mini|Friedrich Wilhelm I. besichtigt die Bauarbeiten in der Friedrichstadt (Historisierender Holzstich von Nion nach Gemälde von Hugo Vogel, um 1890) mini|Neugotische Zierfassade, Märkisches Museum, Berlin Die Architektur der Mark Brandenburg beschreibt aus historischer Perspektive die Konstruktions- und Verlaufsgeschichte der Hochbauten und Tiefbauten, eingebettet in stadtplanerischer Perspektive auf dem Territorium der Mark Brandenburg vom Mittelalter bis 1815. Darin werden die typischen Stilelemente der Bauten, die Herausbildung von wiederkehrenden Bautypen und die gesellschaftlichen-wirtschaftlichen Rahmenbedingungen mit erfasst.

Überblick Die Architekturstile der brandenburgischen Siedlungen gehen zeitlich ineinander über. Grundsätzlich haben neben vereinzelten funktional bedingten Abweichungen die meisten Orte in Brandenburg ein ähnliches Erscheinungsbild mit typengleichen Baustrukturen und Konstruktionsmustern. Als prägnante und immer wiederkehrende Bautypen kommen vor allem in ländlichen Gebietes Gutshäuser, Schlossanlagen mit Schlossgärten, Kirchen und darunter vor allem Feldsteinkirchen, Bauerngehöfte mit Wirtschaftsgebäuden wie Scheunen und Ställen, Bauernkaten vor. Größere Städte hatten seit dem Mittelalter umlaufende Stadtmauern, Stadttore und Wehrtürme errichtet. Seit dem 18. Jahrhundert wurden Akzisemauern errichtet. In den größeren Städten wie Berlin, Potsdam Frankfurt/O. und Brandenburg/H. sind stattliche und massive Bürgerhäuser ab drei Geschossen in den Altstädten seit dem 18. Jahrhundert eine häufigere Erscheinung. Strohgedeckte Häuser waren aber noch im 18. Jahrhundert keine Seltenheit. Die Norddeutsche Backsteingotik hat einen prägenden Eindruck in die Baugestaltung der brandenburgischen Ortschaften hinterlassen. Neben Befestigungsanlagen gibt es eine Anzahl an erhalten gebliebenen Rathäusern, wenigen Wohngebäuden oder Funktionalgebäuden und eine größere Zahl an Sakralbauten im Gotischen Baustil. Auch die Renaissancebauten von 1500 bis 1620 sind in ganz Brandenburg mehrheitlich zerstört oder überformt worden. Erst die Architekturphase des Barocks ab 1620 bis 1780 hat einen vielerorts bleibenden Architekturbestand erzeugt.

