mini|Noahs Arche, Gemälde von Edward Hicks, 1846
Die Arche Noah () war nach dem biblischen Buch Genesis, Kapitel 6–9, ein von dem Patriarchen Noah gebauter schwimmfähiger Kasten. Das Wort „Arche“ leitet sich aus dem lateinischen Wort für Kasten () ab, was dem hebräischen Wort für Kasten (tēvāh) entspricht. Die deutsche Form „Arche Noah“ statt „Arche Noahs“ entstammt der Übersetzung Luthers (siehe Status constructus).
Noah wurde laut der biblischen Erzählung von Gott erwählt und vor einer großen Flut gewarnt. Er erhielt den Auftrag, eine Arche zu bauen, um damit sich und seine Familie, bestehend aus acht Personen, und die Landtiere vor der Flut zu retten. Zum Bau der Arche erhielt er genaue Angaben . Am Ende der Sintflut lief sie im „Gebirge Ararat“ auf Grund .
Es bestehen theologische Bezüge zu anderen Rettungsgeschichten; so wurde Mose, der nach seiner Geburt auf dem Nil ausgesetzt wurde, in einem ‚Körbchen‘ (oder ‚Kästchen‘, hebr.: tēvāh) aus Binsen und Erdpech gerettet .
Antike Quellen Tora mini|Die Rückkehr der Taube zur Arche Noah (Gemälde von John Everett Millais, 1851, Ashmolean Museum, Oxford)
Das hebräische Wort für Arche ist tēvāh, das ‚Kasten, Schrein, Sarg‘ bedeutet. Durch den Bau der Arche wurde Noah mit seiner Frau, seinen drei Söhnen Sem, Ham und Jafet und deren Ehefrauen gerettet.
Die Arche war nach 300 Ellen lang, 50 Ellen breit und 30 Ellen hoch. Setzt man die Elle mit nur 44,5 Zentimetern an (andere Einschätzungen der alten Elle liegen bei 56 oder 61 Zentimetern), dann wäre die Arche 133,5 Meter lang, 22,3 Meter breit und 13,4 Meter hoch gewesen. Dadurch hätte die Arche einen Bruttoraumgehalt von fast 40.000 Kubikmeter gehabt und wäre fast halb so lang gewesen wie der Ozeandampfer Queen Elizabeth 2. Ein solches Schiff hätte schätzungsweise etwa die gleiche Wasserverdrängung wie die 269 Meter lange Titanic. Die Arche hatte dem biblischen Bericht zufolge, da sie von innen durch zwei zusätzliche Böden verstärkt war, drei Decks und verfügte dadurch über eine Bodenfläche von ungefähr 8.900 Quadratmetern.
Als Holz für die Arche wurde gemäß der Bibel gopher (hebräisch ) verwendet. Um welche Baumart es sich handelte, ist heute nicht mehr bekannt; man nimmt aber meist an, dass die Zypresse gemeint ist. Dieses Holz ist sehr wasserbeständig und dauerhaft. Die Phönizier und Alexander der Große bevorzugten die Zypresse für den Schiffbau. Laut neueren, umstrittenen Forschungen könnte ein Vergleich vom hebräischen „Gopher“ zum aramäischen StammwortDiscovered Noah’s Ark Wyatt Archaeological Research eine Klärung bringen: Darin würde es „laminiertes Holz“ bedeuten, also Sperrholz, welches eine hohe Festigkeit bei gleichem Gewicht aufweist.
Neues Testament Im Neuen Testament wird auf die Sintflut und die Arche zurückgeschaut. Nach dem Evangelium nach Matthäus hat Jesus von Nazareth folgende Worte gesprochen:
Die Arche Noah wird an drei weiteren Stellen erwähnt: , und . Danach ist Noah der „Erbe der Gerechtigkeit, die aus dem Glauben kommt“ (Hebräer 11,7). Der Sintflut, durch die hindurch in der Arche „acht Menschen“ gerettet werden, entspricht die Taufe als Heilsgeschehen vom ‚Tod’ (als Reinigung des Gewissens von „toten Werken“ – ) und Auferstehung (1. Petr 3,20). Gott bewahrte „nur Noah, den Verkünder der Gerechtigkeit, zusammen mit sieben anderen als achten“, während die „Welt der Gottlosen“ unterging (2. Petr 2,5).
Apokryphen In zeitlicher Nähe zum Neuen Testament heißt es im apokryphen Buch der Weisheit: „So hat auch in der Urzeit beim Untergang der übermütigen Riesen die Hoffnung der Welt sich auf ein Floß geflüchtet und, durch deine (Gottes) Hand gesteuert, der Welt den Samen eines neuen Geschlechts hinterlassen. Denn Segen ruht auf dem Holz, durch das Gerechtigkeit geschieht“ . Zuvor heißt es: „Die Seelen der Gerechten sind in Gottes Hand“ und gehen deshalb letztlich nicht unter.
