Die Utah Jazz sind eine Mannschaft der nordamerikanischen Basketballliga NBA. Ihre Heimspiele tragen die Jazz im Delta Center in Salt Lake City, Utah aus.

Die Jazz gehörten in den 1990er Jahren zu den besten Mannschaften der NBA, wurden allerdings nie Meister. Der Kern dieser Mannschaft bestand während dieser Zeit aus Karl Malone und John Stockton, die 18 Jahre gemeinsam für die Jazz spielten. 1997 und 1998 gelang der Mannschaft der Einzug ins NBA-Finale, wo sie jeweils den Chicago Bulls um Michael Jordan unterlag.

Geschichte New Orleans und Maravich-Ära (1974–1979) Die Utah Jazz wurden im Jahr 1974 als New Orleans Jazz gegründet. Der Teamname „Jazz“ geht auf den heimischen Musikstil New-Orleans-Jazz zurück. Bereits vor Beginn der ersten Saison 1974 sorgte der junge Klub für Aufsehen, als man, im Austausch für künftige Draftpicks, Pete Maravich von den Atlanta Hawks verpflichten konnte.Artikel in Desert News – Verpflichtung von Pete Maravich Maravich galt während seiner Zeit an der heimischen Louisiana State University als College-Legende und hatte bei den Hawks bereits für Furore gesorgt. Als Lokalmatador und Identifikationsfigur sollte Maravich die Ticketverkäufe steigern. Maravichs spektakuläre Spielweise und die Tatsache, dass er zu den besten Spielern der Liga zählte, sollten einen schnellen sportlichen und finanziellen Aufschwung begünstigen. Zu Beginn wurden die Jazz in die Eastern Conference eingeteilt.

mini|links|„Pistol Pete“ Maravich (1974–1980) Mit Pete Maravich als Zugpferd des Franchise schlossen die Jazz ihre erste Saison als schlechtestes Team ab. Das Jahr darauf verbesserte sich der Klub, erreichte jedoch nicht die Playoffs. Die kommenden Jahre in New Orleans waren vor allem von Maravichs Show-Einlagen und seiner hohen Punkteausbeute (1977 gewann Maravich den Titel des besten Scorers der Liga) geprägt. Ein 68-Punkte-Spiel gegen die New York Knicks ist bis heute Jazz-Rekord. Erfolg hatten die Jazz damit keinen. Auch nicht, als die ehemalige NBA-Legende Elgin Baylor zwischen 1977 und 1979 den Posten des Trainers besetzte. Hinzu kamen Maravichs zunehmende Verletzungsprobleme, die ihm seine frühere Explosivität raubten. Kein einziges Mal qualifizierten sich Maravich und sein Team für die Playoffs.

Besonders die Personalpolitik der Jazz war auf kurzfristigen Erfolg mit Stars statt Talenten ausgelegt. So wurden die Rechte an wichtigen Draftpicks, mit denen später unter anderem David Thompson (1975 von den Atlanta Hawks) und Adrian Dantley (1976 von den Baltimore Bullets) gedraftet wurden, für Maravich geopfert.

Besonders erwähnenswert ist ein Tauschgeschäft mit den Los Angeles Lakers 1977. Die Lakers gaben zu jenem Zeitpunkt den alternden Star Gail Goodrich im Austausch für künftige Draftpicks der Jazz ab. Mit einem dieser Picks drafteten die Los Angeles Lakers 1979 NBA-Legende Magic Johnson. Dieser gewann in den 80ern mit den Lakers fünf Mal den NBA-Titel und gilt bis heute als einer der besten Spieler aller Zeiten. Gail Goodrich hingegen beendete seine Karriere bereits 1979. Ebenso verzichteten die Jazz nach der Auflösung der ABA auf die Rechte an Moses Malone zugunsten eines Erstrunden-Draftpicks, der später im Goodrich-Deal zu den Lakers verschifft wurde.History of the Jazz and How Gail Goodrich Gave Magic Johnson HIV

Auch finanzielle und logistische Probleme belasteten den jungen Verein. Die Jazz fanden in New Orleans kaum Unterstützung durch Fans, Investoren und Stadt. Der hohe Mietvertrag mit der heimischen Spielstätte, dem Louisiana Superdome, sowie die anfallende hohe Vergnügungssteuer von 11 % belasteten die Finanzen der Jazz sehr. Verbunden mit der schlechten sportlichen Situation, entschied Teambesitzer Sam Battistone, dass die Jazz sich nach einer neuen Heimat umsehen werden.

