Als 365-Euro-Ticket, auch 365-Euro-Jahreskarte, bezeichnet man im öffentlichen Personenverkehr eine Zeitkarte für ein Jahr, die zum Preis von umgerechnet einem Euro pro Tag zum uneingeschränkten Fahren in einem bestimmten Gebiet berechtigt. Das erste 365-Euro-Ticket wurde am 1. Mai 2012 in Wien eingeführt. Es führte in den ersten fünf Jahren zu einer Verdoppelung der verkauften Jahreskarten.
Seit damals wird sowohl in Österreich als auch in Deutschland in verschiedenen Städten und deutschen Bundesländern über die generelle Einführung eines solchen Tickets nach Wiener Vorbild diskutiert. Verstärkt geführt wird die Diskussion um die Einführung nach „Wiener Modell“Melanie Berger: Öffentlicher Nahverkehr. Jahresticket 365 Euro: Deutsche Städte mögen Wiener Modell. In Wien haben mehr Menschen ein Jahresticket für den Öffentlichen Nahverkehr als ein Auto. Bonn und Reutlingen wollen sich an der Verkehrspolitik der Stadt orientieren. In: Der Tagesspiegel, 30. Juni 2018, abgerufen am 10. Juli 2019. insbesondere, seitdem der Klimawandel intensiv öffentlich thematisiert wird. Aktuell (September 2025) existiert diese Zeitkartenvariante in Deutschland nur in Münster und in Radolfzell, wobei weitere, ähnliche Zeitkarten sonst fast ausschließlich an einzelne Nutzergruppen (Auszubildende, Schüler, Senioren) verkauft werden.
Österreich
Österreichweit
1-2-3-Ticket Im Juni 2016, vier Jahre nach Einführung der Wiener Jahreskarte um 365 Euro und kurz vor der bevorstehenden Tarifreform im Verkehrsverbund Ost-Region, forderten die Verkehrssprecher der Grünen Wiens, Niederösterreichs, des Burgenlandes und des Bundes in einer gemeinsamen Pressekonferenz eine bundesländerübergreifende Jahreskarte für die drei Bundesländer der Ostregion zum Preis von 365 Euro, die in sämtlichen öffentlichen Verkehrsmitteln in den drei Bundesländern gelten sollte.
Im Juli 2017 propagierten die Grünen unter dem Motto „Das Grüne 365-Euro-Ticket“ sowie „Österreich-Ticket: Leistbare Öffis für alle“ die Formel „1 × 365 – 1 Bundesland, 2 × 365 – 2 Bundesländer, 3 × 365 – ganz Österreich“, ergänzt um einen ermäßigten Tarif für bestimmte Personengruppen. Im Prinzip war damit ein „1-2-3-Ticket“ konzipiert, jedoch noch ohne diese Bezeichnung. Allerdings deckte sich der Plan der Grünen nicht 1:1 mit der plakativen Formel, denn in den Detailinfos hieß es „ein Bundesland/ein Verkehrsverbund“, womit die Forderung aus dem Vorjahr nach einem gemeinsamen 365-Euro-Ticket für die drei im Verkehrsverbund Ost-Region zusammengeschlossenen Bundesländer einbezogen wurde.
Im Juli 2019 forderte die Sozialdemokratische Partei Österreichs (SPÖ) ein „1-2-3-Klimaticket“. Dieses solle für ein Bundesland 365 Euro kosten, für drei Bundesländer 730 Euro und für ganz Österreich 1.095 Euro und für sämtliche öffentlichen Verkehrsmittel im jeweiligen Bereich gelten, die preisliche 2er-Stufe soll also anders als bei den Grünen generell für drei Bundesländer gelten.
In dem im Jänner 2020 präsentierten Koalitionsabkommen der türkis-grünen Koalitionsregierung wurde das „1-2-3-Ticket“ zur „Erreichung der Klimaziele“ und als „breit leistbar und zugleich unkompliziert zugänglich“ vorgesehen: „Um 1 Euro pro Tag in einem Bundesland, um 2 Euro pro Tag in einem und im Nachbarbundesland, um 3 Euro pro Tag das gesamte Bundesgebiet.“ Ende Jänner 2020 kündigte die Regierung an, die Pläne für das „1-2-3-Ticket“ (manchmal auch als „1-2-3-Karte“, „1-2-3-Klimaticket“ oder als „Klimaticket“ bezeichnet) trotz einiger Hürden rasch umzusetzen. Es galt als „Leuchtturmprojekt“ der Grünen und als Prestigeobjekt der Bundesregierung. Anfang Juni 2020 wurde bekanntgegeben, dass die Finanzierung mit 240 Mio. Euro für die österreichweite Variante des „1-2-3-Ticket“ zum Preis von 1.095 Euro gesichert sei und das Ticket im Jahr 2021 eingeführt werde.
