Aukrug (niederdeutsch Aukrog) ist eine Gemeinde im Kreis Rendsburg-Eckernförde in Schleswig-Holstein. Die Gemeinde entstand am 31. Dezember 1969 durch den Zusammenschluss der bis dahin selbständigen Gemeinden Bargfeld (mit dem Ortsteil Tönsheide), Böken, Bünzen, Homfeld (mit dem Ortsteil Bucken) und Innien. Sie leitet ihren Namen von einer Gebietsbezeichnung ab und ist ein staatlich anerkannter Erholungsort.
Geographie Geographische Lage mini|Bünzau in Aukrug-Innien Das Gemeindegebiet von Aukrug erstreckt sich im Osten des Naturraums Heide-Itzehoer Geest etwa 12 km westlich von Neumünster am östlichen Rand des nach ihm benannten Naturparkes Aukrug. In Aukrug fließt die Bünzau und die südwestlich von Böken von links einmündende Höllenau. Die geographischen Koordinaten für Aukrug sind: Breitengrad 54,0825°, Längengrad 9,7842°.
Gemeindegliederung Nach dem Amtlichen Gemeindeverzeichnis für die Bundesrepublik Deutschland von 1957 hatten die ehemaligen fünf Gemeinden, die den heutigen Gemarkungen entsprechen, folgende Flächen:
Gemarkung Fläche(km²) Einwohner WGS84-KoordinatenBemerkungen Bargfeld 6,45… …einschl. Ortsteil Tönsheide Böken 13,03… … Bünzen 9,73… … Homfeld 14,20… …einschl. Ortsteil Bucken Innien 6,48… … Aukrug49,89…
Nachbargemeinden Unmittelbar angrenzende Gemeindegebiete zu Aukrug sind:
Klima Durch die Lage in Mitteleuropa besteht in Aukrug ein humides kühlgemäßigtes Übergangsklima, das weder sehr kontinental noch sehr maritim ist. Die Temperatur liegt im Jahresmittel bei 8,2 °C, es fallen 793 Millimeter Niederschlag pro Jahr. Trockenster Monat ist der Februar mit 46 Millimetern Niederschlagsmenge, niederschlagsreichster Monat ist der August mit 86 Millimetern. Kältester Monat ist der Januar mit durchschnittlich 0,2 °C, wärmster Monat ist der Juli mit durchschnittlich 16,6 °C.Klima: Aukrug, climate-data.org, abgerufen am 10. Januar 2016
Landschaft
Die Landschaft im Gemeindegebiet wird geprägt durch Wiesen und Felder, Heide, Moore, Teiche und kleine Flussläufe. Durch den langjährigen Torfabbau zur Herstellung von Torfkohle sind die Moorflächen im Gemeindegebiet jedoch stark zurückgegangen. Heute besteht nur noch das Viertshöher Moor, ein Hochmoor im Ortsteil Böken, welches dieser Verwendung dient.
351 ha des 1000 ha großen Forstes Iloo liegen im Aukruger Gemeindegebiet.
Geschichte
Der Name Aukrug war ursprünglich eine Gebietsbezeichnung und wird abgeleitet von der plattdeutschen Bezeichnung „in de Aukrögen“, was bedeutet in den Krümmungen der Auen. Die genaue Bezeichnung für diese Gegend um die fünf Dörfer Innien, Böken, Bünzen, Bargfeld und Homfeld lautete Nortorfer Aukrug, da es bei Neumünster und Rendsburg ebenfalls einen Aukrug gab. Der älteste Ortsteil, Innien, wurde bereits 1128 erwähnt.
Vom 1. April 1970 bis zum 31. Dezember 2011 gehörte die zuvor amtsfreie Gemeinde zum Amt Aukrug mit Sitz in Aukrug (Ortsteil Innien, wo heute an der Bargfelder Straße 10 der Gemeindesaal liegt). Am 1. Januar 2012 ging das Amt Aukrug im Amt Mittelholstein auf, dessen Sitz Hohenwestedt ist.
