Die Schlacht an der Somme () ist ein britischer Dokumentar- und Propagandafilm aus der Zeit des Ersten Weltkriegs über den Beginn der Schlacht an der Somme. Er gilt als der erste wirkliche Dokumentarfilm in der Geschichte des KinosNorbert Wehrstedt: , Leipziger Volkszeitung, 19. Mai 2014. und hielt bis zur Veröffentlichung von Krieg der Sterne gut 60 Jahre lang den Publikumsrekord an den britischen Kinokassen.Viewpoint: The WW1 film over 20 million people went to see, www.bbc.com, 7. November 2014.

Seit dem 29. Juli 2005 gehört The Battle of the Somme zum Weltdokumentenerbe. Es ist das erste britische Zeitdokument, das in diese Liste aufgenommen wurde.

Militärischer Hintergrund mini|hochkant|links|Der britische Schlachtplan

Nach der Ersten Marneschlacht erstarrte die Front in Frankreich im Herbst 1914 im Stellungskrieg. Im Laufe des folgenden Jahres versuchten Alliierte wie Deutsche, mit immer größer werdenden Offensiven die jeweils gegnerischen Stellungen zu durchbrechen und wieder zum Bewegungskrieg überzugehen. Alle diese Angriffe brachten, außer hohen Verlusten für beide Seiten, kaum Ergebnisse. Auch der Einsatz von Giftgas, zunächst durch die Deutschen, änderte daran nichts.

Ende 1915 vereinbarten die Alliierten auf der Zweiten Chantilly-Konferenz für den Sommer 1916 mehrere große Offensiven an verschiedenen Fronten, darunter eine gemeinsame britisch-französische in Frankreich. Als Ort wurde das Gebiet beidseits des Flusses Somme ausgewählt, an der Nahtstelle des britischen und französischen Frontabschnitts. Am 21. Februar eröffnete die deutsche Armee jedoch die Schlacht um Verdun. Auf einer weiteren Konferenz in Chantilly im März konkretisierten der französische General Joseph Joffre und der britische Feldmarschall Douglas Haig ihre Pläne unter Berücksichtigung jener neuen Kämpfe. Die französischen Truppenkontingente an der Somme wurden stark reduziert. Die britische Offensive hatte nun auch das Ziel, die französische Front bei Verdun zu entlasten.

Ursprünglich sollte die britische Infanterie am 29. Juni angreifen. Wegen des schlechten Wetters wurde der Angriffsbeginn jedoch kurzfristig um 48 Stunden verschoben.Matt Brosnan: What Happened During The Battle Of The Somme? auf der Website des Imperial War Museums

Der Plan sah vor, die deutschen Stellungen durch ein massives, mehrtägiges Trommelfeuer mit etwa 1,5 Millionen Granaten sowie durch die Zündung von insgesamt 19 Minen zu zerstören. Die britische Infanterie sollte dann praktisch ohne Gegenwehr durch das Niemandsland vorstoßen und die deutschen Stellungen einnehmen können. Es gelang jedoch nicht, die deutschen Verteidiger komplett auszuschalten, so dass die vorrückenden britischen Einheiten schwere Verluste erlitten. Von den etwa 120.000 angreifenden britischen Soldaten wurden alleine in der ersten halben Stunde 8.000 getötet, überwiegend durch Maschinengewehrfeuer. Insgesamt beliefen sich die britischen Verluste am 1. Juli auf 57.740 Mann, darunter 19.240 Tote. Dieser Tag gilt seitdem als der blutigste in der britischen Militärgeschichte.Imperial War Museums: NOTES ON ... The Battle of the Somme Film (PDF; 821 kB) Besonders hoch waren die Verluste bei den Offizieren unterhalb des Rangs eines Majors – hier betrugen die Verluste alleine am ersten Tag 60 %.Rozina Sabur, Laurence Dodds: Ten facts about the Battle of the Somme, The Telegraph, 30. Juli 2016. Trotzdem wurde die Offensive fortgeführt und erst im November abgebrochen, ohne dass es zu einer militärischen Entscheidung gekommen wäre.

