mini|Die Mark Brandenburg in den Grenzen von 1618 (im Hintergrund rötlich) auf heutige deutsche Ländergrenzen nebst polnischen Woiwodschaften übertragen

Die Geografie der Mark Brandenburg beschreibt die naturräumlichen Merkmale und Strukturen auf dem Territorium der mittelalterlichen und frühneuzeitlichen Mark Brandenburg aus historischer Perspektive.

Lage und Ausdehnung + Fläche der Mark Brandenburg, 1571 Position Landschaft (historische)Quadratmeilen (vor 1811) (km²) 1 Altmark 82 4.510 2 Mittelmark 250 13.750 3 Uckermark 68 3.740 4 Prignitz 61 3.355 Summe 1–4 Kurmark 461 25.355 5 Neumark 220 12.100 Summe 1–5 Mark Brandenburg 681 37.455 Anmerkungen:

Die Mark Brandenburg lag im Norden Mitteleuropas. Weder die niedrigen hiesigen Platten und Hügelländer noch die Ströme Elbe und Oder standen der Landesherrschaft der Markgrafen im Weg. Der Aufbau begann in den askanischen Stammlanden (später Altmark genannt). Mit friedlichen und kriegerischen Mitteln arbeiteten sie sich Richtung Osten vor. Daher war die Mark im Gegensatz zum Bundesland Brandenburg in West-Ost-Richtung gedehnt und in Nord-Süd-Richtung gestaucht. Zwischen Salzwedel im Westen und Schivelbein im Osten lagen über 400 Kilometer. Nach dem Erwerb der Mark Lausitz (spätere Niederlausitz, 1302/1304) sowie der Länder Budissin und Görlitz (spätere Oberlausitz ohne südlichen Teil, nach 1233) wurde die größte Ausdehnung erreicht. Das Lausitzer Bergland im Süden und die Ostsee im Norden (halbes Ländchen Wolgast, von 1230 bis 1250) dienten nur zeitweilig als geografische Barrieren. Feste, dauerhafte natürliche Grenzen konnte die Mark nicht ausbilden. Nach dem Ende der Askanier-Zeit verkleinerte sich das Territorium wieder.

Mit 37.455 km² Flächenausdehnung gehörte die Mark Brandenburg seit dem 16. Jahrhundert quantitativ zu den größten Territorien des Heiligen Römischen Reichs, vergleichbar mit dem Kurfürstentum Sachsen, das rund 35.000 km² Fläche besaß, und größer als das Herzogtum Bayern 1801 mit 590 Quadratmeilen (32.450 km²), etwas kleiner als das 1741 vergrößerte Kurhannover mit 700 Quadratmeilen (38.500 km²).

Anno 1350 grenzten an das Kurfürstentum Brandenburg:

Im Laufe der Jahrhunderte änderten sich stetig die Namen, Ausdehnungen und Anzahlen der Nachbarländer. Auch zum oben dargestellten Zeitpunkt fiel die Lage differenzierter aus. Deutschordensstaat und Königreich Polen lagen außerhalb, alle anderen innerhalb des Heiligen Römischen Reichs. Formell reichsunmittelbar waren die drei märkischen Hochstifte Brandenburg, Havelberg und Lebus. Die Herzogtümer Braunschweig-Lüneburg und Pommern zerfielen in mehrere Teile. Die Erste Mecklenburgische Hauptlandesteilung bewirkte das Gleiche. Die meisten Herzogtümer in Schlesien zählten bereits zu den Ländern der Böhmischen Krone, die Mark Lausitz folgte später etc.

Neben den naturräumlichen Landschaftsmerkmalen war die Mark Brandenburg vornehmlich eine Region, die erst über einen länger anhaltenden Verlaufsprozess zu einer historisch verwachsenen Region wurde. Gelegen im peripheren Nord-Osten des Reiches im Übergangsraum nach Ostmitteleuropa, wurde die Region noch lange Zeit nicht als Einheit wahrgenommen. Bis ins 16. Jahrhundert gab es bei den Bewohnern der Mark nur eine vage Vorstellung von der räumlichen und politischen Beschaffenheit der Mark.

Naturräume und Landschaften Der im ausgehenden 18. Jahrhundert die südliche Mark von Brück bis Potsdam durchfahrende Chronist Johann Christian Gottfried Dressel verglich die dortige Landschaft mit einer „arabischen Wüste“ und nahm damit auch auf die verbreitete Umgangsbeschreibung von des „Heiligen Römischen Reiches Streusandbüchse“ Bezug. Letzteres bildete ein beliebtes Topos zur Beschreibung der märkischen Landschaften.

