mini|Peer Augustinski im Mai 2009 rahmenlos|rechts|Unterschrift von Peer Augustinski Peer Augustinski (* 25. Juni 1940 in Berlin; † 3. Oktober 2014 in Overath) war ein deutscher Schauspieler, Synchronsprecher, Hörspielsprecher und Hörbuchinterpret. Einem breiten Publikum wurde er Mitte der 1970er Jahre durch die Sketchserie Klimbim bekannt. Augustinski war unter anderem die Synchronstimme des US-Schauspielers Robin Williams.
Leben Der Sohn eines Konzertmeisters und einer Cellistin erlernte im Alter von acht Jahren das Klavierspiel. In seiner Jugendzeit im Alter von 7 bis 17 Jahren wuchs er in der Region von Ribnitz-Damgarten auf. Ab 1954 begann er als Schüler in Neustrelitz mit einem Studium der Musik. 1957 siedelte er in die Bundesrepublik über und besuchte von 1961 bis 1964 die Max-Reinhardt-Schule für Schauspiel in Berlin.
Theater Von 1964 an war er für zwei Jahre als Theaterschauspieler am Fränkischen Theater Schloss Maßbach engagiert. Weitere Stationen seiner künstlerischen Laufbahn waren das Städtebundtheater Hof (1966–1968), das Schleswig-Holsteinische Landestheater in Flensburg (1968–1970) sowie die Bühnen der Städte Kiel (1970–1972) und Köln (1972–1977). Augustinski agierte in Klassikern wie Die Gerechten von Albert Camus, Die Räuber von Friedrich Schiller, Die Ratten von Gerhart Hauptmann, Tod eines Handlungsreisenden von Arthur Miller und im Rahmen der Bad Hersfelder Festspiele 1978 in Der Diener zweier Herren von Carlo Goldoni. Im Anschluss war Augustinski als freier Schauspieler tätig. Von 2001 bis 2005 absolvierte er mit Ephraim Kishons heiterem Trauerspiel Es war die Lerche eine Theatertournee durch Deutschland, Österreich und die Schweiz. Er war ein vielseitiger Musiker und spielte sechs Instrumente (darunter Schlagzeug, Cello und Klavier), nutzte diese Fähigkeit aber nie professionell.
Film und Fernsehen 1963 war er in einer Nebenrolle der Musikkomödie Höchste Eisenbahn von Friedrich Hollaender erstmals im Fernsehen zu sehen. 1974 spielte er in einer Folge von Aktenzeichen XY … ungelöst einen Kriminalkommissar. Im Jahr 1976 wurde Augustinski von dem Regisseur Michael Pfleghar entdeckt und erlangte durch dessen Sketchserie Klimbim einen hohen Bekanntheitsgrad. Ebenfalls unter der Regie von Pfleghar und neben Ingrid Steeger spielte er zeitgleich in der Comedy-Fernsehserie Zwei himmlische Töchter. In den nachfolgenden Jahren blieb Augustinski in Film und Fernsehen eine feste Größe. Er wirkte in Literaturverfilmungen wie Christine Brückners Jauche und Levkojen (1979) und dessen Fortsetzung Nirgendwo ist Poenichen (1980) sowie Feuchtwangers Exil (1981) mit, in Klamaukfilmen wie Drei gegen Drei der NDW-Gruppe Trio (1985), Familienserien wie Unsere schönsten Jahre neben Elmar Wepper und Uschi Glas (1983) und Krimiserien wie Der Alte und Derrick oder der Fernsehreihe Das Traumschiff. Darüber hinaus moderierte Augustinski von 1992 bis 1995 die Sat.1-Show Mann-o-Mann und präsentierte 1998 auf kabel eins das Satiremagazin Fiktiv – Das einzig wahre Magazin, das im Folgejahr mit der Silbernen Rose von Montreux ausgezeichnet wurde. abgerufen am 2. Januar 2021 Auch in mehreren Fernseh-Werbungen (u. a. Clausthaler – „nicht immer, aber immer öfter“) war er als Sprecher tätig.
Synchronisation Ab Mitte der 1980er Jahre war Augustinski zudem umfangreich als Synchronsprecher tätig. Vor dem Hintergrund seiner Theatererfahrung und Musikalität besetzte ihn Arne Elsholtz erstmals auf Robin Williams als redegewandten Radiomoderator in Good Morning, Vietnam (1987). Seitdem galt Augustinski als deutsche Feststimme des Charakterdarstellers. Im Zuge des Oscar-Gewinns für Good Will Hunting schickte Williams ihm eine Replik der Trophäe mit den Worten „Thank you for making me famous in Germany.“
Er synchronisierte auch international bekannte Kollegen wie Dudley Moore in Santa Claus (1985), Jeff Daniels in Dumm und Dümmer (1994), Jean Reno in Zwei Irre und ein Schwein (1995) und Tim Allen in Aus dem Dschungel, in den Dschungel (1997). Im Zeichentrickfilm Asterix in Amerika (1994) sprach er die Titelrolle des zaubertrankgestärkten Galliers, in der Disney-Produktion Aladdin den Flaschengeist Dschinni, der im Original von Robin Williams gesprochen wurde und dessen Mimik und Gestik nachempfunden ist. Er sprach auch den Cowboy Woody in den ersten beiden Toy-Story–Filmen und die Fledermaus Bartok in Anastasia (1997) von Don Bluth. Weniger bekannt ist, dass er Regisseur Peter Jackson in Bad Taste und Dom Joly in der Serie Trigger Happy TV synchronisierte. Als Synchronsprecher des britischen Comedians Steve Pemberton lieh er über 20 Figuren in der Fernsehserie The League of Gentlemen seine Stimme.
