mini|Cincinnati Art Museum, Ansicht von Norden mit Eingangsportal links und daneben verschiedenen Anbauten, im Hintergrund ein Turm des Ursprungsgebäudes Das Cincinnati Art Museum ist ein 1881 begründetes Kunstmuseum in Cincinnati. Es befindet sich am östlichen Rand der Innenstadt im Eden Park in einem ab 1886 errichteten und mehrfach erweiterten Gebäudekomplex. Das Sammlungen beruhen vor allem auf Geschenke und Stiftungen von Bürgern der Stadt. Hierzu gehören Kunstwerke und Objekte aus nahezu allen Teilen der Welt, die rund 6000 Jahre Menschheitsgeschichte abbilden. Schwerpunkte der in 100 Ausstellungsräumen gezeigten Sammlungen sind Kunst und Kunsthandwerk aus dem Bereich der Vereinigten Staaten und aus Europa, sowie Exponate aus Afrika, Japan und dem mittleren Osten. Neben Gemälden, Skulpturen, Zeichnungen, Druckgrafik und Fotografien stellt das Museum Musikinstrumente, Kleidung, Textilien und angewandte Kunst bis hin zu verschiedenen Period Rooms aus. Darüber hinaus präsentiert das Museum jährlich mehrere Ausstellungen und bietet ein umfangreiches Bildungsprogramm an.

Geschichte Cincinnati entwickelte sich im 19. Jahrhundert von einer Siedlung mit weniger als 1.000 Einwohnern zu einer der zehntgrößten Städten der Vereinigten Staaten.Aaron Betsky: Cincinnati Art Museum Collection Highlights, S. 6–7. Transport, Handel und Industrie trugen zum Aufstieg und Wohlstand der Stadt bei.Carol Schoellkopf: Masterpieces from the Cincinnati Art Museum, S. 9–11. In diesem Umfeld spielten früh die Künste eine wichtige Rolle, insbesondere in den Bereichen Musik und Malerei. Die Stadt war Heimat zahlreicher Bühnen und eine Reihe von Künstlern lebten hier. In den Jahrzehnten vor Gründung des Cincinnati Art Museums gab es in der Stadt verschiedene Orte, an denen Kunst gezeigt wurde und einige Institutionen, die sich als Museum bezeichneten. Diese waren jedoch keine Kunstmuseen im engeren Sinn. Bereits 1818 entstand das von dem Maler Ralph Letton begründete Letton’s Museum, in dem unterschiedlichste Gegenstände wie Wachsfiguren, Kuriositäten, Tierpräparate, Mineralien und indianisches Kunsthandwerk zu sehen waren. Darüber hinaus zeigte er in der bis 1836 bestehenden Sammlung 50 Bildnisse von Bürgern der Stadt. Ebenfalls 1818 wurde mit dem Dr. Daniel Drake’s Western Museum eine naturhistorische Sammlung in der Stadt begründet. Zu dessen Mitarbeitern gehörte zeitweise der Ornithologe und Zeichner John James Audubon. Nach finanziellen Schwierigkeiten übernahm 1823 der Ausstellungsmacher Joseph Dorfeuille das Museum und stellte vor allem Wachsfiguren und Dioramen aus. 1828 begründete der Porträtmaler Frederick Franks mit der Gallery of Fine Arts einen kommerziellen Kunstsalon. Darüber hinaus unterrichtete er andere Maler der Stadt. 1839 übernahm er von Dorfeuille das Western Museum und wandelte es in eine Art Gruselkabinett um. Einen ähnlichen Rahmen bot 1829–1830 Frances Trollope, deren bizarr-exotische Ausstellung Mrs Frances Trollope’s Exotic Bazaar oder Trollope’s Folly genannt wurde.

