Als Vorarlberger in Wien werden Menschen aus dem westlichsten österreichischen Bundesland Vorarlberg bezeichnet, die sich zeitweise oder dauerhaft in der Bundeshauptstadt Wien niedergelassen haben. Kein anderes Bundesland liegt weiter von Wien entfernt als Vorarlberg – zwischen der Vorarlberger Landeshauptstadt Bregenz und Wien liegen rund 500 Kilometer Luftlinie –, zudem bestehen erhebliche kulturelle wie sprachliche Unterschiede der Vorarlberger Bevölkerung im Vergleich mit den anderen österreichischen Bundesländern, einschließlich Wien.
Die mitunter scherzhaft geäußerte Behauptung, gemessen an der Zahl der dort lebenden Vorarlberger sei Wien die „größte Stadt Vorarlbergs“, ist schon wegen der absoluten Zahl der in Wien lebenden Vorarlberger von rund 25.000 – womit dort weniger Vorarlberger leben als in Dornbirn, Feldkirch oder Bregenz – unsinnig. Von den circa 25.000 in Wien lebenden Vorarlbergern sind ungefähr ein Zehntel, also etwa 2500 bis 3000 Studenten an den zahlreichen Hochschulen der Bundeshauptstadt. Die Bundeshauptstadt ist noch vor dem von Vorarlberg aus gesehen deutlich näher gelegenen Innsbruck der beliebteste Studienort für Vorarlberger Studierende.
Geschichte der Vorarlberger in Wien Die ersten bleibenden Zuwanderer aus dem Bodenseegebiet in die entstehende Metropole Wien waren Dienstleute der Habsburger. Sowohl in der Schlacht von Dürnkrut (1278) gegen den böhmischen König Ottokar II. als auch in späteren, für den Ausbau der habsburgischen Hausmacht entscheidenden, Waffengängen waren südschwäbische Ritter beteiligt. Den Soldaten folgten nach der Gründung der Wiener Universität im Jahre 1365 die ersten Studierenden nach Wien. Die dritte Gruppe von ebenfalls meist temporären Zuwanderern bildeten Handwerker, besonders im Baugewerbe, aber auch Professionisten im Fein- oder Luxusgewerbe wie etwa Uhrmacher, Goldschmiede oder Handschuhmacher, alles Handwerke, die im bäuerlich-kleinstädtischen Milieu Vorarlbergs keinen Boden fanden.
Die Zuwanderung in die Residenzstadt nahm mit der Festigkeit der staatlichen Bindung des Gebietes zwischen Arlberg und Alpenrhein an das habsburgische Österreich zu, wobei zahlenmäßig bis ins 19. Jahrhundert immer noch weit mehr Vorarlberger in die Schweiz, nach Frankreich und nach Süddeutschland auswanderten als in den österreichischen Osten. Das Gros der Wanderarbeiter in die genannten Gebiete bildeten traditionellerweise Bauhandwerker. Die Vorarlberger Zuwanderer nach Wien waren Professionisten, die in ihrer Heimat keine Ausbildungsmöglichkeit oder keinen Markt hatten, außerdem Gebildete, Künstler und Unternehmer, die in der Kaiserstadt bessere berufliche Chancen vorfanden oder sich solche erhofften.
Im Jahr 1884 eröffnete die Arlbergbahn mit dem Arlbergtunnel und vereinfachte Reisen von Vorarlberg nach Wien. Bereits ein Jahr später, 1885, gründeten Studierende den Verein der Vorarlberger in Wien, der bis heute besteht. Ab diesem Zeitpunkt nahm die Zahl der Vorarlberger, die sich temporär oder dauerhaft in der Hauptstadt niederließen, in den Folgejahren deutlich zu. Wien war durch die nunmehr bessere Erreichbarkeit zu einer echten Alternative zur von Vorarlberg aus gesehen nächstgelegenen österreichischen Großstadt, Innsbruck, geworden.
Genau ein Jahrhundert nach der Eröffnung des Arlbergtunnels, im Jahr 1984, wurde die erste Linienflugverbindung zwischen Vorarlberg und Wien aufgenommen. Die Vorarlberger Regionalfluglinie Rheintalflug flog ab 1984 vom Flugplatz Hohenems aus im Rahmen eines Linienflugs mehrmals wöchentlich den Flughafen Wien-Schwechat an. 1988 wurde, nachdem Ausbaupläne des Flugplatzes Hohenems am Widerstand der Bevölkerung gescheitert waren, der Flugbetrieb zum direkt an der Staatsgrenze gelegenen Schweizer Flugplatz St. Gallen-Altenrhein verlegt. Von Altenrhein aus werden heute noch von der Fluggesellschaft People’s mehrmals täglich Direktflüge nach Wien durchgeführt.