Hörproduktionen Peer Augustinski hat neben seiner Synchronsprechertätigkeit auch Hörbücher aufgenommen, darunter Die Nachtwächter, Gevatter Tod und Ab die Post von Terry Pratchett sowie mehrere Kriminalgeschichten von Edgar Wallace und Kinderhörbücher wie Lisabeth und die knallharten Piraten von Richard Hamilton (2005) und Mein 24. Dezember von Achim Bröger (2007). Zudem übernahm er Gastrollen in verschiedenen Hörspielserien wie Gruselkabinett, Geisterjäger John Sinclair, Sherlock Holmes und Das Sternentor. In der BR-Hörspielserie Der letzte Detektiv sprach er von 1985 bis 2008 in den Folgen 5 bis 42 die Rolle des Computers „Sam“.
Im Jahr 2007 wirkte Augustinski in der Rolle des Pontius Pilatus an der ersten inszenierten Lesung der Bibel nach Martin Luther mit, die von der Deutschen Bibelgesellschaft initiiert wurde.Die große HörBibel Deutsche Bibelgesellschaft
Privatleben Peer Augustinski war der Cousin des Theaterschauspielers und Synchronsprechers Rolf Schult. Aus seiner ersten Ehe mit Ute Augustinski stammen sein Sohn Peer Augustinski und seine Tochter Olivia Augustinski, die ebenfalls den Schauspielberuf ergriff. Peer Augustinski war seit 1972 in zweiter Ehe mit der Schauspielkollegin Gisela Ferber verheiratet, aus dieser Ehe stammt sein Sohn Bernd.
Am 5. November 2005 erlitt Augustinski während einer Produktion für ein Hörbuch einen Schlaganfall. Seitdem war er pflegebedürftig und halbseitig gelähmt. Diesen Schicksalsschlag beschrieb er in einem Buch. Bei mehreren Auftritten in Sendungen wie Johannes B. Kerner berichtete Augustinski über die Folgen seiner Erkrankung und seine Genesungsfortschritte.
2007 übernahm er in Der Klang des Herzens wieder die Synchronisation von Robin Williams, nachdem er in Lizenz zum Heiraten noch von Bodo Wolf ersetzt werden musste. Im Juni 2008 trat er in Köln erstmals wieder bei einer Lesung von Chandler McGrews Thriller Eiskalt auf. 2010 erschien sein Buch Aus heiterem Himmel: Mein bewegtes Leben vor und nach dem Schlaganfall, in dem Augustinski seine therapeutischen Erfolge mithilfe des von der Physiotherapeutin Doris Brötz konzipierten Trainings schildert. Er selbst las auch das Hörbuch ein.
Am 3. Oktober 2014 starb Augustinski im Alter von 74 Jahren in einem Kölner Krankenhaus an den Folgen eines Epileptischen Anfalls. Er lebte zuletzt in Overath bei Köln.Augustinskis Witwe Gisela Ferber spricht über den Tod ihres Mannes. Meldung auf t-online.de vom 6. Oktober 2014 (abgerufen am 6. Oktober 2014).
