Erle (historische Namen: Erlar, Horlon, Herlere, Erlore, niederdeutsch Iäle) ist ein Gemeindeteil der Gemeinde Raesfeld im Kreis Borken in Nordrhein-Westfalen, Deutschland.
Überregional bekannt ist Erle, das im Naturpark Hohe Mark-Westmünsterland liegt, auch wegen der im Volksmund so genannten „1500-jährigen“ Femeiche, der Pius-Eiche und der über 200 Jahre alten Kastanien-Allee. In Erle spricht man neben dem Hochdeutschen (mit westfälischer und ruhrdeutscher Sprachfärbung) auch das Erler Sandplatt, eine der westmünsterländischen Mundarten zugehörigen Sprache.
Rund 30 Kilometer von Erle entfernt liegt ein weiteres Erle, heute ein Stadtteil von Gelsenkirchen.
Geographische Lage Erle liegt am Rande des Westmünsterlands. Es liegt praktisch auf dem Schnittpunkt der Kreise Recklinghausen, Wesel und Borken und somit auch auf dem Schnittpunkt vom Münsterland, Niederrhein und Ruhrgebiet. Im Süden ist die nächstgrößere Stadt Dorsten, im Westen ist es Wesel, im Norden liegt Borken und im Osten Haltern am See. Die unmittelbaren größeren Nachbardörfer sind Raesfeld, Homer, Marbeck, Heiden, Rhade, Schermbeck und Marienthal. Erle liegt in einer typischen Heidelandschaft, deshalb auch der Beiname „Heededoerpken“, „Heidedörfchen“ auf Erler Sandplatt. Erle besteht aus dem Dorfkern, den Bauerschaften Östrich und Westrich sowie aus Teilen der seit 1975 nicht mehr eigenständigen Ortschaft Overbeck. Es ist in seiner Gesamtheit Teil des Naturparks Hohe Mark-Westmünsterland, der historischen „Herrlichkeit Lembeck“ und liegt an der „Hamaland-Route“. Neben den eigenen sind weitere touristische Highlights in der mit dem Fahrrad zu erreichenden Umgebung u. a. das Karmeliter-Kloster Marienthal, das Wasserschloss Schloss Raesfeld, das Schloss Lembeck, der Dämmerwald, die Burg Schermbeck, die Issel-Quelle in Raesfeld und die Wassermühle in Rhade. Seit dem 1. Oktober 2018 gehört Erle zum Wolfsgebiet Schermbeck, einem von vier ausgewiesenen Wolfsgebieten in Nordrhein-Westfalen.
Einwohner Erle hat 3717 Einwohner (Hauptwohnsitz), davon sind 1872 männlich und 1845 weiblich; 2222 Einwohner gehören dem katholischen, 537 dem evangelischen Glauben an und 927 haben keine oder eine andere Religion (Stand: 1. Januar 2024).
Verkehr Durch Erle führt die B 224. Außerdem liegt der Ort nicht weit von der A 31 und ihren Anschlussstellen Lembeck und Wulfen entfernt. Im Dorf beginnt die Landesstraße 607 und die Kreisstraße 13 quert die B 224. Das Dorf ist an das Radverkehrsnetz NRW und die Radregion Münsterland angeschlossen und die Themenrouten „100 Schlösser-Route“, „agri cultura“, „3-Flüsse-Route“ und „Naturpark Hohe Mark“ liegen in der Nähe bzw. tangieren das Dorf direkt. Die besonders für Rennräder geeignete permanente Strecke (RTF) „Durch den Naturpark Hohe Mark-Westmünsterland“ des Radsportbezirks Nord-Westfalen e. V. verläuft durch Erle. Der Abschnitt „Hohe Mark“ der Münsterland-Reitroute führt durch die Erler Bauerschaft Östrich und tangiert den Reiterhof „Erler Heide“.
Erle ist in den Bus-Linien R21 des Verkehrsverbundes Münsterland (VGM) und 71, 293, 295 des Verkehrsverbundes Rhein-Ruhr integriert. Es fährt regelmäßig der sogenannte „Schwimmbus“ kostenlos die Schwimmbäder in Borken und Heiden an.
Linie Verlauf Takt Betreiber Dinslaken – Hünxe – Raesfeld-Erle – Raesfeld 120 min DB Rheinlandbus
Das Dorf ist auch in das Anrufsammeltaxi-Netz eingebunden.
Der nächste Bahnhof ist in Rhade. Am Bahnhof Rhade verkehrt regelmäßig die Linie RE 14 der RheinRuhrBahn, auch „Emscher-Münsterland-Express“ genannt über (Borken (Westf) – Dorsten – Bottrop Hbf – Essen Hbf).
