Anglikanische Gemeinschaft 100px|Logo der Anglikanischen Gemeinschaft Basisdaten Erzbischöfin von Canterbury: Sarah Mullally (seit 28. Januar 2026) 150px|Weltweite Verbreitung (Zur Vergrößerung auf Karte klicken) Weltkarte der Provinzen: Anglikanische Gemeinschaft (Blau) Mitgliedskirchen: 42 Kirchenprovinzenund5 extraprovinzielle anglikanische Kirchen Gründung: Lambeth-Konferenz Gründer: Charles Longley Ursprung: Römisch-katholische Kirche Heinrich VIII. (England) Church of England Mitglieder weltweit: zwischen 9 und 80 Mio. 150px|verweis=Kathedrale von Canterbury|Hauptquartier Anschrift: Kathedrale von Canterbury Website: Anglican Communion

Die Anglikanische Gemeinschaft (auch Anglikanische Kommunion, ; von ‚englisch‘), umgangssprachlich auch die anglikanische Kirche, ist eine weltweite christliche Kirchengemeinschaft, die in ihrer Tradition evangelische und katholische Glaubenselemente vereinigt, wobei die katholische Tradition in der Liturgie und im Sakramentsverständnis (insbesondere dem Amtsverständnis) vorherrscht, die evangelische in der Theologie und der Kirchenverfassung.

Die anglikanischen Kirchen sehen sich als Teile der einen, heiligen, katholischen und apostolischen Kirche, die sich der Tradition und Theologie der englischen Reformation (zum Teil auch der schottischen, siehe Geschichte der Scottish Episcopal Church) verpflichtet haben. Jedoch verstehen die anglikanischen Kirchen ihre Reformation nicht als einen Bruch mit der vorreformatorischen Kirche, sondern als notwendige Reform der katholischen Kirche der britischen Inseln. Damit ist die anglikanische Kirche sowohl katholische Kirche als auch reformatorische Kirche, die allerdings seit der Reformation eine bewusst eigenständige christlich-anglikanische Tradition und Theologie entwickelt hat. Heiliger und Märtyrer der anglikanischen Kirche ist Thomas Morus (Gedenktag am 6. Juli).

Organisation und Verbreitung Die Kirchengemeinschaft besteht aus 41 selbständigen Kirchen bzw. Provinzen. Neben der Church of England, der Mutterkirche fast aller Kirchen der Anglican Communion, sind dies beispielsweise die Anglikanische Kirche von Kanada, die Episkopalkirche der Vereinigten Staaten und die Church of Nigeria. Ferner gehören zur Gemeinschaft auch unierte Kirchen, zu denen sich evangelische und anglikanische Kirchen zusammengeschlossen haben, wie die Church of South India, die Church of North India oder die Church of Pakistan. Für eine vollständige Liste aller Mitglieder der Gemeinschaft siehe Liste der Mitgliedskirchen der Anglikanischen Gemeinschaft. Die Provinzen bzw. Kirchen, denen jeweils ein Primas (primate) vorsteht, bestehen meist aus mehreren Bistümern.

Die Zahl der Mitglieder ist schwer zu bestimmen, da viele Kirchen bei den Angaben zur Mitgliederzahl nicht angeben, worauf sich diese bezieht (regelmäßige Gottesdienstbesucher, registrierte Kirchenmitglieder, traditionell mit der Kirche verbundene gelegentliche Kirchgänger). Oftmals wird die Zahl von ca. 80 Millionen Mitgliedern verwendet.Siehe https://www.anglicansonline.org/basics/index.html Die Anglikanische Gemeinschaft selbst gibt auf ihrer Website die Zahl vorsichtiger mit mehreren zehn Millionen („tens of millions Christians“) an.Siehe Anglican Communion: Member Churches, abgerufen am 17. Dezember 2020. Ein Aufsatz des Kirchenhistorikers Daniel Muñoz, der 2015 im Journal of Anglican Studies erschien, kam aber zu dem Ergebnis von nur etwa neun Millionen aktiven Kirchenmitgliedern.Zugang zum Artikel; Ruth Gledhill: Anglican membership figures could be out by millions. In: Christian Today, 12. November 2015, abgerufen am 17. Dezember 2020.

Anglikanische Kirchen gibt es vor allem in englischsprachigen Gebieten sowie in den Ländern des Commonwealth (insbesondere den Commonwealth Realms). Vereinzelte Gemeinden finden sich auch in den meisten übrigen Staaten.

Darüber hinaus gibt es Kirchen, die der anglikanischen Tradition angehören, jedoch nicht zur Anglikanischen Gemeinschaft gehören (u. a. die sogenannten Anglican continuing churches).

