mini|Stolpersteine in der Römmelgasse
In der Liste der Stolpersteine in Schorndorf sind alle einundzwanzig Stolpersteine aufgeführt, die in Schorndorf im Rahmen des Projekts des Künstlers Gunter Demnig an bislang neun Terminen verlegt wurden. Auf Initiative der Schorndorfer Naturfreunde wurden die ersten Steine im September 2008 gesetzt, die bislang letzten im Juni 2026.
Roma und Sinti mini|hochkant|Das sogenannte Zigeunerlager in Auschwitz
Acht Mitglieder der Familie Guttenberger wurden vom NS-Regime ermordet, weil sie der Volksgruppe der „Zigeuner“ zugerechnet wurden. Für sie wurden in Schorndorf Stolpersteine verlegt. Dazu Bürgermeister Beeg in einem Schreiben vom 26. Januar 1939 an den Landrat: „Die Eheleute Guttenberger haben wohl ein zigeunerähnliches Aussehen, führen aber keine Lebensweise nach Zigeunerart, da sie seit Jahren einen festen Wohnsitz haben. Die Kinder besuchen die hiesige Schule.“Landesbildungsserver Baden-Württemberg: Alltag in der NS-Diktatur: Zwischen Zustimmung, Unterdrückung und Widerstand, abgerufen am 2. Juni 2021. Die Familie Guttenberger war jahrzehntelang mit Ausgrenzung und Abwertung konfrontiert. Ab Januar 1936 wurden die Nürnberger Rassengesetze auch auf Roma und Sinti angewandt. Im April 1938 reiste Dr. Adolf Würth von der Rassenhygienischen Forschungsstelle in Berlin nach Schorndorf und verlangte, dass sich Anton und Johanna Guttenberger einer „Rassenuntersuchung“ unterziehen sollten. Das Ehepaar lehnte empört ab. Die Tatsache, dass Albert, Ludwig, Rudolf und Gustav Guttenberger 1939 zur Wehrmacht eingezogen wurden, wog die Familie in Sicherheit. Doch zum Jahresanfang 1942 wurden die vier Männer vom weiteren Wehrdienst ausgeschlossen. Nunmehr war es aber zur Emigration zu spät. Die Verkehrsverbindungen nach Westen und Osten waren komplett unterbunden, der Norden weitgehend deutsch besetzt, auch der Personenschiffsverkehr nach Asien und Südamerika war weitgehend zum Erliegen gekommen. Bereits im Mai 1940 waren vom Sammellager Hohenasperg 2.500 Sinti und Roma in Zügen nach Polen verschleppt worden. Anton und Johanna Guttenberger hatten zehn Kinder und ein Pflegekind, Karl Eckstein. Acht Familienmitglieder wurden im März 1943 verhaftet und in das Konzentrationslager Auschwitz deportiert. Sie wurden dort im sogenannten Zigeunerlager interniert. In Auschwitz ermordet wurden das Elternpaar sowie Berta (17), Maria (15), Johannes (14), Elisabeth (12) und Karl Eckstein (9). Zwei Söhne, Ludwig und Albert, konnten sich im März 1943 der Verhaftung entziehen, doch Ludwig Guttenberger wurde dann doch gefasst, kam in die Konzentrationslager Auschwitz, Ravensbrück und Neuengamme und verlor schließlich am 3. Mai 1945 bei einem irrtümlichen Angriff britischer Jagdbomber auf Schiffe mit KZ-Häftlingen in der Lübecker Bucht sein Leben.
Rudolf (22) überlebte Auschwitz, kam ins KZ Natzweiler und musste dort Giftgasversuche über sich ergehen lassen. Er überlebte auch diese Tortur. Weil Johanna (29), Karoline (18) und Gustav (20) für die Rüstungsindustrie arbeiteten, wurden sie weder verhaftet noch deportiert. Sie überlebten. Albert konnte das NS-Regime ebenfalls überleben, er wohnte dann noch bis 1957 in Schorndorf.
