Das Leibniz-Institut für Werkstofforientierte Technologien – IWT (kurz Leibniz-IWT) ist ein außeruniversitäres Forschungsinstitut mit Sitz in Bremen. Es betreibt anwendungsorientierte Forschung sowie Grundlagenforschung und Forschungsdienstleistungen auf dem Gebiet hochbeanspruchter metallischer Strukturwerkstoffe. Das Institut ist seit 2018 Mitglied der Leibniz-Gemeinschaft.

Das 1950 als „Institut für Härterei-Technik“ (IHT) gegründete Institut vereint die Fachdisziplinen Werkstofftechnik, Fertigungstechnik, Verfahrenstechnik, Materialprüfungsanstalt und Digitalisierungstechnik unter einem Dach – weltweit in dieser Form einzigartig. Mit über 200 Mitarbeitenden erforscht es die gesamte Prozesskette der Metallverarbeitung – von der Werkstoffentwicklung über innovative Herstellungsprozesse bis zur Qualitätssicherung fertiger Bauteile.

Geschichte Zeittafel 1950 Gründung des Instituts für Härtereitechnik (IHT) in Bremen-Lesum 1975 Überführung der Rechtsform von der eines eingetragenen Vereins in die einer Stiftung privaten (bürgerlichen) Rechts 1986 Erweiterung des Instituts um die Abteilungen Fertigungs- und Verfahrenstechnik und Umbenennung in „Stiftung Institut für Werkstofftechnik (IWT)“ 1986/1987 Integration der Amtlichen Materialprüfungsanstalt (MPA) des Landes Bremen in das Institut 1990/91 Umzug in den Institutsneubau im Technologiepark der Universität Bremen 2018 Aufnahme in die Leibniz-Gemeinschaft und Umbenennung in „Leibniz-Institut für Werkstofforientierte Technologien - IWT“

Gründung und frühe Jahre Die Ursprünge des Leibniz-IWT liegen in der frühen Nachkriegszeit. Am 13. Juli 1950 wurde in Bremen-Lesum das Institut für Härterei-Technik (IHT) als Vorgänger des heutigen Leibniz-IWT gegründet. Erster kommissarischer Leiter war Hubert Meingast, zuvor Oberingenieur bei den Bremer Borgward-Werken.

1975 erfolgte die Umwandlung des IHT in eine rechtsfähige Stiftung privaten (bürgerlichen) Rechts, getragen durch das Land Bremen und den Branchenverband Arbeitsgemeinschaft Wärmebehandlung und Werkstofftechnik e. V. (AWT).

Kooperation mit der Universität Anfang der 1980er Jahre intensivierte das Institut die Zusammenarbeit mit der neu gegründeten Universität Bremen: 1981 wurde ein Kooperationsvertrag abgeschlossen und 1983 entstand an der Universität der Fachbereich Produktionstechnik, was den Weg für gemeinsame Berufungen ebnete.

Interdisziplinäre Neuausrichtung Im Zuge einer strategischen Erweiterung wurde am 24. März 1986 die bis heute bestehende interdisziplinäre Struktur des Instituts begründet: Zusätzlich zur Werkstofftechnik kamen die Abteilungen Fertigungstechnik und Verfahrenstechnik hinzu und das IHT erhielt den neuen Namen „Stiftung Institut für Werkstofftechnik (IWT)“. Die Leitung der drei Hauptabteilungen übernahmen jeweils Direktoren, die zugleich Professuren im Fachbereich Produktionstechnik der Universität Bremen innehatten: Peter Mayr (bereits seit 1981 Leiter, ab 1986 Direktor der Hauptabteilung Werkstofftechnik), P. Günther Werner (Hauptabteilung Fertigungstechnik) und Klaus Bauckhage (Hauptabteilung Verfahrenstechnik). Zum Einrichtungserlass am 1. Januar 1987 wurde außerdem die Amtliche Materialprüfungsanstalt Bremen (MPA) als eigener Geschäftsbereich in das IWT eingegliedert. Die MPA ging aus dem Landesamt für Baustoffprüfung hervor und blieb als Prüf- und Zertifizierungsstelle unter staatlicher Aufsicht, ist seitdem aber organisatorisch Teil des Leibniz-IWT. Neben wissenschaftlichen Projekten bearbeitet die MPA vor allem Serviceleistungen auf dem Gebiet der Werkstoff- und Baustoffprüfung sowie der Schadensanalytik. Im Bereich Bauwesen, Metallische Werkstoffe und Bauteile sowie Mikrobiologie bietet die Einrichtung, die nahe des Flughafens in Bremen verortet ist, Dienstleistungen, Beratung und Zertifizierungen für Forschung und Industrie.