Die damalige Österreichcard, die in den Zügen aller österreichischer Bahnunternehmen mit Ausnahme der alternativen Bahnbetreiber als Jahresnetzkarte anerkannt wurde, kostete für die 2. Klasse im Jahr 2019 1.889 Euro und im Jahr 2020 1.944 Euro. Das bundesweite Klimaticket zum Preis von 1.095 Euro ist fast um die Hälfte billiger und gilt österreichweit in sämtlichen öffentlichen Verkehrsmitteln (Bahn, Regionalbusse, Stadtverkehre); es ist somit die österreichische Entsprechung zum Schweizer Generalabonnement.
Am 15. Juni 2020 wurden im Rahmen einer Konferenz im Verkehrsministerium mit Vertretern von Bahnunternehmen, der Bundesländer, der Verkehrsverbünde und der städtischen Verkehrsbetriebe wurde bekannt, dass die Anfang Juni kommunizierte Einigung über die Finanzierung ohne Absprache mit den Ländern erfolgte und die Abgeltungsmodalitäten noch keineswegs feststehen, sondern erst jetzt seitens des Ministeriums mehrere Abgeltungsmodelle vorgestellt wurden. Die nicht erfolgte vorherige Absprache mit den Ländern stieß allgemein auf Unmut unter deren Vertretern. Der Landeshauptmann des Burgenlands, Hans Peter Doskozil (SPÖ), äußerte öffentlich scharfe Kritik an der Vorgangsweise und qualifizierte sie als „Nacht-und-Nebel-Aktion“ sowie als „dilettantisch“ und „nicht durchdacht“.
Zusätzlich zum bundesweiten KlimaTicket wurden auch KlimaTickets für die Bundesländer vorgestellt, die nur teilweise den geplanten Preis von 365 Euro einhalten konnten. Zum Jahreswechsel 2025/26 stieg auch in Wien, wo seit Mai 2012 eine Jahreskarte für 365 Euro verfügbar war, der Preis auf 467 Euro.
KlimaTicket
Am 18. August 2021 wurde vom Bundesministerium für Klimaschutz, Umwelt, Energie, Mobilität, Innovation und Technologie das KlimaTicket vorgestellt. Der reguläre Kaufpreis betrug zunächst 1.095 Euro (3 × 365) bzw. ermäßigt 821 Euro (75 %; für Senioren ab 65 Jahren, Behinderte und Jugendliche bis 25 Jahren). Der erste Gültigkeitstag war der 26. Oktober 2021 (Nationalfeiertag). Es gilt im öffentlichen Nahverkehr ganz Österreichs sowie in allen Zügen der ÖBB und der WESTbahn. Der Vorverkauf begann am 1. Oktober 2021 mit ermäßigten Preisen.
Burgenland / Niederösterreich
Seit der im Juli 2016 erfolgten Tarifreform im Verkehrsverbund Ost-Region beträgt der Jahreskartenpreis pro Gemeinde 365 Euro, unabhängig davon, ob es sich um größere oder kleinere Städte oder um Dörfer handelt.
Das VOR KlimaTicket Region kostet für beide Bundesländer 533 €.
Kärnten
Die Stadtwerke Klagenfurt boten für Kunden mit Hauptwohnsitz in Klagenfurt ein 365-Euro-Ticket (Jahreskarte PLUS) an. Im Juli 2024 wurde der Preis auf 290 Euro gesenkt.
Oberösterreich
Das am 26. Oktober 2021 eingeführte Klimaticket OÖ kostete zunächst in seiner billigsten Variante (OÖ Regional: Landesweit gültig, aber ohne Stadtverkehrslinien in Linz, Wels und Steyr) 365 Euro im Jahr, für das gesamte Bundesland inklusive der Stadtverkehrslinien 550 Euro. Seit 2025 kostet das Ticket in der billigsten Variante 393 Euro, in der Komplettvariante 592 Euro.
Salzburg
Im Bundesland Salzburg wurde zum 1. Jänner 2020 unter dem Namen myRegio Jahresticket eine Jahreskarte eingeführt, welche für eine Region des Bundeslandes 365 Euro kostete (landesweit 595 Euro). Die myRegio Jahreskartenprodukte des Salzburger Verkehrsverbundes war mit bis zu 20 % Klimabonus durch das Umweltressort des Land Salzburg gestützt. „myRegio Jahreskarten“ mit Berechtigungen für die Stadt Salzburg sind zusätzlich gestützt aus Fördermitteln der Stadt Salzburg sowie des Verkehrsressorts des Landes. Diese Förderungen waren bereits im Abgabepreis berücksichtigt (Stand Juni 2020).
Im August 2021 kündigte Verkehrslandesrat Stefan Schnöll die zeitnahe Einführung eines 365-Euro-Tickets im Bundesland Salzburg an. Dieses wurde zum 1. Jänner 2022 unter dem Namen KlimaTicket Salzburg eingeführt. Es gilt auch nach und in Freilassing. Seit 2025 kostet es 393 Euro.
