mini|Bereits 1918 hatte Otto Firle für die Deutsche Luft-Reederei das auch heute noch international bekannte Kranich-Logo der 1926 gegründeten Deutschen Luft Hansa AG kreiert. In den Jahren 1933 bis 1945 war die in Deutsche Lufthansa AG umbenannte Fluggesellschaft gehalten, die Hakenkreuzfahne des NS-Regimes auf den Seitenleitwerken ihrer Flugzeuge aufzutragen.

Die Deutsche Lufthansa AG (DLAG), bis 1933 Deutsche Luft Hansa AG (DLH), war die nationale Fluggesellschaft des Deutschen Reiches (Weimarer Republik und NS-Staat). Sie wurde am 6. Januar 1926 in Berlin gegründet und musste den Flugbetrieb mit dem Ende des NS-Staats 1945 einstellen.

Die Anfänge der Lufthansa in den 1920er- und 1930er-Jahren waren die Pionierzeit des deutschen Linienflugverkehrs. Der Lufthansa gelangen zahlreiche Pionierleistungen und betriebswirtschaftliche Erfolge. Bereits bis zum Ende der 1920er-Jahre etablierte sich die Deutsche Luft Hansa als internationale Luftfahrtgesellschaft mit dem erklärten Ziel, ein Liniennetz zwischen allen europäischen Metropolen zu knüpfen. Während der Passagierverkehr der 1933 in Deutsche Lufthansa AG umbenannten Fluggesellschaft in Berlin seit den 1930er Jahren auf dem Zentralflughafen Tempelhof abgefertigt wurde, entwickelte sich der Berliner Flugplatz Staaken ab Mitte der 1930er Jahre zur Hauptwerft der Lufthansa. Gemessen an der Infrastruktur und der Vielzahl der Werks- und Überführungsflüge entsprach der Flugplatz Staaken einem Großflughafen nach damaligen Maßstäben. Allerdings diente die Lufthansa-Hauptwerft bis zum Ende des Zweiten Weltkriegs größtenteils der Luftwaffe der Wehrmacht, das heißt neben der einträglichen Reparatur von Kriegsflugzeugen insbesondere auch als Tarnung der Entwicklung und Austestung militärischer Luftfahrttechnik.

Die Aktiengesellschaft wurde im Jahr 1951 von den Alliierten endgültig liquidiert. Die heutige Deutsche Lufthansa AG ist nicht Rechtsnachfolgerin der „alten“ Deutschen Lufthansa AG.

Gründung der Deutschen Luft Hansa AG mini|Plakat Deutsche Luft-Reederei Weimar-Leipzig-Berlin 1919 mini|Eine AEG J.II Kabine der Deutschen Luft-Reederei (D.L.R.), die bereits das „Kranich“-Logo am Seitenruder führte. mini|Mit Eröffnung der Linienverbindung zwischen Berlin-Staaken und London 1922 mit einer Komet II (Kennzeichen D-223) hatte die D.L.R. zugleich den deutschlandweit ersten Flugliniendienst ins Ausland begonnen.Uwe Mehlitz: Riesenzigarren und silberne Kraniche über Berlin: Der Luftschiff- und Flughafen Staaken – ein bedeutender Ort der Luftfahrtgeschichte. 2017, Kindle Edition

Im Dezember 1917 gründeten die Firmen HAPAG, Luftschiffbau Zeppelin und AEG unter Mitwirkung der Deutschen Bank die Deutsche Luft-Reederei (D.L.R.). Ihren ersten Linienflug führte die D.L.R. im Februar 1919 von Berlin nach Weimar durch. Diese Verbindung gilt als die erste zivile Fluglinie Deutschlands. 1920 fusionierte die D.L.R. mit der Sablatnig Flugzeugbau GmbH zur Lloyd Luftverkehr Sablatnig. 1923 legten HAPAG und Norddeutscher Lloyd ihre Luftfahrtinteressen im Deutschen Aero Lloyd zusammen.

Im selben Jahr, nach Ende der Inflation, ging eine Initiative von der Reichsregierung aus, die sich eine Verringerung der Subventionszahlungen an die beiden hoch verschuldeten Unternehmen Deutscher Aero Lloyd und Junkers Luftverkehr AG durch deren Fusion erhoffte. Auf privatwirtschaftlicher Seite spielte der stellvertretende Direktor der Deutschen Bank, Kurt Weigelt, dabei eine bedeutende Rolle. Vorsitzender der Fusionskommission war Max Schwab, Vorstandsvorsitzender der Rheinbahn AG in Düsseldorf, die wegen ihrer Beteiligung an der Düsseldorfer Flughafenbetriebsgesellschaft an der Entwicklung des Luftverkehrs interessiert war., abgerufen am 15. August 2010. Anlässlich der Aufnahme des Flugverkehrs Dresden–München wurde bei der Eröffnungsfeier im Dresdner Rathaus der Name Luft Hansa für diese neue geplante Gesellschaft kreiert. Zitiert nach: , Mitteilung der Lufthansa Group vom 10. August 2015 (PDF). Abgerufen am 30. Januar 2017.

