Niederschelden (vereinfachend auch Schelden; mundartlich Schälde) ist ein Stadtteil von Siegen.

Geografie mini|links|Der Rothenberg nördlich Niederscheldens Der Stadtteil liegt im Südwesten der Stadt, ist Teil des Stadtbezirks VI (Süd) und bildet die Landesgrenze zum Landkreis Altenkirchen in Rheinland-Pfalz. Niederschelden ist mit dem benachbarten Mudersbacher Ortsteil Niederschelderhütte längst zu einem Ort zusammengewachsen. Der Ort liegt im Siegtal zwischen 220 und Höhe. An der Grenze zu Niederschelderhütte mündet der Gosenbach in die Sieg. Nördlich liegt der hohe Rothenberg.

Niederschelden grenzt an Gosenbach und Siegen im Norden, an Eiserfeld im Osten und Südosten, an Niederschelderhütte (Mudersbach) im Westen und im äußersten Westen an Oberschelden.

Geschichte mini|hochkant=1.5|Niederschelden vom Pfannenberger Aussichtsturm gesehen Die Besiedlung im Ortsgebiet fand in der „Fränkischen Landnahme“ zwischen 720 und 800 nach Christi Geburt statt.Dieter Pfau: Zeitspuren in Siegerland und Wittgenstein – Früh- und Hochmittelalter 750-1250, Verlag für Regionalgeschichte, Bielefeld 2009 Die erste schriftlich überlieferte Erwähnung des Ortes Niederschelden als „Schelte“ ist auf den 22. Februar 1330 datiert.Siegener Urkundenbuch Band I, Siegen, 1887, S. 111–112, Nr. 186. Im Jahr 1342 wurde der Mühlengraben ausgehoben, aus diesem Anlass ist die alte Mühle im selben Jahr erstmals schriftlich bezeugt. 1682 wurde eine neue Kapellenschule auf dem Gelände der Burgschule mit einem Klassenzimmer erbaut und eingeweiht. Sie wurde 1907 abgerissen. 1695 verließ Georg Giebeler aufgrund hoher Schulden den Ort und siedelte sich im heutigen Niederschelderhütte an. Dort konnte er nicht verfolgt werden. Er ist der erste Einwohner von Niederschelderhütte.

Eisenerzbergbau Wie auch das restliche Siegerland, war der Ort in den letzten zwei Jahrtausenden sehr vom Eisenerzabbau geprägt. 1417 bestand bereits eine Hütte in Niederschelden. 1742 wurde erstmals eine Kupferhütte oberhalb des Dorfes an der Stelle des heutigen Pocheweihers erwähnt. 1863 erfolgte die Grundsteinlegung der Charlottenhütte, später eine der bedeutendsten Hütten im Siegerland. Sie wurde erst 1981 stillgelegt. Ab 1465 lässt sich auch der Erzbergbau in Niederschelden bezeugen. Die Grube Alte Dreisbach wurde erstmals genannt. In ihr wurden bis 1928 aus einer Teufe von bis zu 850 m hauptsächlich Eisenerz gefördert. 1885 waren es 22.534 t. Sie war die tiefste Grube im Ortsgebiet und die letzte, die geschlossen wurde. Die meisten anderen Gruben wurden im 19. Jahrhundert verliehen. Der zweitgrößte Betrieb war die Konsolidationsgrube Vereinigte Henriette nahe der Grenze zu Niederschelderhütte. Sie entstand am 23. Juli 1870 durch die Konsolidation mehrerer kleiner Betriebe. Gefördert wurden bis Ende 1923 ca. 400.000 t Eisenerz. Im späten 18. und frühen 19. Jahrhundert blühte auch in Niederschelden der Kobaltbergbau an der Sieg. Die bedeutendsten Gruben waren Bunte Kuh (1780–1903) und Junkernburg (um 1770–1903). Letztere gehörte später zur Gosenbacher Eisenerzgrube Storch & Schöneberg.

19. bis 21. Jahrhundert 1839 wurde mit dem Bau der Straße zwischen Siegen und Niederschelden begonnen. Sie konnte 1844 dem Verkehr übergeben werden. 1856 erfolgte der erste Spatenstich für die neue Eisenbahnlinie, die 1861 eröffnet wurde. Eine Fahrt von Niederschelden nach Siegen kostete 15 Pfennige in der vierten Wagenklasse.

