USS Callister ist die erste Folge der vierten Staffel und damit die insgesamt 14. Episode der britischen Science-Fiction-Fernsehserie Black Mirror. Die Folge handelt von Robert Daly, einem Programmierer, der ein äußerst erfolgreiches Virtual-Reality-Massively Multiplayer Online Role-Playing Game mitentwickelte, trotz seines Talents aber von seinen Kollegen gemieden und nicht sehr respektiert wird. Aus diesem Grund erschafft er digitale Klone von den anderen Mitarbeitern und fügt sie in eine Spiel-Mod ein, die seiner (Star Trek parodierenden) Lieblingsserie ähnelt. Dort quält er als Captain seine Crew. Während die anderen bereits abgestumpft sind und seine Launen mit vollkommener Gleichgültigkeit ertragen, ist der Klon von Nanette Cole, einer neuen Kollegin, fest dazu entschlossen, aus Dalys Simulation zu fliehen.
Aufgrund ihres für die Serie untypischen Humors, Anspielungen auf Star Trek, Leistungen der Schauspieler sowie ihrer filmähnlichen Atmosphäre wurde die Folge von Kritikern vielfach gelobt, obgleich einige Elemente der Handlung eher gemischt aufgenommen wurden. Zudem wurden bestimmte Wesenszüge des Protagonisten als eine Antwort auf Personen interpretiert, deren Verhalten zum Ausstrahlungszeitpunkt häufig in den Medien diskutiert wurde, unter anderem Internet-Trolle und Harvey Weinstein.
USS Callister erhielt im Jahr 2018 bei der Emmy-Verleihung vier Auszeichnungen bei insgesamt sieben Nominierungen.
Handlung Captain Robert Daly und seine Crew befinden sich an Bord ihres Raumschiffs, der USS Callister, als sie von ihrem Erzfeind Valdack angegriffen werden. Ihnen gelingt es zwar, Valdacks Schiff zu zerstören, allerdings lässt ihn Daly fliehen, um ihn weiterhin jagen zu können. Die Crew feiert ihren Erfolg, wobei Daly von allen weiblichen Teammitgliedern geküsst wird.
Es stellt sich heraus, dass dies nicht etwa real, sondern nur eine Szene aus einem Videospiel ist. Robert Daly ist eigentlich Chief Technical Officer und Mitgründer des Spieleentwicklers Callister Inc. James Walton, ein weiterer Mitgründer, ist der CEO des Unternehmens. Das erfolgreichste Produkt der Firma ist Infinity, ein MMORPG im VR-Format, in dem die Spieler ein Raumschiff steuern können. Das Einloggen erfolgt durch ein kleines Gerät, das an der Schläfe angebracht wird. Viele von Dalys Kollegen ignorieren ihn, seine Leistungen werden kaum gewürdigt. Hierbei ist auffällig, dass die betreffenden Mitarbeiter den Crewmitgliedern aus der Anfangssequenz sehr ähnlich sehen und auch dieselben Namen haben. Als Nanette Cole, eine neue Entwicklerin, Daly gerade für seine Programmier-Fähigkeiten loben will, wird sie von Walton unterbrochen, der im Gegensatz zu Daly sehr bestimmt auftritt und ihr kurzerhand eine Führung durch das Unternehmen anbietet.
Daly geht nach der Arbeit nach Hause und öffnet sogleich einen Infinity-Mod, in diesem ist die Spielumgebung seiner Lieblings-Fernsehserie Space Fleet nachempfunden. Daly, der in dieser modifizierten Version den Captain darstellt, beschimpft die Crew ständig wegen Lappalien und stranguliert regelmäßig Walton, der sich hier im völligen Gegensatz zu seinem Doppelgänger in der Realität sehr unterwürfig verhält.
