Ludwig Debiel SJ (auch Louis Debiel, Ludovicus Debiel, Ludwig De Biel; * 20. September 1697 in Wien; † 9. NovemberNekrolog. In: Jahresbericht des 1. Staatsgymnasiums in Graz. Veröffentlicht am Schlusse des Studienjahres 1871. 1. Staatsgymnasium, Graz 1871, S. 76 ().In anderen Quellen ist der 2. November als Todestag angegeben. 1771 in Graz) war ein österreichischer Jesuit und Theologe.

Leben und Wirken

Ludwig Debiel trat 1717 in den Jesuitenorden ein und lehrte 1719 bis 1723 an einem Gymnasium.Justus Schmidt: Linzer Kunstchronik. Städtische Sammlungen Linz, 1951, S. 106. 1722 erschien seine bei Willibald Krieger (1685–1769) verteidigte Dissertation Metamorphoses Styriae, in der er in knapp 2600 Hexametern die Entstehung von Ortschaften der Steiermark beschreibt,Jörg Rüpke (Hrsg.): Von Göttern und Menschen erzählen. Steiner, Stuttgart 2001, ISBN 978-3-515-07851-1, S. 155 ().Barbara Becker-Cantarino (Hrsg.): Daphnis. Zeitschrift für Mittlere Deutsche Literatur und Kultur der Frühen Neuzeit (1400–1750). Band 41, Heft 1, 2012. Rodopi, Amsterdam 2013, ISBN 978-94-012-0977-9, S. 274 (). und wurde Doktor der Philosophie und Theologie.Debiel, Ludovicus. In: Johannes Nepomuk Stöger: Scriptores Provinciae Austriacae Societatis Jesu (= Collectio Scriptorum Societatis Jesu. Band 1). Wien 1855, S. 54 ().Franz Krones von Marchland: Geschichte der Karl-Franzens Universität in Graz. Festgabe zur Feier ihres dreihundertjährigen Bestandes. Leuschner & Lubensky, Graz 1886, S. 431. Nachdruck: Hansebooks, Norderstedt 2016, ISBN 978-3-7411-2771-7. An der Universität Wien lehrte er 1729/1730 hebräische SpracheKurt Mühlberger (Hrsg.): Die Matrikel der Universität Wien. VII. Band: 1715/16–1745/46. Böhlau, Wien 2011, S. XVIII (online auf oapen.org; PDF; 4,4 MB). und 1732/1733 PhysikStudien zur Geschichte der Universität Wien. Band 3. Böhlau, Köln 1965, S. 86, ..

Ab 1734 gehörte er der Theologischen Fakultät der Universität Wien an.Anton Wappler: Geschichte der Theologischen Facultät der k.k. Universität zu Wien. Festschrift zur Jubelfeier ihres fünfhundertjährigen Bestehens. Braumüller, Wien 1884, S. 421 (online auf univie.ac.at; PDF; 27,8 MB). 1733/1734 war er dort Professor für Kontroverstheologie,Kurt Mühlberger (Hrsg.): Die Matrikel der Universität Wien. VII. Band: 1715/16–1745/46. Böhlau, Wien 2011, S. XVII (online auf oapen.org; PDF; 4,4 MB). 1737 für MoraltheologieAnton Mayer (Red.): Geschichte der Stadt Wien. Band 6. Altertumsverein zu Wien, Wien 1918, S. 109 (). und 1740/1741 für Spekulative Theologie. 1740 war er Dekan der Fakultät.Anton Wappler: Geschichte der Theologischen Facultät der k.k. Universität zu Wien. Festschrift zur Jubelfeier ihres fünfhundertjährigen Bestehens. Braumüller, Wien 1884, S. 147 (online auf univie.ac.at; PDF; 27,8 MB).

In dieser Zeit arbeitete er an Ausgaben der Bibel. 1740 gab er den griechischen Text des Neuen Testaments mit lateinischer Interlinearübersetzung in zwei Bänden heraus. 1743 bis 1747 folgte die Herausgabe des hebräischen Textes des Alten Testaments mit lateinischer Interlinearübersetzung und Beigabe der Texte der Vulgata Sixtina in vier Bänden. Diese Arbeit stieß auf besondere Schwierigkeiten, da es in Wien keinen Drucker gab, der Hebräisch konnte und entsprechende Typen besaß. Die Typen mussten aus dem Ausland herbeigeschafft und die Schriftsetzer entsprechend geschult werden.Bernhard Duhr: Geschichte der Jesuiten in den Ländern deutscher Zunge. Band 4: 18. Jahrhundert. 2. Teil. Manz, München/Regensburg 1928, S. 138 (online). 1744 erhielt er für diese Arbeit von der Universität eine Unterstützung von 1200 Gulden.Anton Wappler: Geschichte der Theologischen Facultät der k.k. Universität zu Wien. Festschrift zur Jubelfeier ihres fünfhundertjährigen Bestehens. Braumüller, Wien 1884, S. 114 (online auf univie.ac.at; PDF; 27,8 MB).