Die Entstehung des Films und zeitgenössische Aufführungen hochkant|mini|Geoffrey Malins filmt am 1. Juli aus dem Schützengraben das vorbereitende Trommelfeuer Nachdem Herbert Kitchener nach Ausbruch des Krieges zum britischen Kriegsminister ernannt worden war, verbot er zunächst jegliche aktuelle Berichterstattung von der Front. Erst gut ein Jahr später, im Herbst 1915, beugte sich das War Office dem Druck seitens des British Topical Committee for War Films, einer Lobbyorganisation der britischen Filmwirtschaft, und lockerte die Zensurmaßnahmen. Es wurden zwei offizielle Kameramänner nach Frankreich geschickt, Geoffrey H. Malins von Gaumont und Edward G. Tong von der Filmproduktionsgesellschaft Jury's Imperial Pictures. Malins hatte bereits unmittelbar nach Kriegsausbruch bis zum Verbot durch das Ministerium als freier Kameramann in Belgien und Frankreich gearbeitet. Kurz vor Beginn der Schlacht an der Somme wurde Tong aufgrund einer Erkrankung durch John B. McDowell ersetzt. The Battle of the Somme wurde somit von nur zwei Kameramännern gedreht. Geoffrey Malins war dabei im nördlichen Abschnitt der Angriffsfront im Operationsgebiet der 29. Division bei Beaumont-Hamel eingesetzt, McDowell filmte weiter südlich bei der 7. Division in der Nähe von Fricourt und Mametz. Während Malins einen Ehrenrang als Leutnant annahm, zog McDowell es vor, Zivilist zu bleiben.Stephen Badsey: The British Army in Battle and Its Image 1914–18 (Birmingham War Studies). Continuum / Bloomsbury Publishing, London und New York 2009, ISBN 978-0-8264-3718-1, S. 118. Die Filmaufnahmen fanden zwischen dem 25. Juni und dem 9. Juli statt. Beide Männer drehten mit 35-mm-Film, wobei in den meisten Fällen Kameras des Fabrikats Moy & Bastie zum Einsatz kamen.

Das Topical Commitee hatte ursprünglich keinen so umfangreichen Dokumentarfilm geplantStephen Badsey: The British Army in Battle and Its Image 1914–18 (Birmingham War Studies). Continuum / Bloomsbury Publishing, London und New York 2009, ISBN 978-0-8264-3718-1, S. 117. und wollte die Aufnahmen lediglich für kurze Wochenschauberichte verwenden. Nach der Sichtung des Filmmaterials von der Somme beschlossen die Verantwortlichen jedoch, einen abendfüllenden Film daraus zu machen. Der Besitzer von Jury’s Imperial Pictures, William F. Jury, der auch Mitbegründer des Topical Commitees war, sollte als Produzent fungieren. Den Schnitt übernahm der angloamerikanische Filmpionier Charles Urban, der bei seiner Arbeit von Malins unterstützt wurde. Eine Rohschnittfassung des Films wurde in Frankreich im Hauptquartier der British Expeditionary Force gezeigt, wo General Rawlinson, Oberbefehlshaber der Vierten Armee, die Entfernung einiger Szenen anordnete, die vor allem den "Horror der Toten und Verwundeten" zeigten.Toby Haggith: Official War Films in Britain: The Battle of the Somme (1916), its Impact Then and its Meaning Today. In: Edinburgh Companion to the First World War and the Arts, Edinburgh University Press, Edinburgh 2017, ISBN 978-1-4744-0163-0, S. 313. Malins schrieb später über die noch im Film verbliebenen Aufnahmen:

Bereits am 2. August wurde der fertige Film dem kurz zuvor zum Kriegsminister ernannten David Lloyd George vorgeführt. Die erste öffentliche Vorführung fand am 10. August vor ausgewähltem Publikum im Scala Theatre in London statt, das zu dieser Zeit von Charles Urban betrieben wurde. Am 21. August kam The Battle of the Somme dann offiziell in die britischen Kinos. Zunächst wurde er in nicht weniger als 34 verschiedenen Lichtspielhäusern in London gezeigt, ab der darauf folgenden Woche auch in anderen Städten.Stephen Badsey: The British Army in Battle and Its Image 1914–18 (Birmingham War Studies). Continuum / Bloomsbury Publishing, London und New York 2009, ISBN 978-0-8264-3718-1, S. 121. Innerhalb von sechs Wochen sahen ihn etwa 20 Millionen Menschen – fast die Hälfte der damaligen Bevölkerung.Viewpoint: The WW1 film over 20 million people went to see, www.bbc.com, 7. November 2014.Paul Cornish: Britain's Memory of the Battle of the Somme auf www.iwm.org.uk, 13. August 2018.Robbie Collin: When The Battle of the Somme beat Disney at the box office, The Telegraph, 1. Juli 2016.Imperial War Museums: NOTES ON ... The Battle of the Somme Film (PDF; 821 kB) Insgesamt lief er in über tausend englischen Kinos und wurde auch im Ausland gezeigt,Anton Kaes: Schlachtfelder im Kino und die Krise der Repräsentation. In: Schlachtfelder: Codierung von Gewalt im medialen Wandel, Akademie Verlag, Berlin 2003, ISBN 3-05-003587-0, S. 124. insgesamt in 18 verschiedenen Ländern.About the film and the music auf www.somme100film.com

