miniatur|Johann Friedrich Penther (Mezzitinto-Porträt von Johann Jakob Haid nach einer Zeichnung von Georg Daniel Heumann, 1749 veröffentlicht)Anne-Katrin Sors: Bildnis Johann Friedrich Penther. In: Die Englische Manie. Mezzotinto als Medium druckgrafischer Reproduktion und Innovation (Katalog zur Ausstellung in der Göttinger Universitätskunstsammlung 27. April 2014 – 1. März 2015). Hrsg. Anne-Katrin Sors, Mitarbeit Arwed Arnulf, Universitäts-Verlag Göttingen, Göttingen 2014, ISBN 978-3-86395-162-7, S. 148 f.
Johann Friedrich Penther (* 17. Mai 1693 in Fürstenwalde; † 17. September 1749 in Göttingen) war ein deutscher Mathematiker, Ökonom, Universitätsprofessor, Baumeister, Architekturtheoretiker und Fachbuchautor. Penther zählt zu den „maßgebenden Architekturtheoretikern der ersten Hälfte des 18. Jahrhunderts“ (Hans Reuther).Hans Reuther: Johann Friedrich Penther (1693–1749). Ein Göttinger Architekturtheoretiker des Spätbarock. In: Niederdeutsche Beiträge zur Kunstgeschichte, Bd. 20 (1981), S. 151–176, hier S. 152.
Leben und Wirken Johann Friedrich Penther war ein Sohn des Ratsherrn Johann Zacharias Penther und der Christiana Helena Sophia Reuss. 1694 übersiedelten die Eltern nach Seelow, wo der Vater Bürgermeister und Akziseeinnehmer wurde.Thomas Appel: Göttinger Künstlerlexikon. Maler – Grafiker – Bildhauer – Architekten: vom 14. Jahrhundert bis zur Mitte des 20. Jahrhunderts. Universitätsverlag Göttingen, Göttingen 2022, ISBN 978-3-86395-504-5, S. 436. Der Sohn besuchte nach Schulen in Seelow, Fürstenwalde und Lübben, 1713–1714 die Ritterakademie in Liegnitz in Niederschlesien und studierte dann bis 1717 Mathematik in Frankfurt an der Oder; anschließend unterrichtete er 1717–1720 als Hofmeister den Grafen Friedrich Wilhelm von Haugwitz, mit dem er 1719 nach Dresden reiste.
Ab 1720 war Penther in den Diensten der Grafen zu Stolberg tätig, zunächst auf Schloss Stolberg als Mathematiklehrer der Grafensöhne und hatte den Rang eines Bergsekretärs inne, später als Kammer- und Bergrat.Anne-Katrin Sors: Bildnis Johann Friedrich Penther. In: Die Englische Manie. Mezzotinto als Medium druckgrafischer Reproduktion und Innovation (Katalog zur Ausstellung in der Göttinger Universitätskunstsammlung 27. April 2014 – 1. März 2015). Hrsg. Anne-Katrin Sors, Mitarbeit Arwed Arnulf, Universitäts-Verlag Göttingen, Göttingen 2014, ISBN 978-3-86395-162-7, S. 148. Im Jahre 1724 erarbeitete er eine Karte der Stadt Stolberg und ein Verzeichnis der Grundstücke, Besitzer und Bewohner. 1727–1729 begleitete er einen der Grafensöhne, den kaiserlichen Hauptmann Gottlob Friedrich Graf von Stolberg-Stolberg (1706–1737), in Kriegsdiensten nach Schlesien und Ungarn, wo er währenddessen Bergwerke inspizierte. Auf der Rückreise unternahm er Architekturstudien u. a. in Budapest und Wien. 1730 erfolgte Penthers Ernennung zum Bergrat. Offenbar erhielt er in dieser Funktion auch die Aufsicht über die gräflich-stolberg’schen Gebäude.Torsten Meyer: Die kameralistische Ökonomie der (Geo-)Ressourcen im 18. Jahrhundert – Baumaterialien, Baukosten und die Emergenz des Genres der Bauanschläge. In: Der Anschnitt 70, 2018, H. 5, S. 216–234, hier. S. 222. Aus der Stolberger Zeit (und darüber hinaus) stammen zwei von ihm entworfene Kirchen in Straßberg und Schwenda im Südharz, wobei die 1736 bis 1738 erbaute Rundkirche St. Cyriaki und Nicolai in Schwenda nach dem Vorbild der Dresdner Frauenkirche im Auftrag der Stolberger Grafen entstand. mini|Signatur von Johann Friedrich Penther (aus einem Stammbuch, 1746)Stammbuch des Franz Dominicus Häberlin aus Grimmelfingen (1720–1787), im Niedersächsischen Landesarchiv, Abteilung Wolfenbüttel, Signatur: VI Hs 13 Nr. 36 (Digitalisat auf arcinsys.niedersachsen.de, abgerufen am 1. Mai 2023; dort Eintrag 28 (pag 105r): Göttingen 5. April 1746). Auf Vorschlag von Heinrich Ernst zu Stolberg-Wernigerode wurde Penther 1736 an die 1734 neu gegründete und 1737 eingeweihte Georg-August-Universität Göttingen berufen. Mit der Berufung im August 1736 war der Titel „Öffentlicher Lehrer der Haushaltungs-Kunst zu Göttingen und zugleich Königlich-Groß-Britannischer und Churfürstlich-Braunschweig-Lüneburgischer Rath“ verbunden.Hans Reuther: Johann Friedrich Penther (1693-1749). Ein Göttinger Architekturtheoretiker des Spätbarock. In: Niederdeutsche Beiträge zur