Debiel war zwei Jahre Gehilfe („Socius“) von Matthias Pock,Hanno Platzkummer: Debiel (De Biel) Ludwig. In: Charles E. O’Neill, Joaquín María Domínguez (Hrsg.): Diccionario histórico de la Compañía de Jesús. Biográfico-temático. Band 2: Costa Rossetti – Industrias. Universidad Pontificia Comillas, Madrid 2001, ISBN 84-8468-038-X, S. 1065 (spanisch, ). der 1744 Provinzial der österreichischen Jesuiten wurde.Georg Michael Pachtler: Ratio studiorum et institutiones scholasticae Societatis Jesu. Band 1: Ab anno 1541 ad annum 1599 Hofmann und Campe, Berlin 1887, S. XVIII (). Debiel genoss eine Zeit lang das besondere Vertrauen von Maria Theresia.Eugen Guglia: Das Theresianum in Wien. Vergangenheit und Gegenwart. Schroll, Wien 1912, S. 206 (). Sie bediente sich seines Rates bei der Gründung des Theresianum, dessen erster Rektor er 1746 mit einem Jahresbetrag von 4000 Gulden wurde.Alfred von Arneth: Geschichte Maria Theresiaʼs. Band 4: Maria Theresia nach dem Erbfolgekriege 1748–1756. Braumüller, 1870, S. 125 (). Nach zwei Jahren wurde er wieder abgelöstEugen Guglia: Das Theresianum in Wien. Vergangenheit und Gegenwart. Schroll, Wien 1912, S. 22 (). und war von 1748Hermann Schardinger: Die Rektoren (Superioren), Praefekten und Lehrer am Linzer Gymnasium unter den Jesuiten (1608–1773). In: Historisches Jahrbuch der Stadt Linz 1955. Linz 1955, S. 135–197, hier S. 141 (). bis 1751 Rektor am Jesuitenkolleg Linz. Matthias Pock wurde 1755 der dritte Rektor des Theresianums.Eugen Guglia: Das Theresianum in Wien. Vergangenheit und Gegenwart. Schroll, Wien 1912, S. 187 ().

Ab 1752 war er wieder an der Universität Wien tätig. Er arbeitete an einer neuen Studienordnung mit, die von Erzbischof Johann Joseph von Trautson, der auch Studienprotektor der theologischen und philosophischen Wissenschaften war, gefördert und später auch für die Universitäten Prag, Graz, Innsbruck, Olmütz und Freiburg übernommen wurde.Ludwig Fladerer: Die Poetik des Andreas Friz und ihr Antikebezug auf gams.uni-graz.at Mitarbeiter war auch der spätere Erzbischof von Wien Christoph Anton von Migazzi.Werner Telesko: Die Taufe Christi nach dem Johannesevangelium und die Programmatik des „Johannessaals“ der alten Wiener Universität. In: Jahrbuch für Internationale Germanistik. 1, 2008, S. 33–47, hier S. 38 (online auf ingentaconnect.com; PDF; 445 kB). Die Reform wurde am 25. Juni 1752 von Maria Theresia genehmigt.Hermann Zschokke: Die theologischen Studien und Anstalten der katholischen Kirche in Österreich. Braumüller, Wien 1894, S. 14 ().

1752 wurde Debiel zum Dekan ernanntJanez Juhant: Im Feuer der europäischen Ideenzüge: Slowenien. LIT, Wien u. a. 2008, ISBN 978-3-03735-947-1, S. 70 (). und als Studiendirektor („Generalis studii praefectus“) der Theologischen Fakultät eingesetzt.Anton Wappler: Geschichte der Theologischen Facultät der k.k. Universität zu Wien. Festschrift zur Jubelfeier ihres fünfhundertjährigen Bestehens. Braumüller, Wien 1884, S. 189 und S. 214 (PDF; 27,8 MB).Karl Vocelka, Anita Traninger (Hrsg.): Die frühneuzeitliche Residenz (16. bis 18. Jahrhundert) (= Peter Csendes, Ferdinand Opll (Hrsg.): Wien. Geschichte einer Stadt. Band 2). Böhlau, Wien 2001, ISBN 978-3-205-99267-7, S. 394 (). In dieser Funktion war er Mitglied des „Konsistoriums ordinarium“ und erhielt alle Rechte und Privilegien der „proceres“ (also des Rektors, des Kanzlers und des kaiserlichen Superintendenten).Debiel, Ludwig; Franz, Joseph im Archiv der Universität Wien Nach einem auf Betreiben von Christoph Anton von Migazzi erlassenen Hofdekret wurde er 1779 als Studiendirektor entlassen,Werner Telesko: Die Funktion des neuen Universitätsgebäudes. In: Julia Rüdiger, Dieter Schweizer (Hrsg.): Stätten des Wissens. Die Universität Wien entlang ihrer Bauten 1365–2015. Böhlau, Köln 2016, ISBN 978-3-205-79392-2, S. 69–86, hier S. 83 (). weil „das Wirken der Jesuiten an der Universität von den Gegnern der Kirche immer heftiger angefeindet wurde.“Anton Wappler: Geschichte der Theologischen Facultät der k.k. Universität zu Wien. Festschrift zur Jubelfeier ihres fünfhundertjährigen Bestehens. Braumüller, Wien 1884, S. 192–193 (online auf univie.ac.at; PDF; 27,8 MB). Sein Nachfolger wurde Simon von Stock.

