mini|Gerolfingen mit Hesselberg mini|Gerolfingen
Gerolfingen (fränkisch: Gerlfing) ist eine Gemeinde im mittelfränkischen Landkreis Ansbach und zählt zur Metropolregion Nürnberg. Der Sitz der Gemeindeverwaltung befindet sich in Aufkirchen.
Geografie
Lage Gerolfingen liegt an der Wörnitz südlich des Hesselbergs.
Geologie Der überwiegende Teil des Gemeindegebiets befindet sich im Oberen Keuper. Der Anstieg zum Hesselberg besteht aus allen drei Schichten des Jura (vorwiegend Dogger).
Nachbargemeinden Westlich Gerolfingens liegt die Gemeinde Wittelshofen, im Osten Röckingen, im Norden (nördlich des Hesselbergs und nicht direkt von Gerolfingen mit dem Fahrzeug erreichbar) Ehingen, im Süden Wassertrüdingen mit dessen eingemeindeter Ortschaft Fürnheim und im Südwesten Weiltingen.
Nach Fläche ist Gerolfingen (12,59 km²) nur etwas größer als Röckingen (10,91 km²), jedoch erheblich kleiner als Wittelshofen (24,23 km²) und Ehingen (47,63 km²).
Gemeindegliederung mini|Blick vom Hesselberg auf das Gemeindegebiet Die Gemeinde Gerolfingen hat vier Gemeindeteile (in Klammern ist der Siedlungstyp angegeben): Aufkirchen (Kirchdorf) Berghaus (Einöde) Gerolfingen (Pfarrdorf) Irsingen (Dorf)
Gerolfingen selbst ist der lang gezogene Ort im unteren Teil des Bildes. Jenseits der Wörnitz (ostfränkisch: Wernnz) schließt sich Aufkirchen und unmittelbar daran Irsingen an.
Es gibt auf dem Gemeindegebiet die Gemarkungen Aufkirchen, Gerolfingen und Irsingen. Die Gemarkung Gerolfingen hat eine Fläche von 6,444 km². Sie ist in 853 Flurstücke aufgeteilt, die eine durchschnittliche Fläche von 7554,19 m² haben. In ihr liegt neben dem namensgebenden Ort der Gemeindeteil Berghaus.
Historisch war die zwischen Gerolfingen und Aufkirchen fließende Wörnitz die Grenze zwischen dem Fürstentum Oettingen, zu welchem Aufkirchen und Irsingen gehörten, und der Markgrafschaft Ansbach, der Gerolfingen angehörte.
Geschichte Die erste urkundliche Erwähnung Irsingens („villa Ursingen“) datiert aus dem Jahre 1053, die Aufkirchens („burgum ufkirchin“) aus dem Jahre 1188 und die Gerolfingens („Gerlifingen“) aus dem Jahre 1228. Dem Ortsnamen liegt der Personenname Gerolf zugrunde, der durch das Zugehörigkeitssuffix -ingen abgeleitet wurde. Der Ortsname bedeutet Bei den Leuten des Gerolf.W.-A. v. Reitzenstein: Lexikon fränkischer Ortsnamen, S. 82.
Das Irsinger Datum fällt damit in die Salierzeit, die beiden anderen Daten in die Stauferzeit. Aufkirchen, Gerolfingen und Irsingen waren zu jener Zeit Bestandteil des Ostfrankenreiches (Regnum francorum orientalium), das aus der Teilung des Frankenreiches (Vertrag von Verdun (843)) hervorgegangen war und ab dem 14. Jahrhundert als Heiliges Römisches Reich (Deutscher Nation) [Sacrum Romanum Imperium (nationis Germanicae)] bezeichnet wurde. Das Irsinger urkundliche Datum fällt in die Regierungszeit Heinrichs III., während das Aufkirchner urkundliche Datum (1188) in die Friedrichs I. (Barbarossa) fällt, der seit 1152 bis zu seinem Tode 1190 Kaiser des Reiches war. Das Gerolfinger urkundliche Datum (1228) fällt in die Regierungszeit von Barbarossas Enkel, Friedrich II.
Gerolfingen ist allerdings wahrscheinlich sehr viel älter als es diese Urkunden vermuten lassen: Die Ortsendung -ingen deutet darauf hin, dass es ursprünglich von Alemannen besiedelt wurde; vielleicht ist der Ort bereits kurz nach dem Limesfall im Jahre 259/260 n. Chr. entstanden. Archäologische oder historische Belege dafür fehlen allerdings. Der alemannische Siedlungsraum reichte bis zur Schlacht bei Zülpich noch weit nach Norden bis in das Ursprungsgebiet von Fulda und Werra. Zahlreiche ursprünglich alemannische Siedlungen finden sich in der Umgebung, der Ortsteil Irsingen und die Nachbargemeinden Röckingen und Ehingen sowie Ortschaften wie Hüssingen, Hechlingen, Polsingen usw. Alle diese -ingen-Namen haben schwäbisch-alemannisches und nicht fränkisches Gepräge. Fränkischen und damit späteren Ursprungs sind dagegen die auf -hofen oder -heim endenden Namen der Nachbargemeinden Wittelshofen, Frankenhofen und Fürnheim.
