Wiesenau (, ) ist eine zum Amt Brieskow-Finkenheerd gehörende Gemeinde im Landkreis Oder-Spree im Osten Brandenburgs. Bis 1919 hieß der Ort Krebsjauche.

Gemeindegliederung Zur Gemeinde gehört der Wohnplatz Kunitzer Loose.Dienstleistungsportal der Landesverwaltung Brandenburg. Gemeinde Wiesenau

mini|Dorfplan von 1760Entwurf von je 20 zu errichtenden Kossäten- und Häuslerstellen, Hofnamen und Stellenbezeichnungen nach C.A. Bohrdt: a) 6 Häuslerstellen („Hausmanns Stellen“) b) 11 Häuslerstellen „auf Herrsch. Stücke“ c) 3 Häuslerstellen „an der Straße“ d) „Platz, wo die Herrsch. Schäferey gebauet werden könte“ e) Spezifikation der 20 „neuen Coßaten Stellen in Krebsjauch, wie solche nach diesem Entwurf angebauet werden könten“ f) Hirtenhaus, Mühle und Schmiede I) Der Krug II) Keller III) Schirrak IV) Stentzke V) Bauer VI) Borratz VII) Grunatz VIII) Alt Müller IX) Sobbel X) Harnack XI) Tscheetsch XII) Lewwak XIII) Lehn Schultz XIV) Nickel XV) Gostets XVI) Götschke XVII) Wischke XVIII) Hundach XIX) Habram XX) Schubbel XXI) Papper XXII) Baltzer mini|Am „Groddisch“

Geschichte Bis zum 18. Jahrhundert Funde westlich und nördlich des Ortskerns belegen eine Besiedlung bereits über die gesamte Bronzezeit bis in die frühe Eisenzeit. Eine spätere slawische Besiedlung schlägt sich in den Flurnamen nieder, der „Grodisch“ (altsorbisch Grodišče = Burgstätte) in der Oderaue zwischen Wiesenau und Ziltendorf, zur Flur von Wiesenau gehörend, belegt dies. Hier konnte ein frühslawischer Burgwall ausgegraben werden.Museum für Ur- und Frühgeschichte Potsdam: Veröffentlichungen des Museums für Ur- und Frühgeschichte Potsdam, Band 22, VEB Deutscher Verlag der Wissenschaften, S. 135ff.

Das Rundlingsdorf „zcu der Krebisguche“ fand seine erste Erwähnung im Jahre 1368,Klaus-Dieter Gansleweit: Untersuchungen zur Namenkunde und Siedlungsgeschichte der nordöstlichen Niederlausitz. Die Flur- und Ortsnamen im Bereich des früheren Stiftes Neuzelle (= Deutsch-slawische Forschungen zur Namenkunde und Siedlungsgeschichte, Band 34). Akademie-Verlag 1982, S. 267. Der Ort war zu dieser Zeit vermutlich in Besitz einer Familie von Strele, 1406 gelangte er in den Besitz des Klosters Neuzelle, als dieses neben der Stadt Fürstenberg (Oder) etliche weitere Güter erwarb.Emil Theuner: Urkundenbuch des Klosters Neuzelle und seiner Besitzungen (= Urkundenbuch zur Geschichte des Markgraftums Nieder-Lausitz, Band 1). Lübben 1897, S. 59 Nr. 86

Um 1430 werden 16 Hufen und als Dorfbewohner „huffenere, gertenere unde budenere, der cruger unde molner“ angegeben. Dieser Müller betrieb am Mühlenfließ eine Mahlmühle, bekannt ist 1700 der Müller Michael Krüger, dessen Nachkommen setzten den Betrieb der Mühle fort. Die Krebsjaucher mussten hier ihr Getreide mahlen, da Mühlenzwang herrschte. Michael Krüger erbaute bereits 1700 an seinem Teich eine Schneidemühle.