Postgeschichte
1881 wurde in Innien eine Postagentur eröffnet. 1908 wurde ein Postgebäude errichtet und die Agentur in ein selbständiges Postamt umgewandelt.
Chronik des Aukrugs Die „Geschichte des Aukrugs“ wurde bereits mehrfach im gleichnamigen Buch festgeschrieben. Die erste Ausgabe wurde bereits 1907 beauftragt und erschien 1913; der Autor war Georg Reimer. Die Aukruger Chronik ist damit eine der ältesten gedruckten Dorfchroniken Schleswig-Holsteins. Neuauflagen erschienen 1959 (überarbeitete Neuauflage), 1978 (Ausgabe von 1959 mit Fortsetzung) und 1995 (Ergänzungen und Nachträge). Seit 2020 sind die Bücher als Online-Versionen verfügbar und werden im Aukrug Geschichte Wiki fortgeschrieben.Aukrug Geschichte Wiki
Einwohnerentwicklung
mini|400px|Einwohnerentwicklung von Aukrug von 1803 bis 2015
Die Geschichte des Aukrugs weist folgende Einwohnerzahlen aus: Jahr BargfeldBökenBünzenHomfeldInnienGesamt 1803 108 193 193* 125* 78* 504Georg Reimer: Geschichte des Aukrugs, 1978, S. 290 1845 116 237 152* 155* 208* 838 1860 187 307 235 256 239 1224 1875 131 250 197 273 220 1071 1880 141 305 205 253 262 1166 1885 124 309 188 283 280 1184 1890 125 309 188 284 328 1234 1895 166 296 206 275 384 1327 1900 132 296 210 266 472 1376 1910 110 350 225 275 607 1567 1925 107 362 223 287 699 1678 1933 196 329 222 268 621 1636 1939 236 321 244 300 657 1758 1946 532 709 512 565 1361 3679 13. September 1950 504 660 466 467 1362 3459 25. September 1956 385 443 329 344 1116 2617 1970 2500 1987 3020Volkszählung 1987 1994 3300 30. Juni 2005 3828 2011 3733Zensus 2011 31. Dezember 2015 3770 31. Dezember 2017 3811 31. Dezember 2018 3803 31. Dezember 2022 3953 31. Dezember 2024 3794 (*) ohne die Einwohner der klösterlichen Ländereien, die sich erst ab 1860 in der Statistik wiederfinden
Politik Gemeindevertretung mini|Sitzverteilung in der Aukruger Gemeindevertretung (Kommunalwahl 2023)
Von den 17 Sitzen in der Gemeindevertretung hat die SPD seit der Kommunalwahl im Mai 2023 sechs Sitze, die CDU fünf, die Wählergemeinschaft AI (Aukruger Interessengemeinschaft) drei, die Wählergemeinschaft EfA (Einwohner für Aukrug) zwei Sitze und die FDP einen Sitz.
Bürgermeister
1970–1985: Hans August Jensen (CDU) 1985–1990: Eitel-Wolf Necker (CDU) 1990–1994: Reimer Reimers (SPD) 1994–1998: Heinrich Hermann Behr (FDP) 1998–2018: Nils Kuhnke (CDU) seit 2018: Joachim Rehder (SPD)
Wappen
Partnerschaften Seit 1991 kommunale Patenschaft mit Warin in Mecklenburg-Vorpommern Seit 1997 besteht ein offizieller Freundschafts- und Partnerschaftsvertrag mit dem Dorf Sien in Burkina Faso.
Sehenswürdigkeiten In der Liste der Kulturdenkmale in Aukrug stehen die in der Denkmalliste des Landes Schleswig-Holstein eingetragenen Kulturdenkmale.
Die Region ist touristisch sehr gut erschlossen.
