HMS Saumarez (G12) war im Zweiten Weltkrieg der Flottillenführer der Zerstörer der S-Klasse der Royal Navy. Der im Juli 1943 in den Flottendienst übernommene Zerstörer wurde mit den fünf Battle Honours „Arctic 1943-44“, „North Cape 1943“, „Normandy 1944“, „Malaya 1945“ und „Burma 1945“ ausgezeichnet.

Das Schiff war an zwei erfolgreichen klassischen Torpedoangriffen beteiligt: Am 26. Dezember 1943 griff es mit seinen Schwesterschiffen Savage, Scorpion und der norwegischen Stord das sich zurückziehende deutsche Schlachtschiff Scharnhorst an. Die erzielten Torpedotreffer reduzierten die Geschwindigkeit des Schlachtschiffs erheblich, so dass es schließlich von aufschließenden schwereren britischen Einheiten versenkt werden konnte.

Am 16. Mai 1945 griffen die Saumarez und die Zerstörer Verulam, Vigilant, Venus und Virago in der Malakka-Straße den Schweren Kreuzer Haguro mit Torpedos an und versenkten ihn. Der begleitende japanische Zerstörer Kamikaze wurde nur beschädigt und entkam den britischen Schiffen.

Am 22. Oktober 1946 erhielt die Saumarez als Hauptopfer des sogenannten Korfu-Kanal-Zwischenfalls einen schweren Minentreffer. Zwar wurde der schwer beschädigte Zerstörer nach Großbritannien zurückgeführt, aber nicht wieder instand gesetzt. Ab Oktober 1950 wurde der Zerstörer in Charlestown (Fife) am Firth of Forth verschrottet.

Geschichte des Schiffes mini|links|Die zuerst von Hawthorn Leslie fertiggestellte Savage mit der abweichende Bewaffnung

Im Januar 1941 gingen zwei Aufträge für Zerstörer der „5th Emergency Flotilla“ (S-Klasse) an Hawthorn Leslie in Newcastle. Beide Schiffe wurden als Sonderformen der S-Klasse fertiggestellt. Die Kiellegung des Neubaus mit der Baunummer 651 erfolgte am 22. August 1941, der bis zum Juni 1943 als achte Savage der Royal Navy der Royal Navy fertiggestellt wurde. Der Zerstörer unterschied sich von den anderen Zerstörern der S-, T-, U-, V- und W-Klasse durch seine Hauptbewaffnung mit 4,5-in-Geschützen, die ab der 10th Emergency Flotilla (Z-Klasse) des Kriegsbauprogramms als neue Hauptbewaffnung der Flottenzerstörer eingeführt wurden. Dazu wurden seine beiden Buggeschütze in einer Doppellafette eingebaut, wie sie ab der Battle-Klasse 1945 in den Flottendienst kam.SAVAGE, destroyer

mini|links|Die erste Saumarez von 1916 Die Kiellegung des zweiten Neubaus der Werft in Hebburn mit der Baunummer 650 erfolgte am 24. September 1941 und sollte als Flottillenführer der „5th Emergency Flotilla“ fertig gestellt werden. Der Neubau wurde das zweite Schiff der Royal Navy, das den Namen Saumarez zu Ehren des Admirals James Saumarez (1757–1836) führte. 1916 hatte Cammell Laird einen Flottillenführer der Parker-Klasse als Saumarez an die Royal Navy geliefert. Dieses Schiff, seit 1919 der Reserve zugeordnet, hatte die Navy 1931 ausgesondert.

Seit der Tribal-Klasse von 1938 wurden für die britischen Zerstörer keine stark abweichenden Flottillenführer mehr gebaut und die Zahl der üblicherweise in Flottillen bestellten Einheiten auf acht reduziert. Die Führerboote mussten wegen des Platzbedarfs für das zusätzliche Personal eines Flottillenstabes zusätzliche Räume haben, was zu geringen Abweichungen in den Aufbauten führte. Insbesondere die hinteren Deckshäuser als klassische Unterbringung der Offiziere an Bord waren meist etwas größer, was zu einer Erhöhung der Standardverdrängung um etwa 20 ts führte. Als Flottillenführer der S-Klasse verdrängte die Saumarez 1730 ts als Standard und vollbeladen 2530 ts. Wie die anderen Zerstörer der Klasse hatte sie eine Länge von 362 ft 9 in, eine Breite von 35 ft 8 in und einen Tiefgang von bis zu 14,5 ft. Der Antrieb erfolgte über zwei Parson-Getriebe-Turbinen-Sätze, die jeweils eine Schraubenwelle antrieben. Die Antriebsleistung von zusammen 40.000 PSw wurde mit dem Dampf von zwei Admiralitäts-Kesseln erzeugt und gab dem Schiff einer Höchstgeschwindigkeit von über 36 kn. Bei Volllast konnte die Saumarez bis zu 615 ts Treiböl mitführen, mit denen sie bei 20 kn Marschgeschwindigkeit bis zu 4675 sm zurücklegen konnte. Ihre Besatzung bestand im Normalfall aus 225 Mann.Lenton, S. 174