Leitung der Kirchengemeinschaft Die Gemeinschaft kennt keine zentralisierten Strukturen der Autorität, sondern vertritt seit der englischen Reformation das Prinzip, dass kein Bischof (ob von Rom, Canterbury oder Konstantinopel) für die Geschäfte eines anderen Bistums weisungsbefugt ist. Dennoch gibt es in der Gemeinschaft vier sogenannte Instruments of Unity („Instrumente der Einheit“). In der Reihenfolge ihres Alters sind diese: der Erzbischof von Canterbury, die Lambeth Conference, das Anglican Consultative Council und das Primates’ Meeting (Treffen der Primaten, der ranghöchsten Bischöfe der einzelnen Provinzen).

Oberster geistlicher Leiter der Kirche ist der Primas der Church of England, also der Erzbischof von Canterbury (seit 28. Januar 2026 als erste Frau in diesem Amt Sarah Mullally) als primus inter pares. Er, dessen Amt seit Gründung durch Augustinus von Canterbury im Jahr 597 besteht, besitzt kein Weisungsrecht gegenüber den übrigen Kirchen der Kirchengemeinschaft. Seit 1867 tagt die Lambeth Conference, eine Konferenz der Bischöfe aller Kirchen der Anglikanischen Kirchengemeinschaft, alle zehn Jahre. Aufgrund der prekären Situation der Anglikanischen Gemeinschaft fand die für 2018 geplante Konferenz erst im Juli/August 2022 statt. Die Anglikanische Beratende Versammlung (ACC: Anglican Consultative Council) tritt seit 1968 etwa alle drei Jahre zusammen und hat in erster Linie koordinierende Funktionen. Sie setzt sich je nach Größe der jeweiligen anglikanischen Kirchen(provinz) aus einem bis drei Delegierten zusammen. Der Erzbischof von Canterbury beruft seit 1979 die Treffen der Primaten (Vorsteher) der anglikanischen Kirche ein und leitet sie. Diese Treffen, die anfangs alle zwei bis drei Jahre stattfanden und seit 2000 jährlich, haben ebenfalls kein Weisungsrecht gegenüber den einzelnen Kirchen. Gewöhnlich wird dabei ein gemeinsamer Pastoralbrief herausgegeben.

Aufbau einer anglikanischen Kirche/Kirchenprovinz Die Mitgliedskirchen werden Kirche oder Provinz genannt. Einige dieser Kirchenprovinzen decken sich mit den Grenzen politischer Staaten, einige erstrecken sich über mehrere Staaten, während andere nur Teilbereiche einer Nation einschließen.

Geleitet wird jede Kirche von einer Synode, die sich aus den Bischöfen, Klerusvertretern und Laienvertretern zusammensetzt. Die Versammlung kann aus einem Haus (Synode) oder aus zwei Kammern (z. B. Haus der Bischöfe, Haus der Deputierten) zusammengesetzt sein und tagt stets zu bestimmten Zeiten. In einigen Fällen besteht neben ihr ein Provinzbüro, in dem alle laufenden Angelegenheiten der Kirche bearbeitet werden. In anderen Provinzen besteht an der Stelle des Provinzbüros ein Executive Committee, das sich ebenfalls mit Fragen der Finanzen oder Klerikerausbildung beschäftigt. Oft wird das Büro bzw. Komitee von einem Generalsekretär geleitet.

Jeder anglikanischen Kirche steht ein Primas vor. Dieser kann der Bischof eines bestimmten Sitzes sein, so wie für England in Canterbury, ist aber für gewöhnlich nicht daran gebunden, sondern wird auf der Provinzsynode gewählt. In den meisten Fällen trägt er den Titel eines Erzbischofs, und oft ist seine Amtszeit beschränkt. In der Episkopalkirche der USA lautet der Titel des Primas Presiding Bishop.

Aufbau einer anglikanischen Diözese Jeder Diözese steht ein Bischof vor, dem – wenn die Diözese von entsprechender Größe ist – Suffraganbischöfe beigeordnet sind. Diese haben eine ähnliche Rolle wie die Weihbischöfe der römisch-katholischen Kirche. Es kann zwar vorkommen, dass sie einen eigenen Bezirk innerhalb der Diözese zugeordnet bekommen, sie bleiben aber in jedem Fall dem Diözesanbischof untergeordnet. Manchmal wird die Regionalaufsicht stattdessen durch einen sogenannten Archidiakon oder einen Dekan ausgeführt (siehe unten).

Die Kirchengemeinschaft sieht sich als in der Apostolischen Sukzession stehend an.Siehe Dieser Anspruch wird sowohl von der orthodoxen als auch von der altkatholischen Kirche anerkannt, nicht jedoch von der römisch-katholischen Kirche (siehe Apostolicae curae).

