Die Landung bei Incheon (Codename: Operation Chromite) im September 1950 war ein Unternehmen im Koreakrieg (1950–1953), bei dem es den alliierten Truppen unter dem Kommando von General MacArthur gelang, einen Brückenkopf im Rücken der in den Süden Koreas vorgerückten Verbände der nordkoreanischen Armee zu erobern und so eine erste Kriegswende herbeizuführen.

Vorgeschichte Verbände der nordkoreanischen Armee hatten am 25. Juni 1950 den 38. Breitengrad Richtung Süden überschritten und damit den Koreakrieg und den Kriegseintritt der USA auf der Seite Südkoreas ausgelöst. Bereits am 28. Juni hatten sie Seoul erobert und bis September die südkoreanischen und US-amerikanischen Truppen in das Gebiet um Busan im Südosten der Halbinsel zurückgedrängt.

General MacArthur, der sich bei Kriegsausbruch in Japan aufhielt, hatte schon am 29. Juni das Kampfgebiet bei Suwon nahe Seoul inspiziert und erste Pläne für eine spätere Landungsunternehmung bei Incheon begonnen. Ursprünglich hatte er eine Landung bereits für den Juli geplant (Operation Blueheart), war aber von seinem Stab aufgrund der komplizierten Bedingungen für einen Erfolg sowie der sich schnell verschlechternden Lage an Land vor überstürzten Aktionen gewarnt worden.

mini|100px|links|Lage Incheons in Südkorea Ende August 1950 schienen die Bedingungen für die Vorbereitung einer Landung deutlich günstiger zu sein. Zwar hatten die Nordkoreaner die UN-Truppen und die Reste der südkoreanischen Streitkräfte bereits auf den Busan-Brückenkopf zurückgedrängt, aber die Front begann sich allmählich zu konsolidieren und der nordkoreanische Vorstoß hatte aufgrund der langen Nachschublinien und der verlustreichen Gefechte seinen Schwung eingebüßt. Die besten Aussichten zum Wenden der Gesamtlage versprach die bereits einmal ins Auge gefasste Landung bei Incheon, der Hafenstadt Seouls (hier lief ein Großteil der Nachschublinien auf Straße oder Schiene von Nordkorea in den Süden des Landes vorbei), die andere Hauptnachschublinie auf der Küstenstraße im Osten des Landes konnte von der Marine kontrolliert werden. Mit der Einnahme des Hafens und der Besetzung Seouls konnten die wichtigsten Nachschubwege der nordkoreanischen Streitkräfte, von denen 80–90 % in Südkorea kämpften, mit einem Schlag durchschnitten werden. Der Gewinn eines weiteren leistungsfähigen Hafens im Westen würde außerdem die Versorgungslage der UN-Streitkräfte verbessern.

Vorbereitungen mini|links|General MacArthur bei einem Treffen mit dem Chief of Staff of the Army J. Lawton Collins und dem Chief of Naval Operations Forrest P. Sherman am 21. August 1950 in Tokio Eine Landung an dieser Stelle war allerdings mit großen Schwierigkeiten verbunden. Die Gezeitenunterschiede an der Westküste der Koreanischen Halbinsel gehören zu den größten der Welt, und der einzige für größere Schiffe benutzbare Zugang zur Landestelle führte durch den sogenannten „Fliegender-Fisch-Kanal“, eine enge Meeresstraße mit stark wechselnden Strömungen von drei bis fünf Knoten. Einige wohlplatzierte Minen konnten den Kanal unbenutzbar und die Landung damit unmöglich machen. Auch an Land und an der Küste boten sich große Schwierigkeiten; Incheon war eine große Stadt mit mehr als 200.000 Einwohnern, was zu schweren Häuserkämpfen führen konnte. Dem Hafen waren zwei befestigte Inseln vorgelagert: Wolmi-do und das kleinere, durch einen Damm mit Wolmi-do verbundene Sowolmi-do; an den anderen Landestränden behinderten Dämme, Deiche und regelrechte Mauern, welche die Flut zurückhalten sollten, eine Landung. Zudem war der Busan-Brückenkopf trotz der stetig eintreffenden Verstärkungen noch keineswegs in dem Maße stabilisiert, dass man ohne Bedenken Truppen für eine amphibische Landung am anderen Ende der Halbinsel abzweigen konnte; andere Truppen waren aber noch nicht verfügbar. Und die Zeit drängte, denn es bestand nur ein enges Zeitfenster für die Landungsunternehmung, bei der vor Incheon günstige Gezeitenverhältnisse für die tiefgehenden Kriegs- und Landungsschiffe herrschten. Das nächstgelegene Zeitfenster öffnete sich Mitte September 1950, das darauffolgende würde erst einen Monat später eintreten und lag damit bereits zu nahe am koreanischen Winter.

