250px|mini|Schrumpfung des Urmiasees von 1984 bis 2014 Im Iran herrscht seit Jahrzehnten eine akute Wasserkrise; drei Viertel der Landesfläche des Iran gelten als komplett trockene Regionen. In den trockenen Regionen fällt lediglich zwischen 50 und 100 Millimeter Regen pro Jahr. Begründet wird die Entwicklung mit der schlechten und unzureichenden Verwaltung der Wasserquellen. So mangelt es an seriösen Maßnahmen gegen das Austrocknen von Seen und Flüssen seitens der Behörden; viel Wasser wird von der Agrarindustrie und für militärische Projekte verbraucht.
Hintergrund und Entwicklung Die letzten 30 Jahre der Wasserknappheit gelten als die historisch extremsten. Hunderte Wasserquellen in der Provinz Sistan und Belutschistan im Südosten des Landes seien versiegt und die Bewohner von der Wasserversorgung abgeschnitten. Konkret seien in 343 Dörfern der Region die Quellen komplett ausgetrocknet und in 1.232 Dörfern gebe es Probleme mit der Wasserversorgung der Einwohner. 97 Prozent des Oberflächenwassers gelten als bereits versiegt. Laut dem iranischen Energieminister Reza Ardakanian seien 2018 in der Summe bereits 334 Städte und damit etwa 35 Millionen Bürger von der Wasserkrise betroffen. 2025 war ein extrem trockenes Jahr, selbst nach 50 Tagen in der Regenzeit war noch kein Tropfen gefallen. Fielen im Mittel (von 1991 bis 2000) noch 350 mm Regen im Großraum Teheran, war es 2025 nur 1 mm. 32 Staudämme sind zu unter 5 % gefüllt. Im November 2025 war das Wasser so knapp, dass in Teheran tagsüber die Versorgung unterbrochen werden musste. Massud Peseschkian schlug vor, die Hauptstadt zu verlegen. Die Regierung lehnte den Vorschlag ab.Climate crisis or a warning from God? Iranians desperate for answers as water dries up Patrick Wintour, 16. November 2025 in The Guardian
Problematisch ist, dass drei Viertel der Bevölkerung in urbanen Ballungsräumen leben, die sich inmitten der trockensten Gebiete befinden und sich im Wasserverbrauch einschränken müssen. Ein Beispiel hierfür wäre die Stadt Isfahan. Ein weiteres Problem ist die extreme Luftverschmutzung, die mit dem Wassermangel und der Desertifikation einhergeht.
Folgen für Gewässer im Iran – der Urmiasee und weitere Beispiele
Der Urmiasee ist ein Salzsee im Nordwesten des Iran. Am Beispiel dieses Sees lassen sich die ökologischen wie auch ökonomischen Schäden der Wasserkrise im Iran gut veranschaulichen. Seine Fläche war etwa zehnmal so groß wie die des Bodensees. Zudem handelte es sich um den größten Binnensee im Mittleren Osten und nach dem Toten Meer um den zweitgrößten Salzsee des Planeten.
Vor fünfzehn Jahren war der Urmiasee mit circa 4250 km² der flächenmäßig größte Salzsee des Landes. Von 1998 bis 2011 ist die Oberfläche des Sees je nach Quelle um 60 oder 85 Prozent zurückgegangen und der Wasserspiegel um sieben Meter gesunken. Als Konsequenz ist die Salzkonzentration im See drastisch auf 300 g pro Liter gestiegen. Dieser Wert lässt sich sonst nur im Toten Meer messen. Im Sommer 2025 war der See laut Bildern der NASA komplett verschwunden. Neben dem Ökosystem leiden auch die Küstenbewohner von der Versalzung der umliegenden Ackerflächen. So wird Salz vom ausgetrockneten Seeboden vom Wind ans Land geweht. Die Ursache des Austrocknens liegt vor allem in der starken Beanspruchung des Sees durch die Menschen. Viele Zuflüsse wurden zur Stromerzeugung gestaut, Massen an Wasser für die Landwirtschaft verwendet und illegale wie auch erlaubte Brunnen nagen konstant am Grundwasservorrat der Region. Mangelnder Niederschlag verschlimmert die Lage. Wegen mangelnden Wasserzulaufs im Sommer und dem hohen Salzgehalt verfärbt sich der sonst aus dem All grünliche See rot. Dies liegt an Bakterien und Algen, die sich bei einem hohen Salzgehalt ausbreiten.