Aufkirchen ist wahrscheinlich Mitte des 6. Jahrhunderts als eine fränkische Burg innerhalb der Mark der alemannischen Siedlung Gerolfingen entstanden. Möglicherweise wurde die Burg auf den Mauerresten einer vorangehenden und von den Alemannen zerstörten römischen Militärsiedlung errichtet. Dafür könnten der rechteckige Rathausplatz sowie das ursprünglich rechteckig von einer Ringmauer mit vier Toren umschlossene Siedlungsgebiet Aufkirchens sprechen. Auch ein solches ursprünglich „römisches Aufkirchen“ ist allerdings archäologisch und historisch nicht belegt. Vielleicht war die Gründung Aufkirchens als fränkische Burg auf dem Gebiet des alemannischen Gerolfingen der Grund dafür, dass Gerolfingen, Aufkirchen und Irsingen jahrhundertelang eine gemeinsame Flur hatten. Sie wurde erst 1783 aufgeteilt, dabei fielen an Gerolfingen und an Aufkirchen.
Die keltische Zeit Der Ursprung der Besiedlungsgeschichte des Gerolfinger Gebiets liegt im Dunklen. Die ältesten archäologischen Spuren haben die Kelten hinterlassen, die ab mindestens 1000 v. Chr. bis ungefähr 100 Jahre vor der Zeitenwende hier geherrscht haben. Der Hesselbergraum sowie der Altmühlraum scheint zum Siedlungsgebiet der Rucinaten (rucinates) gehört zu haben, eines der vier Unterstämme der keltischen Vindeliker. Die keltischen Ringwallanlagen (befestigte Siedlung oder Fliehburg) auf der Osterwiese, die wohl ab 300 v. Chr. entstanden sind und mit 1850 Metern Umfang eine der größten Wallanlagen Europas darstellen, zeugen davon, dass es sich hier um einen bedeutenden keltischen Ort gehandelt haben muss. Eine weitere keltische Siedlung hat es wohl an der Keltenschanze hinter der Wunibaldquelle (Richtung Reichenbach) gegeben (Viereckschanze), anderer Ansicht nach handelt es sich bei dieser Schanze dagegen um ein römisches Versorgungslager (wofür der quadratische Umriss der Anlage sprechen könnte); 1958 durchgeführte archäologische Grabungen kamen diesbezüglich zu keinem eindeutigen Schluss. Leider haben die Kelten der Nachwelt nichts Schriftliches hinterlassen. Wir kennen daher nicht den keltischen Namen der Burg auf dem Hesselberg und auch nicht den der Siedlung hinter der Wunibaldquelle.
Ab ungefähr 100 v. Chr. drängten von Norden kommend Germanen auch ins Gerolfinger Gebiet vor, darunter namentlich die Sueben (von denen sich der spätere Stammesname der Schwaben ableitet) und unter diesen wiederum die Semnonen.(die der römische Schriftsteller Tacitus in seinem Buch Germania (Tacitus) (in Kap. 39) als das Stammvolk der Sueben bezeichnet) Ob das Aufeinandertreffen von Germanen und einheimischen Kelten friedlich verlief oder ob die Germanen die Kelten unterwarfen, ist unbekannt. In spätantiken Schriften (3. Jh. n. Chr.) werden einige weitere Namen germanischer (alemannischer) Stämme genannt, die im oder rundum das Gerolfinger Gebiet gesiedelt zu haben scheinen: Zum einen die Rätovarier, deren Kerngebiet wohl das Nördlinger Ries war, und zum anderen die Juthungen, die im Gebiet nördlich von Donau und Altmühl ansässig gewesen zu sein scheinen.
Die römische Zeit: Das Zehntland und die römischen Provinz Rätien Um die Zeitenwende und verstärkt zur Regierungszeit des Kaisers Tiberius begannen auch die Römer immer wieder, von Süden und Westen her ins Gerolfinger Gebiet vorzustoßen, ohne es zunächst offiziell in Besitz zu nehmen. Dies geschah praktisch erst mit dem Beginn des Baus des Limes wiederum rund 100 Jahre später.