Stolpersteine in Schorndorf In Schorndorf wurden 21 Stolpersteine an vierzehn Adressen verlegt.Die Tabelle ist teilweise sortierbar; die Grundsortierung erfolgt alphabetisch nach dem Familiennamen des Opfers.
Stolperstein Inschrift Verlegeort Name, Leben 120pxHIER WOHNTEPAUL J. DIEBELJG. 1912IM WIDERSTAND'SCHUTZHAFT' 1933HEUBERGVERHAFTET 2.12.1938WELZHEIMDACHAU/BUCHENWALDERMORDET 14.3.1940 Schillerstraße 74 NaturFreunde Schorndorf e. V.: Aktion 11.9.2021HIER WOHNTEKARL DANNENHAUERJG. 1880EINGEWIESEN 3.1.1925HEILANSTALT WINNENDEN'VERLEGT' 11.8.1940GRAFENECK'AKTION T4' Kirchhofstraße 6 (Haubersbronn) Karl Dannenhauer, geboren am 30. März 1880 in Haubersbronn, wuchs in einer Pflegefamilie auf. Er machte eine Malerlehre und arbeitete bei der Eisenmöbelfabrik L.&C. Arnold. Nachdem er 1904 Karoline Schaal kennenlernte, gründete er mit ihr eine Familie mit fünf Kindern. Zusammen betrieben sie ein sog. „Spezereilädchen“. Laut Akten beschrieb ihn seine Frau als „ruhigen, soliden Mann, nicht ungesellig, fleißig und sparsam, immer etwas entschlussunfähig und bedächtig“, jedoch nachdem er nach seiner Militärzeit im Ersten Weltkrieg schrittweise psychisch erkrankt zu sein schien, gelangte er am 13. Juni 1924 in die Universitätsklinik Tübingen, wurde nach einem halben Jahr in die Heilanstalt Winnenthal verlegt und am 11. Juni 1940 nach Grafeneck deportiert und dort ermordet. rahmenlos|130x130pxHIER WOHNTELydia DresslerJG. 1900EINGEWIESEN 12.9.1925HEILANSTALT WINNENDEN'VERLEGT' 30.5.1940GRAFENECKERMORDET 30.5.1940'AKTION T4' Gottlieb-Daimler-Str. 33 Lydia Dressler, geboren 1900,war Tochter eines Goldarbeiters in der Fingerhutfabrik Gabler und hatte drei Brüder. Bis sie 14 war besuchte sie die Schule und arbeitete anschließend auch in der Fingerhutfabrik. Sie galt als gesellig, gute Schülerin und schien gerne Romane zu lesen. 1919 wurde sie aufgrund Symptomen einer psychischen Krankheit in die Tübinger Nervenklinik und anschließend Winnentaler Pflegeanstalt gebracht und kurz darauf entlassen. Nach vermehrten Aufenthalten in Pflegeanstalten wurde sie aber schließlich dauerhaft in Winnental aufgenommen und 1935 durch Zwangssterilisation Opfer des „Gesetzes zur Verhütung des erbkranken Nachwuchses“. Lydia Dressler wurde am 30. Mai 1940 nach Grafeneck deportiert und am selben Tag ermordet. 120px HIER WOHNTEKARL ECKSTEINJG. 1934DEPORTIERT 1943AUSCHWITZERMORDET AUG. 1943 Römmelgasse 8 , geboren am 25. Mai 1934, war ein Pflegekind der Familie Guttenberger. Gemeinsam mit seinen Pflegeeltern und fünf von deren zehn Kindern wurde er am 13. März 1943 in der Früh verhaftet. Der Junge und seine Angehörigen mussten das Wochenende im Ortsgefängnis verbringen, sie wurden am 15. März mit dem Zug nach Stuttgart verschleppt. Die Fahrtkosten in Höhe von 16,80 RM wurden der Stadtkasse verrechnet. Noch am selben Tag, nach Einbruch der Dunkelheit, wurden die acht Familienangehörigen in Viehwaggons in das Konzentrationslager Auschwitz deportiert, wo der Zug am späten Abend des 17. März einlangte. Die Familie wurde im Zigeunerlager inhaftiert. Aufgrund der katastrophalen hygienischen Bedingungen und der strukturellen Mangel- und Unterernährung verlor der neunjährige Karl Eckstein am 11. August 1943 in Auschwitz-Birkenau sein Leben. links|rahmenlos|120x120pxHIER WOHNTEMARIE EISENBRAUNJG. 