Wirtschaft In Erle gibt es eine Filiale der Sparkasse Westmünsterland und die Volksbank Raesfeld und Erle e.G. In und um Erle und in den beiden Gewerbegebieten sind überwiegend mittelständische Dienstleister und produzierendes Gewerbe angesiedelt. Traditionell ist das Holzhandwerk im Dorf mehrfach vertreten, aber auch drei Autohäuser samt Werkstätten, eine Tankstelle, ein Omnibus-Betrieb, ein Fensterhersteller, ein Heizung-Sanitär-Fachbetrieb etc., insgesamt gibt es über fünfzig Betriebe. Im Dorf selber sind noch vereinzelt Einzelfachhandelsgeschäfte zu finden, wie z. B. ein Backshop, ein Supermarkt, ein Spirituosenfachhandel und eine Kornbrennerei. Im Ort selbst gibt es nur noch wenige bewirtschaftete Bauernhöfe, die anderen sind in den Bauerschaften Östrich und Westrich gelegen.
Viele Bauernhöfe in den Erler Bauerschaften bieten eine umfangreiche Produktpalette in der Direktvermarktung, z. B. im eigenen Hofladen oder auf den Märkten der umgebenden Städte an. Bekannt ist Erle für seine Spargel- und Erdbeeranbaugebiete.
Bildung, Gesundheit und Soziales Die Silvestergrundschule Erle ist eine zweizügige, katholische Grundschule und offene Ganztagsschule. Sie wurde mehrfach erweitert. Es gibt zwei Kindergärten und eine Kindertagesstätte in Erle. Die beiden katholischen Kindergärten St. Silvester (eingeweiht im Juli 1964) und St. Nikolaus bilden zusammen das Familienzentrum Erle, die Kindertagesstätte Holzwurm wird von einem eigenen Förderverein betrieben. 2011 bekamen die beiden Erler Kindergärten St. Silvester und St. Nikolaus das Gütesiegel „Familienzentrum NRW“. Bis Mitte 2024 stand den Jugendlichen ein eigenes Jugendhaus mit vielen Angeboten zur Verfügung. Dieses wird auf Veranlassung der Raesfelder Kommunalpolitik nun als Wohnunterkunft genutzt.
Für sportliche und kulturelle Aktivitäten stehen eine Turnhalle und eine Zweifachsporthalle zur Verfügung. Der örtliche Sportverein ist die „Eintracht Erle 69 e. V.“. Der Verein bietet u. a. Basketball, Fußball, Tennis und Freizeitsport an. Es stehen den Vereinsmitgliedern eine Sportanlage mit einem Rasen- und einem Aschesportplatz und vier Tennisplätze und die oben genannten Hallen zur Verfügung.
Eine Gemeinschaftspraxis für Hausärzte, eine Zahnärztin und eine Apotheke bilden das Gesundheitswesen im Dorf. Im Eingangsbereich der in der Dorfmitte gelegenen Volksbank und im Gasthaus „Adelheids Spargelhaus“ in der Bauerschaft Östrich sowie im Gewerbegebiet befinden sich je ein automatisierter externer Defibrillator (AED), die 24 Stunden zugänglich sind.
Fremdenverkehr und Gastronomie mini|Der Turm von St. Silvester dominiert das Dorfbild Die Lage des Dorfes und der Erler Umgebung auf dem Dreiländereck „Niederrhein-Münsterland-Ruhrgebiet“, die vielen Sehenswürdigkeiten, die regelmäßigen Festivitäten und der gut ausgebaute, aber immer noch gut erhaltene dörfliche Charakter machen Erle für den Fremdenverkehr interessant. Die flache münsterländische Parklandschaft, die in die typische Landschaft des Niederrheins fließend übergeht und die Anbindung an diversen Radnetzen sowie die Einbindung in den Naturpark Hohe Mark-Westmünsterland und das nahe gelegene Naturerholungsgebiet Dämmerwald macht Erle zum idealen Start-, End- oder Zwischenpunkt einer jeden Radtour. Für Elektrofahrräder gibt es eine öffentliche Ladestation direkt im Dorfkern, für alle Fahrräder eine Do-it-Yourself-Reparaturstation am Ständebaum.
Das Heimatmuseum im Heimathaus ist nach Absprache mit dem Heimatverein zu besichtigen, die Kornbrennerei bietet Besichtigungen nach Absprache an.
Neben einem gutbürgerlichen Gasthof mit Biergarten und Saalbetrieb sowie Hotelzimmern findet man im Dorfkern noch ein italienisches Restaurant mit Biergarten und einen Schnellimbiss sowie einen Döner-Imbiss und ein Café, alle jeweils im Sommer mit Sitzplätzen draußen. In der Bauerschaft Östrich kann man auf einem Reiterhof Ferien mit dem Pferd machen und in der Bauerschaft Westrich bietet ein Bauernhof „Schlafen im Heu“ an. Ebenfalls in der Östrich gibt es ein Spezialitätenrestaurant mitten in den Erler Spargel- und Erdbeerfeldern.
