Johnson v. M'Intosh, 21 US (8 Wheat.) 543 (1823), ist eine richtungsweisende Entscheidung des Obersten Gerichtshofs der Vereinigten Staaten, die besagt, dass amerikanische Ureinwohner kein Land an Privatpersonen verkaufen können. Wie dem Obersten Richter (Chief Justice) John Marshall vorgetragen wurde, strengte der Rechtsnachfolger eines privaten Landkaufs von den Piankeshaw eine Klage (sog. action of ejectment) gegen den Inhaber eines bundesstaatlichen Landpatents zur Klärung der Eigentumsrechte an.

Der Fall ist eine der einflussreichsten und bekanntesten Entscheidungen des Obersten Gerichtshofs unter John Marshall und eine feste Größe des Lehrplans für das erste Jahr in fast allen US-amerikanischen juristischen Fakultäten. Marshall entwickelt hier in seiner prosaischen und vielzitierten Urteilsbegründung die Grundlagen der Doktrin des Landbesitzrechts der amerikanischen Ureinwohner in den Vereinigten Staaten und der damit verbundenen discovery doctrine, die er in Fletcher v. Peck schon angesprochen hatte und in Worcester v. Georgia wieder aufgriff. Da in diesem Fall ein gültiger Titel ein grundlegendes Element der Klage ist, erstreckt sich die Gerichtsentscheidung nicht nur auf die Gültigkeit von McIntoshs Titel, sondern auch auf den Titel der indianischen Ureinwohner. Die Urteilsbegründung kommt bezüglich des Titels der Ureinwohner zu dem Schluss, dass er nicht frei veräußerlich ist. Ein Grundsatz, der in fast allen Rechtssystemen des Common Law fest etabliert ist.

Der Bezug auf Johnson ist seit 200 Jahren ein fester Bestandteil bundesstaatlicher und staatlicher Rechtsfälle im Zusammenhang mit dem Landtitel amerikanischer Ureinwohner. Wie bei Johnson sind fast alle dieser Fälle mit Landstreitigkeiten zwischen zwei nicht-indigenen Parteien verbunden, von denen eine normalerweise mit einer Rechtskette (chain of title) verbunden ist, die zu einer Bundes- oder Landesregierung führt, und die andere mit einer Rechtskette, die bis auf Zeiten vor der US-Souveränität zurückgeht. Eine ähnliche Auffassung und teilweise Bezüge auf Johnson findet man auch in der frühen Rechtsprechung Australiens, Kanadas und Neuseelands. Der erste Landstreit vor dem Obersten Gerichtshof, an dem eine indigene Partei beteiligt war, ist Cherokee Nation v. Georgia (1831).

Geschichtlicher Hintergrund Nach dem Ende des Siebenjährigen Krieges in Nordamerika fielen riesige Teile Neufrankreichs zwischen den Appalachen und dem Mississippi an Großbritannien. Die Franzosen hatten in diesem Land nur wenige Siedlungen und Forts angelegt, aber nun drangen vermehrt Pelzhändler und Squatter aus den amerikanischen Kolonien in das Gebiet ein und machten den indigenen Ureinwohnern das Land streitig. Darüber hinaus fanden sich die ehemals mit Frankreich verbündeten Indianerstämme plötzlich im Herrschaftsbereich des Feindes wieder. Während die Franzosen sie als ebenbürtige Kampfgefährten behandelt, mit Waffen versorgt und mit anderen Gütern gewogen gestimmt hatten, sahen die Briten und Kolonisten in den Indianern ein unterworfenes Volk ohne Anrecht auf gleichwertige Behandlung. Die allgemeine Unzufriedenheit der Ureinwohner führte zum Pontiac-Krieg, in dem acht Forts zerstört und hunderte von Kolonisten getötet oder vertrieben wurden. Durch die Königliche Proklamation von 1763 sollten die Beziehungen zu den Indianern sowie Pelzhandel und Kolonisation in den betroffenen Territorien neu geordnet werden. Westlich einer darin definierten Proklamationsline entlang der Appalachen, im Indian Reserve genannten Gebiet, war es Privatpersonen untersagt, zu siedeln oder Land direkt von Indianern zu kaufen. In einem späteren Verfahren sollten dann Beauftragte der Krone das Land mit Zustimmung aller beteiligten Indianerstämme aufkaufen und an Siedler weitergeben. Dieses Verbot und das dabei ebenfalls sichtbar werdende Bestreben, die Oberhoheit über den Besitz an Grund und Boden in staatlicher Hand zu behalten, entsprachen der vorhergehenden Rechtsprechung Großbritanniens und der Kolonialregierungen.

