Heideck () ist eine Stadt im Landkreis Roth (Mittelfranken, Bayern) und damit in der Planungsregion Nürnberg. Der Ort liegt in der Metropolregion Nürnberg und im Fränkischen Seenland.
Geografie Geografische Lage Die Stadt liegt im südlichen Mittelfranken etwa zwischen dem Rothsee und dem Brombachsee im Tal der Kleinen Roth auf einer Höhe von . Südlich des Stadtgebietes steigt das Gelände zum fränkischen Jura hin steil an und erreicht bei Schloßberg eine Höhe von .Heideck im BayernAtlas. Südlich des Gemeindeteils Selingstadt verläuft die Europäische Hauptwasserscheide. Nördlich davon fließen alle Gewässer in die Nordsee, südlich davon ins Schwarze Meer.
Nachbargemeinden Angrenzende Gemeinden sind:
Gemeindegliederung Es gibt 17 Gemeindeteile (in Klammern ist der Siedlungstyp angegeben):
Es gibt auf dem Gemeindegebiet 8 Gemarkungen: Aberzhausen (Gemarkungsteil 0), Heideck, Laffenau, Laibstadt, Liebenstadt, Rudletzholz, Schloßberg und Selingstadt. Die Gemarkung Heideck hat eine Fläche von 3,872 km². Sie ist in 1654 Flurstücke aufgeteilt, die eine durchschnittliche Flurstücksfläche von 2340,76 m² haben. In ihr liegt neben dem namensgebenden Ort der Gemeindeteil Kreuth.
Geschichte Von einer Ritterburg zur Stadt mini|hochkant|Wappen der Familie von Heideck nach dem Scheiblerschen Wappenbuch Im Jahre 1192 ließ sich Ritter Hadebrand II. im Gebiet der heutigen Stadt Heideck nieder und erbaute dort eine erste Burg, diese wurde nach dem Bau der neu errichteten Burg als Burg Altenheideck bezeichnet. Sie lag über dem heutigen Dorf Altenheideck. 1278 erbauten die Herren von Heideck, wie sich dieses Geschlecht fortan nannte, eine neue Burg Heideck am Schloßberg. Im Tal entstand die heutige Stadt Heideck, die als „nova civitas“ erstmals im Jahre 1288 urkundlich erwähnt wurde. Die folgenden Jahrhunderte waren geprägt von wechselnden Herrschaften über Heideck. Ab 1471 unterstand die Stadt dem Wittelsbacher Herzog Ludwig IX. von Bayern-Landshut, später dem Fürstentum Pfalz-Neuburg. Götz von Berlichingen erwähnte Heidecks Gegenwehr im Jahre 1504 während des Landshuter Erbfolgekriegs kurz in seinen Lebenserinnerungen:
Im 16. Jahrhundert wurde Heideck zeitweilig von der Reichsstadt Nürnberg verwaltet und gehörte ab 1806 zum Königreich Bayern.
Mit den wechselnden Herrschaften wechselte auch die Religionszugehörigkeit. Nachdem Heideck nach dem Landshuter Erbfolgekrieg 1505 zum neuerrichteten Fürstentum Pfalz-Neuburg gelangt war, blieb es zunächst katholisch. Mit der Verpfändung des pfalzneuburgischen Pflegamtes Heideck 1542 an Nürnberg führte die Reichsstadt die Reformation ein. 1585 wurde das Amt Heideck von Pfalz-Neuburg wieder eingelöst; die Wiedereinführung der katholischen Glaubensrichtung erfolgte mit der Rekatholisierung von Neuburg-Pfalz unter dem konvertierten Pfalzgraf Wolfgang Wilhelm ab dem Jahr 1627 durch Jesuiten und mit Hilfe des herzoglichen Religionspatentes von 1628.
Da Heideck durch sein frühes Stadtrecht eine Vielzahl von Sonderrechten zukam, verfügte es auch über eine eigene Gerichtsbarkeit. Es gab einen eigenen Richter und verhängte Urteile einschließlich Hinrichtungen wurden auch in Heideck vollstreckt. Der Kerker befand sich zuerst in einem der Türme der Stadtmauer, später war das Gefängnis in der heutigen Brauhausgasse. Der Galgen der Stadt befand sich auf einem Hügel rechts der Verbindungsstraße von der heutigen Bahnhofstraße in Richtung Selingstadt. Die letzte Hinrichtung fand dort im Jahre 1837 statt. Wie man heute weiß, war der Gehängte, der des Mordes beschuldigt war, unschuldig.Materialsammlung der Heimatkundlichen Sammlung der Stadt Heideck.
Am 4. August 1898 kam es zu einem Großbrand in der Hauptstraße, der vermutlich in der Scheune einer Brauerei ausbrach. Ein heißer Sommerwind aus Südrichtung begünstigte die schnelle Ausbreitung des Brandes, welcher von mehr als 500 Feuerwehrmännern und freiwilligen Helfern auch aus umliegenden Ortschaften zu löschen versucht wurde. Sechs historische Fachwerkhäuser fielen den Flammen zu Opfer. Ob der Brand Menschenleben kostete, ist nicht überliefert.