Umzug nach Utah und Dantley-Griffith-Ära (1979–1985) Die Jazz entschieden sich für Salt Lake City im Bundesstaat Utah. Der Markt war zwar kleiner als in New Orleans, jedoch genoss Basketball in Salt Lake City, nicht zuletzt dank der Utah Stars, die zwischen 1970 und 1976 in der ABA spielten und sehr populär waren, ein hohes Ansehen.Remember the ABA: Utah Stars, remembertheaba.com, accessed July 10, 2011. Als Spielstätte wurde das Salt Palace mit 12.000 Plätzen bestimmt. Ebenso erfolgte der Wechsel von der Eastern Conference in die Western Conference. Personell wurde der Kader umstrukturiert. Stars wie Spencer Haywood und Truck Robinson wurden verkauft. Auch die Ära Maravich endete mit dessen Verkauf zu den Boston Celtics. Maravich hatte bis zuletzt mit Verletzungen zu kämpfen und beendete nach wenigen Einsätzen für die Celtics seine NBA-Karriere. Dafür wurden die jungen Talente Adrian Dantley und Bernard King verpflichtet. Um beide sollte in den kommenden Jahren ein neues Team aufgebaut werden. Tom Nissalke wurde für Baylor als neuer Trainer verpflichtet. Utah startete ohne große Erwartungen in die neue Saison.

mini|links|Center Mark Eaton (1982–1994) Das erste Jahr in Utah schloss die Mannschaft entsprechend schlecht ab. Während Dantley die Erwartungen erfüllen konnte, verließ King Utah, nach einer enttäuschenden Saison, bereits nach einem Jahr in Richtung Golden State Warriors. Die Folge des schwachen Abschneidens war eine hohe Platzierung für den NBA-Draft 1980. Beim Draft stieß mit Rookie Darrell Griffith, der an zweiter Stelle gewählt wurde, ein weiterer Leistungsträger hinzu, der zum Ende der Saison für seine guten Leistungen mit dem NBA Rookie of the Year Award ausgezeichnet wurde. Die Playoffs wurden jedoch erneut verpasst.

Nachdem Nissalke 1981 wegen Erfolglosigkeit entlassen worden war, übernahm mit Frank Layden der bisherige Manager und Präsident den Posten des Cheftrainers. Layden sollte dieses Amt bis 1988 behalten, bevor er es an Jerry Sloan abtrat, um weiterhin als Manager und Präsident der Jazz zu fungieren.

In der Saison 1981/82 bildeten Griffith und Dantley eines der gefährlichsten Offensivduos der Liga. Beide erzielten über 20 Punkte pro Spiel; für Dantley folgte eine Berufung in das NBA All-Star Game. Der sportliche Erfolg blieb jedoch weiterhin aus und die zunehmend prekäre finanzielle Lage bereitete den Jazz erneut Probleme.

Beim NBA-Draft 1982 wählten die Utah Jazz mit Dominique Wilkins einen künftigen All-Star und Hall-of-Famer aus. Jedoch weigerte sich Wilkins, für die Jazz auf Korbjagd zu gehen. Der Unwille Wilkins sowie die finanzielle Lage zwangen die Jazz zum Handeln. So wurde Wilkins noch vor Beginn der Saison zu den Atlanta Hawks verkauft. Die Mannschaft erhielt im Gegenzug für Wilkins John Drew, Freeman Williams und eine Million US-Dollar. Mit Mark Eaton hingegen, der beim Draft an 72. Stelle gezogen wurde, gelang den Jazz ein Glücksgriff. Die Besetzung mit Topscorer Dantley, Guard Griffith, Center Eaton, Spielmacher Rickey Green und Drew als bestem Sixth Man hatte einen gewichtigen Anteil daran, dass sich die Jazz in der darauf folgenden Saison verbesserten. Für die Playoffs hatte es dennoch wieder nicht gereicht. Beim NBA-Draft 1983 wurden mit Thurl Bailey und Bob Hansen zwei weitere Schlüsselspieler ausgewählt.

Die Saison 1983/84 stand unter einem schlechten Stern. Das Franchise erwirtschaftete keine Gewinne, so dass ein erneuter Umzug im Raum stand. Sportlich entwickelte das Team sich jedoch weiter. So konnte man 1984 erstmals den Midwest-Division-Titel gewinnen und erreichte ebenfalls zum ersten Mal in der Vereinsgeschichte die Playoffs. Layden wurde mit dem NBA Coach of the Year Award sowie mit dem NBA Executive of the Year Award ausgezeichnet. Von diesem Zeitpunkt an erreichten die Utah Jazz bis 2003 ununterbrochen die Playoffs, womit dies die zweitlängste Serie dieser Art in der NBA-Geschichte ist. In den Playoffs von 1984 unterlagen sie schließlich in der zweiten Runde den Phoenix Suns.

