mini|Barbara Coudenhove-Kalergi (2025) Barbara Coudenhove-Kalergi (* 15. Jänner 1932 in Prag) ist eine österreichische Journalistin und Herausgeberin.

Leben und Wirken Barbara Coudenhove-Kalergi verbrachte ihre Kindheit als deutschsprachige Bürgerin in der Tschechoslowakei. Ihre Familie wohnte in einer Villa in Prag-Smíchov, einem Industrie- und Arbeiterviertel. 1939, als sie sieben Jahre alt war, marschierte die Wehrmacht in Prag ein.

Am 8. Mai 1945, nach dem Prager Aufstand gegen die untergehende NS-Herrschaft, wurde der Familie wie vielen anderen Prager Deutschen von der tschechischen Polizei nahegelegt, sich den Richtung Bayern abziehenden deutschen Truppenteilen anzuschließen (Vertreibung der Deutschen aus der Tschechoslowakei). Zugleich machten radikale Tschechen in den Straßen bereits Jagd auf die nun vogelfreien Deutschen, so dass es zum Weggehen keine realistische Alternative gab.

Seit 1945 lebt sie meist in Österreich. 1951 begann sie an der Universität Wien ein Dolmetschstudium, wechselte dann das Fach, brach das Studium aber ab. Sie arbeitete als Journalistin bei den Tageszeitungen Die Presse (1956 in der Lokalredaktion angestellt), Neues Österreich, nach dessen Einstellung 1967 bei der Arbeiter-Zeitung (von Bruno Kreisky aufgenommen) und beim Kurier sowie beim Nachrichtenmagazin profil. Dem breiteren Publikum wurde sie seit Mitte der 1970er-Jahre als Mitglied der von Gerd Bacher forcierten Osteuroparedaktion des ORF bekannt, vorerst im Hörfunk, später auch im Fernsehen. Ihre sensiblen Reportagen für den Österreichischen Rundfunk befassten sich mit den damals noch zum so genannten Ostblock gehörenden Ländern, vor allem mit Polen und der Tschechoslowakei, wo sie zeitweise als ORF-Korrespondentin eingesetzt war.

Coudenhove-Kalergi heiratete 1975 den Reformkommunisten Franz Marek.Werner Röder, Herbert A. Strauss: Biographisches Handbuch der deutschsprachigen Emigration nach 1933. Band 1: Politik, Wirtschaft, Öffentliches Leben. Saur, München 1980, ISBN 3-598-10087-6, S. 475 (Digitalisat). Ihm widmete sie in ihren 2013 erschienenen Erinnerungen das Kapitel Die Liebe meines Lebens.

Sie ist Mitbegründerin der Bürgerinitiative „Land der Menschen“.

Nach dem Fall der kommunistischen Diktaturen kehrte sie in ihr Geburtsland zurück. In den Jahren 1991 bis 1995 war sie als ORF-Korrespondentin in Prag tätig. Heute schreibt sie als freie Journalistin vor allem für tschechische und österreichische Zeitungen und ist Herausgeberin mehrerer Bücher mit Texten zur Geschichte und Gegenwart der Länder des früheren Ostblocks. Seit 2005 ist sie Mitglied des Redaktionsbeirats der Zeitschrift Datum.

2005 war sie Mitglied der Jury bei der erstmaligen Friedensroseverleihung.

Familie Barbara Coudenhove-Kalergis Großvater Heinrich von Coudenhove-Kalergi (1859–1906), k.u.k. Diplomat, war mit Mitsuko Aoyama (1874–1941) verheiratet. Die beiden hatten sieben Kinder (Hans, Richard, Gerolf, Elisabeth, genannt Elsa, Olga, Ida und Karl Heinrich, genannt Ery). Barbara Coudenhove-Kalergi hat ihre Großmutter väterlicherseits nicht kennengelernt, obwohl sie in Mödling bei Wien lebte und erst starb, als Barbara neun Jahre alt war. Barbaras anderer Großvater war Hans Graf Pálffy aus der ungarischen Adelsfamilie, die in Südböhmen das Gut Breznitz erworben hatte, auf dem Barbara einige Sommer ihrer Kindheit verbrachte. mini|Barbaras Vater Gerolf (hinten rechts) mit seiner Mutter Mitsuko und seinen Geschwistern in Poběžovice (1903) Barbaras Vater war der Jurist und Japanologe Gerolf Coudenhove-Kalergi (1896–1978), ihre Mutter war Sophie Pálffy. Obwohl der Adel in der Tschechoslowakischen Republik seit Dezember 1918 abgeschafft war, gehörten Barbaras Eltern, wie sie schreibt, in Prag auch später „dem deutschsprachigen böhmischen Adel an, einer ziemlich geschlossenen Gruppe, die auch zur deutschen bürgerlichen Gesellschaft kaum Kontakt hält.“Zuhause ist überall, S. 26; siehe Abschnitt Literatur Bruder des Vaters war Richard Coudenhove-Kalergi, Gründer der Paneuropa-Bewegung. Ein weiterer Onkel war Johann Graf Coudenhove-Kalergi, Autor des Menschenfresser-Romans „Ich fraß die weiße Chinesin“, 1967 unter dem Pseudonym Duca di Centigloria posthum veröffentlicht.