1870/71 wurde eine neue Schule erbaut, die heutige Alte Burgschule. 1963 beschloss der Gemeinderat den Bau einer Volksschule mit 14 Klassen. Die Baukosten wurden auf 2,5 Mio. DM geschätzt. Nur vier Jahre später konnte sie eingeweiht werden. Ebenfalls 1963 konnte der achtklassige Anbau der Dreisbachschule eingeweiht werden. 1973 folgte der Bau des Gymnasiums, ein Jahr später der Bau der Rundturnhalle. 1892 konnte eine neue evangelische Kirche eingeweiht werden. 1957 wurde die katholische St. Liborius–Kirche eingeweiht.

Am 20. Juli 1881 richtete ein Unwetter nach wochenlang anhaltender Hitze schwere Schäden im Ort an.Zurückgeblättert..., Siegener Zeitung vom 30. Juli 2011, S. 43

Die Gründung der Erzquell Brauerei Siegtal durch Hermann Burgmann und Heinrich Wildenberg erfolgte 1885.

1815 wurde Niederschelden preußisch. 1878 wurde Niederschelden vom Amt Weidenau abgetrennt und dem neu gebildeten Amt Eiserfeld zugeordnet. Bis 1966 gehörte Niederschelden dann dem Amt Eiserfeld an, wurde im Zuge der kommunalen Neugliederung am 1. Juli 1966 der selbständigen Stadt Eiserfeld angeschlossen und gehört seit dem 1. Januar 1975 der Stadt Siegen an. Der Ort feierte im Jahr 2005 sein 675-jähriges Bestehen.

Es gab immer wieder Bestrebungen, den Niederschelden mit dem benachbarten Niederschelderhütte, mit dem es zu einem Ort zusammengewachsen ist, auch politisch zu vereinigen. Dazu hätte Niederschelderhütte aus der rheinland-pfälzischen Gemeinde Mudersbach herausgelöst und Nordrhein-Westfalen angegliedert werden müssen. Im Juni 1964 gab es eine konkrete politische Initiative aus Niederschelderhütte zu einer Vereinigung, die vom Gemeinderat des damals noch selbstständigen Niederschelden unterstützt wurde. Entsprechende Vorstöße bei den Landesregierungen in Mainz und Düsseldorf scheiterten aber.http://www.niederschelden-geschichte.de/2000.htm „Der große Wunsch der Bürger, eine gemeinsame Gemeinde Niederschelden zu werden, hat sich nicht erfüllt“, resümierten zwei Heimathistoriker 2005.https://www.niederschelden.de/chronik-675-jahre-niederschelden/

Wappen

Einwohnerzahlen Einwohnerzahlen des Ortes:Otto Schaefer: Der Kreis Siegen, Siegen 1968 Jahr Einwohner 1818 289 1860 1.173 1885Westfälisches Gemeindelexikon 1887, S. 110 / 111 1.751 1895Westfälisches Gemeindelexikon 1897, S. 114 / 115 2.080 1905 2.909 1910 3.138 1925genealogy.net: Amt Eiserfeld 3.524 Jahr Einwohner 1933 3.437 1939 3.664 1950 5.028 1961 6.293 1986Siegerländer Heimatkalender 1989, S. 170, 64. Ausgabe, Hrsg. Siegerländer Heimat- und Geschichtsverein e. V., Verlag für Heimatliteratur. 5.976 1994Hartmut Eichenauer: , ca. 1995 6.150 2004 5.542 Jahr Einwohner 2006 5.467 2008 5.407 2009 5.314 2010 5.298 2011 5.270 2012 5.320 2013 5.254 Jahr Einwohner 2014 5.200 2015 5.244 2016 5.161

Religion Der Ort, dessen Einwohnerschaft mehrheitlich evangelischer Konfession ist, verfügt neben einer evangelischen Kirche (mit Kriegerdenkmal) auch über eine katholische Kirchengemeinde. Die schon in den späten 1940er Jahren bestehende Kirche wurde aufgrund des vermehrten Zuzuges katholischer Bevölkerung im Jahre 1957 neu erbaut und ist dem heiligen Liborius geweiht. Die evangelische Kirche wurde am 23. November 1892 eingeweiht.

Infrastruktur und Verkehr Niederschelden verfügt über einen großen Industrieanteil im Industriegebiet Marienhütte an der Eiserfelder Straße sowie an der westlichen Grenze zu Niederschelderhütte. Im Gebiet hat auch die Utsch AG, der weltweit führende Produzent von Kraftfahrzeugkennzeichen, ihren Sitz.

Schienenverkehr mini|Haltepunkt Niederschelden Nord vor Weiterbau der Hüttentalstraße mini|Haltepunkt Niederschelden Nord nach Weiterbau der Hüttentalstraße und Neubau der Bahnsteige mit einer zu den Zügen passenden Einstiegshöhe

Der Bahnhof NiederscheldenNiederschelden auf bahnhof.de und der Haltepunkt Niederschelden NordNiederschelden Nord auf bahnhof.de befinden sich an der Siegstrecke (Köln–Siegen). Beide Stationen werden durch die Regionalbahnlinien RB 90 und RB 93 der Hessischen Landesbahn im Rahmen des Rheinland-Pfalz-Takts 2015 bedient.

