Landsberg am Lech () ist eine Große Kreisstadt und der Verwaltungssitz des gleichnamigen Landkreises im Regierungsbezirk Oberbayern. Das Mittelzentrum liegt an der Romantischen Straße und zählt laut Deutschem Wetterdienst zu den sonnigsten Städten Deutschlands. Landsberg hat eine gut erhaltene Altstadt.
Geographie Lage Das Mittelzentrum liegt rund 55 Kilometer westlich von München und etwa 38 Kilometer südlich von Augsburg. Die Stadt ist das Zentrum des Lechrains, der Grenzlandschaft zwischen Altbayern und Schwaben. Sie liegt am Hochufer des Lechs und besitzt eine gut erhaltene und sehenswerte Altstadt.
Stadtgliederung Die historische Altstadt liegt eingebettet zwischen dem Lech und seinem östlichen Hochufer. Die Stadtviertel westlich des Lechs (Katharinenvorstadt, Neuerpfting, Weststadt, Schwaighofsiedlung – heute der weitaus größte Teil des Stadtgebietes) und auf dem östlichen Hochufer (Bayervorstadt) entstanden erst ab dem 19. Jahrhundert.
Die Gemeinde besteht aus fünf Gemarkungen, die in der Fläche den ehemaligen Gemeinden entsprechen, und hat zehn Gemeindeteile (in Klammern ist der Siedlungstyp angegeben): Landsberg (Hauptort) Ellighofen (Kirchdorf) Erpfting (Pfarrdorf) mit Friedheim (Dorf), Geratshofen (Einöde) und Mittelstetten (Gut) Pitzling (Pfarrdorf) mit Pöring (Schloss) Reisch (Kirchdorf) mit Thalhofen (Weiler) Sandau und Pössing sind keine amtlich benannten Gemeindeteile und werden zu Landsberg gerechnet. mini|600px|zentriert|Lechwehr mit der Altstadt von Landsberg am Lech im Hintergrund
Klimatabelle
Geschichte Altertum und Römerzeit Schon seit der Steinzeit war das Stadtgebiet besiedelt. Aus der Bronzezeit gibt es Keramikscherben und Reste abgebrannter Holzhütten. Weiter gibt es Funde aus der Hallstattzeit. Aus römischer Zeit gibt es Münzfunde, Keramik, und Reste einer Befestigungsanlage.https://www.landsberg.de/kultur/stadtgeschichte/die-entwicklung-der-stadt-landsberg-am-lech/ Mittelalter In Sandau und bei Pitzling sind im 8. Jahrhundert Tochtergründungen des Klosters Benediktbeuern entstanden. Eine Pfarrei in Spötting ist das erste Mal 969 urkundlich erwähnt.
Den Kern der späteren Stadt bilden Burg und Ort Phetine oder Pfetten, geschützt durch Palisaden. Etwa um 1100 wurde die Pfettenburg errichtet, dazu gehörte eine Kapelle und eine Siedlung. Um 1135 wurde eine Siedlung namens Phetine auf dem späteren Stadtgebiet Landsbergs urkundlich erwähnt, die aber noch kein Stadtrecht hatte. Herzog Heinrich der Löwe ließ bei Phetine eine Brücke über den Lech bauen, die erstmals 1150 urkundlich belegt ist. Er verlegte im Jahre 1158 die bedeutende Salzstraße auf die südlichere Route, zuvor führte die Salzstraße bei Kaufering mittels einer Furt über den Fluss. Zum Schutz dieser Brücke errichtete er unter Einbeziehung der Burg Phetine um 1160 eine neue größere Anlage, genannt „Castrum Landespurch“. Die Burg war zum einen Vogtburg des Wessobrunner Klosters (heute Landkreis Weilheim-Schongau) und zum anderen Schutz der Grenze zum Hochstift Augsburg.
