Markkleeberg-Ost ist einer der acht Stadtteile der Großen Kreisstadt Markkleeberg im Landkreis Leipzig in Sachsen und als Markkleeberg Namensgeber bei der Stadtgründung 1934. Es wird mitunter auch als Alt-Markkleeberg bezeichnet.

Lage und Ortstypik Markkleeberg-Ost grenzt im Westen entlang des Flussverlaufs der Pleiße an das ehemalige Oetzsch (Markkleeberg-Mitte), im Norden an Dölitz sowie Dösen (beide zu Leipzig zugehörig). Im Osten grenzt Markkleeberg-Ost an den Markkleeberger Stadtteil Wachau mit der Siedlung Auenhain. Die südliche Siedlungsgrenze bildet der Markkleeberger See.

Markkleeberg-Ost ist ein nahezu reines Wohngebiet. Neben dem dörflich geprägten historischen Bereich um Kirch- und Krobitzschstraße gibt es drei größere Siedlungsgebiete: das an Dölitz angrenzende, um 1910 durch wohlhabende Leipziger Bürger errichtete Musikerviertel mit Straßennamen nach Komponisten, das sich Richtung Wachau erstreckende Gebiet des Siedlervereins „Goldene Höhe“ aus der Zeit nach 1930 und die nach 1990 entstandenen Neubauten Rathenaupark um die Rathenaustraße. Das nicht bebaute Gebiet ist im Westen Wiesengelände mit Auencharakter, das von der Kleinen Pleiße durchflossen wird, dem Altlauf der Pleiße und nunmehrigem Abfluss des Markkleeberger Sees. Im Osten dominiert Ackerland, bis auf die Weinteichsenke, eine der letzten Pleißenbachauen des Leipziger Südens.

Das Ensemble aus ehemaligem Rittergut, Auenkirche und ehemaliger Dorfschule liegt etwa 300 Meter westlich des alten Ortskerns an der Kleinen Pleiße. Das Areal um Schloss Markkleeberg mit dem Torhaus und der Auenkirche Markkleeberg war am 16. Oktober 1813 in Kampfhandlungen im Zuge der Völkerschlacht um das Schloss und den Pleißeübergang involviert.Beschreibung der Kampfhandlungen um den Pleißeübergang Markkleeberg am 16. Oktober 1813-Historie Torhaus Markkleeberg.