Präsident Rohani kündigte an, den See retten zu wollen. Das iranische Kabinett startete einige Projekte zur Einführung von sparsameren Bewässerungssystemen in der Landwirtschaft und einer besseren Infrastruktur. Weiterhin soll Wasser gespeichert und die Verwüstung des Sees aufgehalten werden. Dennoch mangelt es an Investitionen seitens der Regierung in Forschung und Renaturierungsmaßnahmen. In wissenschaftlichen Kreisen wird bezweifelt, ob der See noch zu retten ist.
Um den Mangel an finanziellen Ressourcen in der iranischen Wissenschaft zu kompensieren, wird auch auf Kooperation mit dem Ausland gesetzt. Der Präsident setzte Anfang Januar 2014 eine Arbeitskommission zur Erhaltung des Salzsees ein. Deutsche Wissenschaftler aus Köln sowie der Universitäten Bonn und Marburg sind federführend beteiligt. Die beiden Universitäten gründeten im Juni 2012 die „Initiative Group Urmia Lake“ (IGUL) in Bonn. Die Arbeitsgruppe schlägt vor, die Zuflussmenge an Wasser, die durch Dämme reguliert in den See fließt, um ein Viertel zu erhöhen sowie die Anzahl der circa 18.000 legalen wie illegalen Brunnen um den See herum zu reduzieren. Laut Prof. Ahaf Zahmnzadeh, der die IGUL nach außen vertritt, seien die Vorschläge aus Deutschland von den iranischen Behörden wohlwollend anerkannt worden. Die Umsetzung sei aber noch nicht angegangen worden. Im November 2013 fand an der Freien Universität Berlin eine erste internationale Konferenz zu Rettungsmaßnahmen für den Urmiasee statt. Eine Folgekonferenz fand im Februar 2014 in Urmia statt. Dort waren ebenfalls amerikanische Experten anwesend.
Ein weiteres prominentes Beispiel ist der Karun, der längste und einzig schiffbare Fluss im Iran, an dem Talsperren errichtet wurden, die das Wasser für die Industrie in andere Teile des Landes leiten. Das Einzugsgebiet gilt als Teil des „fruchtbaren Halbmonds“. Der Fluss und die Dattelpalmen an seinen Ufern hatten ihren ruhmreichen Platz in den Geschichten und Mythen der Region wie beispielsweise im Gilgamesch-Epos. Im Sommer 2021 ist der Fluss weitgehend ausgetrocknet, sodass die Regierung Staudämme öffnen ließ.Tödliche Proteste gegen Wassermangel. tagesschau.de, Stand vom 26. Juli 2021 Zusätzlich sind viele Stellen durch Industrieabfälle verschmutzt und das umliegende Ökosystem zerstört. Der Hamun-See im Südosten des Landes trocknete im September desselben Jahres aus. Davor war er das größte Süßwasserreservoir des Landes und eine reichhaltige Fischquelle.
Konsequenzen des Wassermangels
Die Wasserknappheit führte zu weiteren Bohrungen im Land, um an Grundwasserreservoirs zu gelangen. Da diese Wasserreserven schwinden, hat der Iran mit Landabsenkungen zu kämpfen. So ist der Boden in der Hauptstadt Teheran beispielsweise um 24 Zentimeter abgesunken. In weiteren Städten im Land sind es sogar bis zu 30 Zentimeter. Experten und Behörden gehen von weiteren jährlichen Absenkungen um bis zu 22 Zentimeter in Teheran aus. Ein Wert von drei Zentimetern wäre normal. Es klaffen Risse in den Straßen und Häuser sind einsturzgefährdet. Des Weiteren werden so Böden für die Landwirtschaft oder die Bebauung unbrauchbar. In Teilen der Hauptstadt taten sich Risse an Häuserfassaden auf und Türen ließen sich nicht mehr öffnen. Da der Iran generell in einer Zone liegt, die des Öfteren durch Erdbeben betroffen ist, könnten sich die Auswirkungen eines Erdbebens durch die Erosion des Bodens noch verschlimmern.
Ein anderes Problem, welches mit dem Wassermangel zusammenhängt, ist der Anstieg von Sandstürmen und eine Verschlechterung der Luftqualität. Dies liegt an der Trockenlegung von Sümpfen und Mooren zugunsten der Ölförderung am Vorabend der Revolution. Die hauptsächlich betroffene Region Khuzestan hält 90 Prozent der Ölreserven des Iran, gilt aber trotzdem als verarmt und ist daher von sozialen Spannungen betroffen.
