königreich als erstem Land. In den letzten Jahrzehnten erlebte das Land eine demografische Erneuerung durch steigende Migration aus dem Ausland, die tiefgreifende soziale Veränderungen bewirkte. Gleichzeitig war auch eine weiter voranschreitende Alterung der Bevölkerung zu verzeichnen.

Im Vergleich zu den meisten Ländern Europas verzeichnet das Vereinigte Königreich eine dynamischere Bevölkerungsentwicklung und ein jüngeres Durchschnittsalter. Das liegt unter anderem an einer hohen Nettomigration und einer im europäischen Vergleich relativ hohen Fertilitätsrate, die 2016 bei ca. 1,8 Kindern pro Frau lag (seitdem gesunken).

Die „New Labour“-Regierung von Tony Blair (1997 bis 2007) führte für Familien mit geringen Einkommen eine negative Einkommenssteuer ein. Dies sollte die Kinderarmut verringern und die Lebensumstände der Familien verbessern und führte unabsichtlich auch zu steigenden Kinderzahlen: 2010 betrug die Fertilitätsrate 1,92 Kinder pro Frau.www.berlin-institut.org: Europas demografische Zukunft (Juli 2017)

Die durchschnittliche Kinderzahl pro Frau lag in 2016 in Nordirland bei 1,95, in England bei 1,81, in Wales bei 1,74 und in Schottland bei 1,52. Der Landesteil England erhält die meisten Migranten, wodurch bestehende Ungleichheiten zunehmen dürften. Für 2050 wird mit einer Bevölkerung von 77,8 Millionen Einwohnern gerechnet. Das Bevölkerungswachstum lag 2018 bei 0,6 Prozent. Ältere Studien prognostizierten sogar eine Steigerung auf über 82 Millionen, womit es Deutschland überholen würde.

Jüngere demografische Trends haben dies deutlich unwahrscheinlicher werden lassen. Folgen des BREXIT und der COVID-19-Pandemie haben die Situation im UK verschlechtert.

Historische Entwicklung Die britischen Inseln sind seit ca. 25.000 Jahren von Menschen besiedelt. Die Bevölkerung in England wird um 5.000 v. Chr. auf ca. 60.000 geschätzt. Zu den frühen Bewohner der britischen Inseln gehörten keltische Stämme.

Das römische Großbritannien hatte am Ende des zweiten Jahrhunderts n. Chr. eine geschätzte Bevölkerung von 2,8 bis 3 Millionen Einwohnern. Bis zum Ende des vierten Jahrhunderts steigt sie auf geschätzt 3,6 Millionen Menschen, von denen 125.000 aus der römischen Armee und ihren Familien und Angehörigen bestanden. In die römische Ära fällt auch die Gründung von Londinium (heute London).Joan P. Alcock, A Brief History of Roman Britain, page 260, Hachette UK Die Bevölkerung Großbritanniens ging nach dem Ende der römischen Besatzung merklich zurück und sank möglicherweise auf eineinhalb Millionen. Das Ende der römischen Herrschaft verursachte zudem ein deutliches Sinken des Lebensstandards und des Bildungsniveaus. Im Zeitalter der Völkerwanderungen, der mit dem Ende der römischen Vorherrschaft zusammenfällt, wanderten Angeln, Sachsen und Jüten auf die britischen Inseln ein.

Bei der normannischen Eroberung Englands im 11. Jahrhundert wurde England von den Normannen erobert; diese stammten von den Wikingern ab. Viele Angehörige dieses Volkes ließen sich in England nieder und bildeten dort eine landbesitzende Elite, wodurch sich die Bevölkerungszusammensetzung erneut änderte. Die Normannen führten zudem 1086 die erste überlieferte Bevölkerungserhebung durch, das Domesday Book. Zu Beginn des 13. Jahrhunderts wurde die Bevölkerung des Königreichs England auf ca. 4 Millionen geschätzt und übertraf damit nach mehr als 1000 Jahren die Zahl aus der römischen Ära. Bis 1348 stieg sie auf ca. 4,8 Millionen an, bevor sie durch die Pest (vgl.: Schwarzer Tod) um knapp die Hälfte reduziert wurde. Es brauchte erneut mehr als 300 Jahre, bis sich die Bevölkerung wieder auf den Stand vor der Seuche erholen konnte. Im 17. Jahrhundert gab es eine konstante Expansion. Die Besiedelung Amerikas von den britischen Inseln aus begann, angetrieben vom wachsenden Bevölkerungsdruck und religiösen Konflikten im Mutterland.