Im Schutz dieser Burg entstand eine rasch wachsende Ansiedlung, die vermutlich zwischen 1160 und 1180 das Stadtrecht erhielt und bald „Landesperch“ genannt wurde. Daraus entwickelte sich die heutige Stadt Landsberg am Lech.siehe auch Burgstall Sandau mini|600px|zentriert|Lechwehr mit der Altstadt von Landsberg am Lech im Hintergrund
Im Thronstreit um die Königswürde zwischen dem Wittelsbacher Ludwig dem Bayern und dem Habsburger Friedrich dem Schönen ließ letzterer 1315 nach einer mehrtägigen Belagerung die Stadt niederbrennen. Da die Stadt eine wichtige strategische Lage hatte, ließ sie Ludwig der Bayer wieder aufbauen. Der Wiederaufbau wurde vom Herzog unterstützt, er verlieh der Stadt die gleichen Rechte wie München.
Im Jahr 1320 wurde der Stadt das Recht gegeben, Salzzölle zu erheben. Auf diese Weise gelangte die Stadt durch den so genannten Salzpfennig zu einem ansehnlichen Wohlstand.
1353 wurde der erste Salzstadel gebaut, bis zum 17. Jahrhundert waren es insgesamt drei. In diesen Salzstadeln wurde das Salz gelagert und auch verkauft. Im 20. Jahrhundert wurde der Salzstadel von der Landsberger Freiwilligen Feuerwehr als Standort genutzt, in den 1990er Jahren zog die Stadtbücherei Landsberg in den Lechstadel. mini|Lechwehr aus einer anderen Perspektive aufgenommen Auch der sonstige Handel entwickelte sich bestens, vorwiegend mit Getreide und Holz, das über den Lech transportiert wurde. Die Stadt wurde ständig ausgebaut und erweitert, so dass zwischen 1415 und 1435 ein weiterer Stadtmauerring notwendig wurde. Dadurch wurde das Gebiet im Norden und Osten Landsbergs erheblich erweitert. 1419 genehmigte Herzog Ernst den Flusszoll, die Stadt durfte nun von jedem passierenden Floß 3 Pfennige Zoll kassieren, die Einnahmen wurden für die Landsberger Wehrbauten verwendet. Im Jahr 1425 entstand das Bayertor als Einlass in die Stadt von Osten her. Durch dieses Tor führte auch die Salzstraße (von München kommend) in die Stadt hinein.
1429 verlieh Herzog Ernst der Stadt das bis heute gültige Stadtwappen. 1434 stiftete er nach dem Tanz mit den Landesberger Bürgerfrauen den Forellentrunk. 1437 stiftete er das Jungferngeld. Jedes Jahr mussten nun die Landsberger von ihren Steuereinnahmen 40 Pfennige an zwei unbescholtene Jungfrauen als Heiratsgeld übergeben.
Neuzeit bis 1790 mini|Landsberg am Lech um 1580 (kolorierte Federzeichnung)
Herzog Albrecht V. initiierte 1556 in Landsberg die Gründung des Landsberger Bundes unter maßgeblicher Beteiligung von Ferdinand I. Es handelt sich dabei um den Zusammenschluss überwiegend katholischer Territorien und Städte (Bayern, Ober- und Vorderösterreich, die seit 1525 lutherische Reichsstadt Nürnberg, Salzburg, die Hochstifte Augsburg, Bamberg und Würzburg), dem später auch Kurmainz und Kurtrier beitraten, um sich gegen die protestantischen Reichsstände, insbesondere Fürsten wie Albrecht Alkibiades von Brandenburg-Kulmbach, zu organisieren. Den katholischen Fürsten ging es darum, ein weiteres Vordringen des Protestantismus zu verhindern. Der Rekatholisierung diente auch die Gründung des 1576 eröffneten Jesuitenkollegs in Landsberg.