Im Neuzeller Stiftsatlas, nach Vermessungen des Stifts in den Jahren 1758 bis 1763, findet sich in den Kartenwerken der Kartografen Christoph Ludwig Grund und C. A. Bohrdt das Dorf Krebsjauche mit 67,2 Morgen. Bohrdts Bebauungsvorschläge wurden zu einem wesentlichen Teil nach dem Dorfbrand von 1758 umgesetzt, als Kirche und Dorf zerstört wurden und „nichts denn das Backhäußgen des Gasthofes am Fließe“ übrig blieb. Bis zum Jahre 1830 entstanden die Dorf- und Kirchstraße durch vollständige Lückenbebauung und ließen die Form eines Rundlingsdorfes entstehen. Viele Wohnhäuser zeigen daher, wie zur Bauzeit im 18. Jahrhundert, mit dem Giebel zur Dorfstraße. Die Neubauten nach dem Großbrand von 1841 durch Blitzschlag wurden teilweise wieder in dieser Ausrichtung erbaut, ebenso Neubauten nach der Zerstörung durch die Frontlinie im Zweiten Weltkrieg.

19. Jahrhundert Im November 1848 vereinigten sich alle konservativen Gruppen des Kreises Lebus zu entsprechenden „Kreisvereinen“ für König und Vaterland, zu diesen reaktionären Vereinen zählte auch eine Gründung in Krebsjauche im Nachbarkreis Guben.Volker Klemm: Das Revolutionsjahr 1848 im preußischen Regierungsbezirk Frankfurt an der Oder. H. Böhlau, 1998, ISBN 3-7400-1048-7, S. 137. (=Veröffentlichungen des Brandenburgischen Landeshauptarchivs, Band 138–4775 der Kataloge Der Anhaltischen Gemäldegalerie Dessau)

Über die Braunkohlengrube „Consum“ in Krebsjauche gibt es nur wenige Informationen. Den spärlichen Unterlagen für diese kleine bergmännische Auffahrung von 1875 ist zu entnehmen, dass die „Private Braunkohlengrube Consum“ unter dem 1. Februar 1875 angemeldet wurde und zum Königlichen Bergrevier Guben gehörte. Wie lange aktiver Bergbau betrieben wurde, ist nicht belegt.Dieter Sperling: Niederlausitzer Braunkohlenbergbau im 19. Jahrhundert. Förderverein Kulturlandschaft Niederlausitz, 2005, S. 166 (= Findbuch Niederlausitzer Braunkohlengruben und bergrechtlicher Verleihungen, Band 5 = Beiträge zur Geschichte des Bergbaus in der Niederlausitz).

Wiesenau war über Jahrhunderte Zentrum der Zeidlerzunft. Bereits 1893 berichtete die „Bienen-Zeitung“ von der Zeidlerkirmeß, welche im Juni traditionell gefeiert wurde. Ihre Entstehung verdankte sie den Bienenzüchtern. Die Imker oder Zeidler hatten vor der Separation das Recht, auf den Wiesen in der Oderaue bei Krebsjauche Imkerei zu betreiben. Der Neuzeller Abt Petrus gewährte ihnen am 9. Februar 1416 Fischereigerechtsame in dem „Grossen Lukocz“, einem Wasserloch in der Niederung, sowie Nutzungsbefugnisse in Krebsjaucher Auenwäldern,Emil Theuner: Urkundenbuch des Klosters Neuzelle und seiner Besitzungen (= Urkundenbuch zur Geschichte des Markgraftums Nieder-Lausitz, Band 1). Lübben 1897, S. 67ff Nr. 99 die in der Mitte des 18. Jahrhunderts schon weitgehend baumfreie Zeidlerwiesen waren. Um 1420 zählte die örtliche Starostei 12 dediczen (Zeidler).Emil Theuner: Urkundenbuch des Klosters Neuzelle und seiner Besitzungen (= Urkundenbuch zur Geschichte des Markgraftums Nieder-Lausitz, Band 1). Lübben 1897, S. 126f. Im Jahre 1475 bestätigte der Abt Chrysostomus von Neuzelle die Rechte der Zeidlergesellschaft von Krebsjauche. Auf dem Gebiet des Klosterdorfes bildeten die Besitzer eine eigene Zeidlergesellschaft unter einem bei der Reichskanzlei verpflichteten Vorsteher oder Starosten. Diese Zeidler besaßen 12 Reise von Wiesenwachs, jedes Reis ungefähr 16–18 rheinländische Morgen groß; der Morgen zu 400 Quadratruten gerechnet. Die 12 Reise entsprachen somit 450 Preußischen Morgen oder 112 Hektar. Der Starost und die Ältesten dieser Compagnie hatten bei Streitigkeiten, welche die Zeidlergesellschaft betrafen, das Recht, ein Urteil zu fällen. Ließ sich der Streit damit nicht beilegen, wurde durch die Stiftskanzlei entschieden.

