Als o-yatoi gaikokujin (, „Kontraktausländer“) bezeichnet man im Japanischen ausländische Experten, die in der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts ins Land gerufen wurden, um die Modernisierung Japans zu beschleunigen.

Die „Kontraktausländer“ sollten neue, westliche Technik einführen und japanische Spezialisten ausbilden. Einige waren nebenher auch als Missionare tätig. Mehr als die Hälfte kam aus dem angelsächsischen Raum. Eine Liste vom März 1872 nennt 214 Personen, darunter 119 Engländer, 50 Franzosen, 16 Amerikaner, 9 Chinesen und 8 Preußen.O-yatoi gaikokujin ichiran (Tabelle der Kontraktausländer). Chūgai-dō, Tokyo 1872 (Digitalisat, National Diet Library Digital Collection). Diese Tendenz bleibt auch danach in etwa gleich. Für die Zeit von 1868 bis 1889 lassen sich in den Unterlagen der Regierung insgesamt 2690 Personen nachweisen, darunter 1.127 Briten, 414 Amerikaner, 333 Franzosen, 250 Chinesen, 215 Deutsche, und 99 Niederländer.Hazel Jones: Live Machines: Hired Foreigners and Meiji Japan. University of British Columbia Press, 1980. ISBN 978-0774801157. Sie wurden hoch geschätzt und entsprechend entlohnt. Im Jahre 1874 gab es 520 Kontraktausländer, deren Gehälter mit 2,272 Millionen Yen recht hoch waren. So machten die Gehälter für Ausländer auf dem Höhepunkt etwa ein Drittel des regulären Jahresetats des Ministeriums für öffentliche Arbeiten und ein Drittel des Budgets für die Kaiserliche Universität Tokio aus.Hirakawa Sukehiro (engl. übersetzt von Bob Tadashi Wakabayashi): Japan's turn to the West. In: Cambridge History of Japan, Band 4, Cambridge 1989, S. 468 f. Entsprechend stark war das Interesse der japanischen Regierung an einer raschen Ablösung durch einheimische Fachkräfte.

Mit dem Ende der Exterritorialität im Jahre 1899 wurde dieses System abgeschafft. Einige Ausländer wie Lafcadio Hearn, Josiah Conder und Edwin Dun blieben in anderen Beschäftigungsverhältnissen weiter im Lande. Während die Zahl der von der Regierung angestellten ausländischen Experten zur Jahrhundertwende hin abnahm, erreichte sie im Privatsektor nach niedrigem Niveau in der frühen Meiji-Zeit erst 1897 ihr Maximum. Einige „Kontraktausländer“ trugen auch zur Modernisierung des benachbarten Korea bei.

Bekannte „Kontraktausländer“

Humanmedizin und Tiermedizin Erwin von Bälz, Internist Leopold Müller, Militärarzt Theodor Hoffmann, Militärarzt Johannes Ludwig Janson, Veterinärmediziner Ferdinand Adalbert Junker von Langegg, Arzt Julius Scriba, Chirurg Wilhelm Dönitz, Anatom Hans Gierke, Anatom Heinrich Botho Scheube, Internist Wilhelm Schultze, Militärarzt Ernst Ziegel, Physiologe Joseph Disse, Anatom

Jurisprudenz, Verwaltung und Wirtschaftswissenschaften Henry Willard Denison, US-amerikanischer Jurist Georg Michaelis, Jurist Ottmar von Mohl, Jurist, Diplomat Albert Mosse, Jurist Otfried Nippold, Jurist Karl Rathgen, Verwaltungsjurist Hermann Roesler, Nationalökonom Ludwig Loenholm, Jurist Gustave Emile Boissonade, Jurist Paul Mayet, Statistiker, Sozialpolitiker Adolph von Wenckstern, Nationalökonom Heinrich Waentig, Nationalökonom

Militärwesen Jules Brunet, Artillerie-Offizier. Léonce Verny, Erbauer des Yokosuka-Arsenals. Carl Köppen, Feldwebel Jacob Meckel, Major Francis Brinkley, Militärwissenschaften Henry Walton Grinnell, Marineoffizier

Naturwissenschaften und Mathematik Thomas Corwin Mendenhall, Physiker Franz Hilgendorf, Zoologe Ludwig Döderlein, Zoologe Edward S. Morse, Zoologe Charles Otis Whitman, Zoologe, Nachfolger von Morse Edmund Naumann, Geologe Curt Adolph Netto, Metallurge James Alfred Ewing, Physiker, Ingenieur Oskar Kellner, Agrikulturchemiker, Tierernährungswissenschaftler Oskar Korschelt, Chemiker Oskar Loew, Agrarchemiker Erwin Knipping, Meteorologe Karl Hefele, Forstwirtschaftler Eustachius Grasmann, Forstwissenschaftler William P. Brooks, Agrarwissenschaftler William Smith Clark, Agrarexperte Horace Capron, Agrarexperte Edwin Dun, Agrarexperte John Milne, Geologe, Seismologe

Ingenieurwissenschaften Edmund Morel, Ingenieur Francis Henry Trevithick, Eisenbahningenieur Hermann Rumschöttel, Eisenbahningenieur Richard Francis Trevithick, Eisenbahningenieur Rudolf Lehmann, Ingenieur Johannis de Rijke, Flussbauingenieur Gottfried Wagener, Chemiker, Technologe Wilhelm Heise, Ingenieur Henry Dyer, Ingenieur George Arnold Escher, Ingenieur John Alexander Low Waddell, Ingenieur, Brückenbauer Charles Dickinson West, Ingenieur, Schiffsbauer Thomas James Waters, Ingenieur, Architekt Wilhelm Böckmann, Architekt Josiah Conder, Architekt William Edward Ayrton, Physiker, Elektroingenieur Cornelis Johannes van Doorn, Bauingenieur

Kunst und Musik Edoardo Chiossone, Grafiker Luther Whiting Mason, Musiker, Musikpädagoge Ernest Francisco Fenollosa, Kunstkritiker Franz Eckert, Komponist, Musiker Rudolf Dittrich, Musiker Antonio Fontanesi, Maler Vincenzo Ragusa, Bildhauer Charles Edouard Gabriel Leroux, Musiker, Komponist

Geistes- und Erziehungswissenschaften Raphael von Koeber, Philosoph Ernest Francisco Fenollosa, Philosoph, Ostasienwissenschaftler Basil Hall Chamberlain, Sprachwissenschaftler, Japanologe Lafcadio Hearn, Sprachlehrer, Schriftsteller Viktor Holtz, Pädagoge Karl Florenz, Sprachwissenschaftler, Japanologe Emil Hausknecht, Pädagoge, Anglist Rudolf Lange, Dozent für Deutsch, Latein und Geographie, Japanologe

Missionare William Elliot Griffis, Missionar, Schriftsteller Guido Verbeck, Missionar, Lehrer Horace Wilson, Missionar, Lehrer Thomas Theron Alexander, Missionar

Siehe auch Deutsch-japanische Beziehungen

Literatur S. Noma (Hrsg.): Foreing employees of the Meiji period. In: Japan. An Illustrated Encyclopedia. Kodansha, 1993. ISBN 4-06-205938-X, S. 396.

Weblinks

lib.u-tokyo.ac.jp (japanisch)

Einzelnachweise

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