Kunstgeschichte, Bd. 20 (1981), S. 151–176, hier S. 152. Am 17. Dezember 1736 traf er in Göttingen ein und begann mit Vorlesungen. Sein künftiges Vorlesungsprogramm veröffentlichte er sogleich noch 1736.Johann Fridrich Penther: Programma Von der Mathesi Thavmatvrgia. Worin er zugleich seine künfftige Lectiones Academicas bekandt macht. Vandenhoeck, Göttingen 1736. Im November 1737 bestellte die Universität ihn zum ordentlichen Professor, zudem wurde ihm die Verwaltung der akademischen Gebäude übertragen.Hans Reuther: Johann Friedrich Penther (1693-1749). Ein Göttinger Architekturtheoretiker des Spätbarock. In: Niederdeutsche Beiträge zur Kunstgeschichte, Bd. 20 (1981), S. 151–176, hier S. 152 und Anm. 17 zum Quellennachweis der „Instruction“ vom 7. Dezember 1736 im Universitätsarchiv Göttingen (Signatur: IV B 352). Seine Vorlesungsfächer waren bis zu seinem Tod im Jahr 1749 praktische Geometrie (Feldmeßkunst), angewandte Arithmetik, Geometrie, Mechanik sowie Zivil- und Militärarchitektur.
1743 erhielt er Sitz und Stimme in der Philosophischen Fakultät. 1747/48 übte er das Amt des Prorektors aus.Hans Reuther: Johann Friedrich Penther (1693-1749). Ein Göttinger Architekturtheoretiker des Spätbarock. In: Niederdeutsche Beiträge zur Kunstgeschichte, Bd. 20 (1981), S. 151–176, hier S. 153. 1747 entstand in der Reihe der Göttinger Professoren-Gemälde ein Porträt Penthers von dem Maler Franz Reibenstein.Kunstsammlung der Georg-August-Universität Göttingen, Inventar-Nr. GG 302.Harald Storz: Auf der Suche nach dem Porträtmaler F. Reibenstein (1713–um 1762). In: Göttinger Jahrbuch, Bd. 63, 2015, S. 27–36, hier S. 29, Anm. 14.
Johann Friedrich Penther galt als bedeutende Kapazität seiner Lehrfächer. In einer Universitätsbeschreibung des Göttinger Rechtsprofessors Johann Christian Claproth von 1748 heißt es: „Der Herr Rath und Professor, Penther, dessen practische Wissenschaft in der Mathematik seine nützlichen Schriften, als da sind die Praxis Geometria mit der Zugabe, die Gnomonica, das Collegium Architectonum, vom Bauanschlage, ingleichen die Anleitung zur bürgerlichen Baukunst in dreyen Theilen, an den Tag legen, beschäftiget sich mit allen Theilen der practischen Mathematik auf die nützlichste und rühmlichste Art. Ich muß bekennen, daß ich auf den deutschen Universitäten, so ich besuchet, eine so herrliche Gelegenheit nicht gefunden habe, dasjenige, was von der gemeinen Mathematik im Leben nützlich ist, zu lernen, als in Göttingen. Er lehret seinen Zuhörern nicht nur, einen schönen Riß zu machen, sondern er übet sie auch in Anschlägen, Angaben von Gebäuden, Mechanischen Werken, Fortificationen u.s.w. Kurtz was man sonst ausser der Academie bei geschickten Meistern mit schwehren Kosten privatissime erlernet, das ist bey ihm die ordentliche Anweisung für ein sehr geringes honorarium. Er lieset über die Arithmetik, Geometrie, Mechanic, Hydraulic, Hydrostatic, Civil= und Militair=Baukunst und übrige Theile der Mathesos applicatae.“Johann Christian Claproth: Der gegenwärtige Zustand der Göttingischen Universität (...). Schmidt, Göttingen 1748 (Digitalisat auf gdz.sub.uni-goettingen.de, abgerufen am 24. Februar 2023), S. 31.Penthers 1732 erstmals erschienene Praxis geometriae ist eines der wichtigsten deutschsprachigen Lehrwerke zum Vermessungswesen im 18. Jahrhundert. Sie ist reich bebildert und behandelt umfassend geometrisches Zeichnen, die Erstellung von Landkarten und die Berechnung geometrischer Instrumente. Das von Penther selbst entworfene Frontispiz zeigt den thronenden Kaiser Justinian I., der sich durch Zitate aus seinem Codex Iustinianus als Förderer der Geometrie ausweist. Das Werk erschien in erweiterten Editionen, die bis zu Penthers Tod 1749 in zwei weiteren Ausgaben auch seine neuen Erfahrungen in und praktische Beispiele aus Göttingen aufnahmen. Schließlich waren es posthum bis 1788 neun Editionen, zu der 1790 eine nachgereichte, umfangreiche Zugabe hinzu kam.Johann Friedrich Penther: Praxis geometriae (...). Probst, 9. Edition, Augsburg 1788. Daran ist nach dem Register angeheftet Penthers Zugabe zur Praxi Geometriae. Probst, Augsburg 1790. – (Digitalisat auf digitale sammlungen.de, abgerufen am 12. Juli 2026)
1733 verfasste Penther ein Werk zur Konstruktion und Anwendung von Sonnenuhren Gnomonica Fundamentalis mit 15 Kupferstichen.