Beziehungen zwischen Wien und Vorarlberg mini|Vorarlberger Wappen im Kreisverkehr auf der Vorarlberger Allee in Wien-Liesing
Die Beziehungen zwischen Wien und Vorarlberg sind in erster Linie geprägt vom Status Wiens als österreichische Bundeshauptstadt und damit Sitz zentraler Institutionen des österreichischen Bundesstaates. Häufig wird daher in Vorarlberg – wie auch in anderen österreichischen Bundesländern – der Begriff „Wien“ synonym verwendet zur staatlichen Verwaltung und Gesetzgebung. Aufgrund des ausgeprägt föderalistischen Selbstverständnisses der Vorarlberger Landespolitik ist das Anprangern von vermeintlichen Missständen in Wien, womit in aller Regel eben die österreichische Bundesregierung und der Gesetzgeber, nicht die Stadt und ihre Bevölkerung gemeint sind, ein häufig genutztes politisches Stilmittel.
Ein Ausdruck der freundschaftlichen Verbindung zwischen Wien und Vorarlberg ist die auf Privatinitiative zustandegekommene Umbenennung einer zuvor unbenannten Verkehrsfläche am Rande des 23. Wiener Gemeindebezirks Liesing in Vorarlberger Allee im Jahr 1985. Der gebürtige Lustenauer Siegfried Hämmerle, der zu dieser Zeit als freier Journalist in Wien lebte, bot im Rahmen eines Treffens bei den Bregenzer Festspielen dem damaligen Wiener Bürgermeister Helmut Zilk an, 150 Vorarlberger Lindenbäume für die Gestaltung einer Allee stiften zu wollen, wenn diese nach seinem Heimatbundesland benannt werde.
Kurz darauf wurde tatsächlich eine bis dahin namenlose Straße im Gewerbegebiet von Inzersdorf in Vorarlberger Allee umbenannt und im Mai 1985 mit den gespendeten Lindenbäumen bepflanzt. Zum 20-jährigen Jubiläum der Straßenbenennung wurde ein Erinnerungsstein aus Silbertaler Granit gesetzt und die direkt angrenzende Schnellstraßen-Ausfahrt der Wiener Außenring Schnellstraße ebenfalls nach der Vorarlberger Allee benannt.
Am 10. Juli 2008 wurde ein sechs Meter hohes Vorarlberger Wappen aus Chromstahl mit den eingravierten Namen der beiden Bundesländer als Denkmal im Kreisverkehr auf der Vorarlberger Allee errichtet. Ebenfalls im Liesinger Gewerbegebiet wurde erneut auf Initiative von Siegfried Hämmerle im Oktober 2014 auf einer 4000 Quadratmeter großen Fläche ein Laub-Mischwald angelegt, der als „Vorarlberger Wald“ bezeichnet wurde.
Verein der Vorarlberger in Wien + Obleute des Vereins der Vorarlberger in Wien Wahl Name1885Jakob Schneider1887Casimir Hämmerle1900Alois Seeger1903Ludwig Mähr1919Gebhard Schatzmann1922Karl Zuppinger1925Josef Knapp1934Max Eugling1939Martin Hämmerle1945Hermann Victorin1952Alphons Willam1956Sepp Zangerle1985Werner Kresser1989Werner Kessler2001Andreas Köb2015Ulrike Willam-Kinz2025Christiane Schwaiger
Geschichte des Vereins Die Gründungsversammlung des Vereins der Vorarlberger in Wien fand am 21. November 1885 im Restaurant „Zum Mohren“ (Lindengasse 2, 1070 Wien) statt. Anwesend waren 17 Teilnehmer. Im Jahr 1886 zählte der Verein bereits 152 Mitglieder. Seine Aufgabe sah der Verein der Vorarlberger in Wien von Beginn an darin, Veranstaltungen als Treffpunkte für Vorarlberger in Wien zu organisieren. Das erste Kostümfest fand 1895 statt. Kegel- und Damenabende zählten zu den regelmäßigen Veranstaltungen. 1900 schaffte der Verein der Vorarlberger in Wien einen Fonds, um bedürftigen Studenten Besuche von Theateraufführungen und Konzerten zu ermöglichen. Diese Tradition wurde bis weit in die 1990er-Jahre aufrechterhalten. Der erste „Studentenvertreter“ wurde ernannt (Josef Finkernagel), Vorträge und Ausflüge standen auf dem Vereinsprogramm.