Die Land Companies Die neuen Territorien weckten das Interesse von Bodenspekulanten aus den Kolonien und dem Mutterland. So auch von William Murray, dem Handelsagenten der Illinois Company, einer von bekannten Geschäftsleuten aus Philadelphia gegründeten Gesellschaft, die sich ursprünglich mit dem Indianerhandel und der Truppenversorgung beschäftigte. Sein Optimismus für die Möglichkeit der staatlichen Anerkennung solcher Geschäfte wurde unter anderem durch die Camden-Yorke Opinion bestärkt. Diese Stellungnahme zweier hochrangiger britischer Juristen, in der ein Landkauf der privaten Britischen Ostindien-Kompanie von teilautonomen Indischen Fürstenstaaten positiv bewertet wurde, kursierte zu jener Zeit unter amerikanischen Bodenspekulanten. Im Jahre 1773 nutze Murray seine guten Kontakte zu den Forts und den Indianern in der Region, um von den Illinois-Stämmen zwei größere Gebiete östlich des Illinois-Rivers und am Unterlauf des Ohio zu erwerben. Die Reaktion der staatlichen Stellen war wenig überraschend: die Illinois Company wurde davor gewarnt, Siedlungen in den Gebieten zu errichten und der örtliche Fort-Kommandant wurde angewiesen, die den Handel betreffenden Eintragungen aus den staatlichen Registern zu streichen und den Handel öffentlich für ungültig zu erklären. S. 83.

mini|hochkant=1.5|Wohn- und Jagdgebiet der Illinois und Piankeshaw um 1750 Zur Sicherung ihrer Investition versuchten die Teilhaber der Illinois Company nun, die Anerkennung durch politische Lobby-Arbeit zu erreichen. Um einflussreiche Persönlichkeiten durch eine Beteiligung für die eigene Sache zu gewinnen, initiierte Murray die Wabash Company, die im Jahre 1775 zwei Gebiete am Wabash River, einem Nebenfluss des Ohio, von den Piankeshaw-Stämmen kaufte. Einer der neuen Anteilseigner war Lord Dunmore, der Gouverneur der königlichen Kolonie Virginia, der sich daraufhin mit einer positiven Empfehlung beim britischen Außenminister Lord Dartmouth für die Illinois Company einsetzte. Ein anderer neuer Anteilseigner war Thomas Johnson, der zwei Jahre später zum ersten Gouverneur des unabhängigen Staates Maryland gewählt wurde. S. 84ff.

Die restriktiven Bestimmungen der Königlichen Proklamation von 1763 stießen in den Kolonien auf Ablehnung und waren mit ein Grund für den Amerikanischen Unabhängigkeitskrieg, der 1775 begann. Die unsichere politische Lage erschwerte die Bemühungen der Companies. So wurde Lord Dunmore durch die siegreiche Kontinentalarmee dazu gezwungen, Virginia zu verlassen und nach Großbritannien zurückzukehren. Um ihre Kräfte zu bündeln, vereinigten sich die beiden Companies 1779 zur "United Illinois and Wabash Land Company" (kurz United Companies genannt). Mit James Wilson und Robert Morris zählten nun zwei Unterzeichner der Unabhängigkeitserklärung zu den Anteilseignern der Gesellschaft. Wilson, später Richter am Obersten Gerichtshof der Vereinigten Staaten, wurde ihr Chairman. Die veränderte politische Situation brachte aber auch neue staatliche Ansprechpartner. In den folgenden Jahren versuchte die Gesellschaft durch Memoranden und Petitionen an den Kontinentalkongress, an die Regierung des neuen unabhängigen Staates Virginia (der das Gebiet zwischen Mississippi und Ohio beanspruchte) und mehrfach an den Kongress der Vereinigten Staaten eine Anerkennung ihrer Titel zu erreichen. Die Bemühungen gipfelten schließlich in dem Angebot, den Vereinigten Staaten alle Landrechte zu überlassen, wenn die Bundesregierung der Gesellschaft dafür ein Viertel des Gebietes zurückübertragen würde. Alternativ schlug man im Memorandum von 1810 vor, das ganze Gebiet an den Staat zu verkaufen, wobei der Preis in Form von staatlichen Schuldverschreibungen beglichen werden sollte. Beides lehnte der Kongress ab.Blake A. Watson: Buying Amerika from the Indians University of Oklahoma Press (2012), S. 248. Die Gesellschafter mussten sich eingestehen, dass auf diesem Weg nichts mehr zu erreichen war.

