Ilja Sacharowitsch Trauberg (; * in Odessa, Russisches Kaiserreich, heute Ukraine; † 8. Dezember 1948 in Berlin, SBZ) war ein sowjetischer Filmregisseur und Drehbuchautor. Zuletzt war er Mitglied des Vorstandes der DEFA.

Leben Ilja Trauberg wurde als Sohn eines Journalisten und Herausgebers in Odessa geboren, siedelte aber als Kind mit seiner Familie nach Sankt Petersburg um. Seine Mutter war Hausfrau. Er war der jüngere Bruder des Regisseurs und Drehbuchautors Leonid Trauberg und mit Olga Lepeschinskaja verheiratet.

Er lebte und arbeitete in Odessa, Leningrad und Moskau.

Ilja Trauberg arbeitete zunächst am Theater, schrieb Essays und Drehbücher. 1927 wechselte er zum Film zu Sovkino in Leningrad. Dort wurde er bei Sergej Eisenstein gemeinsam mit Michail Gomorow und Maxim Schtrauch Regieassistent bei dem Stummfilm über die Oktoberrevolution Oktober: Zehn Tage, die die Welt erschütterten.

Sein erster eigener Spielfilm als Filmregisseur, Der blaue Express, den er 1929 bei Sowkino als Stummfilm drehte, wurde ein außergewöhnlicher Erfolg. In diesem Film griff Trauberg auf Stilfiguren des russischen revolutionären Films zurück und wandte sich dabei ebenso wie die damalige Politik der Sowjetunion gen Ostasien. In Deutschland wurde Der blaue Express erstmals 1930 aufgeführt und von der Prometheus Film verliehen. Bis 1942 drehte Ilja Trauberg acht Spielfilme.

Im Zweiten Weltkrieg, nach dem deutschen Überfall auf die Sowjetunion, im „Großen Vaterländischen Krieges“ war Trauberg Navigator in einer Bomberstaffel und wurde mit dem Orden des Vaterländischen Krieges 1. und 2. Grades ausgezeichnet. Sein Dienstgrad war Major. Im April, spätestens Mai 1945 befand er sich in Berlin. Nach seiner Rückkehr aus dem Krieg 1945 wurde ihm die Leitung des Schauspielstudios von Mosfilm übertragen. Im Jahr 1947 erhielt er plötzlich einen Auftrag, sich in Berlin mit dem Aufbau der Filmproduktion in der Sowjetischen Besatzungszone zu beschäftigen. Zu diesem Zeitpunkt war er noch Offizier im Rang eines Majors. Seine Beauftragung für den Einsatz in Berlin erfolgte durch Generaloberst Amajak Kobulow, Stellvertretender Leiter der NKWD-Abteilung Sonderaktionen. Günter Jordan, Vor 75 Jahren: Die Trauberg-Story. In: Leuchtkraft Nr. 5 – Journal der DEFA-Stiftung, S. 50. in: https://www.defa-stiftung.de/fileadmin/DEFA_Stiftung/Dateien/Buecher/Journal_2022/DEFA-Stiftung_Leuchtkraft_5_WEB.pdf Dieser agierte während des Einsatzes von Trauberg, als Chef der Hauptverwaltung für das deutsche Vermögen im Ausland. Seinen Sitz hatte er in Berlin-Weißensee im Askania-Haus genommen.

