mini|Apollonius von Maltitz, Daguerreotypie um 1860 Franz Friedrich Apollonius von Maltitz (* 11. Juni 1795 in Gera; † 2. März 1870 in Weimar) war ein deutscher Schriftsteller mit dem Schwerpunkt Drama und Lyrik und Gesandter an verschiedenen Auslandsvertretungen Russlands, zuletzt im Großherzogtum Sachsen-Weimar-Eisenach.

Herkunft Apollonius von Maltitz war der jüngste Sohn des kaiserlich russischen Gesandten (in Portugal, Württemberg und Baden), Peter Friedrich (Pjotr Fjodorowitsch) von Maltitz (1753–1826) und der Apollonia Agnes Martha von Maltitz, geb. von Lieven aus dem Haus Bersen (1765–1826), die das Gut Dursuppen geerbt hatte.Paul Theodor Falck: Apollonius Baron Maltitz. Ein vergessener baltischer Dichter. In: Baltische Monatsschrift. Jg. 54 (1912), Band 73, Heft 4, S. 234–244 (dspace.ut.ee [PDF; 6,0 MB]). Er hatte eine Schwester Friederike († 6. Dezember 1826), die als Stiftsdame des Annenstifts in München lebte, und einen älteren Bruder, Franz Friedrich von Maltitz (* 6. Juni 1794). Dieser stand gleichfalls im russischen diplomatischen Dienst und heiratete Mary Elizabeth Frances Lee (1799–1852), die jüngste Tochter des Staatssekretärs im US-Außenministerium William Lee,Siehe den Katalogeintrag der Lee-Palfrey families papers in der Library of Congress. und war zuletzt russischer Gesandter in Den Haag. Von dort wegen seiner stark katholisierenden Tendenz abberufen (er war 1831 in Berlin konvertiert),Friedrich Nippold: Welche Wege führen nach Rom? Geschichtliche Beleuchtung der römischen Illusionen über die Erfolge der Propaganda. Fr. Bassermann, Heidelberg 1869, S. 95, (digitale-sammlungen.de). zog er sich 1854 nach Boppard zurück, wo er am 25. April 1857 starb. Er hat sich durch eine Ergänzung des Schiller’schen Demetrius-Fragments (1817) in Deutschland bekannt gemacht.

Der jüngere Sohn Apollonius kam auf einer Reise seiner Eltern in Gera zur Welt und wurde durch Hauslehrer erzogen, eignete sich jedoch seine Bildung vorwiegend im Selbststudium an. Mit Eltern und Geschwistern kam er früh nach London, dann nach Hamburg und 1806 ins Königreich Westphalen nach Kassel. Die folgenden Jahre bis 1812 verbrachte die Familie zumeist in Dresden und übersiedelte während der Befreiungskriege nach Stuttgart.

Da die Söhne des Peter Friedrich von Maltitz keine Nachkommen hatten, erlosch mit Apollonius von Maltitz dieser baltendeutsche freiherrliche Familienzweig.

Begegnung mit Goethe Ein Kuraufenthalt seiner Eltern in Karlsbad ermöglichte dem 17-Jährigen, Johann Wolfgang von Goethe persönlich zu begegnen. Er betrachtete ihn, wie er sagte, „mit einem Schauer der Bewunderung und Ehrfurcht vor einer Größe, die ihm weit über alle andere Macht erhaben schien“. Es kam noch zu mehreren Begegnungen mit Goethe, zuletzt im Jahr 1828, wobei von dessen Trauerspiel Elpenor die Rede war, das, wäre es nicht Fragment geblieben, nach Maltitz' Meinung ein Gegenstück zur Iphigenie gebildet hätte.

Ebenfalls in Karlsbad lernte Maltitz 1813 Theodor Körner kennen, der kurz darauf, am 26. August 1813, im Gefecht bei Gadebusch fiel.

Nachdem sein Vater zwei Jahre lang Gesandter in Stuttgart gewesen war, wurde er 1812 ins Großherzogtum Baden nach Karlsruhe versetzt. Hier wurde Maltitz neben seinem älteren Bruder als Attaché der Gesandtschaft angestellt. In dieser Eigenschaft begleitete er seinen Vater auf den Wiener Kongreß. 1816 kam Varnhagen als preußischer Geschäftsträger mit seiner Ehefrau Rahel nach Karlsruhe, mit dem Maltitz eine lebenslange Freundschaft verbinden sollte. Auch der General Tettenborn ließ sich dort nieder und gehörte zum Freundeskreis der Varnhagens, bevor er seinerseits als badischer Gesandter nach Wien ging.