Berlin zog die Masse der staatlicherseits angestoßenen Bautätigkeiten ab 1650 auf sich. Neben der Errichtung neue Vorstädte wie die Berliner Friedrichstadt seit 1688 wurden vor allem der Ausbau fürstlicher Residenzen vorangetrieben. Auch andere Städte Brandenburg erweiterten ihre Baustrukturen und ihre bebaute Fläche. Nach Berlin folgend bedeutend war beispielsweise die Erste (1713–1724) und Zweite Potsdamer barocke Stadterweiterung (1733–1745). Neben dem Ausbau der Residenzen waren auch die Erweiterungen der Befestigungsanlagen wichtige Bauvorhaben. Es entstanden so Festungen, Zeughäuser, Magazine und weitere militärische Infrastrukturen. Die brandenburgisch-preußischen Herrscher förderten auch die private Bautätigkeit von repräsentativen Bürgerhäusern durch finanzielle Zugaben. mini|Niederdeutsches Hallenhaus mit Nebengebäude, Ziegel-Fachwerk, Rohrdeckung; Flettdielenhaus, datiert 1792; Ansicht Wohnteil (Kammerfach) hinter dem Deich an der Elbe (Mödlich, Prignitz). Niederdeutsche Hausformen existieren nur in der äußersten Westprignitz als Dielen- oder Hallenhäuser. Bei den wenigen erhaltenen Gebäuden handelt es sich um die größten Bauernhäuser in Brandenburg Eine geregelte Raumordnungs- und Stadtplanung als solches gab es aber noch nicht. Die Schaffung neuer Baustrukturen vollzog sich über deutlich längere Zeiträume und war quantitativ deutlich geringer ausgeprägt als derzeit. 1800 gab es in den Kurmärkischen Städten folgenden Baubestand: 6822 massive Häuser, 26449 Häuser mit Ziegeldächer, 1550 Häuser mit Strohdächer, 6695 Scheunen Ebenso 1800 wurden in den Kurmärkischen Städten 225 neue Häuser gebaut und hochgerechnet das Land 425 Gebäude.(41.516 / 225) = 0,0054196 * 78.456 = 425 Für den Gebäudebestand des Landes der Kurmark gibt es nur die Anzahl der Feuerstellen, über die sich die Zahl der Gebäude rekonstruieren lässt. Demnach lag die Zahl der Gebäude auf dem Land im Jahr 1800 bei 78.456 Gebäuden. + Gebäudebestand der Mark Brandenburg um 1800 Landesteil Kurmark Neumark Mark Brandenburg Land 78.456Es gab 65.804 Feuerstellen im Jahr 1800. Die Kurmärkischen Städte hatten 34.821 Feuerstellen bei 41.516 Gebäuden, ergibt einen Umrechnungsfaktor von 1,192 Gebäuden zu 1 Feuerstelle, Bratring, Band 1, S. 55 34.744 113.200 Stadt 41.516 12.065 53.381 Gesamt 119.972 46.809 166.781Zahl der Neuerrichteten Gebäude eines Jahres 600 315 915 In der Neumark gab es 1800 in den Städten 12.065 Häuser und in den Dörfern 34.744 Häuser, zusammen waren das 46.809 Gebäudestrukturen. 1770 lag die Zahl der Gebäude bei 37.362 Häusern. Das macht einen durchschnittlichen Zuwachs pro Jahr von 315 Häusern. Als Relation dazu betrug im (nicht territorial deckungsgleichen) Land Brandenburg die Zahl der Häuser mit Wohnraum 2011 646.604 Gebäude und das Land Berlin hatte 317.739 Gebäude mit Wohnraum (Deutschland: 19.060.870 Wohngebäude).Erste Ergebnisse der Gebäude- und Wohnungszählung 2011. (PDF; 2,3 MB) statistik.rlp.de, Statistische Ämter des Bundes und der Länder, S. 29. Bei der Angabe für die Mark Brandenburg ist nicht sicher zu ermitteln, ob alle oder nur ein Teil der Wirtschafts- und Funktionalgebäude darin umfasst sind. Wohngebäude und Nichtwohngebäude haben in Deutschland einen annähernd gleich großen Anteil an der Nutzfläche im Gebäudebestand, nach Anzahl beträgt die Zahl der Nichtwohngebäude aber nur rund 10 Prozent der Gesamtgebäudezahl. Der statistisch nicht exakte Zuschnitt der Angabe von 1800 weist also eine absolute Fehlervarianz von 10 Prozent mehr oder weniger auf und ist damit ein noch hinreichend reliabler Wert. Im Schnitt wurden allein im Land Brandenburg ohne Berlin in den 2000er Jahren jährlich etwa 7000 Gebäude (Wohn- und Nichtwohngebäude) fertiggestellt.SB F II 2 - j/17. (PDF) Amt für Statistik Berlin-Brandenburg, S. 4.

Im historischen ländlichen Raum der Mark gab es im Wesentlichen zwei große Gebäudegruppen: die Gebäudegruppe der Holzbauten und die Gebäudegruppe der Massivbauten. Zum Holzbau gehörten der Fachwerk- und der Blockbau sowie diverse Mischformen, zum Beispiel Umgebinde- oder Bohlenfachwerkbauten. Dem Massivbau werden alle Mauerwerksbauten aus Ziegel, Naturstein und Werkstein zugerechnet. Lediglich der Lehmbau stellt eine Sonderform dar. Je nachdem, ob er selbsttragend oder nur wandfüllend ist, wird er der einen oder der anderen Kategorie zugeordnet.

Der Mauerwerksbau aus Ziegel, Naturstein und Werkstein ist so alt wie der Fachwerkbau. Er war jedoch im Mittelalter und der Frühen Neuzeit der Oberschicht vorbehalten. Ein „festes Haus“ war immer ein Herrenhaus. Die ersten festen Bauten der Bauern waren die Feldsteinkirchen, die im Mittelalter auch dem Schutz und der Verteidigung dienten.