Ihre Brüder sind Hans Heinrich (* 1927), Jakob (* 1928) und der sechs Jahre nach ihr geborene Maler Michael (1937–2018).orf.at: Maler Michael Coudenhove-Kalergi ist tot. Artikel vom 5. Jänner 2019, abgerufen am 5. Jänner 2019. Familie Coudenhove-Kalergi, des Tschechischen mächtig, bekannte sich auf Grund ihrer Muttersprache 1939 zum Deutschtum, ohne in ihren Reihen Nationalsozialisten oder Widerstandskämpfer zu haben; Gerolf Coudenhove-Kalergi arbeitete kurze Zeit als Übersetzer für Reichsprotektor Konstantin von Neurath.

Vorfahren von Barbara Coudenhove-Kalergi

Auszeichnungen 1981: Karl-Renner-Preis 1982: Preis der Stadt Wien für Publizistik 1990: Frau des Jahres, Auszeichnung österreichischer Journalistinnen 2001: für ihre besonderen Verdienste für Demokratie und Menschenrechte mit dem Tomáš-Garrigue-Masaryk-Orden IV. Klasse ausgezeichnet, von Václav Havel 2005: Concordia-Preis für ihr Lebenswerk 2005: Axel-Corti-Preis der österreichischen Volksbildung 2013: Ehrenpreis des österreichischen Buchhandels für Toleranz in Denken und HandelnEhrenpreis für Coudenhove-Kalergi auf ORF vom 15. Oktober abgerufen am 15. Oktober 2013 2013: Buchliebling – Lifetime Award. Abgerufen am 21. Mai 2015. 2013: Journalist des Jahres – Preis für das Lebenswerkdiepresse.com - Journalisten des Jahres 2013. Artikel vom 13. Februar 2014, abgerufen am 12. September 2015. 2013: Medienlöwin für das Lebenswerk. Abgerufen am 9. September 2015. 2014: Georg Dehio-Buchpreis des Deutschen Kulturforums östliches Europa für ihr Gesamtwerk 2019: Bruno-Kreisky-Preis für das politische Buch – Preis für das publizistische Gesamtwerk 2024: Demokratiepreis der Margaretha Lupac-Stiftung für Parlamentarismus und Demokratie 2025: Ehrendoktorat der Universität Innsbruck

Werke Herausgeberin mit Hans Benedict: Revolution. Die Befreiung Osteuropas vom kommunistischen Absolutismus. Jugend und Volk, Wien 1990, ISBN 3-224-17637-7. Meine Wurzeln sind anderswo. Österreichische Identitäten. Czernin Verlag, Wien 2001, ISBN 3-7076-0110-2. Herausgeberin mit Oliver Rathkolb: Die Beneš-Dekrete. Czernin Verlag, Wien 2002, ISBN 3-7076-0146-3. in Monika Juch (Hrsg.): Medien. Macht. Meinung. Wien 2003, ISBN 3-901485-19-8. Zuhause ist überall. Erinnerungen. Paul Zsolnay Verlag, Wien 2013, ISBN 978-3-552-05601-5. Als Taschenbuch in Lizenzausgabe beim S. Fischer Verlag, Frankfurt 2016, ISBN 978-3-596-03347-8.

Weblinks

Radiobeiträge von und mit Barbara Coudenhove-Kalergi im Online-Archiv der Österreichischen Mediathek DieStandard.at | Porträt Barbara Coudenhove-Kalergi Ausführliches Interview Der Standard: „Wehrpflicht wozu?“ 19. Juli 2010. „Völkerwanderung – Europa bekommt ein neues Gesicht, ob es den Alteingesessenen passt oder nicht“, Der Standard, Kolumne, 7. Jänner 2015. Kurt Langbein, Peter Drössler: Die Coudenhove-Kalergis: Europa im Herzen, zuhause in der Welt. Dokumentarfilm, 3Sat, 26. Oktober 2018.

Einzelnachweise Heinrich Johann Maria Graf Coudenhove-Kalergi bei gw.geneanet.org. Abgerufen am 5. Dezember 2020. Familie Coudenhove bei paneuropa.org. Abgerufen am 5. Dezember 2020. bei parlament.gv.at. Abgerufen am 5. Dezember 2020.

Kategorie:Axel-Corti-Preisträger Kategorie:Autor Kategorie:Publizist Kategorie:Essay Kategorie:Herausgeber Kategorie:Journalist (Österreich) Kategorie:Zeitungsjournalist Kategorie:ORF-Korrespondent Kategorie:Person (Die Presse) Kategorie:Person (Neues Österreich) Kategorie:Person (Arbeiter-Zeitung) Kategorie:Person (Kurier) Kategorie:Person (Profil) Barbara Kategorie:Träger des Tomáš-Garrigue-Masaryk-Ordens (4. Klasse) Kategorie:Concordia-Preisträger Kategorie:Ehrendoktor der Universität Innsbruck Kategorie:Person (Prag) Kategorie:Österreicher Kategorie:Geboren 1932 Kategorie:Frau