mini|Peterskirche Die evangelische St.-Peters-Kirche steht in Engstlatt, einem Stadtteil von Balingen im baden-württembergischen Zollernalbkreis. Ihre Kirchengemeinde Engstlatt-Auf Schmiden gehört zur Gesamtkirchengemeinde Balingen im Kirchenbezirk Balingen der Evangelischen Landeskirche in Württemberg.

Geschichte mini|Pfarrhof und Kirche Die Peterskirche steht auf einem Hügel über dem Ort. Von der nahe gelegenen Bundesstraße 27 fällt der 36 Meter hohe Turm der 1471 erbauten, spätgotischen Kirche schon von weitem ins Auge. Dieser auffällige Platz scheint schon früh möglicherweise eine vorchristliche Kultstätte, ab dem 10. Jahrhundert wohl eine Holzkapelle und ab dem 11. Jahrhundert den ersten Steinbau getragen zu haben, von dem noch ein kleiner Raum in der heutigen Kirche zeugt. Im Jahre 1275 wurde Engstlatt erstmals als Pfarrei bezeichnet. Das setzt einen mit der Planierung und Mauerumfriedung des Kirchhügels offenbar bereits geschehenen Bau einer größeren Steinkirche als Pfarrkirche voraus, die nur als offiziell geweihte Kirche denkbar ist.

Das Anwachsen der Dorfbevölkerung, verbunden mit einer vielerorts in dieser Zeit üblichen größeren Chorerweiterung für mehrere, verschiedenen Heiligen gewidmete Altäre, führte ab ungefähr 1465 zum Bau eines größeren Chors auf Kosten von einem Drittel der Breite und Südwand der bisherigen Kapelle. Die neu notwendige Weihe ist auf einem der Gewölbe-Schlusssteine mit 1471 vermerkt. Die restliche Zweidrittelbreite der Kapelle wurde nun zur Sakristei – mit eisenbeschlagener Tür und nur vom Kircheninneren her zugänglich. Das breitere Chordach erhob seinen First drei Meter über den Langhausfirst.Zu den baulichen Veränderungen der Kirche gibt es Planskizzen von Grundriss und Aufriss im PDF-Dokument auf der Gemeinde-Website: Martin Vollmer: Die Geschichte der St. Peterskirche in Engstlatt mit ihrer Baugeschichte. Engstlatt 1994, S. 5. Die Finanziers der Chorvergrößerung (Haus Württemberg, Zollern und das Kloster Stetten bei Hechingen) sind mit Wappensteinen oben im Gewölbe und an Rippenkonsolen geehrt; 1466 und 1468 hatte es zudem überörtliche Geldsammlungen gegeben. Beim Neubau des Chors oder kurz danach entstand wohl das große Wandbild. mini|Blick auf Orgel und Chor Die Einführung der Reformation in Württemberg 1534 und vereinzelt etwas später führte die völlig andere Art des Gottesdienstes, nämlich des Predigtgottesdienstes für eine erstmals sitzende Gemeinde, zu beträchtlichem Platzbedarf im Kirchenraum. Der Einbau von Emporen waren ebenso wie die bauliche Erweiterung des Kirchenschiffs und die Ausstattung des Chorraums mit Gestühl die sich bietenden Möglichkeiten. In Engstlatt wurde mindestens eine Raumerweiterung vorgenommen: Die Nordwand wurde abgebrochen und zwei Meter weiter nördlich, fluchtend zur Nordwand der Kapelle und der dort später aufgestockten neuen Sakristei, neu errichtet. Der breitere Raum ergab zwar ein höheres Dachwerk, doch die Decke blieb niedrig und musste im Bereich des Chorbogenscheitels hochgewölbt werden, um den Chorbogen nicht oben zu überschneiden. Entsprechende Reste von Verputz sind noch heute auf dem Kirchendachboden sichtbar.

Als nach dem Dreißigjährigen Krieg ohnehin eine gründliche Kirchenrenovierung und Erneuerung des Daches nötig war, erhöhte man nach dem Abbau des Dachwerks die Langhausmauern um einen Meter. Der neue Dachstuhl, wegen der Norderweiterung nicht mehr axial zum Chor, ergab nun über dem Kirchenschiff einen First höher als der Chorfirst. Außerdem ging die neue Flachdecke nun waagerecht über dem Chorbogen durch. Mit einer Teilabtragung des gotischen Turms an der Südwestwand und Neuaufbau eines Fachwerkstocks als neue Glockenstube wurde auch über das höhere Dach hinweg für den ungehinderten Glockenschall in alle Richtungen gesorgt. Die Maßnahmen in der Kirche wurden 1697 mit einer Erneuerung und Erweiterung der Empore und 1702 mit der Barockausmalung einschließlich der Decke abgeschlossen.

