Der Fall Richard Jewell (Originaltitel: Richard Jewell) ist ein US-amerikanischer Spielfilm von Clint Eastwood aus dem Jahr 2019. Er handelt von einem Sicherheitsbeamten, der während der olympischen Spiele in Atlanta, USA ein Bombenattentat verhindert und sich in der Folge öffentlich falschen Anschuldigungen ausgesetzt sieht. Bei den Oscars 2020 wurde Kathy Bates, die im Film Richard Jewells Mutter spielt, als Beste Nebendarstellerin nominiert.
Handlung Richard Jewell ist ein ehemaliger Polizist und verfügt über eine Waffensammlung. Nun ist er Mitarbeiter einer privaten Wachfirma und verbringt viel Zeit am Schießstand. Er lebt mit seiner Mutter Bobi zusammen.
Am Abend des 27. Juli 1996 geht im Centennial Olympic Park in Atlanta, einem Veranstaltungsort der Olympischen Spiele, ein Warnruf wegen eines bevorstehenden Bombenanschlags ein. Als Jewell einen verdächtigen Rucksack bemerkt, beginnt er, den Bereich zu räumen. Erst wird Jewell für sein schnelles Handeln gelobt, durch das er Schlimmeres verhindern konnte, doch nachdem sein ehemaliger Chef das FBI anruft und sein Misstrauen gegenüber Jewell zum Ausdruck bringt, untersucht man das Leben des Wachmanns genauer. Der FBI-Mann Tom Shaw ist überzeugt, mit Jewell den richtigen Mann im Visier zu haben.
Ab diesem Moment wird Jewells Leben zur Hölle. Das FBI durchsucht seine Wohnung, und seine dort gefundene, umfangreiche Waffensammlung bestärkt die Bundesbehörde in ihrer Überzeugung, dass „er zum Profil passt“ und er ein Terrorist sein könne. Auch in den Medien wird jeden Tag von dem Fall berichtet, von denen er zu Unrecht verunglimpft wird. Was er nun braucht, ist ein guter Anwalt, doch sein niedriger Verdienst lässt es nur zu, sich den Junganwalt Watson Bryant leisten zu können.
Nach drei Monaten voller Attacken und Entbehrungen, die Jewell zusammen mit seiner Mutter erdulden muss, stellt das FBI schließlich fest, dass er unschuldig ist.Todd McCarthy: 'Richard Jewell': Film Review. In: The Hollywood Reporter, 20. November 2019.
Vorlage und Hintergrund Der Film basiert auf dem Artikel American Nightmare: The Ballad of Richard Jewell von Marie Brenner, der im Februar 1997 in der Zeitschrift Vanity Fair veröffentlicht wurde.Marie Brenner: American Nightmare: The Ballad of Richard Jewell. In: Vanity Fair, Februar 1997. Brenner beschreibt in ihrem Artikel, wie der Wachmann Richard Jewell durch sein Eingreifen beim Bombenanschlag bei den Olympischen Spielen 1996 in Atlanta zahlreiche Verletzte und möglicherweise Tote verhinderte, aber auch die 88 Tage, in denen er als Verdächtiger für den Anschlag galt. Das FBI ging wochenlang fehlerhaften Theorien nach, auch einer, nach der Jewell ein wütender homosexueller Cop-Hasser sei, der von seinem Geliebten bei dem Bombenattentat unterstützt wurde. Nachdem Jewell zunächst von den Medien als Held gefeiert wurde, präsentierten sie ihn später als einen möglichen Verantwortlichen. Zeitungen beschrieben ihn als „fetten, gescheiterten ehemaligen Hilfssheriff“ oder verglichen ihn gar mit dem Serienmörder Wayne Williams. Das FBI hatte sich, auch nach Jewells Entlastung, nicht dafür verantwortlich gefühlt, das Bild über den eigentlichen Helden in der Öffentlichkeit zu korrigieren, und Jewell wurde somit das Opfer einer Behörde, die versuchte, sich selbst zu schützen und ihre Ermittlungsfehler zu vertuschen. mini|hochkant=1.3|Richard Jewell arbeitete während des Bombenanschlags bei den Olympischen Spielen 1996 in Atlanta als Wachmann im Centennial Olympic Park (hier eine Gedenktafel)
Jewell arbeitete während der Spiele im Centennial Olympic Park in Atlanta für eine private Wachfirma im AT&T-Pavillon. Jewell hatte die Polizeiakademie der Northeast Georgia Police als einer der Besten absolviert. Am 27. Juli 1996 entdeckte Jewell bei seiner Arbeit unter der Bank einen grünen Rucksack im Militärstil, bekannt als Alice-Rucksack, alarmierte die Polizei und drängte zusammen mit Tom Davis die Konzertbesucher aus dem unmittelbaren Sicherheitsradius um den Rucksack. Als Verantwortliche für die anschließende Untersuchung des Falls standen zu dieser Zeit in Atlanta drei erfahrene Ermittler mit Führungserfahrung zur Verfügung. Tom Fuentes hatte geholfen, John Gotti zu Fall zu bringen, Barry Mawn hatte sich intensiv mit Ermittlungen im Bereich der organisierten Kriminalität befasst, und Robin Montgomery war Chef der Critical Incident Unit in Quantico. In den frühen Morgenstunden nahmen FBI-Agenten mehrere Verdächtige fest, nachdem das FBI das Bombenattentat als einen terroristischen Akt eingestuft hatte. Des Weiteren wurden David Tubbs von Division 5 als Sprecher der Ermittlertruppe und Woody Johnson, Special Agent in Charge (SAC), nach Atlanta entsandt.
