Das Infanteriebataillon 745 () war eine Einheit der indonesischen Armee. Das Bataillon wurde am 24. Januar 1978 im damals annektierten Osttimor (als indonesische Provinz damals Timor Timur) aufgestellt. Während des Krieges in Osttimor, vor allem während des Abzugs in Folge des Endes der indonesischen Herrschaft, verübten Mitglieder des Bataillons zahlreiche Kriegsverbrechen und Menschenrechtsverletzungen.

Geschichte Krieg in Osttimor Das Infanteriebataillon 745 wurde bereits 1976 in Assalaino (Distrikt Lautém) als erste indonesisch-osttimoresische Einheit aufgestellt.Lautém District Development Plan 2002/2003, S. 6 (englisch; PDF-Datei; 1,97 MB)

Wie das 1978 gegründete Infanteriebataillon 744 war das Bataillon 745 eine indonesische Einheit, in der einheimische Osttimoresen unter indonesischen Offizieren rekrutiert wurden.Awet Tewelde Weldemichael: Third World Colonialism and Strategies of Liberation: Eritrea and East Timor Compared. Cambridge University Press, 2013, . 1975 war Indonesien in Osttimor einmarschiert und erklärte es 1976 für annektiert, was international nicht anerkannt wurde. Vor allem die osttimoresische Partei FRETILIN und ihr militärischer Arm, die FALINTIL, leisteten bewaffneten Widerstand, der mit schweren Repressalien gegen die Zivilbevölkerung beantwortet wurde. Doch obwohl die Bataillone 744 und 745 die Verbände mit den meisten Osttimoresen in der indonesischen Armee waren und als einzige permanent in Osttimor stationiert waren, blieben die lokalen Kräfte in der Minderheit. Maximal 25 % der Soldaten waren Osttimoresen. So stammten von 600 Angehörigen des Bataillons 745 nur 150 aus dem besetzten GebietJoseph Nevins: A Not-so-distant Horror: Mass Violence in East Timor. Cornell University Press, 2005, .The Australian: Final Parade for Dili Killers; Era of Indonesian Army Infamy has Ended, 31. März 2000, abgerufen am 28. April 2019. und, gerade zur Anfangszeit, auch nicht aus der Region um Lospalos. Die Region war gerade erst besetzt worden, so dass es vor Ort keine Unterstützung für die Invasoren gab. Auch später galten die osttimoresischen Soldaten in der indonesischen Armee in ihrer Loyalität als nicht sehr zuverlässig.

Drei Kompanien des Bataillons 745 (A, C und D) waren in Assalaino/Fuiloro stationiert. Im Stützpunkt an der Straße nördlich von Lospalos () lebten 120 Soldaten und ihre Familien. Zwei weitere Kompanien waren in der Nähe stationiert.Masters of Terror: , abgerufen am 28. April 2019. Ein weiterer Stützpunkt befand sich in Sepelata (Bauro, Distrikt Lautém).„Chapter 7.2 Unlawful Killings and Enforced Disappearances“ – “He’s gone to school...”, S. 67 (PDF; 2,5 MB), aus dem „Chega!“-Report der CAVR (englisch). Teile des Bataillons wurden zeitweise auch nach Uma Metan und Lebos (Subdistrikt Alas) und Olobai (Distrikt Viqueque) verlegt, um gegen den osttimoresischen Widerstand zu kämpfen.„Chapter 7.3 Forced Displacement and Famine“ (PDF; 1,3 MB) aus dem „Chega!“-Report der CAVR (englisch)CAVR: „Chapter 7.2 Unlawful Killings and Enforced Disappearances“ – Indonesian retaliation in the vicinity of Kraras, S. 169.

Dem Infanteriebataillon 745 werden zahlreiche Kriegsverbrechen vorgeworfen, neben den hier genannten auch zahlreiche Fälle, bei denen Zivilisten und Gefangene hingerichtet wurden.CAVR: „Chapter 7.2 Unlawful Killings and Enforced Disappearances“ – Civilians killed while carrying out daily activities, S. 63.CAVR: „Chapter 7.2 Unlawful Killings and Enforced Disappearances“ – Killings in Lospalos, 1979 by sub-district and group, S. 86–98.CAVR: „Chapter 7.2 Unlawful Killings and Enforced Disappearances“ – Manufahi district, S. 105, 111.CAVR: „Chapter 7.2 Unlawful Killings and Enforced Disappearances“ – Killings in Manatuto District, February-April 1979, S. 120 ff.CAVR: „Chapter 7.2 Unlawful Killings and Enforced Disappearances“ – September 1981: Executions at Aitana during the Fence of Legs Operation, S. 163.CAVR: „Chapter 7.2 Unlawful Killings and Enforced Disappearances“ – Other Unlawful killings and enforced disappearances in the eastern region: 1983-1984, S. 180.CAVR: „Chapter 7.2 Unlawful Killings and Enforced Disappearances“ – Unlawful killings and enforced disappearances in Eastern Region (1985-1989), S. 197 & 198.CAVR: „Chapter 7.2 Unlawful Killings and Enforced Disappearances“ – Executions and disappearances in Alas, Manufahi (November 1998), S. 232.