Im Bereich der Kunsterziehung gehörte der aus Preußen stammende Maler und Bildhauer Frederick Eckstein zu den Pionieren in Cincinnati. Er unterrichtete ab 1823 an der Miss Bailey’s School for Young Ladies, bevor er 1828 die Academy of Fine Arts begründete. Diese Kunstakademie konnte zwar eine erste Kunstausstellung mit mehr als 100 Exponaten präsentieren, der Kunstunterricht musste jedoch nach wenigen Monaten wieder eingestellt werden. Ähnlich erging es Godfrey Frankenstein und John L. Whetstone, die 1838 einen erneuten Versuch der Gründung einer Kunstakademie unternahmen. Nachhaltiger wirkte die 1854 von Sarah Worthington King Peter begründete Ladies Academy of Fine Arts. Neben Kunstunterricht für Frauen begann diese Institution mit dem Aufbau einer Sammlung von Kopien bekannter Kunstwerke. Diese Kollektion gilt als erste öffentliche Kunstsammlung der Stadt. Darüber hinaus entstanden private Kunstsammlungen, wie die des wohlhabenden Geschäftsmanns Nicholas Longworth. Er unterstützte beispielsweise den Bildhauer Hiram Powers und den afroamerikanischen Maler Robert S. Duncanson. Zu seiner Kunstsammlung gehörte das Gemälde Ophelia and Laertes von Benjamin West, das sich heute im Cincinnati Art Museum befindet. Der Ruf von Cincinnati als Stadt für bildende Künstler wurde wesentlich von der 1869 gegründeten McMicken School of Design geprägt, aus der die heutige Art Academy of Cincinnati hervorging. mini|Ensemble von Art Academy of Cincinnati und Cincinnati Art Museum, Foto um 1900 Impulsgebend für die Gründung des Cincinnati Art Museum war die Weltausstellung Centennial Exhibition 1876 in Philadelphia. Im dort aufgestellten Woman’s Pavilion gab es einen Cincinnati Room, in dem Holzschnitte, Porzellanmalerei und Textilarbeiten von Frauen zu sehen waren. Verantwortlich für die Auswahl der Exponate war das hierzu berufene Woman’s Centennial Executive Committee. Hieraus entstand nach der Weltausstellung am 28. April 1877 die Woman’s Art Museum Association, eine Vereinigung von Frauen, die die Gründung eines Kunstmuseums in Cincinnati anstrebte. Zur Errichtung eines Museumsgebäudes spendete der Geschäftsmann Charles W. West 1880 einen Betrag von 150.000 US-Dollar, unter der Bedingung, die Bürger der Stadt sollten innerhalb eines Jahres den gleichen Betrag aufbringen. Tatsächlich konnte dieser weitere Betrag in nur einem Monat zur Verfügung gestellt werden. Millard F. Rogers, Jr.: Die Gemäldesammlungen des Cincinnati Art Museums in J. Carter Brown: Französische Impressionisten und ihre Wegbegleiter, S. 14. Es folgte am 15. Februar 1881 die Gründung der Cincinnati Museum Association als Trägergesellschaft. Die Stadt Cincinnati stellte 1882 zum Bau des Museumsgebäudes ein 800 Hektar großes Grundstück im Eden Park am östlichen Rand der Innenstadt zur Verfügung. Planung und Neubau nach Plänen von James W. McLaughlin (1834–1923) im Stil der Richardsonian Romanesque erfolgten von 1882 bis 1887 im Ensemble mit einer Museumsschule, der Art Academy of Cincinnati. mini|Eingangsbereich des ersten Museumsgebäudes mit historischem Treppenhaus von 1886 Erster Direktor des Museums wurde Alfred T. Goshorn, der zuvor Ausstellungen von Industrie- und Verbrauchsgüter organisiert hatte. Unter seiner Leitung sollte das Museum „den öffentlichen Geschmack fördern und auch lehren“. Für die Konzeption des neuen Museums diente das Victoria and Albert Museum in London als Vorbild. Beim Bau kamen bläulicher Kalkstein aus der Region und roter Granit aus Missouri zum Einsatz. Durch spätere Abrisse, Umbauten und Erweiterungen ist vom ursprünglichen Gebäude von außen nur wenig sichtbar. Lediglich die Westfassade sowie Kuppel und Türme sind noch zu erkennen. Im Inneren ist der Originaleingang mit kanadischen Granitsäulen erhalten. Bei der Eröffnung des Museumsgebäudes am 17. Mai 1886 wurde es als Art Palace of the West (Kunstpalast des Westens) gepriesen.