1896EINGEWIESEN 24.2.1927HEILANSTALT WINNENDEN'VERLEGT' 30.5.1940GRAFENECKERMORDET 30.5.1940'AKTIONT4' Vorstadtstraße 23 Marie Eisenbraun, geboren im Juli 1896, war das Kind einer Arbeiterfamilie und war in einer Konservenfabrik (verm. Wilhelm Leibbrand in Schorndorf) tätig. Laut Beschreibungen ihres Bruders in Archiven soll sie „heiter“, „zugänglich“, aber auch „eigensinnig“ gewesen sein, nach ihrer Erkrankung später jedoch „schwermütig“. Von 1917 bis 1926 war sie vermehrt für unterschiedliche Zeitspannen in psychiatrischen Einrichtungen. Am 24. Februar 1927 erfolgte eine dauerhafte Unterbringungen in der Heilanstalt Winnenthal, wonach sie im selben Jahr ihren Sohn Albert zur Welt brachte. Am 30. Mai 1940 wurde sie nach Grafeneck deportiert und dort ermordet. 120px HIER WOHNTEMARIE ANNA FETZERJG. 1908EINGEWIESEN 10.5.1933HEILANSTALT WINNENDEN'VERLEGT' 30.5.1940GRAFENECKERMORDET 30.5.1940AKTION T4 Römmelgasse 13 , geboren am 15. Juni 1908 in Schorndorf, wurde nach einer Untersuchung in der Universitätsnervenklinik Tübingen im Mai 1933 in die Heilanstalt Winnenden eingewiesen. Dort kam am 19. April 1940 ihr Sohn Siegfried Waldemar zur Welt. Nur sechs Wochen später, am 30. Mai 1940, wurde Marie Anna Fetzer in die „Landespflegeanstalt“ Grafeneck eingewiesen und am gleichen Tag im Rahmen der NS-Euthanasieverbrechen dort ermordet. 120px HIER WOHNTEHEINRICH TALMONGROSSJG. 1882VERHAFTET 1937DACHAUERMORDET FEB. 1945 Neue Straße 23 war mehr als neun der zwölf Jahre unter nationalsozialistischer Gewaltherrschaft inhaftiert und er starb schließlich auch in einem Konzentrationslager. Geboren wurde der Sozialdemokrat, Gewerkschaftler und Gegner des NS-Regimes am 2. August 1882 in Neuhengstett bei Calw. Er stammte aus einer kinderreichen Arbeiterfamilie, erlernte den Beruf des Zigarrenmachers und kam 1901 nach Schorndorf. Er engagierte sich in der SPD und in der Gewerkschaft. Im April 1921 wurde er hauptamtlicher Gewerkschaftssekretär des Deutschen Tabakarbeiterverbands, im August 1925 wurde Gemeinderat in Schondorf. In der Gemeinderatssitzung vom 2. Oktober 1928 wandte er sich wortgewandt gegen einen Festakt zu Ehren des Reichspräsidenten und die im Rathaussaal aufgehängten Bilder Hindenburgs und General Ludendorffs kritisierte er als Verherrlichung des Krieges, der nichts anderes als Völkermord sei. Die örtlichen Nationalsozialisten würden diesen Auftritt nicht vergessen. Ende Februar 1933, unmittelbar nach dem Reichstagsbrand, verhafteten sie Heinrich Talmon Groß und internierten ihn bis