Die Züge halten an beiden Stationen Richtung Siegen und Betzdorf an Werktagen durchgehend alle 30 Minuten, zu den übrigen Zeiten mindestens stündlich. Im Bahnhof Niederschelden halten darüber hinaus einzelne Züge der Linie RE 9 morgens in Richtung Köln sowie nachmittags und am späten Abend in Richtung Siegen.

Aus den Namen der Eisenbahn-Betriebsstellen ist nicht erkennbar, dass der Bahnhof Niederschelden in Niederschelderhütte (Ortsgemeinde Mudersbach) liegt und der Haltepunkt Niederschelden Nord in Niederschelden (Stadt Siegen). Zwischen den Stationen verlaufen die Grenzen des Landkreises Altenkirchen und des Kreises Siegen-Wittgenstein, der Verkehrsverbünde Rhein-Mosel und Westfalentarif und der Bundesländer Rheinland-Pfalz und Nordrhein-Westfalen.

Linie Verlauf Takt

Niederschelden Nord ist neben dem Hauptbahnhof Siegen der einzige Halt im Stadtgebiet, welcher komplett barrierefrei ausgebaut ist. Es ist hier ohne fremde Hilfe und ohne Voranmeldung jederzeit ein ebenerdiger Zugang zu den Bahnsteigen möglich. Alle haltenden Züge passen zur Einstiegshöhe von 55 cm.

Straßenverkehr Niederschelden liegt an der Bundesstraße 62, die von Siegen nach Mudersbach und Kirchen in Rheinland-Pfalz führt. An der Grenze zu Niederschelderhütte zweigt von der alten B 62 die Landstraße 283 in Richtung Gosenbach ab. Der Ort ist über die Siegener Auffahrt an die Autobahn 45 angeschlossen. Im Jahr 2010 wurden die Weiterbaupläne der Hüttentalstraße, die damals in der Dreisbachsiedlung endete, wieder aufgegriffen. Diese Pläne beinhalteten die Weiterführung der Strecke bis kurz hinter die Landesgrenze Rheinland-Pfalz mit dem Bühltunnel und zwei eigenen Abfahrten. Gebaut wurde die Strecke in Niederschelden dann bis 2016. Die fertiggestellte Straße geht in Niederschelderhütte in die alte B 62 über.

Schule und Freizeit Schule In Niederschelden gibt es vier Kindergärten; einen im äußersten Süden an der B 62, zwei befinden sich in der Ortsmitte, der vierte ist in der Dreisbach in der ehemaligen Grundschule. Das Schulzentrum befindet sich auf dem Hubenfeld. Dort sind die Grundschule sowie das Gymnasium Auf der Morgenröthe mit der Abendschule und der Realschule angesiedelt.

Sport Der Niederschelder Verein „Sport“ sowie der im gleichen Jahr gegründete FC Borussia und der Verein „Einigkeit“ aus Gosenbach wurden 1908 gegründet und 1911 zur „Spielvereinigung Niederschelden“, aus dem 1925 der SuS Niederschelden/Gosenbach wurde. Die erste Fußballmannschaft des Vereins spielte zwischen 1947 und 1960 in der seinerzeit höchsten Amateurklasse Westfalens.

Am westlichen Ortsende befindet sich der Sportplatz Rosengarten sowie ein Sportheim und ein Schießstand. In der Ortsmitte ist die markante und weit sichtbare Rundturnhalle sowie eine Schulsportanlage gelegen.

Persönlichkeiten Ehrenbürger Wilhelm Meißner (verliehen 18. November 1961)"Zurückgeblättert...", Siegener Zeitung vom 4. Dezember 2010 Albert Schneider (verliehen 18. November 1961)

Söhne und Töchter Niederscheldens Charlotte Petersen (1904–1994), Journalistin Karl Althaus (1924–1989), Politiker Charlotte Böhmer (* 1933), Leichtathletin Hans-Joachim Solms (* 1953), Germanist Mehmet Daimagüler (* 1968), Jurist, Kolumnist und Buchautor

Siehe auch Dreisbach Liste geteilter Orte #Nordrhein-Westfalen/Rheinland-Pfalz

Weblinks

Einzelnachweise

Kategorie:Stadtteil von Siegen Kategorie:Ehemalige Gemeinde (Kreis Siegen-Wittgenstein) Kategorie:Ersterwähnung 1330 Kategorie:Gemeindeauflösung 1966