Am 17. Mai 1946 war in der Sowjetischen Besatzungszone die Gründung der DEFA GmbH, nach Zustimmung des SMAD-Offiziers und Leiters der SMAD Propaganda- und Informationsabteilung Sergei Iwanowitsch Tjulpanow erfolgt. Die Gesellschafter waren alles Deutsche, die mit der Filmbranche verbunden waren. Im Juni 1947 wechselte die Gesellschaft ihren Sitz von Berlin nach Potsdam. Vermutlich im Spätherbst 1947 ging Trauberg im Auftrag der Sowjetregierung in die Sowjetische Besatzungszone (SBZ) zur Filmgesellschaft DEFA. Sein Einsatz war von vornherein zeitlich begrenzt und auf ein bis eineinhalb Jahre festgelegt. In der Anfangszeit wohnte er in Berlin, Möllendorffstraße. Sein Auftrag durch die Sowjetregierung bestand darin, im Zuge der Umwandlung der DEFA von einer deutschen GmbH in eine sowjetisch-deutsche Aktiengesellschaft, die Präsenz der sowjetischen Seite abzusichern und wurde deshalb, neben Alexander Wolkenstein (Generaldirektor Sojusintorgkino / Sovexport), zu einem der Direktoren der deutsch-sowjetischen Aktiengesellschaft bestimmt. Von deutscher Seite übernahmen diese Aufgabe Herbert Volkmann, Alfred Lindemann und Karl Hans Bergmann; ab Juli 1948 Hans Klering (Generaldirektor), Kurt Maetzig und Walter Janka. Innerhalb des Vorstandes war er als künstlerischer Direktor für den thematischen Plan und literarische Vorarbeit verantwortlich. Auch der Aufbau des Nachwuchsstudios der DEFA oblag ihm.

In der kurzen Zeit seiner Tätigkeit bei der DEFA erwarb sich Trauberg einen exzellenten Ruf unter den Filmschaffenden als weltoffener Filmkünstler, der auf Augenhöhe freundschaftlich mit den deutschen Kollegen zusammenarbeitet. Walter Janka resümierte 1992: „Trauberg war Filmfachmann und ein ganz phantastischer Charakter - überhaupt keiner, der als Sieger nach Deutschland gekommen war, sondern als kulturvoller Mensch. Dymschitz, mit dem ich später eng befreundet war, und Trauberg wollten hier das machen, was sie in Rußland nicht durften.“ Doch anders als von der sowjetischen Seite erwartet, entwickelten sich für Trautberg Möglichkeiten, in Deutschland die Filmentwicklung mitzubestimmen. So war für 1949 geplant, dass er wieder Filmregie führen kann, gemeinsam mit Friedrich Wolf bereitete er den Stoff „IG Farben“ bei der DEFA zur Produktion vor. Die Unterlagen dazu hatte er bereits 1948 durchgearbeitet, mehrere der Konzepte zum Film trugen, neben Friedrich Wolf, seinen Namen. Günther Jordan, Einstein Geist in Berlin, in Leuchtkraft, Zeitschrift der DEFA-Stiftung, 2022, Nr. 5, S. 52

Aber vor allem in der zweiten Hälfte des Jahres 1948 nahmen, bedingt durch die außenpolitischen Bedingungen, die politischen Spannung, Ausmaße an, die viele Pläne, auch bestimmte Gruppierungen und deren Ziele in einem neuen Licht erschienen ließen. Noch bis zum Jahresende 1948 lief der Einsatzvertrag der sowjetischen Regierung für Trauberg. Von der deutschen Seite her war für ihn ein Haus in der Potsdamer Stubenrauchstraße vorbereitet. Die Absprachen mit Friedrich Wolf für das „IG-Farben-Projekt“ waren so getroffen, dass Anfang 1949 die Produktion beginnen sollte. Vor allem aber hatte er in dieser sehr kurzen Zeit seiner Tätigkeit in Berlin und Potsdam, bei seinen deutschen Kollegen eine vertrauensvolle und offene Akzeptanz gefunden. Er war gesund und motiviert, seinen Platz zu finden. Trauberg jedoch wurde in den frühen Morgenstunden des 8. Dezember 1948 nach einer Feier in der Wohnung von Hans Klering in Berlin tot aufgefunden. Er starb im Alter von 43 Jahren. Nach anderen Angaben starb er bereits am 7. Dezember 1948.DEFA-Chronik für das Jahr 1948. In: defa-stiftung.de, abgerufen am 29. Dezember 2025. Das Neue Deutschland schrieb dazu „Am Dienstagmorgen ist der sowjetische Regisseur Ilja Trauberg unerwartet einem Herzschlag erlegen“, Über die Todesursache und -umstände gab es diverse Spekulationen. Ein Augenzeuge, der ihn noch im SMAD-Krankenhaus in Berlin-Karlshorst am 9. Dezember, kurz vor der Einäscherung sehen konnte, war Albert Wilkening. Er wollte persönlich Abschied nehmen und konnte wenige Minuten allein am Totenbett seines verstorbenen Kollegen zubringen. Später berichtete er von sichtbaren Verletzungen und bläulich verfärbter Gesichtshaut. Kasus Kriwopalowo, M. Kostow: Malenki SSR, Moskva 2021, S. 151ff. Weitere Spekulationen waren eher politische Natur, da z. B. Traubergs Name in der Westpresse im Zusammenhang mit dem Überlaufen des SED-Funktionärs Erich Walter Gniffkes wenige Tage vor seinem Tod genannt wurde und der mit ihm befreundete Kultoroffiziers Alexander Mosjakow unlängst vom NKWD verhaftet wurde. Weitere Querverbindungen existierten aus seiner eigenen Zeit als Filmemacher, aber auch innerhalb der deutschen Filmakteure.

