Reitwettbewerbe bei denOlympischen Spielen 2020Qualifikation DressurreitenEinzelMannschaft SpringreitenEinzelMannschaft VielseitigkeitsreitenEinzelMannschaft Die Einzelwettbewerbe im Dressurreiten bei den Olympischen Spielen 2020 in Tokio wurden vom 24. bis 28. Juli 2021 im Baji Kōen (auch als Equestrian Park bezeichnet) ausgetragen.

Zeitplan Juli 24.  25.  26.  27.  28.  18px     Qualifikation18x18pxMedaillenentscheidung

Qualifikation

Insgesamt gab es 60 Startplätze. Jede Nation, die sich für den Mannschaftswettbewerb im Dressurreiten qualifiziert hatte, erhielt in diesem Einzelwettbewerb drei Startplätze. Reiter, deren Nation keine Mannschaft stellte, hatten die Möglichkeit über andere Turniere Punkte für die Olympiarangliste zu sammeln.

Titelträger Olympiasiegerin mit ValegroRio de Janeiro 2016Weltmeisterin mit Bella RoseTryon 2018

Prüfungen Alle Reiter-Pferd-Paare traten zunächst in der Qualifikationsprüfung, einem Grand Prix de Dressage, an. Die Qualifikation für das Einzelfinale erfolgte hier nach einem Gruppenmodus, welcher in dieser Form in den olympischen Reitsportdisziplinen nur durch Gruppenspringprüfungen der Springreiter bekannt ist: Die Dressurreiter wurden in sechs Gruppe zu je zehn Reitern eingeteilt. Die Einteilung erfolgte nach der Reihenfolge der teilnehmenden Reiter-Pferd-Paare in der Weltrangliste. Hierbei wurde das bestplatzierte Paar in Gruppe F eingeteilt, das zweitplatzierte in Gruppe C, das drittplatzierte in Gruppe E, das viertplatzierte in Gruppe B, das fünftplatzierte in Gruppe D und das sechstplatzierte in Gruppe A. Ab dem siebentplatzierten Paar wurde wieder in Gruppe F begonnen. Die Gruppen A, B und C starteten am ersten Tag der Qualifikationsprüfung, die Gruppen D, E und F gingen am zweiten Tag in das Viereck.

Aus jeder Gruppe qualifizierten sich die besten zwei Reiter-Pferd-Paare für das Einzelfinale. Zusätzlich zogen auch noch sechs „Lucky Loser“ in das Einzelfinale ein, hierbei handelte es sich um die sechs Paare mit den besten Ergebnissen, die sich nicht direkt aus den Gruppen qualifizieren konnten.

Das Einzelfinale der verbliebenen 18 Reiter-Pferd-Paare war als Grand Prix Kür ausgeschrieben. Alle Teilnehmer starteten wieder bei null, nur das Ergebnis der Kür zählte für die Reihenfolge der Einzelwertung.FEI Regulations for Equestrian Events at the Olympic Games, 24th Edition,Effective for the Olympic Games Tokyo 2020, 23 July-8 August 2021: Chapter III -Dressage (PDF; 649 kB)

Ergebnisse Qualifikationsprüfung Das Starterfeld in der Qualifikationsprüfung war um zwei Reiter-Pferd-Paare auf 58 reduziert: Am Abend vor der ersten Prüfung fiel Victoria Max-Theurers Wallach Abegglen aus, bei ihm wurde ein Abszess an einer Zahnwurzel festgestellt.Olympische Spiele, Tag 1: Ausfall & Diskussion, persönliche Bestleistung und Team-Lead der Niederlande, eqwo.net, 24. Juli 2021 Südafrikas Einzelreiterin Tanya Seymour plante die Olympischen Spiele in Tokio als Karriereabschluss ihres 19-jährigen Wallachs Ramoneur. Nachdem das Pferd in Tokio zunächst noch frisch beim Training gewirkt hatte, stellten sich plötzlich Hufprobleme ein. Bei Röntgenuntersuchungen wurde festgestellt, dass Ramoneur unter Hufrehe leidet. Seymour verzichtete daraufhin auf eine Olympiateilnahme.Tanya Seymour's Sad Tokyo Ending, Ramoneur Out due to Laminitis, eurodressage.com, 21. Juli 2021

Grand Prix – Gruppe A In der vermeintlich schwächsten Gruppe des ersten Tages qualifizierten sich die Reiterinnen mit Ergebnissen von über 75 Prozent direkt für das Einzelfinale. Der Hengst Everdale von Charlotte Fry fehlte es an Losgelassenheit, doch die Lektionen erhielten sehr überwiegend gute Bewertungen (viele 8,0-Noten). In der Gesamtnote kam das Paar auf 77,096 Prozent, dies war die beste Wertung der Gruppe A.Olympia Grand Prix, Gruppe A: Hengste vorne und ein toller Brasilianer, Jan Tönjes / St. Georg, 24. Juli 2021 Ihren Auftritt bei ihren sechsten Olympischen Spielen hatte in dieser Gruppe die 66-jährige Mary Hanna aus Australien. Rang Reiter Pferd ProzentDressurreiten: Ergebnis Grand Prix, Gruppe A mit Einzelnoten 1  Everdale 77,096 % 2  Dante Weltino OLD 75,140 % 3  Zack 73,168 % 4  Aquamarijn 70,869 % 5  Escorial 70,419 % 6  Calanta 67,981 % 7  Fleraro 66,118 % 8  Belstaff 63,447 % 9  Ludwig der Sonnenkönig 62,531 %