Der römische (obergermanisch-raetische) Limes umschloss seinerzeit den Hesselberg und verlief in nur knapp fünf Kilometer Luftlinie nördlich des Gebietes der heutigen Gemeinde Gerolfingen. Dieses lag damit als Grenzgebiet gerade noch innerhalb des Römischen Reiches und war Teil des sogenannten Dekumatlandes („Zehntlandes“ – Agri decumates). Der Limes überquerte die Wörnitz an der Roten Furt bei Weiltingen. Weder der lateinische Name für die Wörnitz noch der lateinische Name für den Hesselberg sind überliefert. Die Römer hatten sich im Jahre 90 n. Chr., zu Regierungszeit des römischen Kaisers Domitian, das Zehntland und damit auch das Gerolfinger Gebiet formell einverleibt und teilten es auf zwei ihrer Provinzen auf: Der Westteil des Zehntlandes wurde Bestandteil der neu gebildeten römischen Provinz Germania superior („Obergermanien“), deren Hauptstadt Mainz (Mogontiacum) wurde. Der Ostteil des Zehntlandes, auf dessen Gebiet auch das heutige Gerolfinger Gebiet lag, wurde Teil der römischen Provinz Rätien, deren Hauptstadt zunächst Kempten im Allgäu (Cambodunum) und später Augsburg (Augusta Vindelicorum, dessen Name auf die oben erwähnten Vindeliker anspielt) war. Die Grenze zwischen diesen beiden damaligen römischen Provinzen verlief in nordsüdlicher Richtung bei Lorch (Württemberg), 90 km westlich von Gerolfingen. Jenseits des Limes dagegen begann die Germania magna, das so genannte „Freie Germanien“.
Für die nächsten 170 Jahre sollte das Gerolfinger Gebiet nun römisch bleiben. Im Zehntland scheint eine keltisch-germanische Mischbevölkerung gelebt zu haben. Tacitus beschreibt allerdings in seinem Werk Germania (entstanden frühestens 98 n. Chr.) die Zehntländer nicht als Germanen, sondern als aus Gallien eingewanderte Abenteurer und Draufgänger, die es aus Not riskiert haben, sich in diesem Gebiet anzusiedeln, dessen (Stammes-)Zugehörigkeit zur Zeit der Ankunft der Römer unklar gewesen zu sein scheint.Germania (Tacitus) 29,3: Levissimus quisque Gallorum et inopia audax, dubiae possessionis solum occupavere
Auf fast halber Strecke zwischen Aufkirchen und Ruffenhofen wurde zur Zeit des Kaisers Trajan (98–117 n. Chr.) ein Steinkastell für das römische Heer errichtet (Siehe Kastell Ruffenhofen). Man nimmt an, dass dessen Stammbesatzung eine Reitereinheit (Ala) mit über 100 Mann war. Südlich des Kastells entstand in der Folgezeit um die Quelle des Denzenbachs herum auch ein Lagerdorf (Vicus). Das Kastell und das Lagerdorf bestanden fast 150 Jahre lang, bis sie um 250 n. Chr. durch Brand und damit möglicherweise im Zusammenhang mit dem kurz bevorstehenden großen Alemanneneinfall zerstört wurden. Erstmals im Jahre 233 n. Chr. und danach massiv im Jahre 259/260 n. Chr. (und mithin während der Regierungszeit des römischen Kaisers Gallienus) durchbrachen die Alemannen den Limes (Alamannensturm). Dadurch mitverursacht zeigte das Römische Reich über Jahre hinweg erhebliche Zerfallserscheinungen (Siehe Reichskrise des 3. Jahrhunderts und Soldatenkaiser). Unter anderem kam es zwischen 260 n. Chr. und 274 n. Chr. zur Bildung eines Gallisches Sonderreiches (Imperium Galliarum) unter dem Gegenkaiser Postumus, von dem der erst 1992 entdeckte Augsburger Siegesaltar zeugt und das unter anderem neben den damaligen römischen Provinzen Gallien, Obergermanien und Niedergermanien auch die Provinz Rätien umfasste und somit auch das Zehntland, soweit dieses zu dieser Zeit nicht bereits in alemannischer Hand war.
Die alemannische und die fränkische Zeit Für die nächsten rund 240 Jahre nach dem Alemannensturm blieb das Gerolfinger Gebiet alemannisch. In dieser Zeit wurden wohl auch die Ortschaften Gerolfingen, Irsingen, Röckingen und Ehingen gegründet. Gegen Ende des 5. Jahrhunderts änderte sich die Lage wiederum grundlegend: Die Alemannen wurden nun ihrerseits von den aufstrebenden Franken unter deren König Chlodwig I. besiegt (Schlacht bei Zülpich [wohl um 496] sowie Schlacht bei Straßburg im Jahre 506) und gerieten danach unter fränkische (merowingische) Herrschaft. Von jetzt an siedelten auch Franken rund um den Hesselberg und gründeten eigene Ortschaften (Wittelshofen, Frankenhofen, Ruffenhofen, Fürnheim und wohl auch Aufkirchen). Die heutige Gemeinde Gerolfingen befand sich in der Folgezeit im südöstlichsten Zipfel des Gebietes des Stammesherzogtums Franken, unmittelbar an der Grenze zum Stammesherzogtum Schwaben (Alamannien).