Umzug auf den Campus der Universität Bremen 1990/91 bezog das IWT einen Neubau im Technologiepark auf dem Campus der Universität Bremen, sodass alle Bereiche – bis auf die MPA Bremen – fortan räumlich vereint waren. Diese enge Anbindung an die Universität förderte die interdisziplinäre Forschung entlang der gesamten Prozesskette und erleichterte den Wissenstransfer in die industrielle Anwendung.

Die Abteilung Fertigungstechnik widmete sich unter der Leitung von Professor Ekkard Brinksmeier intensiv dem zukunftsweisenden Feld der Hochpräzisionsbearbeitung. Die Arbeiten auf diesem Gebiet entwickelten sich so erfolgreich, dass im Jahr 2000 ein zusätzliches Labor für Mikrozerspanung (LFM) eingerichtet wurde.

Aufnahme in die Leibniz-Gemeinschaft Am 1. Januar 2018 wurde das Institut offiziell in die Leibniz-Gemeinschaft aufgenommen und trägt seither den Namen „Leibniz-Institut für Werkstofforientierte Technologien – IWT“. Der Aufnahme ging eine mehrjährige Vorbereitungs- und Begutachtungsphase unter der Institutsleitung von Hans-Werner Zoch voraus, begleitet von Gremien der Leibniz-Gemeinschaft und des Wissenschaftsrates. Der Beitritt wurde am 30. Januar 2018 mit einem Senatsempfang in der Oberen Rathaushalle des Bremer Rathauses feierlich gewürdigt.

Am 13. November 2020 entschied die Gemeinsame Wissenschaftskonferenz von Bund und Ländern (GWK) über die Aufnahme der Amtlichen Materialprüfungsanstalt Bremen (MPA) als Teil des Leibniz-IWT in die gemeinsame Förderung durch Bund und Länder. Damit wurde auch der Prüfbereich des Instituts in die Leibniz-Gemeinschaft integriert.

Organisation

Rechtsform und Trägerschaft Das Leibniz-Institut für Werkstofforientierte Technologien – IWT ist eine rechtsfähige Stiftung privaten (bürgerlichen) Rechts mit Sitz in Bremen. Als Stifterinnen fungieren die Arbeitsgemeinschaft Wärmebehandlung und Werkstofftechnik e. V. (AWT) und die Freie Hansestadt Bremen. Seit 2018 ist das Institut Mitglied der Leibniz-Gemeinschaft und wird seither im Rahmen der gemeinsamen Forschungsförderung von Bund und Ländern unterstützt. Zusätzlich zur Grundfinanzierung durch das Land Bremen erhält das Institut projektbezogene Mittel des Bundes sowie Drittmittel aus öffentlichen und industriellen Quellen.

Gremien

Kuratorium Das zentrale Aufsichtsorgan des Leibniz-IWT ist das Kuratorium . Es überwacht die Rechtmäßigkeit und Wirtschaftlichkeit der Geschäftsführung und ist in alle wesentlichen strategischen, forschungspolitischen und finanziellen Entscheidungen eingebunden. Das Kuratorium setzt sich aus aktuell neun Mitgliedern zusammen, die die Stifter, die Wissenschaft, die Politik und die Industrie vertreten. Den Vorsitz führt Kay Wenzel, Leiter der Abteilung „Hochschulen und Forschung“ bei der Senatorin für Umwelt, Klima und Wissenschaft der Freien Hansestadt Bremen.

Gemäß Stiftungssatzung beruft das Kuratorium die Mitglieder des Direktoriums und entscheidet über die Bestellung sowie Abberufung des oder der Vorsitzenden aus dem Kreis des Direktoriums.

Wissenschaftlicher Beirat Zur wissenschaftlichen Beratung des Instituts wurde ein Wissenschaftlicher Beirat eingerichtet. Dieser besteht aus renommierten Persönlichkeiten aus Wissenschaft und Forschung. Den Vorsitz hat Martin Franz-Xaver Wagner (Technische Universität Chemnitz). Der Beirat berät sowohl das Direktorium als auch das Kuratorium in strategischen Fragen zur wissenschaftlichen Entwicklung des Instituts.

Industriebeirat Ein weiterer Beratungskreis ist der Industriebeirat, der seit 2020 satzungsgemäß besteht. Er setzt sich aus Vertretenden führender Industrieunternehmen zusammen und begleitet das Institut mit Blick auf Praxisnähe, Anwendungsbezug und Zukunftsrelevanz industrieller Forschung. Vorsitzender des Industriebeirats ist Tim Hosenfeldt (Schaeffler AG).

