Rügland (fränkisch: RieglaE. Fechter: Die Ortsnamen des Landkreises Ansbach, S. 162. Dort folgendermaßen transkribiert: „rīgla“.) ist eine Gemeinde und ein Dorf im mittelfränkischen Landkreis Ansbach und zählt zur Metropolregion Nürnberg.
Geografie Geografische Lage Rügland liegt im Naturpark Frankenhöhe.
Gemeindegliederung Es gibt zwölf Gemeindeteile (in Klammern ist der Siedlungstyp angegeben):
Der Ebenhof wurde nach 1900 zur Wüstung, die Obermühle zählt zum Gemeindeteil Rügland.
Es gibt die Gemarkungen Rügland und Unternbibert. Die Gemarkung Rügland hat eine Fläche von 6,313 km². Sie ist in 1061 Flurstücke aufgeteilt, die eine durchschnittliche Fläche von 5950,08 m² haben. In ihr liegen neben dem namensgebenden Ort die Gemeindeteile Lindach, Pilsmühle und Rosenberg.
Gewässer Südlich des Ortskerns fließt der Mettlachbach von West nach Ost. In ihn mündet von Südwesten her kommend der Kautzenbach. Im Norden entspringt der Brunnholzgraben, in dessen Tal die St 2255 nach Rosenberg verläuft.
Nachbargemeinden
Geschichte Der Ort wurde 1137 als „Rugelandum“ erstmals urkundlich erwähnt. Der Ortsname leitet sich von dem gleichnamigen Flurnamen ab. Das Grundwort ist lant (mhd. für nutzbares Land, Feld), das Bestimmungswort ruog (mhd. für Streit). Als Erklärung ergibt sich somit Siedlung bei den Streitäckern.W.-A. v. Reitzenstein: Lexikon fränkischer Ortsnamen, S. 195.
1470 erwarb das Kloster Heilsbronn durch Tausch mit Craft von Vestenberg die Gefälle von einem Hof. Während des Dreißigjährigen Kriegs wurde der Hof völlig zerstört.G. Muck: Geschichte von Kloster Heilsbronn von der Urzeit bis zur Neuzeit, Bd. 2, S. 358.
Gegen Ende des 18. Jahrhunderts bildete Rügland mit Ober- und Pilsmühle eine Realgemeinde bestehend aus 53 Anwesen (8 Köblergüter, 2 Mühlen, 2 Güter mit Backrecht, 2 Wirtschaften, 1 Köblersgut mit Schmiede, 1 Färberanwesen mit Färbergerechtigkeit, 1 Ritterhaus, 34 Leerhäuser, 1 Leerhaus mit Ziegelbrenngerechtigkeit, 1 Tropfhaus). Das Hochgericht übte das Rittergut Rügland der Herren von Crailsheim im begrenzten Umfang aus. Es hatte ggf. an das brandenburg-ansbachische Hofkastenamt Ansbach auszuliefern. Die Dorf- und Gemeindeherrschaft hatte das Rittergut Rügland. Alle Anwesen hatten das Rittergut Rügland als Grundherrn. Neben diesen Anwesen gab es herrschaftliche (Schloss, Brauhaus mit Amtsdienerwohnung, Heilsbronner Hof, Haus), kirchliche (Kirche, Pfarrgut) und kommunale Gebäude (Schulhaus, Hirtenhaus).M. Jehle: Ansbach: die markgräflichen Oberämter Ansbach, Colmberg-Leutershausen, Windsbach, das Nürnberger Pflegamt Lichtenau und das Deutschordensamt (Wolframs-)Eschenbach, Bd. 2, S. 905.
Das Rittergut der Freiherrn von Crailsheim, das zum Fränkischen Ritterkreis gehörte, wurde 1796 durch Preußen sequestriert und Teil des 1792 von Preußen erworbenen Fürstentums Ansbach. Es gab zu dieser Zeit 52 Untertansfamilien. (= J. K. Bundschuh: Geographisches Statistisch-Topographisches Lexikon von Franken, Bd. 4, Sp. 684) Dort aufgrund eines Satzfehlers 25 Untertansfamilien. Von 1797 bis 1808 unterstand der Ort dem Justiz- und Kammeramt Ansbach.