1978 starben in Aculau (Distrikt Ermera) bei einem Angriff der Infanteriebataillone 744 und 745 auf das Dorf Aisapu nach Aussagen betroffener Familien 88 Personen.CAVR:„Chapter 7.2 Unlawful Killings and Enforced Disappearances“ – Civilians killed during ABRI attacks, S. 64. Beim Fall der FALINTIL-Widerstandsbasis am Matebian am Ende des Jahres wird allen beteiligten indonesischen Einheiten vorgeworfen, an der Ermordung oder dem Verschwinden von Zivilisten und Kämpfern beteiligt gewesen zu sein, so auch dem Bataillon 745. So wurden von Soldaten des Bataillons Massenhinrichtungen von Menschen durchgeführt, die in Verbindung mit der FALINTIL oder FRETILIN gestanden haben sollen. Die Exekutionen fanden von Anfang bis Mitte 1979 in Baucau, Viqueque, Lautém und Manatuto statt.CAVR: „Chapter 7.2 Unlawful Killings and Enforced Disappearances“ – Targeted killings of suspected Fretilin/Falintil members and leaders after surrender or capture, S. 73. Zu den Opfern zählte João Branco, Mitglied des Zentralkomitees der FRETILIN.CAVR: „Chapter 7.2 Unlawful Killings and Enforced Disappearances“ – Baucau District, S. 82.

Domingos da Costa Ribeiro, FRETILIN-Mitglied und Vizeminister in der von ihr aufgestellten osttimoresischen Regierung, wurde 1977 von den Indonesiern gefangen genommen. Er kam in das Gefängnis Comarca in Dili. In der Nacht vom 18. April 1979 wurden er und zehn weitere Gefangene an den Strand von Areia Branca gebracht und von Mitgliedern des Bataillons 745 hingerichtet., aus einem Brief des Premierministers von Vanuatu an den Sicherheitsrat der Vereinten Nationen, 30. November 1983, Dokument S/16215 vom 14. Dezember 1983, abgerufen am 11. Mai 2016. Der FALINTIL-Kommandant Afonso de Carvalho verschwand 1979, nachdem er sich ergeben hatte und zum Verhör von Mitgliedern des Bataillons 745 nach Baucau gebracht worden war.CAVR: „Chapter 7.2 Unlawful Killings and Enforced Disappearances“ – Laga, S. 85.

Im September 1981 griffen Soldaten des Bataillons 745 zusammen mit anderen Einheiten am Ende der Operation Kikis FALINTIL-Kämpfer am Berg Aitana an. Die Indonesier exekutierten mehr als hundert Personen, sowohl Kämpfer als auch Zivilisten, darunter Frauen und Kinder. Damaliger Kommandant des Bataillons war Iswanto.CAVR: „Chapter 7.2 Unlawful Killings and Enforced Disappearances“ – Indonesian security forces and its auxiliaries, S. 304.CAVR: „Chapter 7.2 Unlawful Killings and Enforced Disappearances“ – Witnesses to the mass killing around Mount Aitana, September 1981, S. 162.

Beim Mauchiga-Dare-Aufstand griffen am 20. August 1982 FALINTIL-Kämpfer mehrere indonesische Stützpunkte in der Region um das Bergmassiv Cabalaki (Grenzgebiet Gemeinde Ainaro/Manufahi) an. In den folgenden Tagen wurden zusätzliche indonesische Truppen in die Region verlegt, darunter Einheiten der Bataillone 745 und 746. Vom 20. bis 24. August zerstörten die indonesischen Soldaten und Hansip Felder und brannten Häuser nieder. Es kam zu Verhaftungen und Zwangsdeportierungen. Bis Januar 1986 wurden 464 Einwohner des Sucos Mauchiga aus ihrer Heimat verschleppt, etwa 20,4 % der Gesamtbevölkerung. Fast die Hälfte davon waren Frauen, 38,8 % Kinder. Der Tod von 117 Personen aus dem Suco Mauchiga zwischen 1982 und 1983 ist in Verbindung mit diesen Verschleppungen dokumentiert,„Chapter 6: The Profile of Human Rights Violations in Timor-Leste, 1974 to 1999“ (PDF; 456 kB) aus dem Abschlussbericht der Empfangs-, Wahrheits- und Versöhnungskommission von Osttimor (englisch) ebenso zahlreiche Vergewaltigungen in dieser Zeit.Chapter 7.7: Sexual Violence (PDF; 1,2 MB) aus dem Abschlussbericht der Empfangs-, Wahrheits- und Versöhnungskommission von Osttimor (englisch)