Zur 25-Jahr-Feier im Jahr 1910 erschien eine Festschrift. Die Bibliothek umfasste 760 Bücher, darunter zahlreiche Bücher mit Vorarlberg-Bezug. Während des Ersten Weltkrieges in den Jahren 1914 bis 1918 sanken die Mitgliederzahlen. Die Vereinstätigkeit bestand vorwiegend in der Weitergabe von (Sach-)spenden an Vorarlberger Soldaten in Wiener Spitälern. Viele Vorarlberger zogen wieder nach Vorarlberg, da die Lebenshaltungskosten in Wien sehr hoch und gleichzeitig die Versorgungslage schlecht war. Das Vereinsleben kam erst ab 1925 wieder in Schwung. Am Fest zum 40-jährigen Vereinsjubiläum nahmen 120 Gäste teil. Die Vereinschronik berichtet, dass die Vereinsveranstaltungen in den 1930er-Jahren gut besucht waren, weil es dort oft etwas zu essen gab. 1935, zum 50-jährigen Jubiläum, erschien eine weitere Festschrift, die auch als Beilage zum Vorarlberger Tagblatt gedruckt wurde. Während des Zweiten Weltkrieges kam das Vereinsleben abermals fast zum Erliegen. 1945 wurde das Vereinslokal ausgebombt, viele Akten gingen verloren. Nach dem Krieg, 1946, war die erste öffentliche Veranstaltung des Vereins eine Gedächtnisfeier für den aus dem Bregenzerwald stammenden ehemaligen Vizekanzler Jodok Fink.
Ab den 1950er-Jahren trat der Verein der Vorarlberger in Wien wieder aktiver auf. Zusammenkünfte fanden wöchentlich statt, besonders die Monatsabende entwickelten sich zu beliebten Treffpunkten mit meist über hundert Besuchern. Der Anteil an studierenden Mitgliedern stieg. Die Aufgabe, Vorarlberger zu unterstützen, wurde wieder aufgenommen. Das Land Vorarlberg und die Vorarlberger Textilindustrie unterstützten die Bemühungen mit finanziellen Beiträgen. 1954 sammelte der Verein beispielsweise bei einem Benefizkonzert im Großen Musikvereinssaal 46.000 Schilling für den von einem Lawinenunglück schwer getroffenen Ort Blons im Großen Walsertal.
1955 feierte der Verein der Vorarlberger in Wien sein 70-jähriges Bestehen. Außenminister Leopold Figl besuchte die Festveranstaltung. 1956 zählte der Verein 750 Mitglieder. Auf dem Veranstaltungskalender standen Nikolausfeiern, ein Faschingsball in „Hübners Kursalon“, das Preisjassen, ein Ausflug im Frühsommer, Diavorträge und einiges mehr. Eine wichtige Aufgabe sah der Verein in der Unterstützung von Studierenden. Es gab eine Studienbibliothek, Freikarten für Theater- und Sportveranstaltungen, niedrige Beiträge für die Mitgliedschaft und für Veranstaltungen. Der Verein war außerdem sozial aktiv. Mitglieder betreuten Vorarlberger Kinder, die die Blindenschule in Wien besuchten. Sie besuchten auch Vorarlberger Patienten in Wiener Spitälern. 1965 eröffnete der Verein seine Bibliothek im „Rhomberghaus“ in der Gonzagagasse, Ecke Esslinggasse. Die Bibliothek umfasste Bücher für Studierende und Vorarlbergensien.
Ab 1972 war das Restaurant „Grünes Tor“ (Lerchenfelder Straße, 1070 Wien) zehn Jahre lang das Stammlokal. Bis zu 500 Vorarlberger und Gäste trafen sich hier zum Beispiel zur jährlichen Schlachtpartie. Ab 1983 war das Restaurant „Schöner“ (Siebensterngasse, 1070 Wien) das Vereinslokal. Einige Jahre später (bis 2007) war das Restaurant „Smutny“ (Elisabethstraße, 1010 Wien) der Vereinstreffpunkt. Von 1985 bis 1996 bestand die vom Land Vorarlberg eingerichtete „Vorarlberger Landesdelegation“. Das Büro befand sich im „Haus der Bundesländer“ (Schenkenstraße 4, 1010 Wien). Bei einigen Veranstaltungen kooperierten die Landesdelegation und der Verein, zum Beispiel beim „Ball der Vorarlberger“. 1988 fand der „Ball der Vorarlberger“ zum ersten Mal im Palais Ferstel statt. 1990 übersiedelte die Bibliothek ins „Hämmerle-Haus“ am Franz-Josefs-Kai. Die Adressen der Mitglieder wurden zum ersten Mal EDV-gestützt verarbeitet.
Mit der Öffnung der Ostgrenzen wurde auch das nahe Ausland zum Ziel von Vereinsausflügen. 1990 führte der Ausflug mit dem Tragflügelboot auf der Donau nach Bratislava. Bei den Kässpätzle-Partien, die alle zwei Jahre stattfinden, sorgen Köche aus Vorarlberg für optimale Spätzle und damit für viele Besucher. Neuer Veranstaltungsort für das Preisjassen wurde der Gerstenboden der Ottakringer Brauerei, gut 200 „Jasser“ beteiligen sich jedes Jahr. Neu im Jahresprogramm ist eine Kulturveranstaltung, zum Beispiel Stadtführungen oder Besuche von Museen. Ab 1992 befand sich die Vereinsbibliothek in angemieteten Räumen in der Josefstädter Straße (1080 Wien). In den 2000er-Jahren modernisierte der Verein der Vorarlberger in Wien seinen optischen Auftritt. 2002 ging die erste Website online, die Kommunikation erfolgte nunmehr primär über E-Mails.