Ziegelsichtmauerwerk war in der Mark Brandenburg seit dem Mittelalter bekannt (Kirchen, Klöster, Herrenhäuser), jedoch wurde dieser kaum im bäuerlichen Bereich verwendet. Dort erschien er zuerst im späten 18. Jahrhundert als Ausfachungsmaterial bei Fachwerkbauten. In der friderizianischen Zeit wurden Massivbauten überwiegend als Putzbauten errichtet; diese waren billiger, der Ziegel konnte von minderer Qualität sein, auch entsprach die verputzte Fassade dem Zeitgeschmack.Dorfentwicklung in Brandenburg. 1. Auflage. Hrsg.: Ministerium für Landwirtschaft, Umweltschutz und Raumordnung (MLUR) des Landes Brandenburg. 2002, S. 17 f.

Der historische Baubestand aus der Zeit der Mark ist durch relativ einheitliche Hausformen gekennzeichnet. Es dominierte das quer geteilte, aus dem Ernhaus hervorgegangene und durch die Zeit um 1800 geprägte märkische Wohnhaus.Dorfentwicklung in Brandenburg. 1. Auflage. Hrsg.: Ministerium für Landwirtschaft, Umweltschutz und Raumordnung (MLUR) des Landes Brandenburg. 2002, S. 20

Die vorindustrielle Bauweise entsprachen vorwiegend handwerklich geprägte Konstruktionen. Für die Herstellung des Baumaterials arbeiteten in der Mark Brandenburg um 1800 147 Ziegeleien und 90 Teeröfen.Bratring, Band 1, S. 55 + Vergleich des Gebäudebestandes der Mark Brandenburg (1800) und den Ländern Brandenburg und Berlin (2011/2017) Land Mark Brandenburg Land Brandenburg und Berlin Zahl der Gebäude 166.781 964.343 Zahl der Neuerrichteten Gebäude eines Jahres 915 BB: 7.000 (ohne Berlin) Zahl der Einwohner 1.124.806 6.200.000 Einwohner/Gebäude 6,77 6,43

Die Landschaftsarchitektur begann sich seit dem Ende des 18. Jahrhunderts in Brandenburg zu entwickeln. Liste der märkischen Baustrukturen nach Bautyp Plätze Stadtplätze sind das zentrale Nervennetz einer Stadt, an denen der Verkehr und Bewegungen gebündelt und verteilt werden. Im Zuge des Berliner Stadtausbaus im 18. Jahrhundert ließ König Friedrich Wilhelm I. als Abschluss der Dorotheen- und Friedrichstadt die von Philipp Gerlach geplanten drei großen Plätze Quarré, Rondell und Oktogon anlegen.

Burgen Die meisten märkischen Burgen verdanken ihren Ursprung den Markgrafen, die als einzige das Recht hatten, befestigte Bauten zu errichten. Aber auch die Bischöfe waren bedeutende Bauherren brandenburgischer Burgen (z. B. Brandenburg, Havelberg, Lebus). In der Regel setzten die Askanier einen Burggrafen oder Vogt (oft ein Ministerialer) ein, der die Burg für sie verwaltete. Nur wenige Burgen waren im Besitz von Adligen. Im Zentrum der Mark befanden sich relativ wenig Burgen, in den Grenzgebieten deutlich mehr. Insbesondere die wichtigen Flussübergänge und Straßenpässe im Grenzgebiet wurden durch askanische Burgen geschützt und kontrolliert. Sie wurden Mittelpunkte von Verwaltungsbezirken und waren zur Aufsicht über größere Landstriche bestimmt. In ihrer Nachbarschaft bildeten sich oft Städte. Ferner existierten eine Vielzahl kleiner Burgen, Wallanlagen und befestigter Höfe. Authentische Burgen aus dem 13. Jahrhundert sind nicht mehr zu finden. Im Burgenbau fanden in der Mark Feldstein- und Ziegelmauerwerk frühestens seit dem späten 12. Jahrhundert, verstärkt aber erst im 13. Jahrhundert Verwendung. Für die Mark Brandenburg sind Burgen mit rechteckigem Grundriss und nur einem Eckturm charakteristisch. Typische Größendimension umfasste eine Kantenlänge von 30 Meter, ein Bergfried von knapp 10 Metern Durchmesser bei einer Mauerstärke von etwa 3 Metern.

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