mini|hochkant|Maarten van Heemskerck (1498–1574): Adam und Eva. Der Geschlechts­unterschied wird durch die Verwendung verschieden­farbiger Inkarnate hervor­gehoben. mini|Lucas Cranach der Ältere: Adam und Eva (um 1518) mini|Michelangelo: Sündenfall und Vertreibung aus dem Paradies (Sixtinische Kapelle, um 1512) mini|hochkant|Bjørn Nørgaard: Adam und Eva, Skulptur am Germaniahafen in Kiel (1989) mini|hochkant|Gustav Klimt: Adam und Eva (um 1917)

Adam und Eva waren nach der biblischen Erzählung im 1. Buch Mose (Kapitel 2 bis 5) das erste Menschenpaar und somit die Stammeltern aller Menschen. Demnach formte Gott den Adam aus Erde und hauchte ihm den Lebensatem ein. Anschließend gab Adam zwar den Tieren Namen, fand aber kein partnerschaftliches Gegenüber. Daraufhin ließ Gott Adam in einen tiefen Schlaf fallen, entnahm ihm eine Rippe (wörtlich: „Seite“) und schuf aus dieser sein Gegenüber Eva. Während in der Erzählung bis zu diesem Punkt immer von „dem Menschen“ (Adam) gesprochen wird, erkennt Adam nun in der Begegnung mit dem neuen Wesen sich als Mann und ihm gegenüber Eva als Frau. Adam wird auch im Koran erwähnt, der heiligen Schrift des Islams.

Etymologie mini|Darstellung der Erschaffung Adams aus Lehm bzw. Erde (prima materia der Alchemie) Das Wort „Adam“ (), das in der Schöpfungserzählung als Eigenname gebraucht wird, bedeutet „Mensch“ (im Gegensatz zu anderen Lebewesen, insbesondere den Tieren). Auf das ähnlich klingende Wort Adamah ( „Erde, Erdboden“) wird durch den Schöpfungsakt Bezug genommen.Wilhelm Gesenius: Hebräisches und Aramäisches Handwörterbuch über das Alte Testament. Herausgegeben von Herbert Donner. 18. Auflage. Springer, Berlin/Heidelberg 1995, S. 10/11.

Die Herkunft des Namens „Eva“ (, oder ; ) ist umstritten. Eine Möglichkeit ist die künstlich archaisierende Bildung aus מְחַוָּה, mit der Bedeutung „die ins Leben Rufende“; dies korrespondiert mit der volksetymologischen Deutung in . Die andere Möglichkeit ist die Herleitung von ḥwj’ „Schlange“. Dieser Name wird im Alten Testament nur an zwei Stellen genannt, nämlich in und 4,1 . Zuvor wird sie stets als „Frau“ Adams bezeichnet. Die hebräischen Wörter für Frau ( ) und Mann ( ) sind einander sehr ähnlich, obwohl sie nicht miteinander verwandt sind.Rein akustisch klingt zwar wie die grammatische Verweiblichung von , etymologisch sind die Worte allerdings aus zwei unterschiedlichen Konsonantenwurzeln konstruiert: aus ʔ-y-š () mit dem Bedeutungsfeld „Person“, „Persönlichkeit“, und aus ʔ-n-š () mit dem Bedeutungsfeld „menschlich“, „verletzlich“. Als Folge einer früheren Totalassimilation verwandelte sich der Konsonant /n/ im Wort () in eine Gemination des Konsonanten š, repräsentiert durch das starke Dagesch im Buchstaben ש; das /n/ existiert jedoch in verwandten Worten wie oder . Es handelt sich um ein Wortspiel: So, wie der gleichzeitig „männliche“ und „weibliche“ Mensch (ādām) aus der Erde (ădāmāh) hervorging, so ging die Frau (iššāh) aus dem Mann (īš) hervor.

In der Septuaginta wird der Name Adam als Eigenname Αδάμ adam wiedergegeben, während der Name Eva mit Ζωἠ Zoë „Leben“ übersetzt wird. Im Neuen Testament, wo Eva nur an zwei Stellen erwähnt wird ( und ), wird der Name Eva dagegen griechisch Εὕα Heúa umschrieben. In der Biblia Vulgata des Mittelalters lautet ihr Name schließlich Hava, Heva oder dann Eva.