Während der industriellen Revolution nahm die Kindersterblichkeit stark ab. Der Anteil der in London geborenen Kinder, die vor dem Alter von fünf Jahren starben, verringerte sich von 74,5 % in den Jahren 1730 bis 1749 auf 31,8 % in den Jahren 1810 bis 1829. Dadurch stieg die Bevölkerungszahl von England und Wales, die von 1700 bis 1740 ungefähr konstant bei 6 Millionen gelegen hatte, nach 1740 massiv an. In dieser Zeit verbreiten sich die Theorien des Ökonomen Thomas Malthus in der politischen Elite des Landes, die vor einem anhaltenden Bevölkerungswachstum warnen und die moderne demografische Forschung begründen. Durch den Census Act von 1800 wurde die erste Volkszählung in der Neuzeit beschlossen, die ab 1801 alle 10 Jahre stattfand. Die Volkszählung von 1801 ergab eine Bevölkerung von 10,9 Millionen Einwohnern im Vereinigten Königreich (ohne Irland), davon lebten 8,3 Millionen in England, 1,6 Millionen in Schottland, 0,5 Millionen in Wales und 0,5 Millionen waren Angehörige der Armee und der Marine.

Entgegen der Vermutungen von Malthus setzt sich das Wachstum in den nächsten Jahrzehnten weiter fort, da die landwirtschaftliche Produktivität stieg und neue Kolonien erschlossen wurden. Als erste Gesellschaft der Welt erreichte das Vereinigte Königreich damit Bevölkerungswachstum bei gleichzeitigem Wachstum des Pro-Kopf Einkommens und wurde zur vorherrschenden Weltmacht im 19. Jahrhundert. Die Volkszählung von 1841 bezifferte die Bevölkerung von England und Wales auf 15,9 Millionen, von Schottland 2,6 Millionen. Die Bevölkerung Irlands betrug 1841 8,2 Millionen. Innerhalb des 19. Jahrhunderts erhöhte das Vereinigte Königreich seinen Anteil an der europäischen Bevölkerung drastisch. In der vorindustriellen Periode hatte Frankreich noch eine dreimal größere Einwohnerzahl als Großbritannien aufgewiesen. Dies geschah trotz der konstanten Abwanderung in die Neue Welt. Im Laufe des 19. Jahrhunderts begann auch das allgemeine Bildungsniveau durch verschiedene staatlich Maßnahmen zu steigen. Der Anteil an Personen, die lesen und schreiben können, stieg von 53 % im Jahr 1820 auf 76 % im Jahre 1870.

Bis 1901 stieg die Einwohnerzahl auf über 38 Millionen, die zunehmend in städtischen Zentren lebte. London wurde bereits ca. 1850 zur größten Stadt der Welt und blieb dies bis 1925, als es von New York City überholt wurde. In der ersten Hälfte des 20. Jahrhunderts wuchs die Bevölkerung, trotz zweier Weltkriege, auf 50 Millionen an. In der Periode nach dem Zweiten Weltkrieg begann das natürliche Bevölkerungswachstum nachzulassen und Großbritannien erhielt bedeutende Zuwanderung aus den ehemaligen Kolonien, die sich in Städten wie London, Birmingham und Manchester konzentrierte. Ab den 1980er Jahren verzeichnete das Land konstante Nettozuwanderung, die die Bevölkerung auf ca. 66 Millionen im Jahr 2016 steigen ließ. +Bevölkerungsentwicklung im Vereinigten KönigreichJahrBevölkerungszahl(laut Zensus)JahrBevölkerungszahl(laut Zensus)180110.900.000193146.038.000185127.368.800195150.225.000186128.917.900196152.807.000187131.484.000197155.928.000188134.934.500198156.357.000189137.802.400199157.439.000190138.237.000200159.113.000191142.082.000201163.182.000192144.027.000202166.940.563 *1801: Nur England, Wales und Schottland