Grand Prix – Gruppe B Die zweite Gruppe begann beim Hengst Total US und Edward Gal. Der frühe Startplatz des an sich leistungsstark einzuschätzenden Paares war dadurch bedingt, dass das Pferd im Jahr 2021 erst seine erste Saison auf Grand Prix-Niveau ging, erst drei internationale Turniere bestritten hatte und entsprechend weit hinten in der Weltrangliste geführt wurde. Der Ritt verlief nicht spannungsfrei, ähnlich wie bei Everdale in der Gruppe A brachten die Lektionen dennoch gute Noten, mit einem Endergebnis von über 78 Prozent legte Gal eine hohe Messlatte für seine Konkurrenzen in dieser Gruppe.Olympia Grand Prix, Gruppe B: Edward Gal hinter grandioser Cathrine Dufour, Jan Tönjes / St. Georg, 24. Juli 2021

Mehrere Paare blieben in dieser Gruppe spürbar hinter ihren bei anderen Turnieren erzielten Bestergebnissen zurück. So gelang Antonia Ramel mit Brother de Jeu, Inessa Merkulowa mit Mister X und Chris von Martels mit Eclips jeweils kein Ergebnis über 70 Prozent. Cathrine Dufour bestätigte mit ihrem Wallach Bohemian die Form der letzten zwei Jahren und erreichte das erste Endergebnis von über 80 Prozent bei diesen olympischen Dressurwettbewerben. Rang Reiter Pferd ProzentDressurreiten: Ergebnis Grand Prix, Gruppe B mit Einzelnoten 1  Bohemian 81,056 % 2  Total US 78,649 % 3  Elegance 72,096 % 4  Fenix de Tineo 70,311 % 5  Mister X 69,457 % 6  Brother de Jeu 68,540 % 7  Eclips 68,059 % 8  Wispering Romance 66,941 % 9  Donna Anna 65,435 %

Grand Prix – Gruppe C Die Gruppe C erwies sich als stärkste Gruppe des Qualifikationsprüfung. Vier von zehn Paaren kamen auf ein Ergebnis von über 75 Prozent, dank der Luck-loser-Regelung qualifizierten sich fünf der zehn Paare für das Einzelfinale. Carl Hester verschenkte als zweiter Starter wertvolle Punkte in den Zweierwechseln und dem folgenden starken Trab. Dank hoher Noten in den mit dem Faktor zwei bewerteten Lektionen reichte es dennoch für ein Endergebnis von 75,124 Prozent. Sabine Schut-Kery, die zuletzt 2015 bei den Panamerikanischen Spielen eine Dressurprüfung außerhalb der Vereinigten Staaten bestritten hatte, konnte zusammen mit ihrem 15-jährigen Hengst Sanceo überzeugen: Eine losgelassene und harmonische Prüfung mit sicherer Ausführung der Lektionen mit unzähligen 8,0-Noten brachte dem Paar ein Ergebnis von über 78 Prozent. Damit gelang ihnen bereits im Grand Prix ihr bisher bestes Ergebnis in allen Grand Prix-Prüfungen.

Der in Deutschland lebende Finne Henri Ruoste erzielte mit seinem Pferd Kontestro in den letzten Jahren im Grand Prix konstant Ergebnisse zwischen 72 und 75 Prozent. Davon war das Paar an diesem Tag weit entfernt: Kontestro erschrak sich vor einer Abdeckung, die eine Fernsehkamera vor dem Regen schützen sollte. Ruoste gelang es zwar, den Wallach dazu zu bewegen, die Prüfung mit ihm zu beenden. Doch blieb das Pferd bis zum Ende der Prüfung verspannt, was sich deutlich auf die Noten durchschlug. Mit einem Ergebnis von unter 65 Prozent waren die Olympischen Spiele für das Paar nach dem Grand Prix beendet. Hans Peter Minderhoud reihte sich mit seinem Rapphengst Dream Boy hinter Schut-Kery ein.

