mini|Naturschutzgebiet Lienig oberhalb von Freitagszella (Juni 2013) Der Lienig ist ein bewaldeter Steilhang im thüringischen Wartburgkreis, der sich mit einer Länge von rund 1,2 km rechts der Werra erstreckt. Er liegt in unmittelbarer Nachbarschaft zu den Naturschutzgebieten „Klosterholz und Nordmannssteine“ und „Ebenauer Köpfe“, mit denen er das Fauna-Flora-Habitat-Gebiet „Creuzburger Werratal-Hänge“ bildet. Wegen seiner baumartenreichen Laubwälder und den als relativ selten geltenden Formationen des Karstgesteins gehörte der Lienig zu der Auswahl von vor allem waldbestandenen Gebieten, die vom Ministerium für Landwirtschaft, Erfassung und Forsten der DDR im Jahr 1961 unter Schutz gestellt wurden.Geschichte der Naturschutzgebiete im Freistaat Thüringen. In: Holm Wenzel, Werner Westhus, Frank Fritzlar, Rainer Haupt und Walter Hiekel: Die Naturschutzgebiete Thüringens.S. 12 f.
Lage In der naturräumlichen Gliederung Deutschlands, die auf der Geografischen Landesaufnahme des Instituts für Landeskunde Bad Godesberg basiert, wird der Lienig der Engtalstrecke zwischen Creuzburg und Treffurt (483.441) im Creuzburger Werradurchbruch (483.44) zugeordnet. Westlich grenzt der Nördliche Ringgau (483.43) an und nach Osten geht der Bereich in die Mihlaer Hochfläche (483.47) über. Sie sind alle Teile der Haupteinheit Nordwestliche Randplatten des Thüringer Beckens (483).Hans-Jürgen Klink: Blatt 112 Kassel. In: Naturräumliche Gliederung nach der Geographischen Landesaufnahme des Instituts für Landeskunde Bad Godesberg. Nach dem innerthüringischen, nur landesweit einteilenden System der Landesanstalt für Umwelt und Geologie (TLUG) befindet sich der Lienig in dem Naturraum Werrabergland - Hörselberge (3.3).Naturräume Thüringens auf der Website des Thüringer Landesamtes für Landwirtschaft und Ländlichen Raum; abgerufen am 9. April 2026.
Administrativ liegt der Bereich innerhalb des Amtes Creuzburg, einer Stadt, die durch den Zusammenschluss von Creuzburg mit den Gemeinden Ebenshausen und Mihla entstanden ist. Das Amt Creuzburg ist der Sitz der Verwaltungsgemeinschaft Hainich-Werratal.
Schutzgebiet Die geschützten Flächen befinden sich an einem nach Norden ausgerichteten Steilhang, der aus dem Werratal aufsteigt und bei einer Höhe von 270 m in eine Hochfläche übergeht. Innerhalb des Naturschutzgebiets charakterisieren elf unterschiedlich tiefe, kerbförmige Runsen den Hang. In manchen Bereichen, wie etwa am unteren Hangweg, erreichen sie Tiefen bis zwölf Meter und Breiten bis fünf Meter. Die relativ enge Furchung wird mit der zerstörenden Wirkung des Wassers begründet, das während der Schneeschmelze und bei Starkregen von den oberhalb liegenden landwirtschaftlich genutzten Flächen den Hang überströmt.
Den Untergrund des Lienig bauen die mittleren und oberen Folgen des Muschelkalks auf: Am Unterhang die dolomitisch-mergeligen Kalkplatten des Mittleren Muschelkalks, darüber der Trochitenkalk, mit Fossilien der Seelilie (Encrinus liliiformis), auf den dann der Obere (Haupt-)Muschelkalk folgt. Die Bodenart und Gründigkeit hängen vom Ausgangsmaterial und von der Lage im Gelände ab: Am flacheren Oberhang ist Kalkton-Rendzina verbreitet. Auf den unteren Bereichen verwitterte der Mittlere Muschelkalk zu Lehm mit wechselndem, zum Teil hohen Steingehalt, in dem sich Berglehm-Rendzina entwickelte.Lienig. In: Holm Wenzel u. a.: Die Naturschutzgebiete Thüringens. S. 98 f.
Vegetation und Fauna Die Vegetation des Schutzgebiets wird von Waldgesellschaften geprägt, die vermutlich aus Mittelwäldern hervorgegangen sind. Am Ober- und Mittelhang hat sich Waldgersten-Buchenwald entwickelt, mit der Rotbuche (Fagus sylvatica) als dominierende Baumart. Nach den Hangmulden und zum Unterhang hin nimmt der Anteil an Edellaubbaumarten zu. Diese Bestände werden den Eschen-Ahorn-Schlucht- und Schatthangwäldern zugeordnet. In ihnen wachsen mit hohem Anteil Eschen (Fraxinus excelsior) und auch Vogelkirschen (Prunus avium), Elsbeeren (Sorbus torminalis), Stieleichen (Quercus robur) kommen regelmäßig vor, vereinzelt auch die durch das Ulmensterben selten gewordenen Bergulmen (Ulmus glabra). Die Wälder gehören zu Lebensraumtypen die im Rahmen der Fauna-Flora-Habitat-Richtlinie der Europäischen Union besonders geschützt werden.Thüringer Natura 2000-Erhaltungsziele-Verordnung. In: Gesetz-und Verordnungsblatt für den Freistaat Thüringen. Ausgabe 7/2008 vom 14. Juli 2008.