Geschichte Ab 1895 wurden am sogenannten Fundplatz Markkleeberg, der sich heute nahe dem Nordrand im Markkleeberger Sees befindet, zahlreiche Steinwerkzeuge gefunden, die eine menschliche Besiedlung der Gegend ab der Mittleren Altsteinzeit bezeugen. mini|Das Herrenhaus des Rittergutes durch den Bogen des Torhauses. Gut Die schriftlich belegte Geschichte Markkleebergs (des heutigen Markkleeberg-Ost) beginnt mit seiner Ersterwähnung 1190, als Bere de Cleberg als Beurkundungszeuge für einen Verkauf des Dorfes Altranstädt an das Kloster Altzelle auftrat.Markkleeberg – Geschichte und Wandel. ProLeipzig, Leipzig 2009, S. 34. 1210 ist von einem Herrensitz des Conradus de Cleberg die Rede, aus dem ein Rittergut hervorging. Seit etwa 1348 war Heinrich von Haldeken Lehns- und Gerichtsherr. Über mehrere Generationen waren die von Haugwitz die Besitzer. Über Moritz von Starschedel und Joachim Anckelmann, der nach einem Brand die Auenkirche wieder aufbaute, kam das Gut an Statz Friedrich von Fullen, als er die verwitwete Anna Katharina Metzner, eine Tochter Joachim Anckelmanns, heiratete. Von Fullen ließ das Herrenhaus des Gutes im Stil des Frühbarocks umbauen. Sein Sohn Statz Hilmar von Fullen verkaufte das Gut an Johann Christoph von Lohse. Über die Heirat 1742 von dessen Tochter Antoinette Wilhelmine (1722–1792) kam der Besitz in die 1732 zu Wien geadeltelte Familie von Funcke, die königlich-polnische Anerkennung und die kurfürstliche sächsische Anerkennung der Nobilitierung erfolgte im Frühjahr 1733. Ehemann wurde der Hofbeamte Ferdinand Wilhelm von Funcke (1707–1784), der so die Begüterung Markleeberg übernahm.Gothaisches Genealogisches Taschenbuch der Briefadeligen Häuser 1911. Jahrgang 5, Justus Perthes, Gotha Anfang November 1910, S. 264 f. Für den Sohn, kurfürstl sächs. Leutnant, Ferdinand von Funcke (1753–1836) auf Burgwerben bei Weißenfels war Markkleeberg ein Nebengut. Nachweislich war später dessen zweiter Sohn Major Adolf Ludwig Maximilian von Funcke (1789–1852), seit 1829 verheiratet mit Auguste von Egidy (1805–1881), Schwester vom Landrat Moritz von Egidy, Gutsbesitzer in Markkleeberg. In zweiter Ehe war die Witwe A. von Funcke mit dem Domherrn zu Meißen Albrecht von Götz verheiratet.Gothaischer Hofkalender|Gothaisches Genealogisches Taschenbuch der Briefadeligen Häuser. 1908. Jahrgang 2, Justus Perthes, Gotha 1907, S. 237 f.Vgl. Gothaisches Genealogisches Taschenbuch der Adeligen Häuser. Zugleich Adelsmatrikel der Deutschen Adelsgenossenschaft (D. A. G.). Teil B (Briefadel). 1942. Jahrgang 34, Justus Perthes, Gotha 1941, S. 152 f.