Das jahrzehntelange Ringen um die Anerkennung der Titel mag weniger rätselhaft erscheinen, wenn man die Ausmaße der Gebiete genauer betrachtet. Zwar sind Größe und Lage der Gebiete heute umstritten, weil einige der genannten Landmarken nicht mehr aufgefunden werden können, aber wenn man die Beschreibungen aus dem Urteil zugrunde legt, hätte allein der Erwerb der Wabash Company mit 40x70 und 35x70 Leagues die fantastische Größe von 122.000 km2, was etwa 80 % der Fläche des Staates Illinois entspricht.Längen- und Breitenangaben sind wahrscheinlich nicht rechtwinklig gemeint.

Die Vereinigten Staaten kaufen das Land auf Die fortgesetzte Landnahmetätigkeit im Nordwestterritorium, in etwa das Gebiet zwischen dem Mississippi, dem Ohio-River und den Großen Seen, führte auch nach der amerikanischen Revolution immer wieder zu kriegerischen Konflikten mit der indigenen Bevölkerung (Indianerkriege). Erst 1794 konnte eine Koalition mehrerer indianischer Stämme in der Schlacht von Fallen Timbers endgültig besiegt werden. Im daraufhin geschlossenen Vertrag von Greenville traten die Stämme große Teile des heutigen Staates Ohio an die Vereinigten Staaten gegen Waren im Wert von 20.000 $ und jährliche Versorgungsleistungen ab. Außerdem wurde eine neue "Demarkationslinie" zwischen dem Land der Indianer und dem Land der weißen Siedler im nordwestlichen Ohio vereinbart.

Noch immer übten britische Truppen an den Grenzen zu Kanada Einfluss auf den Nordwesten aus und noch immer lebte eine große Zahl von britischen Pelzjägern und Händlern in Nordwestterritorium, die verdächtigt wurden, die Indianer mit Waffen und Munition zu versorgen. Daher wollte Präsident Jefferson, der 1801 sein Amt antrat, möglichst schnell die Anzahl der amerikanischen Einwohner erhöhen und das Nordwestterritorium in reguläre Staaten umwandeln. Außerdem war der Landverkauf an Siedler eine wichtige Einnahmequelle für die USA, die keine direkten Steuern kannten und dringend Geld u. a. für die Kriege gegen die Barbareskenstaaten benötigten. Jefferson sah die indigene Bevölkerung als gleichwertig an, lediglich kulturell und technologisch rückständig. Aber um die Anzahl der Siedler im Nordwesten so weit zu erhöhen, dass die Staatlichkeit hergestellt werden konnte, mussten die Indianer ihr Land hergeben. Sie sollten entweder die Lebensweise des weißen Mannes annehmen oder vorzugsweise umgesiedelt werden. Jefferson beauftragte den Gouverneur des Nordwestterritoriums, William Henry Harrison, so viel indianisches Land wie nur möglich aufzukaufen. Zwischen 1803 und 1809 schloss Harrison 11 Verträge mit verschiedenen indianischen Führern, die darin große Teile der heutigen Staaten Illinois und Indiana an die Bundesregierung abtraten. Das verärgerte andere Stämme, die diese Gebiete ebenfalls beanspruchten, aber nicht an den Vertragsverhandlungen teilgenommen hatten. Die brüskierten Stämme sammelten sich um den Shawnee-Führer Tecumseh. "Tecumsehs Rebellion" ging in den Britisch-Amerikanischen Krieg über, in dem viele der Stämme auf britischer Seite kämpften. Die Indianer waren die großen Verlierer dieses Krieges. Zahlenmäßig dezimiert und nun größtenteils von britischer Hilfe abgeschnitten, konnten sie dem amerikanischen Expansionsdruck nicht mehr standhalten und mussten ihren angestammten Lebensraum nach und nach verlassen.