Heimatmuseum „Dat ole Hus“ Dat ole Hus ist ein Heimatmuseum im Ortsteil Bünzen. Der Bau wurde um 1700 erstmals errichtet und 1804 nach einem Brand als strohgedeckte Kate neu gebaut. Bekanntes Reiseziel ist der „Museumskroog“, in dem es auf dem alten Herd frisch gebackene Waffeln mit Kirschgrütze gibt.
Die Bünzer Wassermühle Die Bünzer Wassermühle ist eine gut erhaltene Wassermühle, die vermutlich seit dem Mittelalter besteht. Die Mühle ist als Wahrzeichen auf der Touristischen Unterrichtungstafel an der Bundesautobahn 7 abgebildet.
Aukruger Kirche Die Evangelische Kirche Aukrug ist eine 1893 geweihte kreuzförmige Saalkirche im neugotischen Stil. Der Entwurf des erst 1922 gebauten Turmes stammt von dem kaiserlichen Baurat und Kirchenbaumeister Jürgen Kröger, der im Ruhestand in Innien lebte.
Wasserturm in Aukrug-Böken Einer der kleinsten Wassertürme Schleswig-Holsteins steht in Böken. Er diente bis 2023 der Wasserversorgung in Böken. 2023 wurde die Wassergenossenschaft aufgelöst. Somit ist der Wasserturm nicht mehr für die Versorgung zuständig.
Der Boxberg Mit 76,8 Metern Höhe ist der Boxberg eine der höchsten Erhebungen im Naturpark Aukrug. Von seiner Spitze hat der Betrachter einen weiten Blick über die waldreiche Landschaft des Naturparks.
Turmhügelburg „Bori“ in Bünzen In Bünzen am Sportplatz befindet sich die frühmittelalterliche Burg Bori. Die Anlage gehört zu den sogenannten Motten, die ab dem 12. Jahrhundert verstärkt angelegt wurden. Ein weiterer, allerdings kaum noch erkennbarer Turmhügel, befindet sich in Bargfeld.
Viertshöher Moor An der Straße nach Nortorf befindet sich das Viertshöher Moor, ein wiedervernässtes Hochmoor mit einem Rundwanderweg. Die ringförmigen Hügel, die sich auf dem Gelände befinden, sind Überreste aus der Herstellung von Torfkohle, die ähnlich wie Holzkohle hergestellt wurde.
Hünengrab Kluesbarg in Homfeld Der Kluesbarg, ein mit Buchen bewachsene Hünengrab an der Itzehoer Straße, ist eine bronzezeitliche Grabanlage in Aukrug.
Dithmarscher Berge Die Dithmarscher Berge sind drei Hügelgräber aus der Bronzezeit an der Straße nach Ehndorf, die vermutlich als Erinnerung an die Schlacht in Bünzen (1317) so bezeichnet werden. Die Grabhügel bei Aukrug-Bargfeld liegen ebenfalls auf dem Gemeindegebiet.
„Lübsche Trade“ nach Meezen Der Waldweg von Aukrug-Homfeld nach Meezen ist ein ursprünglich erhaltener Abschnitt des alten Handelsweges Lübsche Trade. An der Einmündung auf die Bundesstraße 430 befindet sich ein Gedenkstein.
Auerochsen Seit 2002 werden im Naturpark zur Pflege einiger Flächen Heckrinder gehalten. Durch ihr Fressverhalten fördern die Rinder die Entstehung einer vielfältigen Pflanzen- und Tierwelt und machen weitere Pflegemaßnahmen der Weidelandschaft überflüssig. Die beiden Weideflächen befinden sich westlich des Bargfelder Moores an der Bünzau sowie in Aukrug-Homfeld in der weiträumigen Buckener-Au-Niederung. Von zwei Beobachtungstürmen kann man in Homfeld die Heckrinder, aber auch Rast- und Brutvögel gut beobachten, ohne dass man die Fläche betreten muss.