Es kamen bis 1867 einige Besitzerwechsel, zuerst Ökonom Wille, nach ihm Frau von Schönberg, dann Frau von der Crone,Otto Moser: Die Umgebung Leipzig's in geschichtlichem Abriß der nächstliegenden Sechsundfünfzig Dörfer. M. R. Priber, Leipzig 1868, S. 77. deren Familie ebenso als Kirchenpatrone agierten.Moritz Meuer (Hrsg.): Sächsisches Kirchen- und Schulblatt. 1869. Jahrgang 19-1869, Dörffling und Franke, Leipzig 1869, S. 368. DerSiehe: Artikel Wiehaus, In: Bernhard Koerner (Hrsg.): Westfälisches Geschlechterbuch. 1, In: Deutsches Geschlechterbuch. Genealogisches Handbuch Bürgerlicher Familien. (D.G.B.), Band 108, Zeichnungen: Gustav Adolf Cloß, Wilhelm Szermak, C. A. Starke, Görlitz 1940, S. 508.Vgl. Heidermanns.net.: Karl Julius Adolf von der Crone. Kaufmann, Rittergutsbesitzer., Stand 2025. in Unna geborene Kaufmann und Rittergutsbesitzer Carl von der Crone-Markkleeberg (1813–1885) war regional Collator, „Pfründeinhaber“ eines Altars.Emil Kießling: Ramming’s Handbuch der Kirchenstatistik für das Königreich Sachsen. N. F. Ausgabe 10, Selbstverlag, Dresden 1875, S. 112. Kirchenpolitisch überregional waren die von der Crone ebenso aktiv,Sammlung sämmtlicher Drucksachen des Reichstages. Leg.-Periode. II. Session 1892/93. Band II Von Nr. 60 bis Nr. 149, mit: Siebentes Verzeichniß der bei dem Reichstage eingegangene Petitionen. №. 111, Julius Sittenfeld, Berlin 1893, S. 3. u. a. aktenkundig mit einer Petition beim Dt. Reichstag wegen dem zu jener Zeit umstrittenen Jesuitengesetz. Das Rittergut Markkleeberg lag in der Kreishauptmannschaft Leipzig, zugeordnet der Amtshauptmannschaft Leipzig, und war ein selbständiger Gutsbezirk, mit einem bewohnten Gebäude und 18 Einwohnern.Alphabetisches Verzeichnis der im Königreiche Sachsen belegenen Stadt- und Landgemeinden, mit den zugehörigen, besonders benannten Wohnplätzen, ingleichen der Rittergüter und sonstigen exemten Grundstücke. Bearbeitet nach: Unterlagen Statitisches Bureau u. Kgl. Min. d. Innern, C. Heinrich, Dresden, Oktober 1884, S. 357. 1887 und 1894 wurde Johannes (Hans) von der Crone als örtlicher Rittergutsbesitzer geführt, er war auch auswärtiges Mitglied Gesellschaft für Erdkunde zu LeipzigMitteilungen der Gesellschaft für Erdkunde zu Leipzig. 1887. Hrsg. Gesellschaft für Erdkunde zu Leipzig, Duncker & Humblot, Leipzig 1888, S. XXXV. Nr. 72. und galt um 1912 amtlich als Millionär.Rudolf Martin: Jahrbuch des Vermögens und Einkommens der Millionäre im Königreich Sachsen. Eigenverlag, Werdau / Berlin 1912, S. 882. Herr von der Crone erhielt 1913 den österr. Franz-Joseph Orden und war 1916 kgl. sächs. Rittmeister a. D.Hof- und Staats-Handbuch der Österreichisch-Ungarischen Monarchie für das Jahr 1916. Jahrgang XLII, Verlag d. K. u. K. Hof- und Staatsdruckerei, Wien 1916, S. 225. Eigentümer über 1925 hinaus blieb Johannes von der Crone,Archivportal-D: Johannes Wilhelm von der Crone, Markkleeberg, Gutsbesitzer. 1932., In: Sächsisches Staatsarchiv Dresden. Stand 2025. Mitglied im Aufsichstrat der Neckar-Aktiengesellschaft.Adreßbuch der Direktoren und Aufsichtsräte. 1926/27. Finanz-Verlag, Berlin 1926, S. 272. Gutsinspektor wurde Hr. Möckel. Das Rittergut, hier namentlich Oetzsch-Markleeberg genannt, hatte damals einen Umfang von 202 ha. Im Raum Markleeberg gab es weitere kleinere Güter, die 18 ha der Witwe Kartzsch, verpachtet an Richard Abel, die 39 ha des Walter Krobitzsch, ferner Gut Pleißenhof in Oetzsch-Markkleeberg mit 60 ha, im Besitz der Leipziger Immobilien-Gesellschaft und der Allgemeinen Creditanstalt zu Leipzig zu je 50 v. H., und ein 29 ha Besitz der Familie von Artur Neumann.Ernst Ullrich, Ernst Seyfert: Landwirtschaftliches Adreßbuch der Güter und Wirtschaften im Freistaat Sachsen. 1925. In: Niekammer’s Landwirtschaftliche Güter-Adreßbücher. Band IX, 3. Auflage, Verlag Reichenbach’sche Verlagsbuchhandlung, Leipzig 1925, S. 397 f. Der letzte Herr auf Gut Markkleeberg,Vgl. Staatsarchiv Sachsen Leipzig: Johannes Wilhelm von der Crone, Markkleeberg, Gutsbesitzer., In: Sächsisches Staatsarchiv, 21010 Bank für Landwirtschaft AG, Filiale Leipzig, Nr. 53. Stand 2025. bereits seit 1917 Pächter des Anwesens, war seit 1933 der Landwirt Dr. Paul Hoppe, der moderne landwirtschaftliche Methoden einführte.Förderverein „Historisches Torhaus zu Markkleeberg 1813“ e.V. (Hrsg.): Geschichten Torhaus., Stand 2025.