Am 6. Januar 1926 erfolgte die Fusion der beiden Unternehmen durch Gründung der Deutschen Luft Hansa Aktiengesellschaft mit Sitz Berlin. Bereits zu diesem Zeitpunkt verfolgten mehrere der Gründungsmitglieder bzw. die sie beauftragenden und im Hintergrund agierenden Institutionen, rein militärische Ziele mit diesem Schritt. Sie sahen in dem Konstrukt der AG lediglich eine geeignete Form, eine deutsche Luftrüstung und moderne Luftwaffe gegen die Bestimmungen des Versailler Vertrages aufzubauen.Lutz Budrass, Adler und Kranich. Die Lufthansa und ihre Geschichte 1926–1955, Blessing Verlag München 2016, S. 126ff. Zum provisorischen Direktorium gehörten: Major Martin WronskyDie Zusammenarbeit des Flugzeugs mit den anderen Transportmitteln, Major Martin Wronsky, in der Zeitschrift L’Aérophile, Paris, Dezember 1935, Bibliothèque nationale de France (französisch)., Otto Julius Merkel (Deutscher Aero Lloyd) sowie Erhard Milch (Junkers)Lorenz Sönnichen: 40 Jahre Verkehrspolitik. BMV 1990, S. 104–106.Die Aéro Lloyd-Junkers-Fusion, in der Zeitschrift L’Aéronautique, Paris, Februar 1926, Bibliothèque nationale de France (französisch), der anschließend Technischer Direktor und Vorstandsmitglied der Deutschen Luft Hansa AG und ab 1942 als glühender Verfechter des Nationalsozialismus Aufsichtsratsvorsitzender der bereits seit 1933 personell eng mit dem NS-Regime verflochtenenARD-/arte-Dokumentation von Juli 2010 von Christoph Weber: „Fliegen heißt Siegen – Die verdrängte Geschichte der Deutschen Lufthansa“SPIEGEL-Artikel vom 3. August 2010: „Kranich unter dem Hakenkreuz“ Deutschen Lufthansa AG wurde. mini|hochkant|Gedenktafel am Haus Platz der Luftbrücke 5, in Berlin-Tempelhof. Auftraggeber für die Gedenktafel war die heutige Deutsche Lufthansa AG mit Sitz in Köln.

1920er-Jahre mini|Streckennetz der Luft Hansa vom Sommer 1926 (s. a.Die Luft Hansa und Ihre Linien, in der Zeitschrift L’Aéronautique, Paris, November 1926, Bibliothèque nationale de France (französisch)) mini|Die Dornier Merkur für bis zu 8 Passagiere galt 1927 als das wirtschaftlichste Flugzeug der Luft Hansa mini|Die Deutsche Luft Hansa Focke-Wulf A 17, am Flugplatz Weddewarden (1927) mini|Eine Deutsche Luft Hansa Albatros L 73, genannt Brandenburg, am Flugplatz Stettin (1927)

Den Schritten zur Gründung der Luft Hansa AG ab Oktober 1925 lagen neben verkehrstechnischen Gesichtspunkten auch militärische Motive zugrunde. Die Flugzeugflotte der Deutschen Luft Hansa Aktiengesellschaft (Luft Hansa) umfasste an ihrem Gründungstag 6. Januar 1926 (s. o.) 162 Flugzeuge, davon waren die meisten veraltete Militärmaschinen aus dem Ersten Weltkrieg. Jedoch verfügte Luft Hansa mit der Junkers F 13 auch über das erste als Passagiermaschine in Serie gefertigte Ganzmetallflugzeug.

Anfänglich hatte der Berliner Flugplatz Staaken gute Aussichten, der Hauptflughafen der Luft Hansa zu werden. Jedoch wurde innerhalb kurzer Zeit der für den Passagiertransport verkehrsgünstiger gelegene Flughafen Berlin-Tempelhof zum offiziellen Heimatflughafen der Lufthansa, während der Flugplatz Staaken im Wesentlichen für Trainingsflüge und Wartungsarbeiten in den dortigen Luft-Hansa-Hallen genutzt wurde, die Anfang der 1930er Jahre zum Hauptstandort der damaligen Lufthansa Technik ausgebaut wurden.