Für die Vorbereitung der Unternehmung blieben also gerade drei Wochen, in denen die Landung geplant und durchgeführt werden musste. Nur dank der durch die Seeherrschaft gewährleisteten großen Beweglichkeit der UN-Streitkräfte war eine so riskante und in kurzer Zeit anberaumte Unternehmung überhaupt möglich. Marine und Marineinfanterie hatten zudem während des Zweiten Weltkrieges vor allem auf dem pazifischen Kriegsschauplatz so viele Erfahrungen mit der Planung und Durchführung amphibischer Landungsunternehmen gesammelt, dass bei der Operation viele potenzielle Fehler vermieden werden konnten, und es war auch immer noch genügend entsprechendes Spezialmaterial vorhanden. Kernstück der Landungstruppen des X. US-Korps sollte eine Brigade der 1. Marinedivision sein, die in den vergangenen Wochen einen Großteil der Kämpfe in Südkorea mitgemacht hatte und als mobile Reserve bei der Verteidigung des Busan-Brückenkopfes eine wichtige Rolle spielte. Sie aus der Front herauszuziehen, stellte ein beträchtliches Risiko dar, das jedoch eingegangen werden musste, wenn die Landung Aussicht auf Erfolg haben sollte. Die zur Planung des Unternehmens notwendigen Aufklärungsdaten wurden neben der Luftaufklärung durch vor Ort anlandende Aufklärungsspezialisten von CIA und Marine beschafft, welche die Bedingungen an den beabsichtigten Landeplätzen auskundschafteten und im Zusammenwirken mit der koreanischen Bevölkerung vor Ort auch bei der Landung selbst eine Rolle spielten (siehe unten).

Schwierigkeiten bereitete auch die Wetterlage, da ein schwerer Taifun die Transportschiffe verlangsamte und die Hafenanlagen im japanischen Kōbe beschädigte, die für Verladen und Umladen der erforderlichen Ausrüstung bedeutsam waren. Ein südkoreanisches Patrouillenboot versenkte außerdem nahe Incheon einen nordkoreanischen Minenleger, was große Unsicherheit bezüglich möglicher Minensperren nahe der Landestelle auslöste. Trotzdem gelangten die Schiffe und Truppen rechtzeitig an ihre Ausgangspositionen, und am 13. September konnte die Unternehmung planmäßig anlaufen.

Die Landung mini|links|Landeabschnitte der „Operation Chromite“ Die eigentliche Landung wurde von dem bereits Tage vorher gelandeten Erkundungstrupp auf der Insel Yonghung-do an der Einfahrt zum Hafen vorbereitet. Auf amerikanischer Seite nahm das X. Korps der US-Armee unter dem Kommando von Generalmajor Edward M. Almond teil, bestehend aus der 1. Marineinfanterie- und der 7. Infanteriedivision in Gesamtstärke von etwa 40.000 Mann, sowie 261 Schiffen und zahlreichen Flugzeugen. Die UN-Verbände besaßen die absolute See- und Luftherrschaft.