Der Diözesanbischof besitzt meistens eine Kathedrale, an welcher es den Kathedralklerus gibt. Dieser untersteht dem Dean (Dekan) oder Provost (Propst) und kann sich ggf. in Residenzkanoniker, Honorarkanoniker (Praebendare) und Niedere Kanoniker unterteilen.

Der Diözesanklerus besteht aus Priestern, die entsprechend der Gemeinde, in der sie tätig sind, vicars oder rectors (Pfarrer), curates (Kapläne/Vikare) oder assistant curates/priests sind, sowie aus Diakonen. Mehrere Pfarrkirchen sind in Dekanaten zusammengefasst. Besonders große Diözesen sind in Archdeaneries (Erzdekanate) unterteilt, denen Archdeacons vorstehen (manchmal mit den Suffraganbischöfen identisch). Diese Erzdekanate ähneln den Regionen in großen römisch-katholischen Diözesen.

Um in die Reihen des Klerus der anglikanischen Kirche aufgenommen zu werden, bewirbt man sich beim Bischof einer Diözese. Dieser wird diese Bewerbung an ein Gremium (Selection Conference) weiterleiten, das den Bewerber auf seine Eignung im Geistlichen, Geistigen, Gesundheitlichen und Familiären prüft. Ist dies geschehen, so sendet es ein Gutachten an den jeweiligen Bischof, in welchem es den Bewerber empfiehlt, bedingt empfiehlt oder ablehnt. Zugleich macht es auch Vorschläge zur Ausbildung, welche von einem normalen Hochschulstudium bis zu regionalen Kursen reichen. Hat der Bewerber die Zustimmung des Bischofs erhalten, so untersteht er fortan einem Diocesan Director for Ordinands, der den Bewerber in allen Bereichen seines Lebens begleitet und zum Ende der Ausbildung ein Zeugnis zu dessen Eignung abgibt. Ist dieses positiv ausgefallen, so steht der Weihe des Bewerbers oder der Bewerberin nichts mehr im Wege.

Aufbau in Kontinentaleuropa Im 19. Jahrhundert gründeten sowohl die Church of England als auch die US-Episkopalkirche in Europa Pfarreien. Die Zielgruppe waren Glaubensangehörige im Ausland sowie Reisende. Zuständig für diese Pfarreien war ursprünglich der Bischof von London (im Fall der Church of England) bzw. der Presiding Bishop (im Fall der US-Episkopalkirche). Später übertrug der Bischof von London die Zuständigkeit an den neu eingesetzten Bischof von Gibraltar. mini|All Saints Church, Köln-Marienburg 1980 wurde durch eine Union der Diözese von Gibraltar und der vom Bischof von Fulham geleiteten Jurisdiktion of North and Central Europe die Diözese in Europa (Diocese [of Gibraltar] in Europe) gegründet, die seither für die Gemeinden in Europa außerhalb Großbritanniens und Irlands zuständig ist (zusätzlich für einige Länder in Zentralasien und Nordafrika). Parallel stärkte die US-Kirche die Autonomie der europäischen Pfarreien durch die Struktur der Convocation of Episcopal Churches in Europe, eine bistumsähnliche Organisation mit einem Suffraganbischof, der ursprünglich vom Presiding Bishop ernannt wurde. Im Juni 2001 wurde Pierre Whalon erstmals durch den Klerus und Volk der Convocation als Bischof gewählt. Er trat von dem Amt 2018 zurück wegen Erreichung der Altersgrenze. Sein Nachfolger ist Mark D. W. Edington, gewählt am 20. Oktober 2018 und in das Amt eingeführt zum 1. März 2019. Die feierliche Amtseinführung unter der Leitung des Presiding Bishops fand am 6. April 2019 in der Kathedrale in Paris statt.

In Deutschland gibt es rund 40 anglikanische bzw. episkopale Gemeinden, von denen sich die englischsprachigen 1997 zum Council of Anglican and Episcopal Churches in Germany (CAECG) zusammengeschlossen haben. Viele von ihnen wurden im 19. Jahrhundert gegründet und erfuhren in der Besatzungszeit nach dem Zweiten Weltkrieg neuen Aufschwung, manche – wie die Gemeinde in Hamburg – gehen auf Handelsbeziehungen zwischen England und Kontinentaleuropa im 17. Jahrhundert zurück. Eine Reihe von deutschsprachigen Gemeinden entstanden in den letzten Jahren und zählen sich zur Church of England, der Anglican Independent Communion oder der Anglican Church in North America.