Ultrakurzwellen-Rundfunk, kurz UKW-Rundfunk (häufig auch UKW-Radio oder FM-Radio) (), ist ein Rundfunkübertragungsverfahren, welches auf analoger Frequenzmodulation basiert und weltweit für die Verbreitung von Hörfunk verwendet wird. Da die Ultrakurzwelle definitionsgemäß das Frequenzband zwischen 30 MHz bis 300 MHz umfasst, sind darin technisch die VHF-Fernsehfrequenzen (VHF-Band III, früher für Fernsehen) und damit auch die derzeit genutzten Kanäle von Digital Audio Broadcasting enthalten.

Im herkömmlichen und umgangssprachlichen Sinne wird allerdings der Begriff des UKW-Rundfunks deckungsgleich mit der Beschränkung auf die Hörfunkfrequenzen im VHF-Band II und OIRT-Band (Russland und historisch Osteuropa) verwendet.

Technische Details mini|hochkant=1.5|Basisbandsignal eines UKW-Rundfunkprogrammes: Es gibt Sub-Bänder zur Übertragung der Summe von rechtem und linkem Audiokanal (L+R), der Differenz von rechtem und linkem (L-R) Audio-Kanal, sowie für die Signale des Radio Data System (RDS). Ferner ist der 19-kHz-Hilfsträger des Stereo-Signals eingezeichnet.

UKW-Rundfunk wird weltweit auf dem VHF-Band II zwischen 87,5 MHz und 108 MHz ausgestrahlt, wobei einige Länder nur Teilbereiche dieses Bands verwenden. Das OIRT-Band von 65,8 MHz bis 74 MHz wird lediglich in einigen Ländern des ehemaligen Ostblocks, 76 MHz bis 108 MHz in Brasilien und das Band von 76 MHz bis 95 MHz in Japan verwendet. Als Modulationsart wird Frequenzmodulation (FM) benutzt. Diese ermöglicht eine weniger störanfällige Übertragung von Tonsignalen, da sie im Vergleich zu der im Lang-, Mittel-, und Kurzwellenbereich verwendeten Amplitudenmodulation (AM) unempfindlicher gegenüber atmosphärischen Störungen ist. Im VHF-Band II steht zudem eine Bandbreite von 20,5 MHz zur Verfügung, was etwa zwanzig Mal so viel wie die 1,08 MHz Bandbreite des gesamten Mittelwellenbereichs ist.

Das VHF-Band II wurde ursprünglich in ein Kanalraster von jeweils 300 kHz Breite aufgeteilt. Verwendet wurde dieses Kanalraster nur in der Anfangszeit, später wurde es durch eine flexiblere Zuordnung von Sendefrequenzen im 100-kHz-Raster ersetzt. In Kabelnetzen sowie in Italien wird ein 50-kHz-Raster verwendet. Die jeweiligen nominellen Bandgrenzen werden meistens ausgespart, beispielsweise dürfen in Deutschland die Frequenzen 87,5 und 108,0 MHz nur in Kabelnetzen als Trägerfrequenzen verwendet werden, da ansonsten Artikel 4.4 und 4.5 des Weltfunkvertrags verletzt würden.

Durch geschickte Frequenzvergabe versucht man, zwischen relevanten Sendern einer Region einen Mindestabstand von 300 kHz einzuhalten. Der einzelne Rundfunksender kann dabei eine wesentlich größere Bandbreite nutzen als in den AM-Bändern. Diese ermöglicht eine qualitativ hochwertige Tonqualität (High Fidelity) sowie zweikanalige Stereo-Übertragung. Zur Verbesserung des Signal-Rausch-Abstands werden beim UKW-Rundfunk außerdem die Höhen beim Senden angehoben und auf Empfängerseite wieder abgesenkt, was das Rauschen reduziertDiese als Preemphasis bezeichnete Vorverzerrung ist mit der Einführung von Stereofonie und der Veränderung heutiger Musik aber eher kontraproduktiv, da das Multiplexverfahren für Stereosignale ein eher weißes Rauschen erzeugt (statt dem Dreiecksrauschen) und der seit den 1980er Jahren gestiegene Hochtonanteil „moderner“ Musik Aussteuerungsprobleme verursacht.. Diese Technik wird mit Emphasis bezeichnet. Die Zeitkonstanten dieser Präemphasis sind in den USA (mit 75 µs) und im Rest der Welt (mit 50 µs) unterschiedlich.

Zur Stereoübertragung wird das Pilotton-Multiplexverfahren genutzt.

Das Kanalraster erlaubt wegen der höheren Bandbreite die Übertragung weiterer Zusatzdienste wie beispielsweise des Radio Data System (RDS) bzw. der bis 2012 eingesetzten ARI-Kennung von Verkehrsfunk-Durchsagen.