Nach einer Trauerfeier bei der SMAD in Berlin-Karlshorst fand die Einäscherung am 10. Dezember in Berlin-Baumschulenweg statt. Die Wochenschau Der Augenzeuge berichtete über das tragische Ereignis an prominenter Stelle. Auf der festlichen Trauerfeier im Deutschen Theater hielten Alexander Dymschitz und Kurt Maetzig die Trauerreden.

Ilja Traubergs Grab befindet sich auf dem Preobraschenskoje-Friedhof in Sankt Petersburg.

Filmografie (Auswahl) Regisseur 1929: Der blaue Express (Goluboi express) 1932: Для вас найдётся работа (Dlja was naidjotsja rabota) 1933: Частный случай (Tschstny slutschai) 1936: Сын Монголии (Syn Mongolii) 1938: Год девятнадцатый (God dewjatnadzaty) 1941: Концерт-вальс (Konzert-wals) (mit Michail Dubson) 1941: Мы ждём вас с победой (My schdjom was s pobedoi) 1942: Боевой киносборник № 11 (Bojewoi kinosbornik № 11)

Drehbuchautor 1927: Отважные мореплаватели (Otwaschnyje moreplawateli) 1928: Снежные ребята (Sneschnyje rebjata) 1929: Der blaue Express (Goluboi express) 1932: Для вас найдётся работа(Dlja was naidjotsja rabota) 1933: Частный случай(Tschstny slutschai) 1938: Год девятнадцатый (God dewjatnadzaty) 1941: Концерт-вальс (Konzert-wals)

Literatur Betriebsgeschichte des VEB DEFA-Studio für Spielfilme. Teil 1. Babelsberg: Selbstvlg. 1981. Walter Janka: Spuren eines Lebens. Rowohlt, 1991, ISBN 978-3-87134-006-2. Karl Hans Bergmann: Der Schlaf vor dem Erwachen, DEFA-Stiftung 2004, VIII. Die DEFA 1946–1949, 2. bearbeitete Auflage, ISBN 3-00-013940-0 Walter Janka: Wege zur DEFA. In: Spur der Filme. Zeitzeugen über die DEFA. Ch. Links-Verlag, Berlin, 2006, ISBN 978-3-86153-401-3. Günter Jordan: Vor 75 Jahren: Die Trauberg-Story. In: Leuchtkraft Nr.5 – Journal der DEFA-Stiftung, Onlineveröffentlichung 2022, abrufbar als PDF (S. 48–65) von DEFA-Stiftung, zuletzt abgerufen am 21. Dezember 2022. Ralf Schenk: Zwischen Toleranz und Linientreue. Notizen zum sowjetischen Personal in der frühen DEFA. In: Fluchtlinien. Hans-Michael Bock, Jan Diestelmeyer, Jörg Schöning (Hrsg.). edition text+kritik. München 2023. ISBN 978-3-96707-729-2 Günter Jordan: "Die Entscheidung oder Der Fall Trauberg". in: Fallstudien DEFA. DEFA-Geschichte als Polit-Krimi. Verlag Das Neue Berlin 2026, ISBN 978-3-360-02780-1.

Weblinks

DEFA-Chronik in: DEFA-Stiftung Beisetzung Ilja Traubergs in: Der Augenzeuge 136/1948 (Vorschau-Video) in Progress-Film-Verleih

Einzelnachweise

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