Aus unbekannten Gründen erfolgte 1868 bei einer Kirchenrenovierung eine vollständige Weiß-Übermalung allen Holzwerks – vom Gestühl über die Emporen samt Brüstungen bis zur Raumdecke. Ein neuer Taufstein wurde gesetzt und am Altar seitliche Altarschranken aus Gusseisen vom Königlichen Hüttenwerk Wasseralfingen gestellt, farblich gefasst und teilweise vergoldet. mini|hochkant|Chor Der Stuttgarter Architekt Richard Böklen leitete 1907 die Renovierung des Chorraums, bei der vor allem die Orgel auf die Südempore versetzt und die bisherige Orgelempore abgebaut wurde. Außerdem erhielt der Chor eine Neuverglasung, in die zwei jeweils vierteilige Farbglasfelder integriert wurden. Ein anderer Stuttgarter Architekt, Theodor Dolmetsch, besorgte 1914 eine Langhausrenovierung, Architekt Werner Jetter aus Balingen-Frommern 2005 eine komplette Innensanierung.

Baubeschreibung, Architektur Der älteste Teil der Peterskirche ist der Rest der Kapelle aus dem 11. Jahrhundert oder früher. Unter der Kanzel führt eine schwere, eisenbeschlagene Tür in einen kleinen Raum, in dem noch ein Teil der vermutlich bereits damals entstandenen Kapelle erhalten ist. Er liegt unter der später darüber errichteten Sakristei, die ihrerseits vom Chorraum aus über eine ansteigende Treppe erreichbar ist und auch den waagerechte Zugang zur Kanzel nördlich im Chorbogen enthält. Der übrig gebliene alte Kapellenraum misst noch 2,0 × 5,4 Meter und hat zwei Nord- und ein Ostfenster. Früher betrug die Breite wohl ungefähr 4,30 Meter oder mehr. Eine frühere Altarstufe sowie ein Ausflussbecken in Form eines in den Steinsims gehauenen Kelches belegen den ursprünglichen Raumcharakter als Kapelle. Der nächstgrößere Steinkirchenbau war dann vor 1275 an die Südwestecke dieser Kapelle angebaut worden: innen ungefähr 8,0 × 10,0 Meter zuzüglich Apsis oder Chor sowie dem Westturm. Dadurch endete die Nutzung des ersten steinernen Raumes als Kapelle – sie wurde nun zur Sakristei der neuen größeren Kirche und ohne Außenzugang mit ihrer stark gesicherten eisenbeschlagenen Innentür zum sicheren Ort für wertvolles Gut (Reliquien, Monstranzen, Kirchen- und Ortsvermögen).Anne Schaich: Mittelalterliche Sakristeien im deutschsprachigen Gebiet. Architektur und Funktion eines liturgischen Raums. Schleswig-Holsteinische Schriften zur Kunstgeschichte 17. Dissertation Dresden 2005, Kiel 2008.Ulrich Zimmermann: Die Predigtkirche und die Querkirche. Protestantischer Kirchenbau in Württemberg. Eine Studie zur Geschichte und Theologie des Kirchenraums und zur Entstehung zweier Kirchenbautypen. Ubstadt 2025, S. 77 f – ISBN 978-3-95505-592-9.

Ausstattung Romanik Ehemalige Kapelle: Innen das Ausflussbecken setzt sich in einer Rinne unter dem Fenster hindurch nach außen zu einer Steinnase am Rest eines vorkragende Gesimses fort. Es war zur Reinigung des sakralen Geräts, zum Entsorgen überschüssigen Weih- oder Taufwassers und sogar für die würdevolle Entsorgung verdorbenen eucharistischen Weines (wie das Blut des Gekreuzigten ins Erdreich tropfte) genutzt worden. Aus dem Rest der Altarstufe lässt sich die frühere Breite der Kapelle hochrechnen. Heute findet der Raum für Andacht und Kinderkirche Verwendung.