So startete am 6. April 1926 der erste Linienflug der Luft Hansa vom Flughafen Tempelhof. Da das Ziel dieses Flugs Zürich (Flugplatz Dübendorf) war, über Halle, Erfurt und Stuttgart (Flughafen Böblingen), handelte es sich zugleich um den ersten planmäßigen Auslandsflug der Luft Hansa. Das eingesetzte Flugzeug, ein Fokker-Grulich-Hochdecker, trug als Firmenlogo der neuen Fluggesellschaft das blau-gelbe Kranich-Emblem, das aus der Kombination der Firmenlogos der beiden Vorgängerfirmen entstand.

Bereits in ihrem Gründungsjahr hatte die Luft Hansa Versuche mit Nachtflügen unternommen. Als Ergebnis dieser Versuche konnte ein Nachtpost- und Nachtfrachtverkehr aufgenommen werden. Ab dem 1. Mai wurde die erste Nachtflugstrecke mit einer dreimotorigen Junkers G 24 vom Flugplatz Tempelhof in Berlin nach Königsberg (Flughafen Devau) eröffnet.Hans-Ulrich Ohl: Leuchtfeuer weisen den Weg durch die Dunkelheit. In: Frankfurter Allgemeine Zeitung, 3. Januar 2009.

Ebenfalls bereits im Gründungsjahr wurden Anteile an der 1921 gegründeten Deutsch-Russischen Luftverkehrsgesellschaft (Deruluft) übernommen. Aufsehen erregte die Einrichtung einer regelmäßigen Flugverbindung Berlin–Moskau, einer damals ungewöhnlich weiten Strecke.

Nach dem Fall der Beschränkungen für die deutsche Luftfahrt durch das Pariser Luftfahrtabkommen wurde im Gründungsjahr eine Fluglinie Berlin–Köln (Butzweilerhof)–Paris (Le Bourget) in Zusammenarbeit mit den französischen Lignes Farman eingerichtet. Im Sommer kamen die beliebten Bäderstrecken an Nord- und Ostsee hinzu. Ende des Jahres waren bei der Luft Hansa bereits 1527 Personen beschäftigt. Laut Bilanz des ersten Betriebsjahrs wurden mehr als sechs Millionen Flugkilometer zurückgelegt und 56.268 Fluggäste, 258 Tonnen Fracht sowie 301 Tonnen Post transportiert.

Im Jahr 1927 kam eine Reihe weiterer Strecken hinzu, so die Strecke München–Salzburg–Klagenfurt–Venedig. Über die Ostsee führte die von Flugbooten bediente Teilstrecke der Verbindung Berlin–Stettin–Kopenhagen–Göteborg–Oslo. Im August wurde mit der Deutschen Reichsbahn eine Kooperation beim Frachttransport abgeschlossen. Im Dezember wurden mit Beteiligung der Luft Hansa neue Fluglinien im Ausland gegründet: in Spanien die „Iberia – Compania Aerea de Transportes SA“ mit ihrer Strecke Madrid–Barcelona. In Brasilien wurde die „Syndicato Condor Ltda.“ ins Leben gerufen.

Im Januar 1928 wurde mit Marseille–Barcelona das letzte Teilstück der Strecke Berlin–Madrid eröffnet. Dies war die längste durchgehende Strecke in Europa, Streckenlänge 2100 Kilometer. Am 12./13. April überquerte Hermann Köhl zusammen mit Günther von Hünefeld und James Fitzmaurice in einer Junkers W 33 (Taufname Bremen) von Baldonnel in Irland aus den Nordatlantik von Ost nach West und landete auf Greenly Island vor Labrador. Es folgte die Errichtung von verschiedenen Schnellverbindungen im Nonstop-Flug (Berlin–Zürich und Berlin–Wien). Im August und September brach eine Junkers W 33 jeweils zu Flügen nach Sibirien auf. Im September/Oktober flog eine Junkers W 33 von Berlin nach Tokio.

Zahlenrückgang in der Lufthansa-Bilanz 1929 gegenüber 1928:Deutscher Luftverkehr 1929, in der Zeitschrift L’Argus économique d’Indochine, Paris, 8. Mai 1930, Bibliothèque nationale de France (französisch).

1929 1928 km 8.237.872 9.590.570 Passagiere 87.019 111.115 Gepäck 690.609 868.460

Zum 1. Mai 1929 bot die Deutsche Luft Hansa AG ihren Passagieren erstmals einen Rückflugschein mit 10 Prozent Ermäßigung an. Im Mai wurden Reichspoststrecken von Berlin nach London und von Berlin nach Malmö sowie im Juni von Stuttgart nach Basel eröffnet. Am 22. Juli wurde 400 km vor der Küste während der Jungfernfahrt des Schnelldampfers Bremen von einem Katapult aus eine Heinkel HE 12 gestartet, um den regelmäßigen Postverkehr über den Nordatlantik zu verkürzen. Zur Vorbereitung der Südatlantiküberquerung flog eine Arado von Sevilla nach Teneriffa.