Frühe Dichtungen und Duell Maltitz widmete sich dem Studium der alten Klassiker und schrieb erste Gedichte, die in einer Auswahl bereits 1817 in Karlsruhe erschienen.

Im Februar 1818 hatte Apollonius von Maltitz eine heftige Auseinandersetzung mit dem badischen Leutnant der berittenen Garde Georg von Schilling.Eine Akte über diesen Fall liegt im Landesarchiv Baden-Württemberg – Generallandesarchiv Karlsruhe. Siehe den Katalog-Eintrag; ebenda Briefe des Vaters Peter Friedrich von Maltitz an Heinrich von Hennenhofer über das Duell (landesarchiv-bw.de). Dieser schüttete infolge einer Wette dem ihm unbekannten Maltitz mit Absicht ein Glas Wein ins Gesicht und wurde nach einer Prügelei auf die Schlosswache abgeführt.Karl August Varnhagen von Ense: Denkwürdigkeiten des eignen Lebens (= Ausgewählte Schriften. Erste Abtheilung). 3. Auflage. Band 5. Hrsg. von Ludmilla Assing. F. A. Brockhaus, Leipzig 1871, S. 203 f., (bsb-muenchen.de). Ein Duell erschien unvermeidlich, nachdem Schilling aus der Haft entlassen war. Am 13. März 1818 kam es zu dem verabredeten Schusswechsel, bei dem Schilling, der auf den Kopf gezielt hatte, seinen Gegner verfehlte und von dem völlig unerfahrenen Zivilisten Maltitz mit dem nächsten Schuss niedergestreckt wurde. Drei Tage später erlag der 25-Jährige Georg von Schilling seinen Verletzungen.Geschlechtsbeschreibung der Familie Schilling von Cannstatt als Neubearbeitung und Fortsetzung der Geschlechtsbeschreibung derer Familien von Karl Friedrich Freiherrn Schilling von Cannstatt (1807). Bearbeitet durch Ernst Freiherrn Schilling von Cannstatt. Carl Winter, Heidelberg 1905, S. 291 f. (). Dass Maltitz seinen Gegner einer Nichtigkeit wegen getötet hatte, belastete viele Jahre hindurch sein Gewissen.Karl August Varnhagen von Ense: Denkwürdigkeiten des eignen Lebens (= Ausgewählte Schriften. Erste Abtheilung). 3. Auflage. Band 5. Hrsg. von Ludmilla Assing. F. A. Brockhaus, Leipzig 1871, S. 251 f., (bsb-muenchen.de).

Bestraft wurde der 21-Jährige durch Versetzung an die russische Gesandtschaft in Württemberg. In Stuttgart wurde ihm der damalige Sondergesandte, der geistreiche und liberale Fürst Kosloffsky (* 1783; † 26. Oktober 1840), sein väterlicher Freund. Nach dem Rücktritt seines Vorgesetzten nahm ihn dessen Nachfolger Graf Konstantin von Benckendorff, freundlich auf, konnte jedoch die Freundschaft mit Kosloffsky nicht ersetzen.

In seiner damaligen elegisch-sentimentalen Stimmung begeisterte sich Maltitz für Matthisons Dichtungen. Da der Autor zu jener Zeit in Stuttgart lebte, suchte er dessen Umgang und wurde von dem 60-Jährigen mit freundlicher Teilnahme aufgenommen. Mit dem Trauerspiel Virginia, das als sein bestes gilt (gedruckt allerdings erst 1857, zunächst unter dem Pseudonym J. Ch. F. Rage für „Ich frage“), versuchte sich Maltitz erstmals in der dramatischen Poesie.

Wanderleben als Diplomat und Dichter 1821 wurde Maltitz von Stuttgart als zweiter Legationssekretär an die russische Botschaft in Berlin versetzt. Dort kam er im Salon des Ehepaars Varnhagen in den Kreis der bedeutendsten Repräsentanten des Kulturlebens. Maltitz machte die Bekanntschaft von Adelbert von Chamisso, Heinrich Heine, Wilhelm Hensel; auch seinen Namensvetter Gotthilf August von Maltitz, Karoline und Friedrich de la Motte FouquéArno Schmidt: Fouqué und einige seiner Zeitgenossen. Biographischer Versuch. 2., verb. und beträchtlich verm. Auflage. Bläschke, Darmstadt 1959, , S. 405. – an dessen Wochenschrift Berlinische Blätter für deutsche Frauen sich Maltitz beteiligte –, sowie Ludwig Robert lernte Maltitz kennen.