Gotik Wandmalerei: Im Jahr 1893 wurde an der Nordwand des Chors ein großes Fresko aus der Erbauungszeit der heutigen Kirche entdeckt und 1950 restauriert.Katalog der Wandmalereien in den Kirchen und Kapellen Baden-Württemberg’s von der ottonischen Zeit bis zur Renaissance, von Dipl.-Ing. Klaus Klünder und Christa Regina Klünder Es zeigt eine Kreuzigungsszene, die der johanneischen Passion nachempfunden ist und Ähnlichkeiten zu Grafiken Martin Schongauers und Michael Wolgemuts aufweist. Die bergige Landschaft mit Stadt und Burgen wurde als idealisierte Darstellung der Stadt Balingen und der Burgen Hohenzollern und Schalksburg gedeutet. Der Stifter Johannes Mästlin (1440–1480) ist unter dem Kreuz dargestellt. Das Bild ist das qualitativ herausragendste Gemälde der Gotik im Zollernalbkreis.

Renaissance Kanzel: Die Renaissancekanzel ist am Kanzelkorb in den Brüstungsfeldern mit Intarsienarbeit geschmückt. Sie ist über einen waagerechten Zugang um den Chorbogen herum aus der erhöht liegenden Sakristei zugänglich. Der Schalldeckel ist mit hölzernem Zierrat versehen und wird bekrönt von einem Engel. Er trägt wohl seit einer Kirchenrenovierung spätesten 2005 wieder den ungewöhnlichen, aber original ursprünglichen Hirtenstab. Dieses Attribut war 1959 nach Drittem Reich und zwei Weltkriegen gegen ein Schwert ausgetauscht und der Hirtenengel dadurch zum kämpferischen Erzengel Michael umgedeutet worden, der das Böse und den Bösen bekämpft. Von der Gründung der MichaelsbruderschaftSeit 1957 ist das Kloster Kirchberg bei Horb am Neckar das Zentrum der Evangelischen Michaelsbruderschaft. Anfang der 1930er Jahre bis um 1990 hatten christliche Künstler und Theologen die Michaelsbotschaft engagiert betont.Die Evangelische Akademie Bad Boll ist am Michaelistag 29. September 1945 gegründet worden. Dese zeitgeschichtlich verständliche Umdeutung der Engelfigur von 1957 ist jetzt wieder zurückgenommen.

Barock Schiff-Decke: Beachtenswert ist die 1702 bemalte Holzfelderdecke mit einem Barock-Auferstehungsbild, mit der Marmorierung des Gemälderahmens und mit vielen Blumendekor-Kassettenfeldern.

Altarkreuz und Orgelprospekt: Gleiches gilt für den spätbarocken Orgelprospekt auf der L-förmigen Empore. Auch der Kruzifixus am Altar stammt vom Ende des 17. oder vom Anfang des 18. Jahrhunderts.

20. Jahrhundert Chorfenster: Zwei Glasgemälde konnten zum dortigen Einbau entworfen und in der Stuttgarter Glaswerkstatt Saile gefertigt werden: Von Rudolf Yelin d. Ä. für das Chor-Mittelfenster das Bildthema Jesus segnet die Kinder,Das Yelin-Bildfenster von 1907, Artikel im Gemeindebrief Engstlatt vom Herbst 2007. von Käte Härlin eine Kreuzigungsgruppe für ein Seitenfenster. Die übrigen Glasflächen der Chorfenster wurden gegen die Blendwirkung der Morgensonne mit trüb getönten Scheiben der Rottweiler Glaswerkstatt Ludwig Wilhelm versehen.Ludwig Wilhelm, Glasmalerei, Rottweil a.N. 1890-1915. Eine Gedenk- und Empfehlungsschrift mit Bildern zum 25jährigen Bestehen der Firma in Rottweil. Rottweil 1915.Elgin Vaassen: Bilder auf Glas. Glasgemälde zwischen 1780 und 1870. München/Berlin 1997, Seite 51 f. Das Yelin-Fenster mit seinen eigenen Kindern als Gesegnete wurde 1959 ausgebaut und 1966 in das neue Gemeindehaus umgesetzt. Zugleich wurde der Chor unter Verbleib des Härlin-Fensters geometrisch-ornamental mit Kathedralglas ausgestattet.

Literatur Martin Vollmer: Die Geschichte der St. Peterskirche in Engstlatt mit ihrer Baugeschichte. Engstlatt 1994 – PDF auf der Gemeinde-Website.

Einzelnachweise

Weblinks

Die Peterskirche auf der Website der Kirchengemeinde Engstlatt-Auf Schmiden

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