Mit der Rheinbundakte 1806 kam Rügland zu Bayern. Im Rahmen des Gemeindeedikts wurde 1808 der Steuerdistrikt Rügland gebildet, zu dem Ebenhof, Lindach, Obermühle, Pilsmühle und Rosenberg gehörten. 1811 entstand die Ruralgemeinde Rügland,Staatsarchiv Nürnberg, Regierung von Mittelfranken, Kammer des Inneren, Abgabe 1952, 3850: Formation der Municapial- und Ruralgemeinden im Landgericht Ansbach 1808–17. Zitiert nach M. Jehle: Ansbach: die markgräflichen Oberämter Ansbach, Colmberg-Leutershausen, Windsbach, das Nürnberger Pflegamt Lichtenau und das Deutschordensamt (Wolframs-)Eschenbach, Bd. 2, S. 961. die deckungsgleich mit dem Steuerdistrikt war. Sie war in Verwaltung und Gerichtsbarkeit dem Landgericht Ansbach zugeordnet und in der Finanzverwaltung dem Rentamt Ansbach (1919 in Finanzamt Ansbach umbenannt). In der freiwilligen Gerichtsbarkeit unterstand die gesamte Gemeinde von 1820 bis 1848 dem Patrimonialgericht Rügland.M. Jehle: Ansbach: die markgräflichen Oberämter Ansbach, Colmberg-Leutershausen, Windsbach, das Nürnberger Pflegamt Lichtenau und das Deutschordensamt (Wolframs-)Eschenbach, Bd. 2, S. 972 und 1007. Ab 1862 gehörte Rügland zum Bezirksamt Ansbach (1939 in Landkreis Ansbach umbenannt). Die Gerichtsbarkeit blieb beim Landgericht Ansbach, von 1870 bis 1879 war das Stadt- und Landgericht Ansbach zuständig, seit 1880 ist es das Amtsgericht Ansbach.M. Jehle: Ansbach: die markgräflichen Oberämter Ansbach, Colmberg-Leutershausen, Windsbach, das Nürnberger Pflegamt Lichtenau und das Deutschordensamt (Wolframs-)Eschenbach, Bd. 2, S. 1007. Die Gemeinde hatte 1964 eine Gebietsfläche von 6,330 km².
Eingemeindungen Am 1. Januar 1977 wurde die Gemeinde Unternbibert mit Ausnahme von Frickendorf eingegliedert.
Einwohnerentwicklung Im Zeitraum 1988 bis 2018 stieg die Einwohnerzahl von 1073 auf 1222 um 149 Einwohner bzw. um 13,9 %.
Gemeinde Rügland Jahr 1818 1840 1852 1861 1867 1871 1875 1880 1885 1890 1895 1900 1905 1910 1919 1925 1933 1939 1946 1950 1961 1970 1987 1995 2005 2015Einwohner 478 546 529 503 502 520 527 560 525 489 497 480 518 523 498 466 497 494 654 676 571 673 1093 1177 1242 1235HäuserEs sind nur bewohnte Häuser angegeben. Im Jahre 1818 werden diese als Feuerstellen bezeichnet, 1840, 1852 als Häuser und von 1871 bis 2015 als Wohngebäude. 99 100 100 107 105 109 108 101 111 118 327 418Quelle Für die Gemeinde Rügland zuzüglich der Einwohner und Gebäude von Ebenhof (S. 20), Lindach (S. 55), Obermühle (S. 67), Pilsmühle (S. 72) und Rosenberg (S. 77). Für den Ort Rügland (299 Einwohner, 61 Feuerstellen) + Ebenhof: (5 E., 1 F.) Rügland: 347 Einwohner, 61 Häuser; Ebenhof: 5 E., 1 H. Rügland: 320 Einwohner, 61 Häuser; Ebenhof: 5 E., 1 H. Rügland: 316 Einwohner, Ebenhof: 10 E. Rügland: 313 Einwohner, 67 Wohngebäude; Ebenhof: 6 E., 1 Wgb.
Ort Rügland mit Obermühle Jahr 1818 1840 1852 1861 1871 1885 1900 1925 1950 1961 1970 1987 2014 Einwohner 304 352 325 319 326 319 309 300 434 382 482 520 685Häuser 62 62 62 68 70 67 74 83 167 Quelle www.ruegland.de
Religion Rügland ist seit der Reformation evangelisch-lutherisch geprägt und Sitz der Pfarrei St. Margaretha. Die Einwohner römisch-katholischer Konfession sind nach St. Dionysius (Virnsberg) gepfarrt.