Rahel Varnhagen von Ense urteilte damals über ihn, er sei „ein äußerst brawer, gut-gediegener Mensch“.An Ludwig Robert, 26. November 1821. In: Rahel Levin Varnhagen: Briefwechsel mit Ludwig Robert. Hrsg. von Consolina Vigliero. Beck, München 2001, ISBN 3-406-48256-2, S. 385. In Berlin fand er auch Aufnahme im Salon der Henriette Scholtz (* 1777), geborenen Mendel (seit 1806 Neander), geschiedenen Wertheim, die inzwischen auch von dem nach Spanien ausgewanderten Diplomaten Hieronymus Gottfried Scholtz (1768–1834) geschieden und eine Schwester des Theologen August Neander war. Über sie (und ihre Tochter Emma Scholtz) lernte er Friedrich von Uechtritz kennen,Wilhelm Steitz: Friedrich von Uechtritz als dramatischer Dichter. Ein Beitrag zur Literatur- und Theatergeschichte der 20er-Jahre des 19. Jahrhunderts (= Veröffentlichungen der Oberlausitzischen Gesellschaft der Wissenschaften zu Görlitz). Görlitz 1909, , S. 13. dem er das Drama Anna Boleyn widmete.

Bei einem Besuch in Dresden lernte er Elise von der Recke und Christoph August Tiedge kennen; die christliche Richtung, die in diesem Kreis herrschte, beeinflusste sein späteres Schaffen, ohne dass er sich ihr angeschlossen hätte.

Gegen Ende des Jahres 1823 wurde Maltitz in die Kanzlei des russischen Gouverneurs Großfürsten Konstantin nach Warschau berufen. Hier verlebte er drei Jahre in fast vollständiger Abgeschiedenheit und schrieb weitere Lustspiele und Sinngedichte sowie die satirischen Geständnisse eines Rappen mit Anmerkungen seines Kutschers. Nach dem Dekabristenaufstand von 1825/26 bemühte er sich um Versetzung auf einen anderen Posten. Im Mai 1826 erreichte er die Versetzung nach Wien. An Henriette Scholtz in Berlin schrieb er: „Erst wenn ich aus diesen Toren fahren werde, wird ein Lenz für mich beginnen; die Kellerluft des polnischen Winters umgibt mich wie ein eiserner Panzer.“

In Wien fühlte er sich bald heimisch und genoss die Geselligkeit und das literarische Leben. Mit Franz Grillparzer, Joseph von Hammer-Purgstall, Castelli und anderen beteiligte er sich an Musenalmanachen und Taschenbüchern wie Aglaja und Huldigung den Frauen.

Nach drei Jahren wurde er nach Rio de Janeiro versetzt. Zuvor nahm er einen mehrmonatigen Urlaub, der ihn von Januar bis Anfang Juni 1830 nach Paris, wo kurz nach seiner Abreise die Julirevolution ausbrach, und Ende Juni nach London führte. Im September 1830 trat er die Überfahrt nach Südamerika an. Mit ihm traf das letzte von Afrika nach Brasilien abgehende Sklavenschiff in Rio de Janeiro ein, wo Maltitz den Gesandten Franz Frantsevich Borel auf dem Sterbebett fand.

Sieben Jahre lang blieb Maltitz in Brasilien und verkehrte in dieser Zeit viel mit dem dänischen Gesandten Friedrich von Reventlow. Seit Jahresbeginn 1831 leitete er eigenständig die Geschäfte der russischen Gesandtschaft. In Brasilien erlebte Maltitz die Unruhen und Meutereien und die Volksversammlung am 6. April 1831 auf dem Anna-Platz von Rio, die anderntags zur Abdankung des Kaisers Dom Pedro I. zugunsten seines minderjährigen Sohnes führte.

Da seine Gesundheit unter dem tropischen Klima litt, bat Apollonius von Maltitz um seine Versetzung, die endlich gewährt wurde. Im Spätsommer 1836 kam er erneut nach München, wo er mit dem Gesandten Severin freundschaftlich verbunden war. Die Anzahl hervorragender Männer auf dem Gebiet der Wissenschaft und Kunst war damals in München auffallend groß. Mit Franz von Elsholtz und Friedrich von Zu Rhein verband sich Maltitz zur Gründung der Zwanglosen Gesellschaft und zur Herausgabe einer Wochenschrift Deutsche Theeblätter, die jedoch nach zwei Jahren wieder einging; auch der Versuch einer Neubelebung unter dem Titel Deutsche Blätter für Literatur und Leben scheiterte 1840.

Heirat und Niederlassung in Weimar