Allerdings bildete auch die Mark ein mehrgestaltiges Konglomerat an Räumen, die über eigene Charakteristiken verfügten und die solchen Reisenden auffielen, die einen offenen Blick für Nuancierungen bewahrten. Den von Kargheit geprägten Gebieten der Mittelmark und der Uckermark wurden in den historischen Landschaftsbeschreibungen Durchreisender beispielsweise die florierende altmärkischen Landschaften gegenübergestellt, in denen ebenso wie im fruchtbaren Havelland ein intensiver Getreideanbau möglich war.

Naturräumlich zählte die Mark Brandenburg zum Mitteleuropäischen Tiefland – eine Ebene, die sich von den Niederlanden bis zum Norden des heutigen Polens erstreckt und keine besonderen Strukturmerkmale aufweist. Der Großteil der Fläche war damals von eintönigen Wäldern aus Birken und Föhren bedeckt. Der Verfasser einer frühen Beschreibung von Brandenburg, der Topograf Nikolaus Leutinger, schrieb 1598 von einem »ebenen, bewaldeten Land mit vielen Sümpfen«. Sand, Ebene, Sümpfe und unkultivierte Flächen sind immer wiederkehrende Begriffe in allen frühen Berichten, selbst in den wohlwollendsten. Die Berichte änderten sich in dieser Hinsicht bis zur Mitte des 19. Jahrhunderts wenig. Ein Engländer, der sich im Sommer Berlin aus südlicher Richtung annäherte, berichtete von Gegenden voller blanken, heißen Sandes; dazwischen hier und da ein Dorf und Wälder aus verkümmerten Föhren, die auf ausgebleichten, dicht von Rentiermoos bedeckten Böden ständen.

Für die Unterteilung der Märkischen Landschaft bieten sich grundsätzliche drei Möglichkeiten an: Aus geomorphologischer Sicht unterschied sich das Alt- vom Jungmoränengebiet. Aus politischer Warte erstreckte sich seit der neuen Grenzziehung im Jahr 1945 westlich von Oder und Lausitzer Neiße das Norddeutsche, östlich das Polnische Tiefland. Großräumig zeigte die Mark ein Streifenmuster aus Südlichem Landrücken (nur Randbereiche), der Zone der Niederungen und Platten (großflächigster Teil), dem Nördlichen Landrücken (der Nordosten) und dem Südbaltischen Küstensaum (kaum erwähnenswert).

Mit dem Sperenberger Gipsberg ragen Schichten aus dem Zechstein (250 Millionen Jahre), mit den Rüdersdorfer Kalkberg aus dem Muschelkalk (240 Millionen Jahre) an der Oberfläche auf. Hauptsächlich prägte das bislang andauernde Quartäre Eiszeitalter das Relief aus. Für seine periglaziale Nivellierung sowie Überformungen stand im Altmoränenland der Elster- und Saale-Kaltzeiten ausreichend Zeit zur Verfügung. Das Jungmoränenland der Weichsel-Kaltzeit zeigte relativ unveränderte glazigene, das heißt unmittelbar vom Eis abgelagerte oder gebildete Formen: vielzählige große und kleine Hohlformen, Seenreichtum und ein unübersichtliches Gewässernetz. Je später sich der Fennoskandische Eisschild zurückzog, umso klarer blieb die glaziale Serie erhalten.

Diese stellte eine modellhafte kausale Verknüpfung her. Vom Eiszentrum aus betrachtet, reihten sich Grundmoräne, Endmoräne, Sander und Urstromtal hintereinander auf. Von letzterer Landschaftsform wies das Gebiet der Mark Brandenburg eine weltweit einmalige Häufung auf: Glogau-Baruther, Warschau-Berliner, Thorn-Eberswalder, Netze-Randow- und Pommersches Urstromtal. Die vier Grundformen vergesellschafteten sich. Sie ergänzten dabei regional charakteristische Landschaftsformen sowie beeinflussten natürliche und menschliche Prozesse. So entstanden spezifische Landschaftstypen, die in der folgenden Tabelle aufgeführt sind.