Klimatische Bedingungen
Vereine und Gruppierungen
Allgemeiner Bürgerschützenverein Erle e. V. Erler Motor Club e. V. Fanclub Schalker Falken Raesfeld/Erle e. V. Förderverein der Silvesterschule Erle e. V. Die Freiwillige Feuerwehr Raesfeld Löschzug Erle (mit Jugendfeuerwehr) wurde 1914 gegründet. Das Spritzenhaus stand bis 1966 auf dem Schulgelände, wo heute die Turnhalle der Silvesterschule steht. Im Oktober 1967 wurde das neue Feuerwehrhaus eingeweiht.Hermann-Josef Schwingenheuer: Von Oktober zu Oktober. Heimatkalender der Herrlichkeit Lembeck, 1969, S. 125 ff. Im April 1996 wurde das erweiterte Feuerwehrhaus eingeweiht. Heimatverein Erle e. V. Die kfd Katholische Frauengemeinschaft Erle wurde 1890 als Erler Mütterverein durch einen Jesuitenpater gegründet. Er wurde während der Zeit des Nationalsozialismus 1939 verboten und nahm 1945 die Vereinsarbeit wieder auf. Seit 1968 nennt sich der Mütterverein „Katholische Frauengemeinschaft Deutschlands“. Kinderchor LoGo St. Silvester Kirchenchor St. Silvester Die Landjugend wurde 1949 gegründet. 1954–1955 wurde daraus die Katholische Landjugend, 1959/'60 kamen Rhader Jugendliche dazu und seitdem nannte man sich KLJB Erle/Rhade. Die Kolpingfamilie Erle wurde im November 1948 wurde gegründet. Der Musikverein Erler Jäger e. V. wurde 1961 gegründet. Reit- und Fahrverein Raesfeld-Erle e. V. Schachgesellschaft Turm Raesfeld/Erle Seniorengemeinschaft St. Silvester Der Sportverein Eintracht Erle 69 e. V. wurde im Jahr 1969 gegründet. Verein für Deutsche Schäferhunde Ortsverein Raesfeld-Erle e. V.
Geschichte
mini|Informationen zur Geschichte des Dorfes Erle auf einer Schautafel des Heimatvereins (2008)
Vor- und Frühgeschichte Die Hügelgräber in der Bauerschaft Östrich, die in der späten Bronzezeit errichtet wurden, und Grabfunde aus der Jungsteinzeit beweisen, dass schon vor Tausenden von Jahren Menschen auf Erler Gebiet gelebt haben.Heinrich Lammersmann: Die Gestaltung unserer Heimat. Heimatkalender der Herrlichkeit Lembeck, 1925, S. 17 ff.Heinrich Lammersmann: Neue Funde aus alter Zeit. Heimatkalender der Herrlichkeit Lembeck, 1931, S. 84 ff. Weitere Funde zeigen, dass im frühen Mittelalter hier Franken und Sachsen gesiedelt und sich, zumindest anfangs, feindlich gegenüberstanden.
1000 bis 1499 Anlässlich einer Schenkung Kaiser Heinrichs des II. wird Erle erstmals 1017 als „Horlon“ erwähnt.Hubert Punsmann, Hans Schleuning, Gabriele Süsskind: Der Kreis Borken. Konrad Theiss Verlag, Stuttgart 1982, ISBN 3-8062-0262-1.Abschrift aus der Mitte des 15. Jh. in Rescripta privilegiorum Paderburnensis ecclesie. S. 87 im Staatsarchiv Münster. Josef Böckenhoff nennt im Heimatkalender der Herrlichkeit Lembeck von 1960 zehn Stammhöfe: Erlar in der Mitte der Hofgemeinschaft, Wissing im Westen, Tygard im Osten, Barkendal im Nordwesten, Westrick im Südwesten, Ordendorp im Nordosten, Sudendorp im Südosten, der Lütke, der Grote Hag in Werlo und am südlichen Rande Huxlo, wobei der verlassene Hof Tygard im „ollen Garden“ am Teufelstein lag.Josef Böckenhoff: Die Markkötter zu Erle. Heimatkalender der Herrlichkeit Lembeck, 1960, S. 22 ff.
Im Heberegister des Klosters Werden wird Erle in der Mitte des 12. Jahrhunderts als „Erlore“, in einem anderen Register des Jahres 1313 als „Herlere“ genannt.Niesert I. 526. – Revisions-Vermerke in den Kirchenbüchern. Die Ritter zu Erle, die 1201 erstmals urkundlich erwähnt wurden und den Namen „von Ichorne“, also Eichhorn=Eichhörnchen, trugen, werden als die Gründer der im 12. Jahrhundert von Raesfeld abgetrennten Pfarrei St. Silvester (nach dem hl. Papst Silvester) angesehen. Daher auch die drei Eichhörnchen im Dorf-Wappen.