Im Dreißigjährigen Krieg erlebte die Stadt ein Massaker. Schwedische Truppen des Generals Lennart Torstensson belagerten ab dem 11. April 1633 die Stadt. In der Nacht vom 19. auf den 20. April erstürmten auf Befehl des Herzogs Bernhard von Sachsen-Weimar die auf protestantischer Seite kämpfenden Truppen den Ort. Sie metzelten in der Folge alle Bewohner bis auf 500 Rekruten nieder, die sich ihnen anschlossen.Franz von Soden: Gustav Adolph und sein Heer in Süddeutschland von 1631 bis 1635. Band 2, Erlangen 1867, S. 71 (books.google.de), abgefragt am 19. April 2011 In den beiden letzten Jahren des 1618 begonnenen Dreißigjährigen Kriegs sank die Einwohnerzahl von 650 auf 202.Maximilian Benno Peter von Chlingensperg: Das Königreich Bayern in seinen alterthümlichen, geschichtlichen, artistischen und malerischen Schönheiten, enthaltend in einer Reihe von Stahlstichen die interessantesten Gegenden, Städte, Kirchen, Klöster, Burgen, Bäder, sonstige Baudenkmale mit begleitendem Texte (illustriert von Johann Poppel), München 1840, Verlag Georg Franz, S. 165 (books.google.de). Im Spätmittelalter hatten ca. 4.000 Menschen in der Stadt gelebt.https://www.landsberg.de/kultur/stadtgeschichte/die-entwicklung-der-stadt-landsberg-am-lech/ mini|Ansicht der Stadt Landsberg von Michael Wening, um 1700
Aus dem Jahr 1762 stammen die ersten schriftlichen Nachweise einer Hausnummerierung. Die bis heute gültige Zählung wurde dann im Jahr 1790 festgelegt. Unabhängig von den heutigen Straßennamen verläuft diese Nummerierung von Nr. 1 am Hauptplatz bis Nr. 496a im Hofgraben. Zusätzlich existieren Nebennummern mit a, b, c oder 1/2, 1/3 und 1/4, die bei Teilungen bzw. zusätzlichen Bebauungen entstanden.
1790 bis Nationalsozialismus Die Franzosenkriege 1792–1815 ließen die Stadt durch Einquartierungen und Plünderungen durchziehender Truppen völlig verarmen. Mit dem Reichsdeputationshauptschluss im Jahre 1802 wurde das Hochstift Augsburg Bayern angegliedert, und so verlor Landsberg auch noch seine Grenzfunktion. Im 19. und 20. Jahrhundert gewann die Stadt eine neue Bedeutung als Verwaltungs- und Garnisonsstandort. Bayervorstadt, Katharinenvorstadt und die Sandauer Vorstadt wurden ausgebaut. Schulen, Kasernen und das Gefängnis entstanden. Bahnanschluss, die Oberbayerische Pflugfabrik, das Sägewerk Kink aber auch viele kleine Handels- und Gewerbebetriebe boten Lohn und Brot.https://www.landsberg.de/kultur/stadtgeschichte/die-entwicklung-der-stadt-landsberg-am-lech/ mini|links|Kurt Hielscher: Hexenwinkel, Landsberg, 1924
Nationalsozialismus
Landsberg spielte, aufgrund der von Adolf Hitler hier verbüßten milden Festungshaft in Bayern, in der er Hof hielt und viele Landsberger Bürger empfing,Thies Marsen: Hitler in Landsberg – Festungshaft nach Skandalprozess. Bayerischer Rundfunk 2015, abgerufen am 18. September 2024. eine besondere Rolle im Nationalsozialismus. Im Jahre 1924 schrieb er während der Festungshaft sein Buch „Mein Kampf“. Von 1937 bis 1945 stilisierte sich Landsberg am Lech mit der „Hitlerzelle“, neben München und Nürnberg, als dritte zentrale Stätte des Nationalsozialismus. Es wurde mit der Verleihung des Titels „Landsberg – Stadt der Jugend“ als Treffpunkt der Hitler-Jugend bekannt gemacht. Die vom Stadtrat geplanten, von Kreis-, Gau- und Landesleitung wohlwollend geförderten Bauten wurden nur teilweise umgesetzt.Anton Posset et al.: Der nationalsozialistische Wallfahrtsort "Landsberg: 1933–1937: Die „Hitlerstadt“ wird zur „Stadt der Jugend“, Herausgeber (Hrsg.): Bürgervereinigung Landsberg im 20. Jahrhundert, Landsberg, 1993, ISBN 3-9803775-2-0.Übersicht mit Artikeln zum Thema „Landsberg Stadt der Jugend“ auf der Homepage der Bürgervereinigung Landsberg im 20. Jahrhundert, abgerufen am 29. Mai 2020.