Textliche Überlieferungen Biblischer Schöpfungsbericht Im biblischen Schöpfungsbericht () steht: „Gott erschuf den Menschen als sein Bild, als Bild Gottes erschuf er ihn. Männlich und weiblich erschuf er sie.“ Adam und Eva leben zunächst im Garten Eden. Dort wird Eva von der SchlangeVergleiche hierzu auch Apophis: Der altägyptische, im Mittleren Reich wirkende Gott ist die Verkörperung von Auflösung, Finsternis und Chaos und zugleich der große Widersacher des Sonnengottes Re – die Sonnenbarke des Re wird jede Nacht während der Reise durch die Unterwelt (ägyptisch Duat) von der Schlangengottheit angegriffen. überredet, trotz Gottes Verbot vom Baum der Erkenntnis von Gut und Böse zu essen. Diese Schlange wird in der christlichen Tradition oft auf den Teufel bezogen; diese Gleichsetzung findet sich schon im Neuen Testament in .Siehe z. B. Adolf Pohl in der Wuppertaler Studienbibel zu Off 12,9 (Seite 326): „An unserer Stelle finden wir eine ausdrückliche Gleichsetzung mit der Paradiesschlange von 1 Mo 3: die uralte Schlange“. Das gängige Bild vom Apfel als verbotener Paradiesfrucht beruht nicht auf einem Übersetzungsfehler der lateinischen Bibel, der Vulgata, sondern darauf, dass in der lateinischen Sprache das Wort malus „Apfelbaum“ bedeuten kann, aber auch „schlimm, böse“, ebenso wie malum „Apfel“ bedeuten kann oder „das Übel, das Schlechte, das Böse“.Malus, mali = Apfelbaum; Malum, Mali = der Apfel (Singular); malus = böse ist Adjektiv, malum = das Böse ist Substantiv. Karl Ernst Georges, Ausführliches Lateinisch-Deutsches Handwörterbuch. Nachdruck 1995. Bd. II Sp. 783 – 787. Daraus ergab sich ein naheliegendes Wortspiel, zumal die Vulgata den „Baum der Erkenntnis von Gut und Böse“ aus dem hebräischen Urtext übersetzte mit lignum scientiae boni et mali.Hans Zimmermann: Quellentexte in 12 Sprachen: Genesis. Private Webseite, Stand 2012, abgerufen am 9. Mai 2019. Die im Essen der verbotenen Frucht zum Ausdruck kommende Abkehr von Gottes Geboten gilt sowohl in der jüdischen als auch in der christlichen Religion als Ungehorsam gegenüber Gott.Daniel Burston: In: International Forum of Psychoanalysis. Band 3, 1994, S. 205–219 (englisch). Das Christentum spricht vom Sündenfall.

Als Folge der Rebellion beschreibt die Bibel, dass Adam und Eva ihre Nacktheit erkennen, woraufhin sie sich einen Schurz aus Feigenblättern anfertigen. Vor Gott versuchen sie sich zu verstecken. Zum ersten Mal ist etwas im Garten Eden vorhanden, was vorher nicht bekannt war: die Verletzung des Schamgefühls. Gott stellt sie zur Rede, woraufhin Adam die Schuld Eva zuschreibt und Eva der Schlange. Beide werden aus dem Garten Eden vertrieben, Gott macht ihnen jedoch Fellkleidung als Schutz. Eva muss fortan Kinder unter Schmerzen gebären, Adam wird der harte und mühselige Ackerbau auferlegt. Die klassischen Worte aus : „Denn Staub bist du und zum Staub zurück kehrst du“ bringen nach christlicher Interpretation zum Ausdruck, dass nun der Tod in die Welt getreten ist, da die Menschen sterblich geblieben sind. Zwischen Eva, der Schlange und ihren jeweiligen Nachkommen wird Feindschaft herrschen.

In der biblischen Erzählung zeugt Adam nach der Vertreibung aus dem Paradies mit Eva Kain, Abel und Set. erwähnt außerdem weitere nicht namentlich genannte Töchter und Söhne, die Adam nach der Geburt Sets gezeugt hat. Adams gesamtes Lebensalter wird mit 930 Jahren angegeben. Westliche Alchemisten schrieben seine Langlebigkeit und die der Patriarchen der Kenntnis um den sogenannten Stein der WeisenAllison Coudert: Der Stein der Weisen. Die geheime Kunst der Alchemisten. (Originalausgabe: Alchemy: the Philosopher's Stone. 1980) Lizenzausgabe. Pawlak, Herrsching 1992, ISBN 3-88199-911-6, S. 224. zu.

Berichte vom Leben Adams und Evas Mit Leben Adams und Evas bzw. Apokalypse des Mose wird eine Gruppe inhaltlich eng verbundener Schriften bezeichnet, deren Gegenstand das Leben Adams und Evas nach deren Vertreibung aus dem Paradies ist.