Politik Gemeinderat Der Gemeinderat von Rügland hat 13 Mitglieder einschließlich des Ersten Bürgermeisters. Wählergemeinschaft Rügland: 7 Sitze (−1) Wählergemeinschaft Unternbibert: 6 Sitze (+1)
(Stand: Kommunalwahl am 15. März 2020)
Bürgermeister Wolfgang Schicktanz (Wählergemeinschaft Unternbibert) wurde am 15. März 2020 mit 94,7 % der Stimmen zum Bürgermeister von Rügland gewählt.
Wappen und Flagge Wappen
Flagge Die Gemeindeflagge ist gelb-schwarz-gelb.
Raumordnung Die Gemeinde Rügland ist Mitglied der 2004 gegründeten Kommunalen Allianz NorA. Die Allianz hat ein gemeinsames Integriertes ländliches Entwicklungskonzept. NorA bildet mit den benachbarten Allianzen Aurach-Zenn und Kernfranken die Lokale Aktionsgruppe Rangau. Diese wird durch das LEADER-Programm 2023–2027 gefördert.
Kultur und Sehenswürdigkeiten mini|Schloss Rügland Baudenkmäler
Das Schloss Rügland ist eines der wenigen Wasserschlösser in Mittelfranken. Der Nordflügel stammt aus dem frühen 17. Jahrhundert, der Rest der Anlage wurde ab 1714 nach Plänen von Carl Friedrich von Zocha errichtet. Das Schloss enthält unter anderem ein Familienmuseum der Herren von Crailsheim. Der Schlosspark von Schloss Rügland ist mit Sandsteinskulpturen mythologischer Figuren geschmückt.
Das Türkenkreuz aus dem Jahr 1735 erinnert an ein außergewöhnliches Schicksal: Bei der Belagerung Belgrads im Jahr 1688 wurden zwei Türken gefangen genommen. Einer dieser Männer, der den Namen Mustapha trug, hatte Hannibal von Crailsheim in einer Schlacht das Leben gerettet. Er gelangte nach Deutschland und diente viele Jahre bei den Herren von Crailsheim. 1727 ließ er sich in der Kirche in Rügland taufen. Er erhielt den Namen Carl Osman, Pate war der Markgraf von Ansbach, Carl Friedrich. Der im Jahr 1655 in Konstantinopel geborene Carl Osman stiftete 1734 der Kirche in Rügland zwei silberne Leuchter. Ferner verfügte er in seinem Testament, dass jeder, der einst zu seiner Beerdigung käme, fünf Kreuzer erhalten sollte. Als er 1735 im Alter von 80 Jahren starb, konnte die Kirche die Menge der 925 Trauergäste nicht fassen. Das Türkenkreuz trägt die Inschrift: „Hier ruhet in Gott Carl Osman, ward geboren zu Constantinopel 1655, vor Belgrad gefangen 1688, zu Rügland getauft 1727, in Diensten gestanden 47 Jahr. Er starb 1735, alt 80 Jahr.“ruegland.de
Bodendenkmäler
Wanderwege Durch Rügland führen die Fernwanderwege Ansbacher Weg, Deutschherrenweg, Roter Tropfen sowie der Bibertrundweg über Unternbibert und Münchzell.
Wirtschaft und Infrastruktur Rügland ist Mitglied im Tourismusverband Romantisches Franken.
Verkehr Die Staatsstraße 2255 führt nach Ansbach zur Bundesstraße 13 (11 km südlich) bzw. nach Neuhof an der Zenn (7 km nordöstlich). Die Kreisstraße AN 17 führt nach Adelmannsdorf (4 km südöstlich) bzw. nach Ruppersdorf (2,5 km westlich). Die AN 9 führt nach Haasgang (1 km südöstlich). Eine Gemeindeverbindungsstraße führt nach Neustetten (5,5 km westlich).
Der Bahnhof Unternbibert-Rügland war Endpunkt der mittlerweile stillgelegten Bibertbahn.
Söhne und Töchter der Stadt Friedrich Krafft von Crailsheim (1841–1926), Jurist und Außenminister im Königreich Bayern Fritz Brather (1880–1945), Pädagoge und Schriftsteller in Bad Frankenhausen/Kyffhäuser Jürgen Ströbel (* 1947), im Gemeindeteil Daubersbach geborener Landwirt und Politiker, Abgeordneter des Bayerischen Landtags
Literatur
Weblinks
Fußnoten
Kategorie:Ort im Landkreis Ansbach
Kategorie:Gemarkung im Landkreis Ansbach Kategorie:Ersterwähnung 1137 Kategorie:Gemeindegründung 1811 Kategorie:Kirchdorf (Siedlungstyp)