1754 übergab Maria Theresia das Gebäude der ehemaligen Juristenschule in der Grünangergasse an Debiel, der dort ein Bußhaus zur Bekehrung reumütiger Sünderinnen errichten sollte.Josef Schrank: Die Prostitution in Wien in historischer, administrativer und hygienischer Beziehung. Band 1. Wien 1886, S. 191 (). 1758 wurde die Einrichtung wieder aufgelöst, da sie „den gewünschten Fortgang nicht hatte“.Johann Baptist Weis (Hrsg.): Der österreichische Volksfreund. Band 2. Wimmer, Wien 1830, S. 361–362 ().Anton von Geusau: Geschichte der Stiftungen, Erziehungs- und Unterrichtsanstalten in Wien, von den ältesten Zeiten bis auf gegenwärtiges Jahr. Wien 1803, S. 110 (). 1760 wurde Debiel Professor der hebräischen Sprache und Kanzler der Universität Graz.

Debiel war Gönner und Wohltäter des Jansenisten Marcus Anton Wittola (1736–1797).Wittola, Marcus Antonius. In: Constantin von Wurzbach: Biographisches Lexikon des Kaiserthums Oesterreich. Band 57: Windisch-Grätz–Wolf. Hof- und Staatsdruckerei, Wien 1889, S. 176 (online auf austria-forum.org). Reprint: Schmidt, Bad Feilnbach 2001, . Antal Révay (1718–1783), der spätere Bischof von Rožňava (1776–1780) und von Nitra (1780–1783), verteidigte 1741 bei Ludwig Debiel seine Dissertation Assertiones Theologicae De Jure, & Justitia quas Authoritate et Consensu. Eine besonders enge Zusammenarbeit hatte Debiel mit Erasmus Fröhlich, der zur Zeit seines Direktorats am Theresianum das numismatische Kabinett leitete.Joseph von Hormayr: Anemonen aus dem Tagebuche eines alten Pilgersmannes. Band 2. Frommann, Jena 1847, S. 139 (). Fröhlich verfasste auf Anregung und unter Anleitung von Debiel sein Werk Utilitas rei numariae veteris.Eintrag in der Universitätsbibliothek HeidelbergBiel, Ludwig de im CERL-Thesaurus Gemeinsam gaben sie ein numismatisches Werk von Jean Foy-Vaillant (1632–1706) heraus. Auch andere Schriften werden teils Debiel, teils Fröhlich zugeschrieben oder unter dem jeweils anderen Namen veröffentlicht. In einigen Quellen wird deshalb Ludwig Debiel als Pseudonym für Erasmus Fröhlich angegeben.Zum Beispiel in der Gemeinsamen Normdatei

Ludwig Debiel verstarb am 9. November 1771 in Graz und wurde am 11. November beerdigt.Mitteilung. In: Jahresbericht des 1. Staatsgymnasiums in Graz. Veröffentlicht am Schlusse des Studienjahres 1871. 1. Staatsgymnasium, Graz 1871, S. 76 ().

Schriften

Metamorphoses Styriae. Widmanstetter, Graz 1722. Ars scutaria. Honori Perillustrium, Reverendorum, Praenobilium, Nobilium ac Eruditorum, Dominorum Dominorum baccalaureorum, cum In Antiquitissima, ac Celeberrima Universitate Viennensi. Ghelen, Wien 1733, (wird auch Erasmus Fröhlich zugeschrieben). Erasmus Fröhlich: Utilitas rei numariae veteris. Veröffentlicht unter dem Namen von Ludwig Debiel. Schmid, Wien 1733, (). Dissertatio de nobilitate Romana, et ejus insignibus. Voigt, Wien 1734, (online in der Österreichischen Nationalbibliothek) (wird auch Erasmus Fröhlich zugeschrieben). mit Erasmus Fröhlich (Hrsg.): Jean Foy-Vaillant: Appendicula ad numos Augustorum et Caesarum. Voigt, Wien 1734, (). Testamentum Novum. Græcum cum intercalari textu latino ad litteram reddito. Kaliwoda, Wien 1740. De Augustissimo Verbi Incarnati Mysterio (= Assertionum theologicarum. Liber III). Heyinger, Wien 1742. Sacramenta novae legis ad mentem patrum scolatice expensa. Heyinger, Wien 1743. Testamentum Vetus. Hebraicum cum intercalari textu latino ad litteram reddito. 4 Bände. Trattner, Wien 1743–1747. De poenitentia, extrema unctione, ordine, matrimonio. Addita haeresum, quae sacramenta impugnarunt, recensione (= Assertionum theologicarum. Liber V). Jahn, Wien 1744.

Literatur

Johannes Nepomuk Stöger: Debiel, Louis. In: Augustin de Backer, Alois Backer: Bibliothèque des écrivains de la compagnie de Jésus ou notices bibliographiques. Band 5. Grandmont-Donders, Lüttich 1839, S. 159–161 ().