Penther als Architekturtheoretiker Unter Johann Friedrich Penthers weiteren Fachbüchern sind die Werke zur Architekturtheorie weit verbreitet gewesen, namentlich als Hauptwerk seine vier Bände Ausführliche Anweisung zur Bürgerlichen Bau-Kunst (1744–1748), deren Band 1 von 1744 ein frühes Architekturlexikon enthält. Das Gesamtwerk war ursprünglich auf acht BändeJohann Friedrich Penther: Ausführliche Anweisung zur Bürgerlichen Bau-Kunst, Band 1: Enthaltend ein Lexicon Architectonicum oder Erklärungen der üblichsten Deutschen, Französischen, Italiänischen Kunst-Wörter der Bürgerlichen Bau-Kunst (...). Johann Andreas Pfeffel, Augsburg 1744, Vorrede (Digitalisat). - Dort mit Beschreibung des geplanten Inhalts der unvollendeten Bände. angelegt. Das Lehrbuch wird in der Baugeschichte als „didaktisch sicherlich gelungen“ beurteilt und als „ein für seine Zeit verständliches und auch recht gründliches Lehrbuch mit dem notwendigen Praxisbezug“.Hans Reuther: Johann Friedrich Penther (1693-1749). Ein Göttinger Architekturtheoretiker des Spätbarock. In: Niederdeutsche Beiträge zur Kunstgeschichte, Bd. 20 (1981), S. 151–176, hier S. 165. Der erste Biograph Penthers Hans Reuther bemerkte an Penthers Architekturbüchern, dass darin „die Betonung der Mathematik und Geometrie immer wieder aufklingt“, was seine eigene wissenschaftliche Herkunft spiegelt. Trotz der umfangreichen architekturtheoretischen Schriften Penthers soll nach seinem Tod an der Universität „keine große Meinung“ geherrscht haben. In der Architekturgeschichte wird Penthers Werk rückblickend ebenfalls auch kritisch beurteilt: „Penther war weder ein genialer Baumeister noch ein weitgereister Baukundiger und hatte innerhalb der Universität nur ein bescheidenes Renommé als Praktiker.“Christian Freigang: Architektur und Städtebau von der Mitte des 17. Jahrhunderts bis 1866. In: Ernst Böhme, Rudolf Vierhaus (Hrsg.): Göttingen, Geschichte einer Universitätsstadt. Band 2: Vom Dreißigjährigen Krieg bis zum Anschluss an Preußen – Der Wiederaufstieg als Universitätsstadt (1648–1866). Vandenhoeck & Ruprecht, Göttingen 2002, ISBN 3-525-36197-1, S. 765–812, hier S. 780. Im Bereich der Architekturtheorie habe er zwar die Darstellung der Säulenproportionen „durchaus eigenständig“ diskutiert, doch würde man in seinen Entwürfen im Lehrbuch „einen gewissen Mangel an eigenständiger Schöpferkraft Penthers als Architekt“Hans Reuther: Johann Friedrich Penther (1693-1749). Ein Göttinger Architekturtheoretiker des Spätbarock. In: Niederdeutsche Beiträge zur Kunstgeschichte, Bd. 20 (1981), S. 151–176, hier S. 156. erkennen. Auch seien seine Ausführungen zur Baugattungslehre „wohl kaum [Ergebnis] ausgefeilter Reflexion, sondern der pragmatischen Verwendung bequem erreichbarer Vorlagen zu verdanken.“Christian Freigang: Architektur und Städtebau von der Mitte des 17. Jahrhunderts bis 1866. In: Ernst Böhme, Rudolf Vierhaus (Hrsg.): Göttingen, Geschichte einer Universitätsstadt. Band 2: Vom Dreißigjährigen Krieg bis zum Anschluss an Preußen – Der Wiederaufstieg als Universitätsstadt (1648–1866). Vandenhoeck & Ruprecht, Göttingen 2002, ISBN 3-525-36197-1, S. 765–812, hier S. 780 f.