Der Zeidelcompagnie von Krebsjauche gehörten 70 Mitglieder an, darunter Adlige, Bürgerliche und Dorfbewohner aus dem Brandenburgischen. Alle wurden in Zeidelangelegenheiten stets als Inländer angesehen und ohne Vermittlung ihrer Obrigkeit lediglich durch den Starosten vorgeladen; welcher auch die Kanzleibefehle umsetzte. Der Starost bekam als Entlohnung eine Wiese, musste aber dafür den Mitgliedern der Compagnie eine Mahlzeit stellen. Am Johannistage versammelten sich die Zeidler von Krebsjauche, Aurith, Ziltendorf, Brieskow, Lossow und Schernsdorf in einer dazu bestimmten Scheune. Der Pfarrer von Lossow hielt einen Gottesdienst, ein Schmaus folgte, diesen gab der Starost; den Trunk bezahlte jeder für sich.Gesellschaft für Heimatkunde der Provinz Brandenburg, Märkisches Provinzial-Museum: Brandenburgia, Band 8, 1899/1900, P. Stankiewicz Berlin 1900, S. 31. Jährlich, an jedem Sonntag nach Johanni, kamen die Zeidler des Ortes und der umliegenden Ortschaften erneut in Krebsjauche zusammen und verkauften an Händler den gezeidelten Honig und das gewonnene Bienenwachs. Nach dem Schluss des Marktes fand ein festliches Gelage statt, an das sich Spiel und Tanz anschlossen, ohne die Polizeistunde einhalten zu müssen.Bienen-Zeitung, Organ der deutschen, österreichischen und ungarischen Bienenwirte, 49. Band, Jahrgang 1893, Beck’sche Buchhandlung Nördlingen, S. 178.

Bis in das 19. Jahrhundert war ein an der Schlaube errichteter Krug „Klein Lindow“ ebenfalls eingemeindet. Zu dieser Zeit war im Ort auch ein Kaufmann „mosaischen Glaubens“ ansässig, Karl Kallmann Levy. Seine Tochter heiratete den Kaufmann Max Boas Fellert aus Drehnow. An ihre deportierten und ermordeten Kinder erinnern heute die Fellertstraße in Fürstenberg (Oder) und ein Gedenkstein auf dem Jüdischen Friedhof am Kirchhofweg in Eisenhüttenstadt.Gerhard Jaeschke, Manfred Schieche: Ziebingen und Umgebung – Der Wendische Winkel im Sternberger Land. Band II: Der Süden und Südosten. Books on Demand, 2009, ISBN 978-3-8370-4824-7, S. 200ff.

20. Jahrhundert Am 1. Mai 1903 wurde der Eisenbahnhaltepunkt in Krebsjauche an der Niederschlesisch-Märkischen Eisenbahn für den Personen- und Gepäckverkehr eröffnet. Eine Windmühle wurde errichtet, die Getreide mahlte und in den ersten Jahrzehnten des 20. Jahrhunderts elektrischen Strom erzeugte.