Filmografie (Auswahl)
Synchronisation (Auswahl) Barry Humphries 2001–2002: Ally McBeal (Fernsehserie) … als Claire Otoms (12 Folgen) 2002: Nicholas Nickleby … als Mrs. Crummles/Mr. Leadville
Dudley Moore 1984: Bitte nicht heut’ nacht … als Claude Eastman 1985: Santa Claus … als Patch Jean Reno 1993: Die Besucher … als Godefroy (2. Synchronisation) 1995: Zwei Irre und ein Schwein … als Patrick
Robin Williams 1977: Laugh-In … als Robin Williams 1986: Das Geschäft des Lebens … als Tommy Wilhelm 1987: Good Morning, Vietnam … als Adrian Cronauer 1988: Die Abenteuer des Baron Münchhausen … als König vom Mond 1989: Der Club der toten Dichter … als John Keating 1990: Zeit des Erwachens … als Dr. Malcolm Sayer 1990: Cadillac Man … als Joey O’Brien 1991: Schatten der Vergangenheit … als Dr. Cozy Carlisle 1991: König der Fischer … als Parry 1991: Hook … als Peter Banning/Peter Pan 1992: Toys … als Leslie Zevo 1993: Mrs. Doubtfire – Das stachelige Kindermädchen … als Daniel Hillard/Mrs. Euphegenia Doubtfire 1993: Wer hat meine Familie geklaut? … als Hector 1995: Jumanji … als Alan Parrish (1995) 1995: Nine Months … als Dr. Kosevich 1996: The Birdcage – Ein Paradies für schrille Vögel … als Armand Goldman 1996: Jack … als Jack Charles Powell 1996: Hamlet … als Osric 1997: Ein Vater zuviel … als Dale Putley 1997: Harry außer sich … als Mel 1997: Flubber … als Prof. Phillip Brainard 1997: Good Will Hunting – Der gute Will Hunting … als Sean Maguire 1998: Hinter dem Horizont … als Chris Nielsen 1998: Patch Adams … als Patch Adams 1999: Der 200 Jahre Mann … als Andrew Martin 1999: Jakob der Lügner … als Jakob Heym 2002: Tötet Smoochy … als Randolph Smiley 2002: One Hour Photo … als Sy Parrish 2002: Insomnia – Schlaflos … als Walter Finch 2004: The Final Cut – Dein Tod ist erst der Anfang … als Alan W. Hakman 2004: House of D … als Pappass 2004: Noel … als Charlie Boyd / Der Priester 2007: Der Klang des Herzens … als Maxwell Wallace 2009: Nachts im Museum 2 … als Theodore RooseveltTim Allen 1994: Santa Clause – Eine schöne Bescherung … als Scott Calvin 1997: Aus dem Dschungel, in den Dschungel … als Michael Cromwell 1997: Wally Sparks – König des schlechten Geschmacks … als er selbst
Filme 1979: Die letzte Offensive … für Peter O’Toole als Lord Chelmsford 1983: The King of Comedy … für Jerry Lewis als Jerry Langford 1985: Drei gegen Drei … für Dominik Graf als Brunnenmeier 1987: Bad Taste … für Peter Jackson als Derek/Robert 1988: Der Couch-Trip … für David Wohl als Dr. Smet 1988: Ein Fisch namens Wanda … für Tom Georgeson als Georges Thomason 1988: Moonwalker … für Joe Pesci als Mr. Big (1. Synchronisation) 1989: Die Glücksjäger … für Richard Pryor als Wallace Karue 1992: Aladdin … als Dschinni 1992: FernGully – Christa und Zaks Abenteuer im Regenwald … als Batty Koda 1994: Asterix in Amerika … als Asterix 1994: Dschafars Rückkehr … als Dschinni 1994: Dumm und dümmer … für Jeff Daniels als Harry Dunne 1994: Ed Wood … für Jeffrey Jones als Criswell 1995: Aladdin und der König der Diebe … als Dschinni 1995: Toy Story … als Woody 1995: Waterworld … für Kim Coates als Drifter 1996: Bordello of Blood … als Grufthüter 1996: Mission: Impossible … als Matthias 1996: Zur Lüge gezwungen … als Mike Norton 1997: Anastasia … als Bartok 1997: Die furchtlosen Vier … als Dr. Gier 1997: Jackie Chan ist Nobody … als Wissenschaftler 1997: Lost Highway … als Mystery Man 1998: Dr. Dolittle … als Meerschweinchen Rodney 1999: Toy Story 2 … als Woody 2000: Das Findelkind … für Pierre Richard als Vitalis 2001: A.I. – Künstliche Intelligenz … als Dr. Allwissend 2002: Gangs of New York … für Gary Lewis als McGloin 2003: Das Geheimnis der Frösche … als Fuchs 2003: Lohn der Angst … als Bimba (neue Szenen)
Serien 1976: Detektiv Rockford – Anruf genügt … für Marc Alaimo als Faber 1994–1996: Aladdin … als Dschinni (85 Folgen) 1998–2000: Martial Law – Der Karate-Cop … für Sammo Hung als Sammo Law 2000–2002: Trigger Happy TV … für Dom Joly in diversen Rollen 2002: The League of Gentlemen … für Steve Pemberton in diversen Rollen
Hörspiele und Feature 1984–2001: Michael Koser: Der letzte Detektiv (BR) 1985: Gertrude Stein: Doktor Faustus – elektrisiert – Regie: Friedhelm Ortmann (Hörspiel (Kunstkopf) – WDR) 1995: Tigerjagd (Hörspiel – WDR) 2003: Terry Pratchett: Nachtwächter (Random House Audio) 2005: Terry Pratchett: Gevatter Tod (Random House Audio) 2013: Manuel Gogos: Die Griechenlandfahrer; Regie: Axel Pleuser (WDR)
Veröffentlichungen Aus heiterem Himmel: Mein bewegtes Leben vor und nach dem Schlaganfall: Wieder selbstständig werden mit dem Brötz-Training. Trias Verlag, 2010, ISBN 978-3-8304-3534-1.
Auszeichnungen 1999: Silberne Rose von Montreux für Fiktiv