Zwei Tage vor Beginn der geplanten Landung erschien eine Gruppe von Kreuzern und Zerstörern (darunter auch britische und kanadische Einheiten) vor Incheon und begann mit der vorbereitenden Beschießung der Landezone. Dabei setzte der gelandete Erkundungstrupp das Leuchtfeuer auf der Halbinsel Palmi-do wieder in Betrieb, das den anlaufenden alliierten Schiffen wertvolle Navigationshilfe leistete. Minensucher stellten währenddessen sicher, dass der Fliegender-Fisch-Kanal tatsächlich minenfrei war. Das Gebiet wurde in drei Landungszonen aufgeteilt: Abschnitt „Rot“ (Red Beach) lag nördlich der Stadt nahe der Verbindung von Wolmi-do zum Land, Abschnitt „Grün“ (Green Beach) bezeichnete die Westküste von Wolmi-do, während Abschnitt „Blau“ (Blue Beach) im Südosten der Stadt lag. Die Insel Wolmi-do sowie das benachbarte Sowolmi-do mussten wegen ihrer beherrschenden Position unbedingt vor Beginn der eigentlichen Landung eingenommen werden, weshalb der erste Angriff im Abschnitt Grün erfolgte.

Mittlerweile hatten die Nordkoreaner die anlaufenden Vorbereitungen bemerkt und versucht, Palmi-do zurückzuerobern. Dabei wurde ein nordkoreanisches Landungsboot durch die Erkundungstrupps versenkt, und die Nordkoreaner verübten als Vergeltungsmaßnahme Übergriffe gegen die Zivilbevölkerung, da diese angeblich die gegnerischen Agenten unterstützt hatte. Im Zusammenwirken mit Angriffen durch Trägerflugzeuge wurden die nordkoreanischen Stellungen an den Abschnitten Rot und Grün durch das Artilleriefeuer der Kriegsschiffe schwer getroffen, gezielte Angriffe auf erkannte Munitionsdepots beraubten die Verteidiger zudem eines gewichtigen Teils ihrer Widerstandskraft. Der Kommandant der Inselfestung Wolmi-do war dennoch zuversichtlich, einen Landungsversuch abweisen zu können, und meldete dies auch seinen Vorgesetzten. Trotz der nun offensichtlichen Vorbereitungen vermutete die nordkoreanische Führung, wahrscheinlich durch vom Gegner lancierte Fehlinformationen, die Hauptlandung werde weiter südlich in Gunsan stattfinden, und sandte deshalb nur schwache Kräfte nach Incheon, die erst auf dem Schauplatz erschienen, als die Landung bereits durchgeführt war. So aber verteidigten nur knapp 1000 Soldaten die Strände, weitere 500 standen am Flughafen von Incheon und 5000 in Seoul selbst.

Abschnitt Grün Der erste Angriff der Landungstruppen erfolgte am Green Beach, um die beiden dem Hafen vorgelagerten befestigten Inseln zu erobern. Wolmi-do und das kleinere Sowolmi-do wurden in den frühen Morgenstunden des 15. September unter verhältnismäßig geringen Verlusten durch das 5. Marineinfanterieregiment genommen. Die Verteidiger wurden bei der Landung durch Beschuss von Schiffsartillerie und Luftunterstützung niedergehalten, und Panzer griffen die befestigten Stellungen mit Flammenwerfern an. Beständiges Artilleriefeuer und auf der einzigen Verbindungsbrücke verlegte Anti-Panzer-Minen verhinderten einen wirkungsvollen Gegenangriff der Nordkoreaner bis zum Beginn der Hauptlandung am späten Nachmittag.

Abschnitt Rot mini|US-Marines ersteigen die Seemauern am Abschnitt Rot Die Landung in diesem Abschnitt war wie auch im benachbarten Abschnitt Grün an passende Gezeitenverhältnisse gebunden, da die schweren LST-Landungsschiffe genug Wasser unter dem Kiel benötigten. Diese Voraussetzung trat erst am späten Nachmittag wieder ein, weshalb der Angriff hier erst mit der folgenden Flut stattfand. Am Red Beach waren besondere Schwierigkeiten zu meistern, da hier regelrechte Seemauern überwunden werden mussten. Dank der guten Vorausaufklärung standen den Soldaten geeignete Steigleitern zur Verfügung, mit denen sie die Mauern erstürmen und die gegnerischen Stellungen niederkämpfen konnten. Dann machten sie den Kopf der Verbindungsbrücke nach Wolmi-do frei, so dass die dort angelandeten Panzer vorrücken konnten.

Abschnitt Blau