Shania Lowry, eine weitere Angestellte, rät Cole am darauffolgenden Tag, sich vor Daly in Acht zu nehmen. Dieser bekommt ihr Gespräch zufällig mit und nimmt sich in Coles Büro heimlich einen von ihr weggeworfenen Kaffeebecher, um an ihre DNA zu gelangen. Cole kommt einige Zeit später an Bord der USS Callister sichtlich verwirrt und beunruhigt zu sich. Lowry erklärt ihr, dass alle Anwesenden digitale Klone des Mitarbeiterstabs von Callister Inc. sind. Cole versucht zunächst vergebens, von dem Schiff zu fliehen. Anschließend weigert sie sich, Dalys Befehlen zu folgen. Daraufhin entfernt er ihren Mund und ihre Nase, was sie am Atmen hindert und schließlich zur Fügung zwingt. Von Walton erfährt sie, dass die Klone weder Genitalien noch Ani besitzen und daher keinen Geschlechtsverkehr haben können. Sie sind auch nicht in der Lage zu schlafen, sie sterben zwar gelegentlich, werden danach aber in der Regel sofort durch Daly und seine DNA-Proben „wiederbelebt“, weswegen sie für alle Ewigkeit in der Simulation festsitzen.
Auf ihrer nächsten Mission gelingt es der Crew, Valdack gefangen zu nehmen, Captain Daly verletzt ihn zwar durch einen Schuss, lässt ihn aber am Leben, um ihn leiden zu lassen. Als Daly das Spiel kurz verlässt, schickt Cole per E-Mail eine Botschaft an ihr Pendant in der Realität. Die reale Cole versteht diese nicht und fragt Daly um Rat, der behauptet, es handle sich lediglich um eine Spam-Mail. Er loggt sich wieder in Infinity ein und unterzieht als Captain Daly alle Teammitglieder einem Verhör. Cole gesteht schließlich ihr Vergehen; bevor Captain Daly sie bestraft, wird sie von Lowry verteidigt. Der Captain verschont Cole und verwandelt Lowry dafür in ein Arachnajax, ein spinnenartiges Tentakel-Ungeheuer, und lässt sie einsperren. Er loggt sich wenig später erneut aus, was Cole nutzt, um ihre Umgebung zu erkunden. Sie findet heraus, dass ein vermeintliches Wurmloch eigentlich ein Uplink für ein Infinity-Update ist. Sie kommt zu dem Schluss, dass die Crew zwar durch dieses Loch fliehen könnte, höchstwahrscheinlich aber von einer Firewall abgefangen und zerstört werden würde. Allerdings einigen sich fast alle Klone darauf, dass dies immer noch besser wäre, als Captain Dalys Tyrannei weiterhin zu ertragen. Cole fällt auf, dass Walton kaum zur Problemlösung beiträgt und eine Flucht für sinnlos hält. Als sie ihn darauf anspricht, gesteht er, dass Daly in der Realität DNA von seinem Sohn Tommy entwendet und einen Klon von ihm in das Spiel eingebaut hat. Diesen Klon hat Daly aus dem Schiff geworfen und somit durch Dekompression getötet, um Walton für seinen Ungehorsam zu bestrafen. Cole verspricht Walton, in der Realität den Lutscher zu zerstören, auf dem sich Tommys DNA befindet, weswegen Walton den anderen Crewmitgliedern seine Unterstützung zusagt.
Daly betritt wieder das Spiel, woraufhin Cole ihn überredet, zu zweit auf den Planeten Skillane IV zu fliegen. Sie entkleidet sich dort bis auf ihre Unterwäsche und steigt in einen See, Captain Daly folgt ihr nach kurzem Zögern. Während er abgelenkt ist, teleportiert das restliche Team, das auf der Callister zurückgeblieben ist, Captain Dalys Omnicorder, mit dem er alles steuert, auf ihr Schiff. Mithilfe des Geräts greifen sie auf PhotoCloud, einen Foto-Sharing-Dienst, zurück. Sie entdecken dort freizügige Bilder der realen Cole. Mit diesen erpressen sie sie und zwingen sie, eine Pizza zu bestellen, diese zu Dalys Wohnung liefern zu lassen und sich in der Nähe zu verstecken. Als der Pizzabote an Dalys Tür klingelt, verlässt letzterer sein Arbeitszimmer, woraufhin Cole von den Klonen angewiesen wird, bei ihm einzubrechen und seine DNA-Proben zu stehlen, was ihr auch gelingt. Danach wird Coles Klon im Spiel wieder auf die Callister gebeamt, das Team bereitet sich auf die Flucht vor.