Ein Soldat des Bataillons 745 verweigerte 1982 den Befehl, eine Gruppe von Zivilisten inklusive Frauen und Kindern in Rotuto (Gemeinde Manufahi) hinzurichten, und verhinderte so ein Massaker.CAVR: „Chapter 7.2 Unlawful Killings and Enforced Disappearances“ – August-December 1982: Unlawful killings and Enforced disappearances after Falintilattacks in the area of Mount Kablaki, S. 164.CAVR: „Chapter 7.2 Unlawful Killings and Enforced Disappearances“ – Indonesian security forces and its auxiliaries, S. 312.

In Nahareca (Verwaltungsamt Ossu) kam es am 10. August 1983 zu einem Schusswechsel zwischen FALINTIL-Kämpfern und Soldaten des Bataillons 745. Dabei wurde ein Osttimorese verwundet und später von den Indonesiern hingerichtet. Es war einer der Vorfälle, die zu den Vergeltungsmaßnahmen von September bis Oktober 1983 führten, die als Kraras-Massaker bekannt sind. Auch das Bataillon 745 war an den Hinrichtungen von mehr als 200 Zivilisten (zumeist Männer, die aus ihren Dörfern geflohen waren und sich in der Umgebung um Kraras versteckten) beteiligtCAVR: „Chapter 7.2 Unlawful Killings and Enforced Disappearances“ – Uprisings in Viqueque, S. 169.CAVR: „Chapter 7.2 Unlawful Killings and Enforced Disappearances“ – Indonesian security forces and its auxiliaries, S. 306., unter anderem am Massenmord in Tahu Bein.CAVR: „Chapter 7.2 Unlawful Killings and Enforced Disappearances“ – Massacre at Tahu Bein, S. 171. Im Stützpunkt Olobai wurden zahlreiche Menschen gefangen gehalten und gefoltert.

1986 kam das Bataillon 745 in Iliomar zum Einsatz, nachdem am 21. November bei einem Hinterhalt bei der Quelle von Ossohira 34 indonesische Pioniere ums Leben gekommen waren. Bis 1989 wurde der organisierte Widerstand in der Region zerschlagen.Ernest Chamberlain: The Struggle in Iliomar: Resistance in rural East Timor Iliomar Sub-District, S. 119 ff., 2017, abgerufen am 6. November 2018.

Verbrechen auf dem Abzug mini|Mahnmal für die durch die indonesische Armee 1999 ermordeten Einwohner von Lospalos mini|Inschrift des Mahnmals: „Für die von den indonesischen Soldaten des Bataillon 745 am 9.9.1999 in Lospalos Ermordeten“ mini|Teil des Mahnmals

1999 übernahm Major Jacob Djoko Sarosa von Major Kemal S den Posten als Bataillonskommandant. Im Vorfeld des Referendums am 30. August 1999, bei dem sich die Osttimoresen für die Unabhängigkeit aussprachen, trug Major Sarosa bereits seinen aus Osttimor stammenden Soldaten auf, sie sollten in ihren Heimatdörfern sagen, dass jeder, der für die Unabhängigkeit stimmen würde, getötet würde. Die Armee würde „alles zerstören“. Vier Tage nach Verkündung des Ergebnisses des Referendums am 4. September begannen Soldaten des Bataillons 745 mit der Operation Donner und machten Jagd auf Befürworter der Unabhängigkeit. Insgesamt 13 Morde sind dokumentiert. Dabei arbeitete man auch eng mit der Miliz Team Alfa zusammen, die für die Ermordung von neun Personen nahe dem Ort Lautém verantwortlich gemacht wird (Lospalos-Fall). In den Tagen vom 8. bis 10. September ermordeten die Soldaten des Bataillons Antonio da Costa, Ambrosio Bernadino Alves, Julio de Jesus, Florencio Monteiro und Florentino Monteiro. Aleixo Oliveira wurde beim Stützpunkt von einem Soldaten am 11. September getötet. In Fuiloro wurden Martinho Branco, Marcelio Jeronimo, Julião de Azis und Helder de Azis gefangen genommen und wahrscheinlich um den 13. September umgebracht.CAVR: „Chapter 7.2 Unlawful Killings and Enforced Disappearances“ – Other post-ballot killings and disappearences reported to the Commission, S. 290.