Tirol
Im Juni 2017 wurde im Verkehrsverbund Tirol (VVT) eine Tarifreform mit der Intention einer massiven Senkung der Zeitkarten-Preise durchgeführt. Der Preis der Jahreskarte für Innsbruck wurde mit 350 Euro, für eine Region mit 380 Euro und für ganz Tirol mit 490 Euro festgelegt – der Preis lag also trotz Beteiligung der Grünen an der Tiroler Landesregierung deutlich über den von ihnen propagierten 365 Euro je Bundesland (siehe Abschnitt „Österreichweit“). Nach Preiserhöhungen kostete die Jahreskarte im August 2022 für Innsbruck 394,70 Euro, für eine Region 403 Euro und für ganz Tirol 519,60 Euro. Ab Jänner 2023 wurden die Preise um 10 % gesenkt, 2024 jedoch wieder auf das Niveau von 2022 angehoben.
Vorarlberg
Mit Jänner 2014 wurde der Preis der bundeslandweiten Jahreskarte (maximo) von 592 Euro auf 365 Euro gesenkt und somit nach dem Vorbild Wiens ein 365-Euro-Ticket eingeführt. Der Preis blieb von 2014 bis 2017 unverändert bei 365 Euro. Am 1. Jänner 2018 wurde er auf 370 Euro und am 1. Jänner 2020 auf 385 Euro angehoben.
Mit Einführung des Klimatickets in Österreich Ende Oktober 2021 wurde die Jahreskarte maximo zum Klimaticket VMOBIL. Aus diesem Anlass wurde bei Kauf oder Verlängerung einer Jahreskarte ab November 2021 ein Jahr lang ein Rabatt von 30 Euro gewährt. Somit waren für eine Jahreskarte mit Beginndatum 1. November oder 1. Dezember 2021 nur 355 Euro zu bezahlen. Mit Jänner 2022 wurde der Preis nominell auf 393 Euro erhöht, bis Oktober 2022 war der effektive Kaufpreis dementsprechend 363 Euro. Im Juli 2024 lag der Preis bei 369 Euro (421 Euro abzüglich 52 Euro Sofortrabatt).
Wien
Die nach der Gemeinderatswahl 2010 gebildete rot-grüne Stadtregierung senkte den Preis der Jahreskarte für die Wiener Linien ab Mai 2012 auf 365 Euro. Die Wiener Linien lehnten diese Maßnahme ab und forderten eine Erhöhung des bestehenden Preises von 449 Euro um 14 %. Durch die Preisreduktion stiegen frühere Nutzer von Wochen- und Monatskarten auf die Jahreskarte um, die Wiener Linien konnten aber keine zusätzlichen Fahrgäste gewinnen. Während sich die Zahl der verkauften Jahreskarten mehr als verdoppelte, war der Zugewinn an Fahrgästen schwächer als das Bevölkerungswachstum von Wien. Eine Änderung des Modal Split durch Umstieg von Autofahrern auf öffentliche Verkehrsmittel konnte nicht nachgewiesen werden. Während im Jahr 2011 37 % aller Wege mit öffentlichen Verkehrsmitteln zurückgelegt wurden, blieb die Quote im Jahr 2018 mit 38 % nahezu gleich. Seit Januar 2026 beträgt der Preis der Jahreskarte 467 Euro.
Diskussion und Kritik in Österreich Die prinzipielle Kritik an einer Festlegung auf die magischen 365 Euro ist, dass damit der Preis einzementiert werde und inflationsbedingte Preiserhöhungen nur schwerlich möglich würden. Außerdem wäre eine drastische Preissenkung auf 365 Euro kaum rückgängig zu machen, falls das 365-Euro-Ticket nicht zu einer deutlichen Verkaufssteigerung führt und Einnahmeausfälle entstehen, so der Tarifexperte Stefan Weigele, der vor der Einführung des 365-Euro-Tickets in Wien gewarnt hat.
Dass die Zahl der Jahreskarten in Wien massiv angestiegen ist und der Preis bisher nicht erhöht wurde, sei zu einem guten Teil auf die sukzessive Ausweitung der Parkraumbewirtschaftung zurückzuführen, die wie von allen Verkehrsexperten auch von Weigele als „wirkungsvolle Maßnahme“ angesehen wird. Generell wichtiger als der Preis sei das Angebot – vor allem dichte Intervalle und keine überfüllten Züge –, darin sind sich Weigele und Sebastian Kummer vom Institut für Transportwesen an der Wirtschaftsuniversität Wien einig. In Bezug auf das „1-2-3-Ticket“ sieht Letzterer die Notwendigkeit von zusätzlichen Ausgaben für Infrastrukturausbau und Taktverdichtung in Höhe von 1 bis 2 Milliarden Euro jährlich, die derzeit nicht vorgesehen sind.Ö1-Morgenjournal vom 28. Jänner 2020. In: Hörfunkprogramm Ö1. ORF
Schlussendlich wurden auf Länderebene fast gar keine 365-Euro-Tickets eingeführt – nur Salzburg führte ein solches Ticket zum Jahresbeginn 2022 ein und Wien bot bis Ende 2025 ein 365-Euro-Ticket an.
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