Zwischen 1974 und 1998 wurde in Deutschland auf den Frequenzen 87,340 MHz und 87,365 MHz das sogenannte Eurosignal ausgestrahlt, ein drahtloser Personenrufdienst.

UKW-Rundfunk in Brasilien Wegen der Migration von Mittelwellensendern fängt das UKW-Band seit 2021 bei 76 MHz an.

UKW-Rundfunk in China In China fängt das UKW-Band bereits bei 87 MHz an.

UKW-Rundfunk in französischen Überseegebieten Anders als im französischen Kernland fängt in einigen französischen Überseegebieten (Französisch-Guayana, Guadeloupe, Martinique, Saint-Barthélemy, Saint-Martin, Saint-Pierre und Miquelon) das UKW-Band erst bei 88 MHz an.

UKW-Rundfunk in Großbritannien und Irland In Großbritannien und Irland wird der Bereich von 88,0 MHz bis 107,9 MHz verwendet.

UKW-Rundfunk in den Ländern Osteuropas In den ehemals sozialistischen Ländern Osteuropas (mit Ausnahme der DDR), der Sowjetunion und der Mongolei wurde der Frequenzbereich von 65,9 bis 73,1 MHz, das so genannte OIRT-Band, für UKW-Rundfunk festgelegt. Erst nach der Wende 1989/90 wechselten einige Länder schrittweise auf das Band II, das in den westeuropäischen Ländern verwendet wurde.

Heute sind vielfach noch beide Frequenzbereiche aktiv – in Russland unterscheidet man beispielsweise (im Alltagssprachgebrauch) zwischen FM (87,5 MHz bis 108,0 MHz) und UKW (65,9 bis 73,1 MHz).

Anders als im D-A-CH-Raum kann in Russland die Trägerfrequenz 87,5 MHz regulär genutzt werden. Zum Beispiel sendet in Moskau Business FM auf dieser Frequenz. Außerdem sendet im polnischen Częstochowa Polskie Radio 1 auf dieser Frequenz.

Das OIRT-Band wird durch die Fußnoten 5.175 und 5.177 zum Weltfunkvertrag garantiert.

UKW-Rundfunk in Japan In Japan wird für den UKW-Rundfunk der Frequenzbereich 76 bis 95 MHz verwendet. Die Obergrenze wurde 2014 von 90 auf 95 MHz angehoben.

Wie im D-A-CH-Raum wird in Japan ein 100-kHz-Kanalraster verwendet.

Wie im D-A-CH-Raum können in Japan die jeweiligen Bandgrenzen (dort: 76,0 und 95,0 MHz, sowie vorerst noch 90,0 MHz) nicht als Trägerfrequenzen verwendet werden, während die Trägerfrequenz 87,5 MHz in Japan von NHK verwendet wird.

Das japanische UKW-Band wird durch die Fußnote 5.183 zum Weltfunkvertrag garantiert.

UKW-Rundfunk in Norwegen In Norwegen wird der analoge UKW-Rundfunk seit dem 13. Dezember 2017 nur noch für Lokalradios verwendet.

UKW-Rundfunk in Südkorea In Südkorea wird für den UKW-Rundfunk der Frequenzbereich 88 bis 108 MHz verwendet.

UKW-Rundfunk in Südostasien In Kambodscha, Laos und Thailand wird für den UKW-Rundfunk der Frequenzbereich 87,5 bis 108 MHz mit einem (nicht konsequent eingehaltenen) Kanalraster von 250 kHz verwendet; anders als im D-A-CH-Raum können auch die Bandgrenzen als Trägerfrequenzen verwendet werden.

UKW-Rundfunk in den Vereinigten Staaten In den USA ist der nutzbare Frequenzbereich auf 87,9 bis 107,9 MHz festgelegt, es wird ein ungerades 200 kHz-Raster verwendet (87,9 MHz, 88,1 MHz, 88,3 MHz … 107,9 MHz).

Die Höhenanhebung beim Senden beträgt in ganz Nordamerika und etlichen anderen Ländern (u. a. auch Kolumbien, Korea und der Vatikan, teilweise ist das aber in Ländern nicht mal einheitlich) 75 µs, im Gegensatz zu den 50 µs der meisten anderen Länder. Hieraus ergeben sich Unterschiede in der Wiedergabe im Hochtonbereich.

Geschichte

1925 fand zwischen Jena und Kahla die erste UKW-Übertragung der Welt durch Professor Abraham Esau statt.