Antike Historiker Der jüdische Geschichtsschreiber Flavius Josephus gibt die biblische Geschichte aus späterer Perspektive (1. Jahrhundert n. Chr.) wieder, präzisiert geografische Angaben und verweist auf weitere Quellen der Sintflut-Überlieferung wie Berossos und Nikolaos von Damaskus.Flavius Josephus: Jüdische Altertümer. Buch 1, 3. Kapitel. Josephus erwähnt an vier Stellen Überreste der Arche Noah: „Diesen Ort nennen die Armenier Apobaterion, das heißt ›Ort des Ausgangs‹, und man zeigt heute dort noch Reste der Arche.“Flavius Josephus: Jüdische Altertümer. Buch 1, 3. Kapitel, Abschnitt 5. „Es heißt, dass noch jetzt in Armenien auf dem Kordyäergebirge ein Teil jenes Fahrzeuges vorhanden sei, und dass manche Harz davon entnehmen, um sich desselben als Zaubermittel gegen drohende Übel zu bedienen.“ (Zitat des babylonischen Priesters Berossos)Flavius Josephus: Jüdische Altertümer. Buch 1, 3. Kapitel, Abschnitt 6. „Oberhalb Minyas in Armenien liegt ein gewaltiger Berg, Baris genannt, auf den viele zur Zeit der großen Flut geflohen sein sollen, wodurch sie gerettet wurden. Einer soll in einer Arche gefahren und auf dem Gipfel des Berges gelandet sein, und es sollen sich lange Zeit Überreste des Schiffsholzes dort erhalten haben.“ (Zitat von Nikolaos von Damaskus) „Diese Gegend [die Landschaft Karrae] ist besonders ergiebig an Amomum, und es befinden sich dort auch noch Überreste der Arche, in welcher Noe der Sintflut entkommen sein soll. Jedem, der sie sehen will, werden die Trümmer noch bis auf den heutigen Tag gezeigt.“Flavius Josephus: Jüdische Altertümer. Buch 20, 2. Kapitel, Abschnitt 2.
Islam Auch der Koran (7. Jahrhundert n. Chr.) erzählt die Geschichte von Noahs Arche in Sure 11. In dieser Version ertrinkt einer der Söhne Noahs, da er auf einem Berg Zuflucht finden will. Als Landestelle wird in der islamischen Traditionsliteratur der Berg Al-Judi genannt. Dieser befindet sich nach muslimischer und frühchristlicher Tradition in der südosttürkischen Provinz Şirnak.
Jesidentum mini|Eingang zum Hauptheiligtum der Jesiden in Lalisch. Rechts vom Eingang ist die schwarze Schlange abgebildet.
Im Jesidentum entspricht der Mythos der Arche Noah weitgehend dem der anderen abrahamitischen Religionen, mit einem wesentlichen Unterschied: Mit dem steigenden Wasser treibt die Arche über den von den Jesiden verehrten Berg Sindschar, wo der Rumpf an einem Felsen leck schlägt. Die Schlange rollt sich spiralig zusammen und stopft so das Loch, bis die Arche schließlich auf dem Berg Dschudi anlandet. Einer in der heiligen Schrift Mishefa Reş („Schwarzes Buch“) festgehaltenen Erzählung zufolge stellt sich die Rettung bringende Schlange jedoch später als böse heraus und wird gefangen und verbrannt.Peter Nicolaus: The Serpent Symbolism in the Yezidi Religious Tradition and the Snake in Yerevan. In: Iran & the Caucasus. Band 15, Nr. 1/2, 2011, S. 49–72, hier S. 54.
Altorientalische Parallelen Atraḫasis-Epos Das Atraḫasis-Epos mit dem gleichnamigen Held Atraḫasis entstand spätestens im ausgehenden 19. Jahrhundert v. Chr. Der Bau der Arche erfolgte erst, nachdem drei Plagen die ungehemmte Vermehrung der Menschheit nicht stoppen konnten und die Götter eine Sintflut als letzte wirkungsvolle Möglichkeit ansahen. Enki, Gott der Menschen, warnte Atraḫasis vor der Katastrophe, sodass Atraḫasis mit dem Bau der Arche noch rechtzeitig beginnen konnte.
Gilgamesch-Epos mini|Keilschrifttafel des Gilgamesch-Epos (Tafel XI) mit der Sintflutgeschichte, Britisches Museum
Auch das wohl ursprünglich im 18. Jahrhundert v. Chr. entstandene Gilgamesch-EposStefan M. Maul: Das Gilgamesch-Epos. S. 14. berichtet von einer Flut. In dieser Überlieferung, teilweise wortwörtlich dem Atraḫasis-Epos entnommen, erhielt Uta-napišti vom Gott Ea den Befehl, ein Schiff zu bauen. Uta-napišti wird an einigen Textstellen „Atraḫasis“ („Der überaus Weise“) genannt.