+ Landschaftstypen im Alt- und Jungmoränengebiet Landschaftstyp Beschreibung Beispiel (Bild und Beschreibung) Grundmoräne Die fruchtbaren Böden boten ein gutes bis sehr gutes Ertragspotential. Für den Ackerbau eigneten sich eher die flachwelligen, für die Tierhaltung die kuppigen Bereiche. Die ersteren durchzogen die Bahndämmen gleichenden Oser. Die in letzteren häufig anzutreffenden Sölle speicherten das Wasser und boten ökologische Nischen. Für die Feldarbeit stellten sie eine Erschwernis dar. In der Nähe zu Endmoränen häuften sich die Drumlins. Sie gewährten weite Blicke über die offene, weil kaum von Wäldern bestockte Agrarlandschaft. Diese lockerten mehr oder weniger ausgedehnte Abflussrinnen sowie feuchte, abflusslose Senken auf. Typische Bewohner waren Feldlerche, Graukranich und in den Söllen die Rotbauchunke. rahmenlos|zentriert|alt=Streuobstwiesen in der Gatower Feldflur Auf der Nauener Platte gediehen Weizen und Zuckerrüben. Die Möglichkeiten letzterer entdeckte 1747 Andreas Sigismund Marggraf. Endmoräne Die langgestreckten Hügelketten mit ihrem stark nivelliertem Relief hoben sich deutlich von der Umgebung ab. Im Nordosten waren Hohlformen (Sölle, kleine Seen) und Kesselmoore in die Landschaft eingebettet. Die Geschiebemergel- oder -lehmdecke wurde auf der dem Inlandeis zugewandten Seite mit ansteigender Höhe immer flachgründiger, auf der abgewandten Seite fehlte sie völlig. Während der spätmittelalterlichen Agrarkrise fielen zahlreiche Dörfer gänzlich oder teils wüst. Es breiteten sich wieder Wälder aus. Eine Nutzung als Hutewald (agroforstwirtschaftlich) oder Forst (für die Holzgewinnung) entsprach eher dem ökologischen Potential. rahmenlos|zentriert|alt=Die Markgrafensteine in den Rauener Bergen gelten als die größten Findlinge des Landes Brandenburg Von der Kraft des Eisschildes zeugten die Rauenschen Berge selbst und die von ihm hierher verbrachten Markgrafensteine. Sanderlandschaft Die schiefe Ebene fiel zumeist flach ab. Ein höherer Neigungswinkel konnte am Fuß der Endmoräne auftreten. Daher nahmen in Richtung Vorfluter (zum Beispiel ein Urstromtal) die Feinkörnigkeit und Kantenrundung der fluvioglazialen Sedimente zu. Diese durch Schmelzwasser bedingten Ablagerungen bestanden hauptsächlich aus Sanden und Kiesen. Die sich obenauf entwickelnden, sehr ertragsarmen Böden eigneten sich nicht für den Ackerbau. Sie brachten der Mark Brandenburg den Ruf als „Streusandbüchse des Heiligen Römischen Reiches“ ein. Unter bestimmten Bedingungen bereicherte ein Rinnensee das Landschaftsbild: Zuvor musste subglazial (unter dem Eis) eine Abflussrinne entstanden sein. Nach dem Rückzug des Eisschilds durfte es höchstens zu einer teilweisen Verfüllung der tiefen Kerbe kommen. Besonders gut konservierte Rinnentoteis die steilen Hänge. rahmenlos|zentriert|alt=Hofjagd in der Letzlinger Heide um 1890 In der Letzlinger Heide ließ Johann Georg von 1559 bis 1564 das Jagdschloss Letzlingen errichten. Seine Nachfolger dankten es ihm. große Niederungen Die meist sehr breiten Urstromtäler und die breiten, kürzeren glazialen Rinnen bildeten eine gitterartige Struktur aus. Die Talhänge waren unterschiedlich ausgeprägt, mitunter kam es zur Terrassenbildung. Dort, wo Talsandterrassen seit der ausgehenden Weichsel-Kaltzeit trocken fielen, bildeten sich am Eisrand ausgedehnte Dünenkomplexe. Besagte Sandterrassen wiesen ertragsschwache Böden auf. Sonst zählten die großen Niederungen zu den fruchtbarsten Gebieten der Mark. Um sie landwirtschaftlich zu nutzen, bedurfte es umfangreicher Meliorationen und Wasserregulierungen. Das Entwässern und Eindeichen der Wische und Lenzer Wische – links und rechts der Elbe – erfolgte bereits im Hochmittelalter. Die umfassende Umgestaltung des Oderbruchs begann 1748–1753 mit der teilweisen Verlegung des Oderlaufs, fiel damit in die Endphase der Geschichte der Mark Brandenburg. Die beiden genannten Ströme sowie Warthe und Netze bildeten einen Untertyp aus – die Flussaue. Neben natürlich vorkommenden Mooren bewirkten unter anderem die Mühlenstaue eine menschengemachte Vermoorung, wobei sich das Phänomen nicht auf die großen Niederungen beschränkte. rahmenlos|zentriert|alt=Der 2001 gegründete Nationalpark Warthemündung im Westen des Warthebruchs Teile des Warthebruchs stehen als (Nationalpark Warthemündung) unter Naturschutz. Beckenlandschaft Umgaben Endmoränen mehr oder weniger Grundmoränengebiete, entstanden Becken mit eingeschlossenen Zungenbeckenseen und sandigen Ablagerungen. Oft kamen Ansammlungen von Drumlins, kleineren Mooren und Kessel- bzw. Toteisseen vor. rahmenlos|zentriert|alt=Der Rheinsberger See im gleichnamigen Seengebiet, dem südlichen Ausläufer des Neustrelitzer Kleinseengebiets Der Rheinsberger See, ein Zungenbeckensee im gleichnamigen Becken und Seengebiet