Bei seiner Fertigstellung am 1. Juli 1943 war der Zerstörer mit vier 4,7-inch-(120-mm)-L/45-Mark-XII-Geschützen bewaffnet, die durch die neue Aufhängung echte Mehrzweckwaffen wurden. Zur Abwehr von Luftangriffen standen noch ein Bofors-40-mm-Zwillingsgeschütz in einer in den Niederlanden entwickelten Lafette des Typs Hazemeyer und vier automatische Zwillingskanonen vom Typ 20 mm Oerlikon zur Verfügung. Dazu war der Zerstörer noch mit zwei 21-inch-Vierfach-Torpedorohrsätzen bewaffnet und hatte in der Regel 70 Wasserbomben an Bord, die über zwei Ablaufschienen und vier Werfer eingesetzt wurden.English, S. 62f. Die Saumarez kam als drittes Schiff der S-Klasse nach der von Cammell Laird gefertigten Scorpion und der neben ihr in Hebburn entstandenen Savage in Dienst. Von diesem Typ des Emergency Destroyers waren mit dem bei John Brown & Co. entstandenen Flottillenführer Troubridge sowie dem Zerstörer Tumult von derselben Werft sowie den bei Swan Hunter gebauten Tuscan und Tyrian sowie Grenville (Leader U) und Ulster schon sechs Zerstörer der folgenden Klassen im Dienst.

Einsatzgeschichte Nordmeergeleitzüge Die am 1. Juli 1943 in Dienst gestellte Saumarez wurde erst der 3rd Destroyer Flotilla bei der Home Fleet und dann der 23rd Destroyer Flotilla zugeteilt. Nach einer kurzen Einfahrzeit wurde der Zerstörer zur Sicherung der britischen Geleitzüge im Nordmeer eingesetzt, mit denen die West-Alliierten Material zur Unterstützung der Sowjetunion nach Murmansk und Archangelsk transportierten. Am 23. Oktober verließ sie den Zerstörern Milne als Führungsschiff, Mahratta, Matchless, Musketeer, Savage, Scourge, Scorpion und Westcott, der norwegischen Korvette Eglantine und den Minensuchern Harrier und Seagull der Halcyon-Klasse Seyðisfjörður auf Island, um im Rahmen der Lend-Lease-Unterstützung überlassene fünf Minensucher T-111 bis T-115) der amerikanischen Admirable-Klasse (530 ts) und sechs U-Boot-Jägern (BO-201, BO-204, BO-208 bis BO-211 der amerikanischen 110ft submarine chasers (121 ts) zur Kola-Bucht zugeleiten, wo der Verband am 28. Oktober eintraf. Noch wichtiger war die Abholung von dreizehn Frachtschiffen aus Archangelsk, die dort seit dem Frühling und der Unterbrechung der Nordmeergeleite lagen. Mit diesen als Konvoi RA 54A wurde am 1. November der Rückmarsch angetreten und alle Transporter trafen am 13. und 14. November in britischen Häfen ein. Der Rückmarsch wurde nur durch dichten Nebel behindert. Gegen etwaige deutsche Aktivitäten hatten die Briten noch drei U-Boote vor dem Eingang zum Altafjord aufgestellt und waren die Kreuzer London und Augusta mit dem Geleitzerstörer Middleton in See. Ab dem 23. November gehörte die Saumarez zur Sicherung des Konvois JW.54B, der vierzehn Transporter und ein Rettungsschiff umfasste. Zur von der Hardy geführten Sicherung gehörten noch die weiteren Zerstörer Beagle, Savage, Scorpion, Scourge, Venus und Vigilant, drei Korvetten der Flower-Klasse sowie der Minensucher Halcyon. Auf dem letzten Abschnitt verstärkten noch zwei sowjetische Zerstörer sowie drei Minensucher die Sicherung des Konvois, der ohne Verluste am 3. Dezember Archangelsk erreichte. In zwei Deckungsgruppen waren noch das Schlachtschiff Anson, vier Kreuzer und vier weitere Zerstörer in See.Rohwer: Chronik des Seekriegs. 1. November – 9. Dezember 1943, Nordmeer, Wiederaufnahme der Murmansk-Konvois