Am Nachmittag des 30. Juli 1996 erhielt Jewell Besuch von Don Johnson und Diader Rosario vom FBI, die ihm einen Durchsuchungsbeschluss überreichten. Im Glauben, dies werde beweisen, dass er mit dem Anschlag nichts zu tun habe, verbrachte Jewell sieben Stunden auf der Treppe seines Hauses, in dem er mit seiner Mutter lebte, da er sich während der Durchsuchung nicht in der Wohnung aufhalten durfte. Der Durchsuchungsbeschluss listete etwa 200 Gegenstände auf, die das FBI beschlagnahmen konnte, darunter Zeitschriften, Bücher und Fotografien, aber auch Informationen wie Telefonnummern und Adressen von Personen, die in einer Verbindung mit der Herstellung, dem Transport und der Detonation der Rohrbombe stehen könnten.
Die anwaltliche Vertretung von Jewell übernahm Watson Bryant. Er übernahm auch Jewells Verteidigung gegenüber den Medien und war von Larry King zu einem Interview in das CNN-Studio eingeladen. Jewell selbst wurde in den folgenden Wochen nicht nur von Journalisten belagert, sondern auch von FBI-Agenten überwacht, weshalb er und seine Mutter sich jeweils Nachrichten auf Zettel schrieben, wenn sie über etwas reden wollten, was kein Dritter mithören sollte. Während eines späteren Gespräches mit Johnson und Rosario im FBI-Hauptquartier in Buckhead wurde Jewell aufgefordert, auf seine Rechte zu verzichten, was ihn besorgte, da er bemerkte, dass er weiterhin ihr Verdächtiger war. Als er am Abend vom FBI-Hauptquartier nach Hause kam, äußerte sich Tom Brokaw, der Lieblingsredakteur seiner Mutter, in einem Special zu den Olympischen Spielen des NBC zu einer möglichen Festnahme und strafrechtlichen Verfolgung Jewells, wobei er über ihren Sohn als Mörder sprach.
Am 28. Oktober 1996, nachdem die Vorwürfe gegen Jewell fallengelassen wurden und wenige Stunden vor einer anberaumten Pressekonferenz, in der sich ihr Klient erstmals frei und öffentlich zu den Vorwürfen äußern können sollte, gaben seine Anwälte bekannt, dass sie Schadensersatzklagen gegen NBC und andere einreichen würden, da dessen Ansehen für immer geschädigt sei und es für viele Menschen in den USA vielleicht immer einen subtilen Zweifel an dessen Unschuld geben werde. Jewell bemerkte: „In den ersten drei Tagen war ich angeblich ihr Held – die Person, die Leben rettete. […] Jetzt bin ich der Verdächtige des Bombenanschlags im Olympic Park.“ Richard Jewell starb am 29. August 2007 im Alter von 44 Jahren an den Folgen seiner zahlreichen gesundheitlichen Probleme.