Naturschutzgebiet Tönsheider Wald Auf dem 67 Hektar großen Gelände östlich der Fachklinik befinden sich in dem Naturschutzgebiet Tönsheider Wald größere zum Teil naturnahe Waldflächen mit eingestreuten Heideflächen.
Naturdenkmal „Knick mit Knickharfen“ Das Naturdenkmal Knick mit Knickharfen zwischen Aukrug-Homfeld und Waldhütten ist ein 50 Meter langer Knick mit rund 250 Jahre alten Knickharfen, der 1990 unter Schutz gestellt wurde.
Wirtschaft und Infrastruktur Das örtliche Wirtschaftsleben ist durch kleinere Betriebe aus Handwerk, Handel und Landwirtschaft geprägt. Hervorzuheben ist der Spargelanbau. Die fünf ortsansässigen Spargelbauern bewirtschaften mit 20 HektarGraben, Stechen, Füllen: So anstrengend ist die Spargelernte etwa fünf Prozent der Spargelanbaufläche in Schleswig-Holstein (Stand 2015). Aukrug liegt an der Spargelstraße Schleswig-Holstein, und 2005 wurde hier die erste Spargelkönigin für Schleswig-Holstein gekrönt. Der Erholungswert des Gemeindegebietes macht den Fremdenverkehr zu einem bedeutenden Wirtschaftsfaktor.
Öffentliche Einrichtungen mini|Altbau der Fachklinik Aukrug In Aukrug betreibt die Deutsche Rentenversicherung Nord die Fachklinik Aukrug. Eine weitere Kur- und Rehabilitationseinrichtung ist die von der Diakonie Schleswig-Holstein betriebene Wohn- und Werkstätte für behinderte Menschen, der Erlenhof.
Bildung Im Ort gibt es ein Familienzentrum mit Kindergarten, Kinderkrippe, Waldkindergarten und KinderhortFamilienzentrum Aukrug sowie eine Grundschule. In Tönsheide ist das Bildungszentrum Tannenfelde, die Bildungseinrichtung der Wirtschaft in Schleswig-Holstein, ansässig.
Verkehr mini|Unterrichtungstafel an der Autobahn 7 Aukrug liegt an der Bundesstraße 430 und der Bahnstrecke Neumünster–Heide, der sogenannten Westbahn. Die Strecke wird heute betrieben von der nordbahn Eisenbahngesellschaft.
Freizeit und Tourismus In Aukrug gibt es ausgeschilderte Wanderwege u. a. den Naturparkweg. Sie führen durch Wälder und folgen teilweise den Flussläufen der Bünzer Au. Weiter gibt es einen Segelflugplatz, der gegen eine Spende zu Gastflügen genutzt werden kann, und von Mitte März bis Mitte Oktober geöffnet ist.
In Innien gibt es ein Freibad mit Planschbecken und Sprungturm. Seit Mai 2006 gibt es am Freibad einen Wohnmobilstellplatz. In den ausgedehnten Sport- und Freizeitanlagen befindet sich ein Grillplatz für jedermann.
Am Boxberg befindet sich zudem ein Trimm-Dich-Pfad. Auch für Golf- und Tennisspieler sind Anlagen in der Gemeinde vorhanden.
Vereine und Stiftungen Das kulturelle Leben im Aukrug wird durch eine Vielzahl von Vereinen organisiert und ermöglicht:
ADAC Ortsverein Aukrug Aukruger Seniorenclub AWO Arbeiterwohlfahrt Deutsches Rotes Kreuz, Ortsgruppe Aukrug DLRG Aukrug Förderverein Freibad Aukrug Gesellschaft für lebendige Geschichte JafA – Jugendarbeit für Aukrug Museumsverein „Dat ole Hus“ Partnerschaftsverein Aukrug-Sien SoVD Sozialverband Deutschland VFF – Verein der Freunde und Förderer der Aukrugschule