Dezember 1933 im Schutzlager Heuberg. Danach arbeitete er als selbständiger Zigarrenmacher und als Reisevertreter für Laichinger Leinenwäsche. In einer Miedelsbacher Gaststätte äußerte er sich kritisch über die sogenannte Schutzhaft und den Reichstagsbrand. Er wurde denunziert, am 5. September 1936 verhaftet und zu viereinhalb Monaten Gefängnis wegen politischer Verleumdung verurteilt. Die Strafe verbüßte er im Landesgefängnis Rottenburg. Am 9. April 1937 wurde er neulich verhaftet und in das Konzentrationslager Dachau verschleppt. Zeitweise musste er ins KZ Mauthausen Zwangsarbeit verrichten. Am 20. Februar 1945 kam er in Dachau ums Leben, er war 63 Jahre alt.Für die Überzeugung gestorben | 75. Todestag von Heinrich Talmon Groß. Stadt Schorndorf, 20. Februar 2020. Bereits im August 1945 wurde in Schorndorf eine Straße zur Erinnerung an den Widerstandskämpfer benannt, Bürgermeister Gottlob Kamm setzte die Umbenennung der Fabrikstraße, die während des NS-Regimes Sudetenstraße geheißen hatte, durch. mini|hochkant=0.6|Stolperstein in Heidenheim an der Brenz Für Heinrich Talmon Gross wurde schließlich am 10. September 2013 ein weiterer Stolperstein in der Schießstraße 17 in Heidenheim an der Brenz verlegt. 120px HIER WOHNTEANTONGUTTENBERGERJG. 1892DEPORTIERT 1943AUSCHWITZERMORDET JUNI 1943 Römmelgasse 8 wurde am 31. August 1892 in Markgröningen geboren. Er heiratete Johanna geb. Eckstein. Das Ehepaar bekam zehn Kinder und nahm ein Pflegekind auf, Karl Eckstein. Seit 1935 lebte die Familie in Schorndorf. Sie entstammten einer angesehenen Musikerfamilie, besaßen eine Haushälfte und waren gut in der Stadt integriert. Sie fühlten sich in Schorndorf zu Hause, waren an der Glaubensgemeinschaft ‚Christen der Tat‘ beteiligt. Durch Verfügung der Geheimen Staatspolizei (Gestapo) wurde „nach den geltenden Vorschriften“ und „zur Verhinderung reichsfeindlicher Bestrebungen“ die Haushälfte am Gebäude Römmelgasse 8 eingezogen – „zugunsten des Deutschen Reiches“. Bei dieser Gelegenheit wurden auch gleich die Brieftaschen von Anton und Rudolf Guttenberger beschlagnahmt, Reichsmark 11,69 bzw. Reichsmark 94,50, „samt Geldbeutel“. Am 13. März 1943 in der Früh wurden die Eheleute, fünf ihrer Kinder und der Pflegesohn verhaftet. Die Verhafteten mussten das Wochenende im Ortsgefängnis verbringen und wurden am 15. März mit dem Zug nach Stuttgart verschleppt. Die Fahrtkosten in Höhe von 16,80 RM wurden der Stadtkasse verrechnet. Noch am selben Tag, nach Einbruch der Dunkelheit, wurden die Guttenberger in Viehwaggons in das Konzentrationslager Auschwitz deportiert, wo der Zug am späten Abend des 17. März einlangte. Die Familie wurde im Zigeunerlager interniert. Aufgrund der katastrophalen hygienischen Bedingungen und der strukturellen Mangel- und Unterernährung verloren sieben von ihnen das Leben. Anton Guttenberger, registriert mit No. Z-4166, starb am 26. Juli 1943 in Auschwitz-Birkenau.