Die würfelförmige Arche im Gilgamesch-Epos war mit 60 m × 60 m × 60 m (216.000 Kubikmeter) mehr als fünfmal so groß wie die Arche Noah:Stefan M. Maul (siehe Literatur) Anmerkungen 58–59, S. 186.
Uta-napišti strandete wie Atraḫasis und Noah mit seiner Arche schließlich auf einem Berggipfel, hier Nimuš genannt.
Keilschrifttafel Auf einer 2014 von Irving Finkel publizierten Tontafel wird in Keilschrift der Bau einer Arche beschrieben. Der Text beschreibt den Bau einer Arche aus Schilf, die mit Bitumen abgedichtet wurde. An Bord der Arche kamen von jeder Tierart ein Paar, die zusammen mit dem Erbauer und seiner Familie eine weitreichende Flut überlebten.
Der kreisförmige Grundriss der Arche weicht hingegen von der biblischen Überlieferung ab. „Entwirf das Schiff, das du bauen wirst, auf einem kreisförmigen Plan.“Irving Finkel: The Ark before Noah. S. 358f: »Draw out the boat that you will make on a circular plan.« (Transkription der Keilschrift hier ebenfalls publiziert). Finkel vergleicht die Bauweise mit babylonischen Schiffchen, deren Pendants man heute als Coracle bezeichnet. Die Maße stimmen wiederum mit den Angaben im Gilgamesch-Epos überein.
Die zum Teil beschädigte Tontafel hat in etwa die Größe eines Smartphones und wird auf das Jahr 1.700 vor Chr. datiert.
Verbleib der Arche mini|Münster: Kartendarstellung des Kaukasus von 1542, mit Archendarstellung im Kaspischen Meer: Arca Noe que quieuit in mo[n]tibus Armenie – „Arche Noah in den armenischen Bergen ruhend“
Die Erzählung wird heute von vielen Theologen als Mythos angesehen, dessen Bedeutung nicht im historischen Gehalt, sondern in der theologischen Aussage liege. Die Texte der Urgeschichte (Gen 1–11) sollen erst während der Babylonischen Gefangenschaft im 6. Jahrhundert vor Christus verfasst worden sein; schon deshalb erübrige sich eine Suche nach Überresten der Arche.
Im Evangelikalismus, insbesondere in den Vereinigten Staaten, und in der Orthodoxie wird hingegen in der Regel an der historischen Realität der Sintflutgeschichte festgehalten. Auch die Siebenten-Tags-Adventisten und die Zeugen Jehovas verstehen die Darstellung als Bericht historischer Geschehnisse. Die theologische Interpretation erhält entsprechend eine andere Gewichtung.
Das biblische Gebirge Ararat im Armenischen Hochland ist nicht unbedingt gleichzusetzen mit dem Berg Ararat im Osten der heutigen Türkei.
Eine Überlieferung aus frühchristlicher Zeit lokalisiert das biblische Gebirge Ararat in der Nähe der antiken Stadt Kelainai (bzw. Apameia Kibotos) im südlichen Phrygien (heute: Dinar in der westtürkischen Provinz Afyonkarahisar), dies ist erstmals in den Sibyllinischen Orakeln (1, 261) greifbar. In der Folge wird Apameia bei Julius Africanus und anderen byzantinischen Autoren als Landeort der Arche genannt; auch werden hölzerne Überreste erwähnt (Io. Mal. 1, 4; Syncell. 22; Cedren. 1, 20 etc.). Auf vielen Münzen des 3. Jahrhunderts aus Apameia ist Noah mit der Arche abgebildet.Norbert Clemens Baumgart: Artikel Arche. Unter: Bibelwissenschaft.de (Abschnitt 4.2.1. Münzen aus Apamea, März 2013). Abgerufen am 27. April 2015. Es handelt sich anscheinend vorwiegend um eine lokale Überlieferung.
Nach dem Koran (Sure 11,44) landete die Arche auf dem Berg Cudi (Cudi Dağı) in der türkischen Provinz Şırnak.
Die Suche nach der Arche Noah auf dem Ararat mini|Großer Ararat, Bild der Anomalie, 1949
Nach der biblischen Überlieferung in ließ sich die Arche auf „den Bergen Ararat“ (hebräisch הׇרֵי אֲרָרָט) nieder. Damit ist wohl das urartäische Bergland und nicht spezifisch der Berg Ararat gemeint. Zahlreiche Expeditionen hatten den „Großen Ararat“ zum Ziel, um unter dem gletscherbedeckten Gipfel Überreste der Arche Noah zu finden.Vgl. den Überblick für die Jahre 1701–2005 unter: Mount Ararat Search Expeditions & Early Ascents. Abgerufen am 26. April 2015.