Bekannt ist der Lienig für die großen Vorkommen von Gewöhnlicher Goldnessel (Lamium galeobdolon), Geflecktem Aronstab (Arum maculatum) und Gelbem Windröschen (Anemone ranunculoides), die im Frühjahr mit üppigen Beständen den Waldboden bedecken. Auch das Auftreten von 18 Flechten und 2 flechtenbewohnenden Pilzen wird als beachtenswert angesehen.
Die Fauna wurde bisher kaum dokumentiert. Die im Gebiet beobachteten Vogelarten gelten als typische und weit verbreitete Arten der Wälder wie Waldkauz (Strix aluco), Baumpieper (Anthus trivialis) oder Singdrossel (Turdus philomelos).
Unterschutzstellung Naturschutzgebiet Nach einer einstweiligen Sicherstellung in den Jahren von 1957 bis 1961 wurde der Lienig mit Anordnung vom 30. März 1961 des Ministers für Land- und Forstwirtschaft zum Naturschutzgebiet erklärt. Die endgültige Unterschutzstellung trat am 1. Mai 1961 in Kraft.Gesetzblatt der DDR, Teil II. Nr. 27 vom 4. Mai 1961, S. 166 f. Schutzzweck der Ausweisung war die Erhaltung des baumartenreichen Laubwaldbestandes und der relativ seltenen karstmorphologischen Bildungen. Das 22,5 Hektar große Gebiet hat die thüringeninterne Kennung 25 und den WDPA-Code 164451.„Lienig“. In: Weltdatenbank für Schutzgebiete; abgerufen am 9. April 2026. Fauna-Flora-Habitat-Gebiet Gemeinsam mit den benachbarten Naturschutzgebieten „Klosterholz und Nordmannssteine“ und „Ebenauer Köpfe“ wurde der Lienig im September 2000 durch das Thüringer Umweltministerium als Fauna-Flora-Habitat-Gebiet vorgeschlagen und über das Bundesumweltministerium an die EU-Kommission gemeldet. Nach der Bestätigung der Aufnahme in das länderübergreifende Schutzgebietsnetzwerk Natura 2000 folgte die rechtliche Umsetzung mit der „Thüringer Natura 2000-Erhaltungsziele-Verordnung“ vom 29. Mai 2008.Verordnung zur Festsetzung von Europäischen Vogelschutzgebieten, Schutzobjekten und Erhaltungszielen vom 29. Mai 2008 In: Online-Verwaltung Thüringen; abgerufen am 9. April 2026. Das dreiteilige FFH-Gebiet mit dem Namen „Creuzburger Werratal-Hänge“ hat in Thüringen die Nummer 35, die europäische Gebietsnummer 4927-303 und den WDPA-Code 555520295.„Creuzburger Werratal-Hänge“. In: Weltdatenbank für Schutzgebiete; abgerufen am 9. April 2026. Der südwestliche Bereich des 147 Hektar großen FFH-Gebiets liegt in den Gemarkungen der Stadt Creuzburg und dem Ortsteil Buchenau der Gemeinde Mihla und der nordöstliche in der Verwaltungsgemeinschaft Hainich-Werratal.Steckbrief des FFH-Gebiets 4927-303 „Creuzburger Werratal-Hänge“. Auf der Website des Bundesamtes für Naturschutz (BfN); abgerufen am 9. April 2026.
Der Flusslauf der Werra unterhalb des Lienig gehört zu dem Fauna-Flora-Habitat-Gebiet „Werra bis Treffurt mit Zuflüssen“. Das 2.260 Hektar große Schutzgebiet hat die europäische Gebietsnummer 5328-305 und die thüringische Nummer 111.„Werra bis Treffurt mit Zuflüssen“. In: Weltdatenbank zu Schutzgebieten; abgerufen am 9. April 2026. Mit vielen Teilflächen erstreckt es sich entlang der Werra von den Quellbereichen bis zur Landesgrenze bei Treffurt. Erhaltungsziele sind, neben anderen, die Lebensräume der bedrohten Fischarten Bachneunauge und Westgroppe, des Fischotters, der Gelbbauchunke und des Kammmolchs sowie der Fledermausfauna mit Kleiner Hufeisennase, Bechstein-, Mops- und Teichfledermaus vor schädlichen Einflüssen zu bewahren.Steckbrief des FFH-Gebiets 5328-305 „Werra bis Treffurt mit Zuflüssen“; abgerufen am 9. April 2026.
Hotspot der biologischen Vielfalt Gemeinsam mit dem Hohen Meißner und dem Kaufunger Wald wird das Tal der Werra bis in den Bereich um Creuzburg zu den Regionen in Deutschland gezählt, die eine besonders hohe Dichte und Vielfalt an charakteristischen Arten, Populationen und Lebensräumen aufweisen. Diese als Hotspots der biologischen Vielfalt bezeichneten Bereiche wurden im Auftrag des Bundesamts für Naturschutz ermittelt und mit dem Bundesprogramm Biologische Vielfalt gezielt gefördert. Die Ausweisung als „Hotspot“ hebt die besondere Fülle der Region hervor, hat aber keinen gesetzlichen Schutzstatus.Hotspots im Bundesprogramm Biologische Vielfalt; abgerufen am 20. April 2026.
mini|Die Trasse der ehemaligen „Werratalbahn“ am Hang des „Lienig“ Besucherhinweis An der nördlichen Schutzgebietsgrenze führt entlang des Flusses auf der ehemaligen Bahnstrecke von Treffurt nach Wartha der Werratal-Radweg.
Literatur
Einzelnachweise
Weblinks
Kategorie:Naturschutzgebiet im Wartburgkreis Kategorie:Geographie (Amt Creuzburg) Kategorie:Schutzgebietsgründung 1961