Direktorium Das Leibniz-IWT wird operativ von einem fünfköpfigen Direktorium geleitet

Rainer Fechte-Heinen, seit 2020 Vorsitzender des Direktoriums, zugleich Direktor des Programmbereichs I Werkstofftechnik sowie Direktor der angegliederten Amtlichen Materialprüfungsanstalt Bremen (MPA), Philip Voelcker, Kaufmännischer Direktor und stellvertretender Vorsitzender, verantwortlich für Verwaltung, Finanzen und Infrastruktur Lutz Mädler, Direktor des Programmbereichs II Verfahrenstechnik Bernhard Karpuschewski, Direktor des Programmbereichs III Fertigungstechnik

Evgeniya Kabliman, Direktorin des 2025 neu etablierten Programmbereichs V Digitalisierungstechnik

Alle Mitglieder des Direktoriums sind zugleich Professorinnen bzw. Professoren im Fachbereich Produktionstechnik der Universität Bremen.

Struktur Das Institut gliedert sich in fünf wissenschaftliche Programmbereiche:

I – Werkstofftechnik: Wärmebehandlung, Leichtbauwerkstoffe, Strukturmechanik, Physikalische Analytik, Metallographische Analytik sowie Metallurgie und Umformtechnik II – Verfahrenstechnik: Reaktive Sprühtechnik, Prozessierung von Funktionsmaterialien sowie Mehrphasenströmung, Wärme- und Stoffübertragung III – Fertigungstechnik: Geometrisch bestimmte Prozesse, Schleifen und Verzahnung sowie Hochpräzisionsbearbeitung (Labor für Mikrozerspanung – LFM) IV – Materialprüfung (MPA Bremen): Prüfung und Zertifizierung für metallische Werkstoffe, Bauwesen und Mikrobiologie; angesiedelt am Standort Bremen-Neustadt V – Digitalisierungstechnik: Werkstoffmodellierung und -simulation, Digitalisierung und Maschinelles Lernen / KI für Prozessoptimierungen in der werkstofforientierten Produktion (seit 2025)Jeder Programmbereich besteht aus mehreren Fachgruppen, Arbeitsgemeinschaften und Laboren, die jeweils eigene Forschungsschwerpunkte bearbeiten.

Zentrale Dienste und weiter Funktionen Die wissenschaftlichen Arbeiten werden durch spezialisiertes technisches Personal sowie zentrale Serviceeinheiten unterstützt, darunter eine eigene Verwaltung, Wissenschaftskommunikation und IT. Darüber hinaus existieren verschiedene Querschnitts- und Vertrauensfunktionen, etwa ein Frauen- und Gleichstellungsbeauftragtenkollektiv, Inklusionsbeauftragte, ein Data Steward, Ombudspersonen für gute wissenschaftliche Praxis, ein Transferbeauftragter, eine Schwerbehindertenvertretung und ein institutseigener Betriebsrat.

Personal Im Jahr 2024 beschäftigte das Leibniz-IWT insgesamt 206 Mitarbeitende, darunter 67 wissenschaftliche Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter.

Themenfelder Das Leibniz-IWT forscht entlang der gesamten Prozesskette der metallbasierten Fertigung – von der Materialentwicklung über die Prozessgestaltung bis zur Qualitätssicherung fertiger Bauteile. Die Forschungsbandbreite umfasst die Entwicklung neuer Werkstoffe und Legierungen, Verfahren der Verarbeitung und Wärmebehandlung sowie die Optimierung von Bauteileigenschaften. Ein historischer Schwerpunkt liegt in der Wärmebehandlung und Härterei-Technik, insbesondere der thermochemischen Behandlung von Stählen. Mit der Erweiterung um die Abteilungen Fertigungs- und Verfahrenstechnik im Jahr 1986 kamen weitere Forschungsfelder hinzu, etwa das Zerstäuben metallischer Werkstoffe und die Hochpräzisionsbearbeitung.

Die interdisziplinäre Struktur ermöglicht es dem Institut, komplexe Fragestellungen ganzheitlich zu bearbeiten – beispielsweise den Einfluss von Fertigungsparametern auf Mikrostruktur, Festigkeit und Lebensdauer von Bauteilen. Die enge Verzahnung von Materialentwicklung, Prozessoptimierung und Bauteilprüfung fördert praxisnahe Lösungen und unterstützt einen effektiven Wissenstransfer in industrielle Anwendungen.

Forschungsschwerpunkte

Additive Fertigung