mini|Wladimir Vogel (1957) Wladimir Rudolfowitsch Vogel (, wiss. Transliteration ; * in Moskau; † 19. Juni 1984 in Zürich) war ein Schweizer Komponist deutsch-russischer Herkunft. Sein musikalisches Konzept beruhte auf der damals propagierten Zwölftonmusik. Sein Hauptwerk besteht aus Vokalkompositionen, deren Stimmen auf einer Synthese von Sprache und Gesang beruhen.
Leben Wladimir Vogel war der Sohn des deutschen Kaufmanns Rudolf Vogel und dessen russisch-jüdischer Frau Emma Herzberg. Im Ersten Weltkrieg wurde seine Familie aufgrund ihrer Abstammung in Birsk am Ural interniert, aber Wladimir durfte ausreisen. Er ging nach Berlin, wo er zwischen 1918 und 1924 bei Heinz Tiessen und Ferruccio Busoni studierte. Er war als Komponist, Kompositionslehrer am Klindworth-Scharwenka-Konservatorium und Musikkritiker tätig. Er stand dem Expressionistenkreis um Herwarth Walden nahe und war als Mitglied in der Musiksektion der Novembergruppe von Max Butting und Hans Heinz Stuckenschmidt aktiv. Wegen seines Engagements für den deutsch-sowjetischen Kulturaustausch sowie für die Arbeiterbewegung und wegen seiner jüdischen Mutter musste er 1933 Deutschland verlassen. Seine Musik wurde von den Nationalsozialisten als „entartet“ diffamiert.
Später ging er über Straßburg, Brüssel und Paris nach London. Zwischen 1936 und 1939 war er in Zürich und lernte Aline Valangin kennen, die er 1954 heiratete, diese Ehe hielt bis 1965. Vogel und Valangin lebten ab 1939 und in den 1940er Jahren in Ascona, wo er die 1946 gegründeten Settimane Musicali di Ascona unterstützte.
Die Weltmusiktage der International Society for Contemporary Music ISCM prägte er als Komponist nachhaltig: nacheinander wurden an den Festivals von 1927 in Frankfurt a. Main das Streichquartett, 1931 in Oxford/London die 2 Orchesteretüden, 1935 in Prag Variétude, 1936 in Barcelona Devise, 1939 in Warschau/Krakau das Scherzo/Finale aus dem Violinkonzert, 1949 in Palermo/Taormina die 2. Suite von Thyl Claes, 1955 in Baden-Baden Arpiade (Uraufführung) und 1957 in Zürich die Gotthard-Kantate (Uraufführung) aufgeführt. Des Weiteren waltete Vogel bei den ISCM World Music Days 1934 auch als Juror.
Ab 1964 war Vogel wieder in Zürich. In die Schweiz eingebürgert wurde er 1954 mit seiner Heirat. Zuvor war er mit einem Berufsverbot belegt, das ihm eine Lehrtätigkeit unmöglich machte. Auch durfte seine Musik nicht aufgeführt werden. 1948 fand auf Veranlassung Vogels in Orselina ein «Dodekaphonischer Kongress» statt. Unter anderem nahmen Luigi Dallapiccola, Hermann Meier, Gian Francesco Malipiero, Karl Amadeus Hartmann, Rolf Liebermann und Erich Schmid teil. Seine sterblichen Überreste ruhen auf dem Friedhof Witikon (Grab-Nr. 81222).
Werke Wladimir Vogel komponierte eine Sinfonie, Stücke für Orchester, Blas- und Streichorchester, ein Violin- und ein Cellokonzert, Werke für Chor, Solisten und Orchester, deren wichtigste, als Dramma-Oratorio bezeichnet, auf einer Synthese von Sprache und Gesang beruhen, und kammermusikalische Werke. Er war ein Vertreter der Zwölftonmusik. Zu seinen Oratorien schrieb 1960 das Ferien-Journal aus Ascona: „Was sie vor anderen Werken der Gattung auszeichnet, ist die musikalische Einsetzung eines sprechenden (also nicht nur eines singenden) Chores. Die Wirkung dieser instrumentalen Verwendung der Sprache, das heisst ihrer eigensten Klänge und Geräusche, ihres speziellen Rhythmus und melodischen Gefälles, ist immer verblüffend. Wladimir Vogel hat damit eine die Musik bereichernde, interessante Verbindung von Ton und Wort gefunden.“Ferien-Journal, Ascona, vom 30. August 1960 Vogel sei, so schreibt die Online-Ausgabe der Neuen Zürcher Zeitung, „...wohl der wichtigste Vermittler der Dodekaphonie in der Schweiz [...]“ gewesen.
Literatur
Friedrich Geiger: Die Dramma-Oratorien von Wladimir Vogel, 1896–1984, Hamburg 1998, ISBN 3-932696-03-4. Doris Lanz: Zwölftonmusik mit doppeltem Boden. Exilerfahrung und politische Utopie in Wladimir Vogels Instrumentalwerken, Kassel [u. a.] 2009
Vogel, Wladimir, in: Werner Röder; Herbert A. Strauss (Hrsg.): International Biographical Dictionary of Central European Emigrés 1933–1945. Band 2,2. München: Saur, 1983, ISBN 3-598-10087-6, S. 1194.
Weblinks
Tondokumente von und über Wladimir Vogel im Katalog der Schweizerischen Nationalphonothek Tonaufnahmen mit Werken von Wladimir Rudolfowitsch Vogel aus dem Archiv von Schweizer Radio SRG SSR auf Neo.Mx3
Einzelnachweise
Kategorie:Komponist klassischer Musik (20. Jahrhundert) Kategorie:Komponist (Chor) Kategorie:Träger des Berliner Kunstpreises Kategorie:Emigrant aus dem Deutschen Reich zur Zeit des Nationalsozialismus Kategorie:Hochschullehrer (Klindworth-Scharwenka-Konservatorium) Kategorie:Deutscher Kategorie:Schweizer Kategorie:Russe Kategorie:Geboren 1896 Kategorie:Gestorben 1984 Kategorie:Mann