Nach der Enteignung 1945 wurde das Schloss Markkleeberg Versuchsgut und das Herrenhaus Kinderkrankenhaus, später Altenpflegeheim. Nach 1990 kauften die Erben Herrenhaus und Torhaus des Rittergutes zurück und etablierten mit einem 1996 gegründeten Förderverein „Historisches Torhaus zu Markkleeberg 1813“ im wieder privatisierten Baukörper Torhaus ein Heimatmuseum, in dem es auch eine Ausstellung zur Völkerschlacht bei Leipzig 1813 gibt. Des Weiteren wurden auf dem Rittergut Markkleeberg in den 2010er Jahren Rhododendrontage durchgeführt.Wolfgang Spethmann, Hartwig Schepke: Rhododendron und Immergrüne. Zeitschrift. 2018. 1-2, Hrsg. Deutsche Rhododendron-Gesellschaft, Bremen 2018, , S. 85. mini|Markkleeberg um 1800. mini|Markkleeberg 1863. mini|Ehemaliges Rathaus, Architekt: Arthur Jäger. Der ursprüngliche Dachreiter hat sich nicht erhalten.

Dorf Die Anlage des Straßendorfes wird auf sieben flämische Bauern zur Zeit des Bere de Cleberg zurückgeführt.Markkleeberg – Geschichte und Wandel. ProLeipzig, Leipzig 2009, S. 132. Für 1552 werden 21 besessene Mann, 4 Häusler und 22 Inwohner angegeben.Historisches Ortsverzeichnis. Das Dorf entwickelte sich zwischen dem Altlauf der Pleiße und der aus Leipzig kommenden Fernstraße, der Via Imperii. Pfingsten 1539 wurde in der Marienkirche die erste evangelische Predigt gehalten, 1566 entstand die erste Schule.

Das Dorf erfuhr im Laufe der Jahrhunderte zahlreiche Unbilden: Brände 1571, 1574, 1612, 1639, 1679, 1720, die Pest 1633 und schließlich die Kämpfe um das Rittergut und den Pleißeübergang während der Völkerschlacht am 16. Oktober 1813.

Während in Oetzsch und Gautzsch um die Wende zum 20. Jahrhundert die Verstädterung voranschritt (Industrie und mehrstöckige Mietshäuser), war das in Markkleeberg nicht der Fall. Dennoch wuchs bis zur Jahrhundertwende die Einwohnerzahl Markkleebergs auf nahezu Eintausend. 1908 baute sich die Gemeinde in der Bornaischen Straße ein Rathaus. 1911 erfolgte der Anschluss an das Elektroenergie- und das Wassernetz.

Um einer drohenden Eingemeindung nach Leipzig entgegenzuwirken, schlossen sich 1915 Oetzsch und Markkleeberg zur Gemeinde Oetzsch-Markkleeberg zusammen. Ihr Rathaus war bis 1921 das in Markkleeberg, bis der Gasthof Zur Linde in Oetzsch zum neuen Rathaus umgebaut wurde.Markkleeberg – Geschichte und Wandel. ProLeipzig, Leipzig 2009, S. 73. Im April 1928 wurde Markkleeberg an das Leipziger Straßenbahnnetz angebunden, indem die Linie vom Straßenbahnhof Dölitz über die Bornaische Straße bis zur Wendeschleife am Schillerplatz in Markkleeberg(-Ost) verlängert wurde.

Stadtteil 1934 wurden Oetzsch-Markkleeberg und Gautzsch zur Stadt Markkleeberg vereinigt. Es war die erste Stadtgründung unter nationalsozialistischer Herrschaft. Obwohl Markkleeberg der kleinste der drei fusionierten Bestandteile war, setzte sich dessen Name für die gesamte Stadt durch. Dies entsprach den Germanisierungsbestrebungen der Nationalsozialisten, da die Ortsnamen Oetzsch und Gautzsch slawischen Ursprung hatten.Johannes Hohaus: Stadtgründung. In: Versteckte Geschichte. Nationalsozialismus in Markkleeberg. Kulturbahnhof e. V., Markkleeberg 2019. Das alte Markkleeberg wurde fortan als Ortsteil Markkleeberg-Ost bezeichnet.