Eingemeindungen Am 1. Januar 1971 wurden im Zuge der Gebietsreform in Bayern die Gemeinde Liebenstadt und Teile der Gemeinde Aberzhausen eingegliedert. Am 1. April 1971 kamen Laffenau, Schloßberg und Selingstadt hinzu. Laibstadt und Rudletzholz folgten am 1. Mai 1978.
Religion Christentum In Heideck gibt es eine römisch-katholische und eine evangelisch-lutherische Kirchengemeinde. Ungewöhnlich für Mittelfranken, das laut Bayerischem Landesamt für Statistik von 1987 zu 54 % evangelisch ist, ist die Mehrheit der Bevölkerung von Heideck zu 68 % römisch-katholisch, während 18 % evangelisch sind. Weitere 14 % gehören anderen christlichen oder nichtchristlichen Religionsgemeinschaften an bzw. sind konfessionslos.
Zum katholischen Pfarrverband Heideck zählen die Pfarreien Heideck, Laibstadt, Liebenstadt und Thalmässing. Das Pfarramt befindet sich in Heideck. Zur evangelischen Kirchengemeinde zählen die evangelischen Christen aus den Thalmässinger Ortsteilen Alfershausen, Tiefenbach und Rabenreuth sowie aus dem gesamten Stadtgebiet Heideck (außer Laffenau). Das Pfarramt befindet sich in Alfershausen. Im 17. Jahrhundert führte die Jesuitenstation Heideck bis 1627 die Rekatholisierung Heidecks durch.
Judentum Im Mittelalter gab es eine eigene urkundlich-bestätigte jüdische Gemeinde in Heideck. Diese wurde jedoch, wie viele weitere jüdische Gemeinden in der Region, während des Rintfleisch-Pogroms in Franken im Jahre 1298 extinktiert.Israel Schwierz: Steinerne Zeugnisse jüdischen Lebens in Bayern. Jahr unbekannt, S. 170. Laut dem Nürnberger Memorbuch waren aber auch noch im 14. Jahrhundert einige Juden in Heideck ansässig. Ob damals noch eine eigenständige Gemeinde bestand, ist nicht überliefert. Bei Ausgrabungen in der Straße hinter dem Rathaus, die lange Zeit als „Judengasse“ bezeichnet wurde, wurden die Überreste einer Mikwe gefunden. Die nächste jüdische Gemeinde ist heute die Israelitische Kultusgemeinde in Neumarkt. Dort gibt es auch einen jüdischen Friedhof.
Politik
Stadtrat Die letzten fünf vergangenen Kommunalwahlen führten zu den folgenden Sitzverteilungen im Stadtrat (n. k. = nicht kandidiert):
Partei / Liste 1996 2002 2008 2014 2020 2026 CSU 8 Sitze 10 Sitze 8 Sitze 6 Sitze 6 Sitze 6 Sitze SPD 3 Sitze 3 Sitze 2 Sitze 1 Sitz 1 Sitz 1 Sitz Freie Wähler (FW) 5 Sitze 3 Sitze 4 Sitze 7 Sitze 7 Sitze 7 Sitze Christliche Wählergemeinschaft (CWG) n. k. n. k. 2 Sitze 2 Sitze 2 Sitze 2 Sitze Heidecker Bürgerblock (HBB) n. k. n. k. 0 Sitze n. k. n. k. n. k. Gesamt 16 Sitze 16 Sitze 16 Sitze 16 Sitze 16 Sitze 16 Sitze
Bürgermeister Bei der Kommunalwahl 2014 wurde Ralf Beyer (FW) mit 59,2 % der Stimmen zum Bürgermeister gewählt und konnte sich gegen den Amtsinhaber Ottmar Brunner (CSU, 33,6 %) und dem weiteren Herausforderer Thomas Schubert (CWG, 7,2 %) durchsetzen. Seine Amtszeit begann am 1. Mai 2014. Bei der Wahl 2020 trat Beyer als einziger Kandidat an und erreichte 94,4 %. Auch 2026 hatte Beyer keinen Gegenkandidaten und wurde mit 90,8 % der Stimmen für eine weitere Amtszeit bestätigt.
Liste der Bürgermeister 1843–1853: Franz Michael Benz (Bayerische Patriotenpartei) … 1882–1899: Johann Barth 1899–1911: Georg Schwarz 1912–1919: Franz Xaver Bögl 1919–1922: Anton Fischer 1922–1933: Georg Stücklen (BVP; erste Amtszeit) 1933–1935: Josef Wechsler (NSDAP) 1935–1945: Michael Mauderer (NSDAP) 1945–1948: Georg Stücklen (CSU; zweite Amtszeit) 1948–1972: Johann „Hans“ Stücklen (CSU) 1972–1990: Benno Eckert (CSU) 1990–2002: Hans Herger (FW) 2002–2014: Ottmar Brunner (CSU) seit 2014: Ralf Beyer (FW)
Wappen und Flagge Wappen
Flagge Die Gemeindeflagge ist rot-weiß-blau.