Bis 1919 war Wiesenau unter dem Namen Krebsjauche bekannt, im Juli 1919 wurde der Ort durch die Bezirksregierung in Frankfurt (Oder) mit voller Zustimmung der Bevölkerung in Wiesenau umbenannt.

Der etwa 5 km entfernte Ortsteil Kunitzer Loose, gelegen in den Oderauen, war bis 1945 zum Dorf Kunitz am anderen Oderufer (heute Polen, Kunice) zugehörig. In den Jahren 1947/1948 wurde etwa 7 km außerhalb des Ortes das Gut „VEG Ziltendorf“ angelegt, es gehörte als Ortsteil zu Wiesenau.

An der Stelle, an welcher auf der Bohrdt-Karte der Dorfkrug eingetragen ist (urkundlich bereits 1502)Emil Theuner: Urkundenbuch des Klosters Neuzelle und seiner Besitzungen (= Urkundenbuch zur Geschichte des Markgraftums Nieder-Lausitz, Band 1). Lübben 1897, S. 1502 Nr. 166. befand sich die Gaststätte „Otto Ziche“. 1939 stockte man dieses Haus auf als Schule für die Kinder der 1. bis 8. Klasse. Heute befindet sich im Bürgerhaus „Alte Schule“ die Heimatstube des Ortes.

Die evangelische Kirche wurde nach dem Zweiten Weltkrieg 1952/1953 wieder aufgebaut. Auf dem Kirchhof befindet sich ein Gedenkstein, der an das Oderhochwasser 1997 erinnert und eine Anlage, die den Opfern der beiden Weltkriege und den Opfern von Kriegsfolgen, Willkür und Gewalt gewidmet ist. Zur Kirchengemeinde gehört der örtliche Friedhof.

Auch in Wiesenau wurde in der Nachkriegszeit (1953) eine Landwirtschaftliche Produktionsgenossenschaft (LPG) gegründet. Die LPG „Klement Gottwald“ nutzte in den 1950er Jahren als Offenstallanlage am Pottack, einem kleinen Fließ, errichtete und später ausgebaute Rinderställe für die Milchproduktion. Ebenfalls dort gelegen war eine Schweineaufzuchtanlage, zur LPG gehörte zudem eine Gärtnerei. Im Jahre 1976 wurde eine Milchproduktionsanlage mit 1930 Milchkuhplätzen als zwischengenossenschaftliche Einrichtung (ZGE) der LPGs „Klement Gottwald“ Wiesenau und „Ernst Thälmann“ Ziltendorf in Betrieb genommen. Heute betreibt die 1991 gegründete Bauerngesellschaft Ziltendorfer NiederungFirmenprofil Homepage der Bauerngesellschaft Ziltendorfer Niederung GbR moderne Landwirtschaft.

Verwaltungsgeschichte Wiesenau gehörte seit 1817 zum Kreis Guben in der Provinz Brandenburg und ab 1952 zum Kreis Eisenhüttenstadt-Land im DDR-Bezirk Frankfurt (Oder). Seit 1993 liegt die Gemeinde im brandenburgischen Landkreis Oder-Spree.

Namensdeutung Krebsjauche Das Dorf „zcu der Krebisguche“ wurde 1368 erstmals urkundlich erwähnt. In späteren Zeiten findet sich auch „Krebslauche“ oder „Krebsgauche“, eine Ableitung des sorbischen Juche = Brühe, Suppe.

Der Volksmund weiß dazu eine andere Geschichte:

Bevölkerungsentwicklung Jahr Einwohner 1864 1 134 1875 1 235 1890 1 258 1910 1 316 1925 1 385 1933 1 611 1939 1 602 Jahr Einwohner 1946 1 358 1950 1 514 1964 1 517 1971 1 485 1981 1 296 1985 1 281 Jahr Einwohner 1990 1 247 1995 1 267 2000 1 434 2005 1 429 2010 1 334 2015 1 270 Jahr Einwohner 2020 1 265 2021 1 243 2022 1 241 2023 1 223 2024 1 225 2025 1 204