mini|John Stockton (1984–2003)

Geburt von „Stockalone“ (1985–1990) Während des NBA-Draft 1984, zu dem sich spätere Superstars wie Michael Jordan, Hakeem Olajuwon und Charles Barkley angemeldet hatten, wählten die Utah Jazz mit dem 16. Pick den unbekannten Point Guard John Stockton. Von den Jazz-Fans wurde die Auswahl mit Buhrufen quittiert. Stockton spielte zunächst hinter Rickey Green als Ersatzspielmacher. Verglichen mit den Rookies Jordan, Barkley und Olajuwon, verlief sein erstes Jahr entsprechend unspektakulär. Unterdessen entwickelte sich Mark Eaton zu einem wichtigen Verteidigungsspieler der Jazz und besten der NBA. In der Offensive limitiert, wurde der 2,24 m große Eaton mit durchschnittlich 5,6 Blocks und 11,3 Rebounds pro Spiel zum NBA Defensive Player of the Year der Saison 1984/85 gekürt. Diesen Titel konnte er 1989 nochmals erringen. Utah erreichte erneut die zweite Playoff-Runde, scheiterte jedoch gegen die geballte Offensivstärke der Denver Nuggets.

Beim NBA-Draft 1985 wählten die Utah Jazz mit dem 13. Pick den Power Forward Karl Malone. Bereits in seiner Rookie-Saison überzeugte Karl Malone und drängte in die Startformation des Teams. Er verdrängte schließlich Bailey und ergänzte Dantley im Frontcourt. Mit 14,9 Punkten und 8,9 Rebounds pro Spiel erzielte er respektable Statistiken für einen Spieler, der nicht als einer der ersten zehn gedraftet wurde. Bei der Wahl zum Rookie of the Year landete Malone auf dem dritten Platz. Mit dem verletzten Griffith konnte Utah nur etwa 50 % der Spiele gewinnen und schied in den Playoffs in der ersten Runde gegen die Dallas Mavericks aus.

Die Off-Season 1986 wurde durch wilde Spekulationen über einen Umzug der Jazz befeuert. Battistone erhielt ein Angebot, seinen Anteil der Jazz an zwei Geschäftsleute aus Minneapolis zu verkaufen. Dies hätte im Fall einer erfolgreichen Transaktion einen erneuten Umzug der Jazz zur Folge gehabt. Larry H. Miller stemmte sich jedoch gegen diesen Deal. Um einem endgültigen Verkauf zu entgehen, kaufte Miller für 14 Millionen US-Dollar die verbleibenden 50 % der Anteile von Battistone und hielt damit die Jazz in Salt Lake City. Die beiden Geschäftsleute aus Minneapolis gründeten später die Minnesota Timberwolves, die 1989 in die NBA aufgenommen wurden.

In der Saison 1986/87 wurde Topscorer Adrian Dantley zu den Detroit Pistons abgegeben. Im Gegenzug wechselte Kelly Tripucka nach Utah. Tripucka, vorher ein Star in Detroit, konnte sich mit seiner neuen Rolle als Auswechselspieler nicht anfreunden, weswegen er 1988 zum Expansion Draft freigestellt wurde und ohne Gegenwert zu den Charlotte Hornets wechselte. Karl Malone entwickelte sich in dieser Saison zum Leistungsträger der Jazz. Trotz der erneuten Verletzung von Griffith konnten die Jazz dank Hansen und dem aufstrebenden Stockton die Playoffs erreichen.

Mühsamer Aufstieg (1990–1996) Zu Beginn der Saison 1987/88 ersetzte Stockton Rickey Green als startenden Spielmacher. Karl Malone gehörte mittlerweile zu den besten Power Forwards der Liga. Auch Stockton gehörte am Ende der Saison zu den besten Spielern der Liga auf seiner Position des Point Guards. Er war insbesondere für seine Pässe und harte Verteidigung bekannt, während Malone als Scorer und Rebounder glänzte. Viele Punkte von Malone gingen auf Stocktons Vorlagen (Assists) zurück. Beide beherrschten den Pick and roll-Spielzug so hervorragend, dass sie als „Stockalone“ ligaweit bekannt wurden. Unterstützt wurden sie dabei von Eaton, Griffith, Hansen und Bailey, der mit fast 20 Punkten pro Spiel als zweite Angriffsoption von der Bank kommend eine gute Saison spielte und mit Malone ein talentiertes Forward-Duo bildete. Ab 1988 übernahm der bisherige Assistenztrainer Jerry Sloan die Aufgabe des Cheftrainers. Frank Layden wechselte hingegen wieder in die Geschäftsstelle.