*Von 1851 bis 1891: einschließlich der heutigen Republik Irland

*Ab 1901: England, Wales, Schottland und Nordirland

Ethnische Gruppen mini|Ethnische Demographie des Vereinigten Königreichs von 1951–2021 mini|390x390px|Anteil der nichtweißen Bevölkerung (2011) Das Vereinigte Königreich zu Beginn des 21. Jahrhunderts ist ein Land mit verschiedenen lokalen Identitäten und einer zunehmend multikulturellen Bevölkerung. Die ethnischen Identifikationen sind oft fließend und nicht klar abgegrenzt, wobei die Hauptgruppen Briten, Engländer, Schotten, Waliser und Iren sind. Laut dem Zensus 2011 geben 51,4 % der Bevölkerung ihre nationale Identität als Englisch an, 18,8 % bezeichnen sich als Briten, 7,8 % als Englisch und Britisch, 5,9 % als Schottisch, 3,3 als Walisisch, 1,3 % als Irisch, 0,8 % als Nordirisch und 6,9 % als Andere.2011 Census, England and Wales: National identity (detailed), local authorities in England and Wales2011 Census, Northern Ireland: National Identity – Full Detail Ein steigender Anteil der Bevölkerung gehört farbigen Minderheiten an oder stammt aus anderen europäischen Ländern. Bedeutende Minderheiten in Großbritannien sind aus dem Indischen Subkontinent, Ostasien, der Karibik, Subsahara-Afrika und Osteuropa eingewandert. Die Minderheiten, die aus ehemaligen Kolonien stammen, bevorzugen häufig eine britische Identität gegenüber einer spezifisch englischen Identität. Die Minderheiten erreichen den höchsten Anteil in den großen Städten. So stellen sie in London 40 % und in Birmingham 42 % der Bevölkerung. Unter den großen Städten hat Leicester den höchsten Anteil an nichtweißen Minderheiten mit 49 %.

In der Volkszählung von 2011 wurde die ethnische Zugehörigkeit in verschiedene Gruppen eingeteilt: Weiße, Roma oder Pavee, Schwarze, Asiaten, Gemischt und Andere. Laut der Volkszählungen von 2011 und von 2021 (in Schottland 2022 durchgeführt) entsprach die ethnische Zusammensetzung des Vereinigten Königreichs der nachstehenden Tabelle:

Ethnische GruppeBevölkerung (2021/22)AnteilBevölkerung (2011)AnteilWeiße55.592.83783,0 %55.010.35987,1 %Roma oder Pavee (Irish Traveller)73.7210,1 %63.1930,1 %Asiaten5.758.1048,6 %4.373.3396,9 %Asiaten: Inder1.927.1502,9 %1.451.8622,3 %Asiaten: Pakistaner1.662.2862,5 %1.174.9831,9 %Asiaten: Bangladescher652.5351,0 %451.5290,7 %Asiaten: Chinesen502.2160,8 %433.1500,7 %Asiaten: Andere Asiaten1.013.9171,5 %861.8151,4 %Schwarze2.485.7243,7 %1.904.6843,0 %Gemischt1.793.2572,7 %1.250.2292,0 %Andere1.310.6362,0 %580.3740,9 %Total66.940.563100 %63.182.178100 %

Religion mini|Anteil der Christen (2011) Die traditionelle Religion im Vereinigten Königreich ist das Christentum. In England ist die etablierte Kirche die Church of England (anglikanisch). In Schottland wird die Church of Scotland (eine presbyterianische Kirche) als „nationale Kirche“ angesehen, aber es gibt keine etablierte Kirche. Die Church in Wales ist Teil der anglikanischen Kirche. In Nordirland und in Teilen Schottlands gibt es eine gewisse konfessionelle Kluft zwischen den römisch-katholischen und protestantische Gemeinden. Durch Einwanderung aus Polen nimmt der Anteil an Katholiken an der christlichen Bevölkerung zu.