Produktion Regie führte Clint Eastwood. Marie Brenners Artikel wurde von Oscar-Nominee Billy Ray für den Film adaptiert. Darsteller Synchronsprecher RollePaul Walter HauserManuel StraubeRichard JewellSam RockwellDietmar WunderWatson BryantKathy BatesRegina LemnitzBobi JewellNiko NicoteraMarkus PfeifferDave DutchessEric MendenhallPascal BreuerEric RudolphOlivia WildeAnja StadloberKathy Scruggs Der Schauspieler und Stand-up-Comedian Paul Walter Hauser übernahm die Titelrolle von Richard Jewell. Kathy Bates spielt seine Mutter Bobi, Jon Hamm übernahm die Rolle des FBI-Ermittlers Tom Shaw. Der Oscar-Preisträger Sam Rockwell spielt seinen Anwalt Watson Bryant. Olivia Wilde übernahm die Rolle von Kathy Scruggs, einer Reporterin der The Atlanta Journal-Constitution, die als erste Informationen über die Vermutungen des FBI an Jewells Tatbeteiligung erhalten hatte.Zack Sharf: Atlanta Newspaper Slams 'Richard Jewell' for Suggesting Female Reporter Offered Sex for Info. In: indiewire.com, 22. November 2019.
Die Dreharbeiten fanden in Atlanta an den Originalschauplätzen im Juli und August 2019 statt. Die Bevölkerung der Stadt wurde vor den für den Film simulierten Explosionen gewarnt.
Die Filmmusik komponiert Arturo Sandoval, mit dem Eastwood bereits für The Mule zusammenarbeitete.Arturo Sandoval to Score Clint Eastwood’s 'Richard Jewell'. In: filmmusicreporter.com, 3. Oktober 2019.
Die deutsche Synchronisation entstand nach einem Dialogbuch und der Dialogregie von Solveig Duda im Auftrag der FFS Film- & Fernseh-Synchron in München.
Der erste Trailer wurde von Warner Bros. Pictures Anfang Oktober 2019 vorgestellt.Von Clint Eastwood: Erster Trailer zum Thriller-Drama „Richard Jewell“. In: outnow.ch, 3. Oktober 2019. Warner Bros. Deutschland veröffentlichte den ersten Trailer zu Der Fall Richard Jewell am 7. November 2019. Seine Weltpremiere feierte der Film am 20. November 2019 beim AFI Film Festival in Los AngelesDave McNary: Clint Eastwood's 'Richard Jewell' Premiering at AFI Fest. In: Variety, 8. Oktober 2019.Julian Kares: Clint Eastwood kann es nicht lassen – 89-Jähriger stellt neuen Film vor. In: Stuttgarter Zeitung, 21. November 2019., bevor er am 13. Dezember 2019 in die US-Kinos kam. Der Film sollte am 19. März 2020 in DeutschlandStarttermine Deutschland In: insidekino.com. Abgerufen am 21. Dezember 2019. und am darauffolgenden Tag in Österreich startenDer Fall Richard Jewell. In: uncut.at. Abgerufen am 13. März 2020., der Termin wurde jedoch wegen der Coronavirus-Pandemie in Deutschland auf den 25. Juni 2020 verschoben.https://wessels-filmkritik.com/2020/03/18/kinostarts-in-zeiten-von-corona-update-taeglich/Der Fall Richard Jewell. In: kino.de. Abgerufen am 3. März 2022. Am 5. März 2022 wurde Der Fall Richard Jewell in das Programm von Prime VideoSebastian Minnich: Die Highlights bei Netflix, Disney+ und Amazon Prime Video im März 2022. In: heise.de, 2. März 2022. und am 5. Dezember 2022 in das Programm von Netflix aufgenommen.https://www.netzwelt.de/netflix/neue-filme-serien-im-november-2022-abo-kosten-starts-neuheiten-28112022/index.html
Rezeption Altersfreigabe In den USA erhielt der Film von der MPAA ein R-Rating, was einer Freigabe ab 17 Jahren entspricht. In Deutschland wurde der Film von der FSK ab 12 Jahren freigegeben. In der Freigabebegründung heißt es, mit der beklemmenden Geschichte korrespondierten immer wieder Nachrichtenbilder und mehrfach auch Bilder der Bombenexplosion. Die Inszenierung gehe zwar sehr zurückhaltend damit um, dennoch könnten diese Aspekte Kinder unter 12 Jahren emotional überfordern.https://www.spio-fsk.de/?seitid=2737&tid=469&Vers=1&FGID=5564
Kritiken und Einspielergebnis Der Film konnte 77 Prozent der Kritiker bei Rotten Tomatoes überzeugen und erhielt hierbei eine durchschnittliche Bewertung von 6,9 der möglichen 10 Punkte. Metacritic ermittelte einen Score von 68 basierend auf 45 Kritiken.