Noch bevor das Museum über ein eigenes Haus verfügte, konnte mit einer Kopie des Freskos Die Schule von Athen nach Raffael die Sammlung begründet werden. Es folgten, auch durch eine Stiftung von Joseph Longworth im Jahr 1882, weitere Werke, etwa von Carl Friedrich Lessing, Andreas Achenbach, Emanuel Leutze und Eastman Johnson. Hinzu kamen im selben Jahr Waffen und Rüstungen aus der Sammlung Hilliford. Diese frühen Sammlungsbestände wurden zunächst in angemieteten Räumen der Cincinnati Music Hall gezeigt. Die Sammlung wuchs nach Bezug des eigenen Museums kontinuierlich an, wobei vor allem Mäzene zum Ausbau beitrugen. 1887 gelangten als Geschenk von Thomas Cleneay 20.000 Objekte indianischer Kunst ins Museum. 1889 zeigte der Händler Carl Steckelmann seine umfangreiche Sammlung afrikanischer Kunst im Museum. Direktor, Vorstand und Freunde des Museum beschlossen danach den Ankauf dieser Sammlung. Das Cincinnati Art Museum besaß damit als erstes Museum der Vereinigten Staaten Kunst aus Afrika. Zu den weiteren frühen Erwerbungen gehörten Abgüsse von Antiken, darunter eine Replik der Nike von Samothrake im Louvre.Aaron Betsky: Cincinnati Art Museum Collection Highlights, S. 100.

Früh begann das Museum Werke von Künstlern aus Cincinnati zu erwerben. So gelangte 1892 das Gemälde Peasant Woman of Borst der Künstlerin Elizabeth Nourse in die Sammlung. 1894 organisierte Museumsdirektor Goshorn eine Ausstellung zeitgenössischer Kunst und erwarb im Anschluss mehrere Werke moderner amerikanischer Maler. Aaron Betsky: Cincinnati Art Museum Collection Highlights, S. 102. So fanden Bilder von Childe Hassam, John Henry Twachtman, Joseph DeCamp und Robert Frederick Blum Eingang in die Sammlung. Darüber hinaus Schenkte der aus Cincinnati stammenden Maler Frank Duveneck dem Museum zahlreiche seiner Werke, beispielsweise sein bekanntes Bild Whistling Boy.

Für die rasch wachsende Sammlung wurde bald ein Erweiterungsbau notwendig. Jacob G. Schmidlapp stiftete hierfür zur Erinnerung an seine Tochter Emma Louise die finanzielle Mittel. Der Schmidlapp Wing genannte Anbau mit einer Bibliothek und weiteren Ausstellungsräumen wurde nach Plänen von Daniel Burnham mit dorisch-griechischen Elementen im Stil des Neoklassizismus errichtet. Nach dem Tod von Alfred T. Goshorn 1902 folgte Joseph Henry Gest als Direktor. Unter seiner Leitung kam es zur systematischen Katalogisierung der Sammlungen, einer intensiven Zusammenarbeit mit Schulen und es begann der Unterricht in Kunstgeschichte im Museum. Aaron Betsky: Cincinnati Art Museum Collection Highlights, S. 105. 1910 gelangte die Sammlung John J. Emrey mit Werken von Giovanni Battista Tiepolo, Mary Cassatt und Alfred Sisley ins Museum. Für die Unterbringung der erweiterten Sammlungen stifteten die Schwestern Eliza and Mary Ropes Geld für einen Erweiterungsbau. Der nach ihnen benannte Ropes Wing wurde von den Architekten Garber und Woodward entworfen und 1910 eröffnet.

Als weitere bedeutende Stiftung kam 1927 die Altmeistersammlung von Mary M. Emery ins Haus. Hierzu gehören Werke von Frans Hals, Andrea Mantegna, Bartolomé Esteban Murillo und Tizian sowie Bilder des 19. Jahrhunderts von Jean-François Millet und Théodore Rousseau. Hinzu kam die Sammlung Herbert Greer French mit umfangreicher Druckgrafik und 1940 die Schenkung der Sammlung Emilie L. Heine mit mehreren Werken von Jean-Baptiste Camille Corot und Gemälden anderer Künstler. Von weiterer Bedeutung war die Stiftung von Fanny Bryce Lehmer, deren Ankaufsfonds die gezielte Erweiterung der Sammlungen ermöglichte. Architektonisch konnte das Museum 1965 durch den Adams-Emery Wing und 2003 durch den Cincinnati Wing erweitert werden. Seit 2007 arbeitet das Rotterdamer Architekturbüro Neutelings Riedijk Architects an einem auf 20 Jahre angelegten Masterplan zur Umgestaltung des Museums. Neben verschiedenen Umbauten ist ein neuer Eingang und ein 60 Meter hoher Turm vorgesehen. Als weiterer Ergänzungsbau wurde 2013 der Longworth Wing eröffnet. Seit 2014 ist Cameron Kitchin Direktor des Cincinnati Art Museums.

Sammlungen Antike und islamische Kunst