Candidozyma auris (nach älterer Taxonomie Candida auris)Liu F, Hu ZD, Zhao XM, Zhao WN, Feng ZX, Yurkov A, Alwasel S, Boekhout T, Bensch K, Hui FL, Bai FY, Wang QM. Phylogenomic analysis of the Candida auris-Candida haemuli clade and related taxa in the Metschnikowiaceae, and proposal of thirteen new genera, fifty-five new combinations and nine new species. Persoonia. 2024 Aug;52:22-43. doi:10.3767/persoonia.2024.52.02. Epub 6. April 2024. PMID 39161632; PMCID: . ist eine Pilzart, die hefeartig wächst und erstmals als Erreger einer Pilzinfektion des Ohres (Otomykose) in Japan 2009 beschrieben wurde. Der Name kommt vom lateinischen Wort auris „Ohr“.Centers for Disease control and Prevention (CDC): General Information about Candida auris, abgerufen am 2. Mai 2019.
Identifikation und Morphologie C. auris bildet auf Wachstumsmedien glatte, glänzende, weißgraue, visköse Kolonien mit rötlichem bis pinkfarbenem Kern. Die einzelnen Zellen haben eine ellipsoide Form.
Klinische Bedeutung Candida auris ist eine der wenigen Candida-albis-ähnlichen, d. h. weißen Hefe-Arten, die beim Menschen Candidiasis verursachen können. Diese wird in Krankenhäusern am häufigsten von Patienten mit geschwächtem Immunsystem erworben und kann besonders bei diesen Patienten tödlich verlaufen.Johann Grolle: Der Killerpilz, der aus dem Nichts kam auf spiegel.de, abgerufen am 2. Mai 2019. Der Pilz kann eine gefährliche invasive Candidiasis verursachen, bei der die Blutbahn (Fungämie), das zentrale Nervensystem, Nieren, Leber, Knochen, Muskeln, Gelenke, Milz oder Augen befallen werden können. Dabei liegen oftmals andere Erkrankungen wie Bluthochdruck, Diabetes, Lungenerkrankungen, COVID und Nierenerkrankungen zugrunde.
In den 2020er-Jahren hat C. auris aufgrund seiner Resistenz gegen mehrere Antimykotika (gegen Pilze wirksame Medikamente) wie z. B. Fluconazol, Voriconazol und Amphotericin B größere Aufmerksamkeit auf sich gezogen. Die Behandlung war außerdem kompliziert, da C. auris in der Diagnostik mit anderen Candida-Arten und anderen Organismen wie Saccharomyces cerevisiae und Rhodotorula glutinis verwechselt werden konnte. Mit zunehmender Verbreitung der Massenspektrometrie in mikrobiologischen Laboren, kann C. auris jedoch mit großer Sicherheit korrekt identifiziert werden, wenn dieses Verfahren an Stelle klassischer Verfahren angewandt wird.
Die Zahl der Infektionen mit C. auris steigt in den USA an: Die Fallzahlen verdoppelten sich im Vergleich der Jahre 2020 und 2021. In Deutschland sind 2020–2021 die Fallzahlen niedrig, steigen aber an und auch Krankenhausinfektionen wurden erstmals beobachtet. Seit 2023 ist der Nachweis von C. auris in Deutschland meldepflichtig. Das Infektionsschutzgesetz (IfSG) wurde dahingehend aktualisiert. Die Meldepflicht besteht laut Absatz 1 Satz 1 Nr. 6a IfSG seit 2. Juli 2026 nur für den direkten Nachweis bei Infektion oder Kolonisation.Artikel 7 Nr. 3 lit. a Gesetz zur Weiterentwicklung der Apothekenversorgung (Apothekenversorgung-Weiterentwicklungsgesetz — ApoVWG) . Im Jahr 2023 sind bundesweit 77 C.-auris-Infektionen nachgewiesen worden – sechsmal mehr als in den Vorjahren.dpa: Krankmachender Pilz auf Vormarsch / Erreger ist gegen diverse Medikamente immun / 2023 mehr Fälle In: Westfälischer Anzeiger vom 3. Mai 2024, Seite 1
Die WHO hat C. auris auf ihrer im Oktober 2022 erstmals veröffentlichten Liste der gesundheitsgefährdenden Pilzspezies (FPPL – Fungal Priority Pathogens List) in die höchste Kategorie ‚kritisch‘ eingeordnet. Es sind daher entsprechende Hygienemaßnahmen zur Infektionsprävention einzuhalten (Kontaktisolation, Handhygiene, Flächendesinfektion).