Das letzte Starterpaar des ersten Grand Prix-Tages waren Jessica von Bredow-Werndl und ihre Stute Dalera. Das Paar, das 2021 beide Titel bei den deutschen Meisterschaften errungen hatte, wurde ihrer Favoritenrolle gerecht. Ohne wirkliche Schwächen, dafür aber mit fast ausschließlich 10,0-Noten in der letzten, mit dem Faktor zwei bewerteten Piaffe auf der Schlusslinie der Prüfung gelang ihnen das klar beste Ergebnis dieses Tages. Die Wertung von über 84 Prozent war auch für Jessica von Bredow-Werndl eine neue individuelle Bestleistung im Grand Prix de Dressage.Jessica von Bredow-Werndl und Dalera: Spitzen Grand Prix, persönliche Bestleistung zum Olympiaauftakt, Jan Tönjes / St. Georg, 24. Juli 2021 Rang Reiter Pferd ProzentDressurreiten: Ergebnis Grand Prix, Gruppe C mit Einzelnoten 1  TSF Dalera BB 84,379 % 2  Sanceo 78,416 % 3  Dream Boy 76,817 % 4  En Vogue 75,124 % 5  Fogoso 72,624 % 6  Sorento 69,146 % 7  Zo What 68,929 % 8  Flambeau 67,251 % 9  Kontestro 64,674 % 10  Bojengels 63,898 %

Grand Prix – Gruppe D Der Gruppensieg ging in der Gruppe D an Carina Cassøe Krüth und ihre Stute Danciera, die eine solide, harmonische Prüfung bestritten. Adrienne Lyle und ihr 14-jähriger Hengst Salvino ließen in den Zick-Zack-Traversalen viele Punkt liegen und auch im starken Trab und starkem Galopp blieb das Paar deutlich hinter ihren Bestergebnissen von knapp über 80 Prozent zurück. Das Endergebnis von fast 75 Prozent reichte dennoch für den zweiten Platz und damit für den direkten Einzug ins Einzelfinale. Das beste österreichische Ergebnis im Grand Prix lieferte Christian Schumach ab. Fehler in den Zweierwechseln und schwache Noten im doppelt bewerteten starken Schritt drückten die Noten des Österreichers, der in Tokio mit dem Totilas-Sohn Te Quiero am Start war. Ihr Ergebnis von 70,900 Prozent war zu gering für einen Einzug in die Grand Prix Kür.

Das Pferd der für Singapur startenden Reiterin Caroline Chew erschrak sich mehrfach im Dressurviereck. Während der Prüfung wurde das Reiter-Pferd-Paar von der Chefrichterin abgeklingelt, nachdem diese blutigen Schaum am Maul des Pferdes gesehen hatte. Dies bedeutete den Ausschluss für das Paar.Olympia Grand Prix Gruppe D – Danish Dynamite: Carina Cassoe Kruth und Heiline‘s Danciera, Jan Tönjes / St. Georg, 25. Juli 2021 Rang Reiter Pferd ProzentDressurreiten: Ergebnis Grand Prix, Gruppe D mit Einzelnoten 1  Danciera 76,677 % 2  Salvino 74,876 % 3  Te Quiero 70,900 % 4  Fil Rouge 70,699 % 5  Destano 68,494 % 6  Sambuca 68,432 % 7  Fendi T 68,370 % 8  Sebastien 65,404 % 9  Diavolessa 63,866 % 10  Tribiani ausgeschieden

Grand Prix – Gruppe E Die Australierin Kelly Layne begann ihre Prüfung stark, im starken Trab erhielt sie von einem Richter sogar eine 9,0-Note. Doch die mit dem Faktor zwei bewertete Lektion der Piaffe erwies sich als Problemlektion ihres Wallachs Samhitas: Nachdem die erste Piaffe bereits mit „sehr schlecht“ bewertet worden war, stieg Samhitas bei der zweiten Piaffe gar. Nachdem die folgenden Lektionen als Folge dieser Disharmonie nur mit mäßiger Qualität ausgeführt worden waren, musste das Paar das schlechteste alle Endergebnisse der Qualifikationsprüfung hinnehmen.

Luxemburgs Vertreter bei den olympischen Reitsportwettbewerben, Nicolas Wagner Ehlinger, musste seinen energiegeladenen Wallach Quater Back Junior unter Kontrolle halten, so dass es nicht für sein aus den letzten zwei Jahren gewohntes Leistungsniveau von deutlich über 70 Prozent reichte. Ohne große Ausreißer in den Einzelnoten bei einzelnen Lektionen schloss er die Olympischen Spiele mit einem Ergebnis von 70,512 Prozent ab.Tokio 2020: Nicolas Wagner landet auf Rang 25, Kevin Zender / Luxemburger Wort, 25. Juli 2021

Marlies van Baalen verpasste mit dem erst 10-jährigen Go Legend nach Fehlern in den Einerwechseln ein ausreichendes Ergebnis, um sich einen Startplatz im Einzelfinale über die Lucky-loser-Regel zu sichern. Auch bei Schwedens dritter Reiterin Juliette Ramel waren die Einerwechseln fehlerbehaftet. Doch dank vieler 8,0-Noten in anderen Lektionen reichte es für sie sicher zum zweiten Platz der Gruppe E. Der Gruppensieg ging mit über fünf Prozent Vorsprung eindeutig an Dorothee Schneider und Showtime. Ein Aussetzer in der ersten Galopppiourette kostete das Paar eine mögliche 80-Prozent-Wertung. Showtime zeigte sich noch etwas schüchtern, die Klasse des Wallach war dennoch klar erkennbar.Olympia Grand Prix Gruppe E – Dorothee Schneider und Showtime Platz eins mit 78,82 Prozent, Jan Tönjes / St. Georg, 25. Juli 2021