Sumerischer Schöpfungsbericht Der Atraḫasis-Epos, der von einem unbekannten Dichter um 1800 v. Chr. in einem der Stadtstaaten Mesopotamiens verfasst wurde, berichtet von der sumerischen Genesis. Ein im frühen Babylon tätiger Schreiber überarbeitete das Epos während des 12. Regierungsjahres seines Königs Ammi-saduqa. Weitere mehr oder minder variierende Abschriften folgten im ersten Jahrtausend v. Chr.

Ugaritischer Schöpfungsbericht Die niederländischen Wissenschaftler Marjo C.A. Korpel und Johannes de Moor von der Protestantisch-Theologischen Universität in Amsterdam publizierten 2014 die Ergebnisse ihrer Untersuchung von Tontafeln aus Ugarit aus dem 13. Jahrhundert v. Chr., die eine frühe Version des Mythos von Adam und Eva enthalten.Marjo C.A. Korpel, Johannes C. de Moor: Adam, Eve, and the Devil: A New Beginning. Phoenix Pr Ltd, Sheffield 2014, ISBN 978-1-909697-52-2, S. ??.Meldung: Eva hatte keine Schuld: Forscher entschlüsseln Tontafeln. In: Die Presse. 18. Mai 2014, abgerufen am 9. Mai 2019. Rund 800 Jahre älter als die Fassung im 1. Buch Mose, erzählt dieser in ugaritischer Sprache in Keilschrift verfasste Text von einem Kampf zwischen dem Schöpfergott El, dem höchsten der Götter, und einem Widersacher namens Horon, der El stürzen möchte: Die Götter leben in einem paradiesischen Garten, in dem auch der Unsterblichkeit verleihende Baum des Lebens wächst. Horon wird von dort verbannt, woraufhin er die Gestalt einer großen Schlange annimmt, den Baum des Lebens vergiftet und in einen Baum des Todes verwandelt, der alles Leben auf der Erde bedroht. Die Götter wählen einen aus ihrer Mitte aus, um den Abtrünnigen zu bekämpfen. Doch der Auserwählte, Adam, scheitert, als Horon in Form der Schlange ihn beißt und ihn so seiner Unsterblichkeit beraubt. Den verbliebenen Göttern gelingt es, Horon zu zwingen, den vergifteten Baum zu entwurzeln. So bleibt die Unsterblichkeit zwar verloren, aber das Leben kann weitergehen. Die Sonnengöttin erschafft als Partner für den nun sterblichen Adam eine „gute Frau“. Sie und Adam erlangen, indem sie Nachkommen zeugen, eine neue Form der Unsterblichkeit.Pressemeldung: Protestantisch-Theologische Universität, Amsterdam/Groningen, 27. Mai 2014, abgerufen am 9. Mai 2019.ORF-Science: Religionswissenschaft: Adam und Eva: 800 Jahre älter als die Bibel?, 19. Mai 2014.

Deutung Jüdische Deutungen Aus dem Vers : „Es ist nicht gut, dass der Mensch allein sei“ wird nach rabbinischer Deutung die Verpflichtung des Menschen zur Eheschließung abgeleitet.

In der Sicht des hellenistisch-jüdischen Philosophen Philon von Alexandria hat die Rebellion die folgende Bedeutung: Es existieren zwei Schöpfungen, die des himmlischen und die des irdischen, aus Staub geschaffenen und der Vergänglichkeit unterworfenen Menschen. Adam steht für die Vernunft, Eva für die Sinnlichkeit, die Schlange für die Lust. Der Aufstand gegen Gott entsteht durch eine Störung der betrachtenden Vernunft, wobei die Schlange als Vehikel der Versuchung dient.

Christliche Sichtweisen Die lateinische Kirche entwickelt aus der biblischen Erzählung den Begriff der Erbsünde, sie begreift Adam als Typ und Haupt-Figur der Menschheit. Als solcher kann er, wie der Apostel Paulus im Römerbrief schreibt, ursächlich für den Tod aller Menschen sein. Diesem „alten (Menschentypus) Adam“ wird Jesus Christus als der eine „neue Adam“ gegenübergestellt, dessen Kreuzestod im Gehorsam gegenüber dem Willen des Vaters () und dessen Auferstehung ein Leben im Sieg über die Mächte des Todes hinaus ermöglichen (vgl. . , siehe auch Sündenfall). Diese Interpretation wird aber nicht von der Ostkirche akzeptiert, wo die Erbsünde unbekannt ist; es heißt nur, dass der Tod durch Adam und Eva in die Welt gebracht wurde und in der Auferstehung Jesu das Paradies wieder erschlossen ist (vgl. die Anastasis-Ikonen, wo Adam und Eva an der Hand des Auferstandenen aus dem Todesgrab herausgeführt werden, siehe unten).