Für einen gesunden Menschen stellt C. auris jedoch keine Bedrohung dar.
Genom Mehrere Entwürfe von Genomen der Sequenzierung des gesamten Genoms wurden veröffentlicht. C. auris hat eine Genomgröße von 12,3–12,5 Mb mit einem GC-Gehalt von 44,5–44,8 %. Es wurde gefunden, dass das Genom von C. auris mehrere Gene für die ABC-Transporterfamilie kodiert, eine große Superfamilie, die die Mehrfachresistenz von Medikamenten erklärt. Sein Genom kodiert auch für virulenzbedingte Genfamilien wie Lipasen, Oligopeptidtransporter, Mannosyltransferasen und Transkriptionsfaktoren, die die Kolonisation, Invasion und die Eisenaufnahme erleichtern. Ein weiterer Faktor, der zur Resistenz der Pilze beiträgt, ist das Vorhandensein einer Reihe von Genen, von denen bekannt ist, dass sie an der Biofilmbildung beteiligt sind.
Impfstoffentwicklung Derzeit existiert kein für den Menschen zugelassener Impfstoff gegen C. auris. Im Rahmen der Forschung war es jedoch schon möglich, Mäuse gegen C. auris zu impfen.Major step towards Candida auris vaccine developed Der dabei verwendete Impfstoff verbesserte auch die Schutzwirkung des Antimykotikums Micafungin gegen C. auris-Infektionen im Blutkreislauf von Mäusen.
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Die Phylogenetik von C. auris legt nahe, dass unterschiedliche Genotypen in verschiedenen geographischen Regionen mit beträchtlicher genomischer Diversität existieren. Eine Vielzahl von sequenzbasierten analytischen Methoden wurde verwendet, um diese Feststellung zu unterstützen.
Lange Zeit galt C. auris als ausschließlich nosokomialer Erreger ohne bekanntes Umweltreservoir. Im Jahr 2020 gelang jedoch erstmals der Nachweis lebensfähiger C. auris-Isolate in natürlichen Küstenhabitaten der Andamanen (Indischer Ozean), darunter Salzwiesen und Sandstrände. Die dort isolierten Stämme gehörten zur südasiatischen Klade I und zeigten eine enge, jedoch nicht identische genetische Verwandtschaft zu klinischen Isolaten vom indischen Festland. Dieser Befund spricht dafür, dass C. auris bereits vor seiner Identifizierung als humanpathogener Pilz in der Umwelt existierte und nicht ausschließlich als Kommensale oder Erreger des Menschen auftritt.
Systematik Die aktuelle Systematik ordnet die Art nicht mehr der Gattung Candida (Familie Debaryomycetaceae) zu, sondern zusammen mit einigen weiteren Arten innerhalb derselben Ordnung Pichiomycetes der Gattung Candidozyma (Familie Metschnikowiaceae).
Weblinks
Candida beim Nationalen Referenzzentrum für Invasive Pilzinfektionen (NRZMyk) Jena Caroline Amme: Ansteckung per Schmierinfektion: Ein tödlicher Pilz nistet sich in Europas Krankenhäusern ein. Auf: n-tv.de vom 26. November 2025.
Einzelnachweise NCBI Taxonomy Browser: Candidozyma auris (Satoh & Makimura) Q.M. Wang, Yurkov, Boekhout & F.Y. Bai, 2024. Candida Berkhout, 1923.
Kategorie:Ascomycota
Kategorie:Hefepilz Kategorie:Pilz mit sequenziertem Genom Kategorie:Medizinische Mykologie Kategorie:Meldepflichtiger Erreger