Nachdem Daly den Pizzaboten sehr grob abgewimmelt hat und sich wieder zu seinem Computer begibt, bemerkt er das Verschwinden seiner DNA-Proben und wird Zeuge der Flucht, die er nun unter allen Umständen verhindern will. Er verfolgt seine Crew mit dem Zweitschiff durch einen Asteroidengürtel, wodurch der Rückstoßantrieb der Callister schwer beschädigt wird. Walton meldet sich freiwillig und repariert den Antrieb, es kommt zu einer Konfrontation mit Captain Daly. Walton scheint sich zunächst für sein respektloses Verhalten gegenüber Daly in der Realität zu entschuldigen, beleidigt ihn dann aber, weil er den Klon seines Sohnes getötet hat. Walton wird zwar durch den funktionstüchtigen Antrieb verbrannt, die Crew schafft es dafür, durch das Wurmloch zu entkommen, Captain Daly bleibt zurück.
Die Crew, die kurzzeitig bewusstlos war, stellt erfreut fest, dass sie den Sprung durch das Loch überlebt hat und sich nun im unmodifizierten Infinity befindet, bei ihnen sind auch die wieder normal aussehende Lowry und Valdack. Die Firewall hat Dalys Mod registriert und löscht diesen langsam, der reale Daly kann sich aus seiner Version nicht ausloggen und verfällt in einen Hirntod-ähnlichen Zustand. Die Crew reist währenddessen nach einer Begegnung mit dem genervten Benutzer Gamer691 unter der Leitung von Cole durch die Spiel-Welt weiter.
Produktion Entstehung Charlie Brooker, der Serienerfinder, schrieb das Drehbuch der Folge zusammen mit William Bridges, die beiden hatten bereits die dritte Episode der dritten Staffel Shut Up and Dance (deutscher Titel Mach, was wir sagen) gemeinsam verfasst. Laut Brooker kam ihm während der Dreharbeiten zu Playtest (deutscher Titel Erlebnishunger), der zweiten Episode der dritten Staffel, die Idee, eine Black Mirror-Version eines Weltraumepos („a Black Mirror version of a space epic“) zu kreieren, da bis zu diesem Zeitpunkt noch keine Folge der Serie das Thema Weltall behandelt hatte.
Ursprünglich sollte Daly auch in der Realität als unsympathisch dargestellt werden, dies wurde geändert, damit der Überraschungseffekt in der Szene, in der der virtuelle Robert Daly den Klon von James Walton würgt, vergrößert wird. Laut Brooker wird der reale Daly wahrscheinlich verhungern, da sich alle Mitarbeiter im Weihnachtsurlaub befinden und er ein „Do Not Disturb“-Schild an der Tür seines Arbeitszimmers angebracht hat, weswegen niemand nach ihm suchen wird. Der Episodenregisseur Toby Haynes wollte zunächst die Einstellung des völlig handlungsunfähigen Robert Daly als Schlusssequenz verwenden und war skeptisch, als Charlie Brooker ihm vorschlug, die Episode mit der Szene zu beenden, in der die Crew im unmodifiziertem Infinity-Spiel unterwegs ist. Allerdings konnte er Haynes schließlich umstimmen und sagte ihm, dass nicht alle Folgen von Black Mirror ein unglückliches Ende haben müssten.
In einem Interview verglich Charlie Brooker USS Callister mit San Junipero, der vierten Folge der dritten Staffel. Beide Episoden seien dazu gedacht, das Verständnis der Zuschauer von Black Mirror „auf den Kopf“ zu stellen und das Themenspektrum der Serie zu erweitern. Deshalb erhalte USS Callister auch humorvolle Momente, die man von der Serie vielleicht nicht erwarte.
Im August 2018 gaben Charlie Brooker und Annabel Jones, ein Executive Producer der Serie, bekannt, dass eine eventuelle Fortsetzung einer Episode wahrscheinlich auf USS Callister basieren würde. Die Folge sei diesbezüglich ideal, da sich die Charaktere „in einem Universum voller Möglichkeiten“ befänden und es zudem „am Ende einige unbeantwortete Fragen“ gegeben habe.
Inspirationen mini|hochkant|Brooker bediente sich beim Schreiben des Drehbuchs Elemente mehrerer Science-Fiction-Werke, unter anderem The Twilight Zone und Galaxy Quest.|alternativtext=Porträtfoto von Charlie Brooker in einer dunklen Umgebung. Er trägt ein weißes Hemd, ein schwarzes Jackett, eine schwarze Krawatte, einen Dreitagebart sowie seine schwarzen Haare als mittelkurzen Schnitt, wobei einzelne Haare nach oben beziehungsweise unten abstehen.