Seegefecht vor dem Nordkap mini|Skizze des Gefechts

Am 16. Dezember verließ Saumarez mit Savage, Scorpion und der norwegischen Stord, anfangs begleitet vom sowjetischen Zerstörer Kuibyshev, die Kola-Bucht; die Zerstörer der S-Klasse sollten mit dem Schlachtschiff Duke of York und dem Kreuzer Jamaica die Ferndeckungsgruppe für die nächste alliierte Konvoi-Operation bilden. Die Ferndeckungsgruppe unter dem Befehlshaber der Home Fleet, Vizeadmiral Bruce Fraser, lief zur Beölung nach Akureyri (Island) und erreichte erst am 26. Dezember wieder das Seegebiet vor dem Nordkap.Rohwer: Seekrieg. 12.-31. Dezember 1943, Nordmeer Der Konvoi JW.55B stand schon weiter östlich und hatte erste Angriffe deutscher Flugzeuge und U-Boote abgewehrt. Die Kriegsmarine suchte mit einer Kampfgruppe unter Konteradmiral Bey auf dem Schlachtschiff Scharnhorst und der 4. Zerstörer-Flottille mit Z 29, Z 30, Z 33, Z 34 und Z 38 nach dem Konvoi (Unternehmen Ostfront). Von Südosten näherte sich die britische Kreuzerdeckungsgruppe unter Vizeadmiral Burnett mit Belfast, Norfolk und Sheffield und ortete die Scharnhorst mit Radar. Ohne ihre Zerstörer zur Unterstützung anzufordern, drehte Scharnhorst bei und führte am Vormittag des 26. ein kurzes Gefecht mit den Kreuzern. Dabei erzielte Norfolk zwei Treffer, von denen einer das Haupt-Radar der Scharnhorst außer Gefecht setzte. Bey ließ daraufhin die Suche nach dem Konvoi abbrechen und entließ seine Zerstörer zum Rückmarsch zu ihren Stützpunkten. Die ebenfalls ablaufende Scharnhorst wurde von Burnett’s Kreuzerverband erneut entdeckt und gegen Mittag angegriffen. In dem erneut unterschiedenen Gefecht gewann der deutsche Befehlshaber den Eindruck, zum britischen Verband gehöre ein Schlachtschiff und brach endgültig seinen Angriffsversuch auf den Konvoi ab. Burnett blieb mit seinem Verband auf einer Position zwischen Konvoi und den Deutschen und verfügte jetzt zusätzlich über vier Zerstörer vom Konvoi RA.55B. Die Scharnhorst drehte mit hoher Geschwindigkeit ab, um den britischen Verband abzuschütteln, von dessen Zusammensetzung man Mangels eines leistungsfähigen Messgeräts keine gesicherte Vorstellung hatte. Die von Island heranlaufende britische Ferndeckungsgruppe unter Admiral Fraser versuchte dem deutschen Schlachtschiff den Weg zu seiner Basis zu verlegen. Da sie von den Deutschen nicht entdeckt worden war, lief ihr die Scharnhorst in den Weg. Als auf der Duke of York am Nachmittag der Gegner erstmals in über 40 km Entfernung vom Radar erfasst wurde, konnte der Kurs der Gruppe so korrigiert werden, dass das britische Schlachtschiff eine halbe Stunde später das Feuer auf die Scharnhorst aus allen zehn schweren Geschützen auf dann nur noch elf km Distanz eröffneten konnte. Trotz schwerer Treffer und dem Eingreifen des Burnett-Verbandes aus nördlicher Position drohte die Scharnhorst zu entkommen, da sich der Abstand zu ihr im Gefecht wieder auf 20 km erhöht hatte und sie wieder 26 kn erreichte. Fraser hatte daher seine vier Zerstörer vorgeschickt, um das deutsche Schiff zu beschäftigen und gegebenenfalls durch Torpedotreffer zu stoppen oder zu vernichten. Deren Führer bildete zwei Rotten, von denen Saumarez und Savage zuerst von der Backbordseite angriffen aber frühzeitig entdeckt wurden und ihren Angriff wegen des massiven Abwehrfeuers abbrachen. Währenddessen gelangten Scorpion und Stord auf der Steuerbordseite näher an das deutsche Schlachtschiff. Von den 16 Torpedos der beiden Zerstörer erreichte wohl nur einer der Scorpion das Ziel. Die erfolgreichen Ausweichbewegungen des deutschen Schiffes ermöglichten den beiden anderen Zerstörern erneut aufzuschließen. Von den acht Torpedos der Savage trafen drei. Saumarez lief extrem dicht an das deutsche Schiff, konnte aber nur noch vier Torpedos abfeuern, von denen einer traf. Der Zerstörer hatte einen schweren Treffer in seinen Feuerleitstand erhalten, der – ohne zu explodieren – das Schiff durchschlug und elf Mann tötete. Der Zangenangriff der von der Saumarez geführten Zerstörer hatte die Flucht der Scharnhorst erheblich verzögert, ihre mögliche Höchstgeschwindigkeit leicht verringert und die Munitionsvorräte weiter reduziert. Dazu waren die Verbände von Fraser und Burnett am Abend auf unter zehn Kilometer herangekommen und begannen die radargestützte Beschießung und Zerstörung des deutschen Schlachtschiffs.Rohwer: Seekrieg. 26. Dezember 1943, Nordmeer