Ursachen des Wassermangels Klimatische und geographische Gegebenheiten Rund zwei Drittel des Landes gelten als klimatisch trocken oder sehr trocken. Durch die Bergketten Zagros und Alborz wird diese Situation noch verschlimmert. Der meiste Niederschlag bildet sich in den Wolken im Westen des Landes. Durch die beiden Gebirgszüge werden die Wolken abgefangen, sodass das Zentrum und der Südosten des Iran wenig vom Regen profitieren. Die durchschnittliche Niederschlagsmenge von 228 Millimetern ist weniger als ein Fünftel der durchschnittlichen weltweiten Menge. Aufgrund dessen wurde der Iran abhängig von der Versorgung mit Grundwasser. Wegen der exzessiven Nutzung wurde das geförderte Wasser immer salzhaltiger. Die iranische Regierung schiebt die Ursache der Wasserkrise alleinig auf das sich wandelnde Klima, internationale Sanktionen sowie temporäre Dürren und übersieht dabei laut Experten politisches Missmanagement und systematische Wasserverschwendung. Das starke Bevölkerungswachstum nach der Islamischen Revolution trug auch zu einem starken Anstieg des Wasserbedarfs im Iran bei.
Der Iran ist in der Region nicht alleine mit seinen Wasserproblemen. Durch einen Anstieg der durchschnittlichen Temperatur im Nahen Osten wurde die Gegend unwirtlicher. So waren beispielsweise auch der Irak und Syrien von Wasserknappheit und damit verbundener Landflucht betroffen. Der NASA zufolge sei die seit 14 Jahren anhaltende Dürre in der Region die gravierendste der vergangenen 900 Jahre. Der Zeitraum von 1998 bis 2012 gilt dabei als am trockensten.
Menschliche Ursachen Missmanagement Die Katastrophe gilt als menschengemacht. Zur Förderung des Agrarsektors und der Energieversorgung begann die Regierung in den neunziger Jahren mit dem Bau eines großen Damms. Heute errichtet der Iran weltweit so viele Dämme, dass das Land auf Platz drei der Anzahl der Dammbauten steht. In die Amtszeit von Mahmud Ahmadinedschad fiel die Errichtung des weltgrößten Staudamms in der Provinz Lorestan. Aktuell gelten die Dämme und die veralteten Bewässerungsmethoden als Hauptursachen der Trockenheit. 2016 stoppte die Regierung weitere Bauvorhaben für Dämme, da aufgrund des Wassermangels eine Fertigstellung der Dämme nicht nötig gewesen sei.
Die starke Verstrickung der iranischen Politik mit dem Baugewerbe und damit verbundene Korruption und strenge Hierarchien machen das Wassermanagement intransparent und ineffizient. Zudem wurde keine Balance zwischen der wirtschaftlichen Entwicklung des Landes und der Rücksichtnahme auf die Umwelt gefunden. Um die Industrialisierung und den damit verbundenen Wasserbedarf zu decken, wurde der Umweltschutz vernachlässigt.
Landwirtschaft Ein weiterer triftiger Grund für das Wasserproblem sind die alten Bewässerungsmethoden in der iranischen Landwirtschaft. Im Iran werden 93 Prozent der Wasservorkommen in der Landwirtschaft genutzt. Lediglich drei bis vier Prozent dienen als Trinkwasser und etwa zwei bis drei Prozent werden der Industrie zur Verfügung gestellt. Laut einer Schätzung verdampfe etwa 70 Prozent des landwirtschaftlich genutzten Wassers, bevor es überhaupt den Pflanzen zugutekommt. Der Grund für die intensive Landwirtschaft des Iran ist ihre Implementierung in die iranische Geostrategie: Von Anbeginn der Islamischen Revolution im Jahre 1979 bemühte sich der Iran um seine ökonomische Unabhängigkeit in diversen Wirtschaftszweigen, um Sanktionen aushalten zu können. Der Lebensmittelproduktion und damit der Agrarwirtschaft fällt dabei eine entscheidende Rolle zu.
Ein Grund für den hohen Wasserverbrauch der Landwirtschaft liegt bereits in der Zeit vor der Revolution. Die amerikanische Regierung unterstützte den Anbau von Zuckerrohr im Iran. So wurden zwischen 1962 und den 1970ern über 80.000 Hektar für den Anbau angelegt, was auch zu sozialen Spannungen führte, da Personen umgesiedelt werden mussten. Zuckerrohr ist keine traditionelle Kulturpflanze der Region. Zudem benötigt sie überdurchschnittlich viel Wasser und die Produktion bedient sich zur Ertragssteigerung an Pestiziden. Diese verschmutzen das Wasser. Durch die exzessive Grundwassernutzung versalzen die Böden. In weiteren ariden Regionen wird ebenfalls Reis angebaut. Der Reisanbau hat lange Tradition und ist eng mit den iranischen Essgewohnheiten verbunden, verbraucht aber überdurchschnittlich viel Wasser beim Anbau. Wasserverschwendung im Alltag