Partnerschaften Heideck und die Otto-Lilienthal-Kaserne in Roth hatten ab 1965 die erste Kasernen-Patengemeinschaft in Deutschland. Nach der Aussetzung der Wehrpflicht und Auflösung der entsprechenden Einheiten (zuletzt das II. Bataillon des Luftwaffenausbildungsregiments) zum 31. Dezember wurde die Patenschaft 2012 nach 47 Jahren beendet. Das jährliche, beim Heidecker Heimatfest durchgeführte Gelöbnis der Soldaten wird seit 2013 von Offizieranwärtern und Soldaten auf Zeit der Kompanie (am Standort Roth) des Luftwaffenausbildungsbataillons (Aufstellung 2012 in der Südpfalzkaserne Germersheim) geleistet. Die Gelöbnisse finden am Heidecker Marktplatz oder auf dem Sportplatz des TSV Heideck statt.
Seit 1991 besteht eine Dorfpartnerschaft des Gemeindeteils Laibstadt mit dem Dorf Leibstadt im Kanton Aargau in der Schweiz, das durch sein Kernkraftwerk am Hochrhein bekannt ist.
Kultur und Sehenswürdigkeiten Museum Heimatkundliche Sammlung Im Heimatmuseum werden historische Exponate aus Handwerk, Landwirtschaft, Hafnerei und Haushalt gezeigt. Besonders sehenswert sind ein Klassenzimmer aus dem 19. Jahrhundert und eine alte Zahnarztpraxis. Der neueste Teil des Museums zeigt die Ergebnisse der Ausgrabungen der Burgen in Altenheideck und am Schloßberg sowie vom Marktplatz und der Frauenkirche (Kapell) in Heideck des Jahres 2007 und früher. Das Museum ist im Sommerhalbjahr an den Sonn- und Feiertagen von 14:00 bis 16:00 Uhr geöffnet. Zu besonderen Anlässen wie während des Weihnachtsmarkts oder bei Anmeldungen von Gruppen sind auch andere, meist erweiterte Zeiten möglich.
Bauwerke und Baudenkmäler
mini|Marktplatz mit Pfarrkirche und Rathaus (rechts) Johanneskirche Die katholische Stadtpfarrkirche ist ein interessantes Beispiel von Stilmischungen zwischen Mittelalter und Neuzeit. Der Hauptflügel ist überwiegend im romanischen Stil gehalten, während der Altarraum und der Glockenturm gotisch sind. Die Kirche wurde 1457 geweiht. Im späten 18. Jahrhundert fanden bauliche Erweiterungen statt, so ist das Interieur des Gotteshauses heute im Stil des Rokoko Frauenkirche Die älteste Kirche in Heideck, die früher hauptsächlich von der evangelischen Gemeinde genutzt wurde, heute jedoch wieder katholischen Gottesdiensten dient (die evangelischen Gottesdienste finden im 1988 eingeweihten Gemeindehaus neben der „Kapell“ und in der Martinskirche Alfershausen statt), wurde 1419 von Friedrich II. von Heideck erbaut und diente bis 1475 als Mausoleum des Heidecker Adelsgeschlechts. Die Kapelle besteht aus einem gotischen Sandsteinbau und einem für Franken typischen Zwiebelturm, ursprünglich mit Fachwerk-Elementen, die jedoch während der Renovierungsarbeiten in den Jahren 2007–2009 nicht erhalten blieben. Im Inneren der Kirche befinden sich in der Region einzigartige Wandfresken aus dem 15. Jahrhundert, die erst im 20. Jahrhundert wiederentdeckt und freigelegt wurden. Zwei gotische Epitaphien erinnern an die Herren von Heideck. Eine der Grablegen weist die Besonderheit auf, dass sich ein Mitglied des Heidecker Adelsgeschlechts dort zusammen mit seinem Hund bestatten ließ. Die Kirche wurde grundlegend renoviert und steht seit 2010 wieder für Gottesdienste zur Verfügung. Rathaus Das Rathaus wurde von 1479 bis 1481 unter Ludwig IX. von Bayern-Landshut erbaut. Besonders bemerkenswert an dem dominanten Sandsteinbau sind die seltenen Stufengiebel. Die ursprüngliche Funktion des Gebäudes im Spätmittelalter war die Getreidelagerung. Seit 1851 ist es Rathaus. Eine besondere Sehenswürdigkeit ist der aus dem 16. Jahrhundert stammende Leuchter des Bürgersaals, das sogenannte Lüsterweibchen. Trotz der Ambitionen des Bayerischen Nationalmuseums in München gelang es der Stadt, dass diese Besonderheit in Heideck blieb. Schloss Kreuth Auf einer Anhöhe nördlich der Stadt wurde im 16. Jahrhundert die Schlossanlage zu Kreuth erbaut. Die historischen Gebäude sind weitestgehend erhalten. In dem 1979 renovierten Schloss sind ein Hotel und ein Reiterhof untergebracht. Klausenkapelle bei Heideck Am östlichen Ortsrand von Seiboldsmühle befindet sich ein Sühnekreuz, das Steinkreuz bei Seiboldsmühle.
Besonderheiten Heidecker Wanderwege