Inhalt Der Film ist in insgesamt fünf Teile gegliedert, was in erster Linie praktische Gründe hatte, da das gesamte Filmmaterial auf fünf Filmrollen aufgeteilt werden musste. Die einzelnen Szenen sind durch Zwischentitel getrennt, deren Text vom War Office verfasst worden war.Imperial War Museums: NOTES ON ... The Battle of the Somme Film (PDF; 821 kB) Die folgende Inhaltszusammenfassung orientiert sich an der vom Imperial War Museum herausgegebenen DVD-Fassung.

In den ersten beiden Teilen sind die Vorbereitungen zur Schlacht zu sehen: Einheiten, die zur Front marschieren, der Nachschub an Munition, ein Feldgottesdienst oder das Trommelfeuer auf die deutschen Stellungen mit Geschützen aller Kaliber, vom leichten Feldgeschütz bis zur schweren Haubitze. Aber auch Bauern werden gezeigt, die im unmittelbaren Hinterland der Front ihre Felder bestellen. Teil zwei endet mit der Explosion der Hawthorn-Ridge-Mine.

Im dritten Teil sieht man den Beginn der eigentlichen Schlacht – das Vorrücken der britischen Infanterie und Feldartillerie, eroberte deutsche Schützengräben, die Versorgung der Verwundeten und das Einbringen deutscher Gefangener.

Der vierte Teil zeigt zunächst weitere Verwundete und Gefangene. Danach sind deutsche Gegenangriffe und zerstörte britische und deutsche Stellungen zu sehen. Er endet mit Bildern von Gefallenen beider Seiten.

Der fünfte und letzte Teil setzt die Darstellung der Auswirkungen des britischen Artilleriefeuers fort. Man sieht zerschossene Landschaften, den Lochnagar-Krater und die zerschossenen Dörfer Fricourt und Mametz. Dann werden erbeutete deutsche Minenwerfer und Geschütze gezeigt sowie britische Einheiten beim Ausruhen, beim Anwesenheitsappell und beim Posieren für die Kamera. Der Film endet mit dem weiteren Vorrücken der britischen Truppen, während die deutschen Gefangenen nach England abtransportiert werden.

Propaganda Obwohl der Film den Zusammenhalt zwischen den kämpfenden Soldaten und der Heimatfront stärken sollte und daher auch als Propagandafilm zu werten ist, beschränken sich die Angaben in den Zwischentiteln im Wesentlichen auf Fakten und Ortsangaben. Ein seltenes Beispiel für einen direkten propagandistischen Kommentar ist der Zwischentitel Nr. 8, auf dem zu lesen ist:

Dabei handelt es sich um eine klare Anspielung auf die Krise in der Versorgung der britischen Armee mit Artilleriegranaten im Vorjahr und die seither stark gesteigerte Rüstungsproduktion.Stephen Badsey: The British Army in Battle and Its Image 1914–18 (Birmingham War Studies). Continuum / Bloomsbury Publishing, London und New York 2009, ISBN 978-0-8264-3718-1, S. 124.

Galerie

Öffentliche Wirkung Die britische Bevölkerung hatte bis dahin nur relativ kurze Frontberichte im Rahmen der Wochenschauen zu sehen bekommen. The Battle of the Somme war der erste abendfüllende Film über britische Soldaten an der Front. Da die Aufnahmen zum Zeitpunkt, als der Film in die Kinos kam, noch keine zwei Monate alt waren und die Schlacht an der Somme noch in vollem Gange war, stand The Battle of the Somme den Wochenschauberichten in Sachen Aktualität praktisch in nichts nach.