Nach dem Zweiten Weltkrieg wurden auf der Internationalen Rundfunkkonferenz in Atlantic City die Frequenzen für europäische Rundfunksender neu vergeben. Nach dem Kopenhagener Wellenplan erhielten die Verlierer-Staaten nur sehr wenige, ungünstige Frequenzen im Mittelwellenbereich zugeteilt. Diese Benachteiligung stellte sich später als ein Vorteil heraus, da insbesondere in diesen Staaten die Projektierung von Ultrakurzwellensendern forciert wurde. Der erste europäische UKW-Sender wurde am 28. Februar 1949 in München-Freimann vom Bayerischen Rundfunk (90,1 MHz) in Betrieb genommen.

+ Anzahl der UKW-Sendestationen (Funkmasten) in der Bundesrepublik Deutschland 1952 Bayerischer Rundfunk 27 Hessischer Rundfunk 7 Nordwestdeutscher Rundfunk 29 Radio Bremen 2 Süddeutscher Rundfunk 12 Südwestfunk 27 Sender Freies Berlin 2 Insgesamt 106

Die erste Stereo-Versuchssendung auf UKW in Deutschland erfolgte 1958, einfach durch parallele Nutzung zweier Sender. Die ersten deutschen Sendungen mit dem heute üblichen Pilotton-Multiplexverfahren erfolgten Anfang August 1963 zunächst im Rundfunk der DDR, anlässlich der Funkausstellung 1963 folgte gegen Ende des Monats der Sender Freies Berlin. Ab 1968 strahlte jede Landesrundfunkanstalt mindestens ein UKW-Programm in Stereo aus.

Bis Mitte 1987 wurden für den UKW-Rundfunk in Deutschland nur Frequenzen von 87,5 MHz bis 100 MHz eingesetzt. Dann wurde der Frequenzbereich erweitert, zunächst bis 104 und ab 1992 bis 108 MHz. Die Empfänger-Hersteller zogen mit Verzögerung nach, weshalb in den 1970er Jahren Geräte mit einer UKW-Skala bis 104,5 neben solchen bis 108 MHz angeboten wurden. Die Frequenzen oberhalb 100 MHz wurden erst nach der Einführung von Privatsendern (ab etwa Mitte der 1980er Jahre) im großen Stil koordiniert. Deshalb sind hier die meisten privaten Programmanbieter zu finden.

In Deutschland werden UKW-Sender zurzeit (2014) von den neun Landesrundfunkanstalten, dem Deutschlandradio (mit den beiden UKW-Programmen Deutschlandfunk und Deutschlandfunk Kultur), von den Soldatensendern wie AFN und BFBS und von privaten Programmanbietern betrieben.

In vielen Ländern, darunter in Deutschland, der Schweiz und Österreich, ist der Betrieb von UKW-Sendern mit kurzer Reichweite von einigen Metern (bis zu 50 nW ERP erlaubter Strahlungsleistung), z. B. zur Übertragung von Signalen eines MP3-Players zum Autoradio, erlaubt. Diese Geräte werden im Handel als FM-Modulator, FM-Transmitter (Minisender) usw. angeboten.Bundesnetzagentur gestattet Privatfunk mit 50 Nanowatt auf heise online vom 8. März 2006

Die Zukunft des UKW-Rundfunks mini|Fragmentiertes DAB+ Netz Seit den späten 1980er Jahren wird die Abschaffung des UKW-Rundfunks diskutiert. Zunächst wurde DAB (Digital Audio Broadcasting) als Nachfolger des klassischen UKW-Rundfunks angesehen. Es war vorgesehen, die analoge Verbreitung von Rundfunkprogrammen im Jahr 2012 einzustellen, wenn sich der digitale Rundfunk verbreitet hätte. Dieses Ziel wurde deutlich verfehlt, siehe Analogabschaltung.

In Deutschland und Österreich konnte sich der ursprüngliche DAB-Standard (MPEG2-Audio) nicht durchsetzen und wurde eingestellt. In Deutschland und später auch in Österreich wurde daraufhin das inkompatible DAB+ eingeführt. In der Schweiz war die Einführung von DAB zwar erfolgreicher, es wurde aber auch dort mittlerweile durch DAB+ (HE-AAC v2) ersetzt, was alle bis dahin gekauften DAB-Empfänger unbrauchbar machte.

In Nordamerika, Südostasien sowie Teilen Europas setzte sich statt DAB/DAB+, der in den Vereinigten Staaten entwickelte HD-Radio-Standard durch, der DAB+ überlegen und zudem rückwärtskompatibel mit klassischem UKW-Rundfunk ist.

Die Einführung von DAB und DAB+ führte zu einer so noch nie dagewesenen Fragmentierung des weltweiten Radiomarktes. Die Situation in Europa ist unübersichtlich. In einigen Ländern wurde der Betrieb von DAB wieder eingestellt, in anderen wurde er mehr oder weniger erfolgreich durch DAB+ ersetzt. Währenddessen setzt sich HD-Radio im Rest der Welt durch. Siehe auch Digital Audio Broadcasting in Europa

Situation in Deutschland